Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken
Quelle: link www.phil.uni-sb.de

(Ein Entwurf)

Literatur:
Katalog der Alten Sammlung
Albert Ruppersberg: Geschichte der Grafschaft Nassau-Saarbrücken
Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend:
Sonderheft
Liliane und Fred Funken: Historische Uniformen 18. Jahrhundert

Saarbrücker Geschichtsschreiber:

Friedrich und Adolph Köllner (Hofgärtner Wilhelm Heinrichs)
Albert Ruppersberg und Karl Lohmeyer

Biographische Daten

Wilhelm Heinrich Fürst von Nassau-Saarbrücken wurde am 6. März 1718, wenige Wochen (6 Tage ?) nach dem Tod seines Vaters, im Schloß zu Usingen im Taunus geboren. Damals war noch offen, ob der junge Prinz eines Tages ein Fürst sein würde, da zu dieser Zeit im Hause Nassau noch kein Primogeniturrecht Erstgeborenenrecht, bei der Erbfolge herrschte, obwohl der Vater Wilhem Heinrichs bereits auf die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes hingewiesen hatte. Zu w. H. Geburt blühten die nassauischen Linien Ottweiler und Saarbrücken. Das Erlöschen des Mannestamm der Linie Nassau-Idstein ergab noch keine konkreten Erbansprüche für Wilhelm Heinrich und seinen sechs Jahre älteren Bruder Karl. Aber schon zwei Jahre später 1723, verstarb Graf Ludwig von Naussau Saarbrücken kinderlos (in Ottweiler war derzeit nicht mehr davon auszugehen, daß der 62.jährige Friedrich Ludwig von Nassau-Ottweiler noch Nachfahren in die Welt setzen würde) und somit bestand die Aussicht für den 6 jährigen W H, daß er nun doch noch, daß er Fürst werden konnte. Im Erbvertrag vom 6.12. 1735 folgendermaßen entschieden: Sein älterer Bruder erhielt Usingen, Idstein und Wiesbaden mit allem rechtrheinischen Zubehör und die Herrschaft Lahr. Wilhelm Heinrich erhielt Saarbrücken, Ottweiler; Jugenheim,Wöllstein und den Besitz des säkularisierten Klosters Rosenthal am Donnersberg und die saarbrückischen, usingischen und idsteinischen Anteile Saarwerden und Homburg. Die Vormundschaft über die zwei Prinzen übernahm die Mutter Charlotte Amalia geb. Fürstin von Nassau-Saarbrücken. In den folgenden Jahrzehnten legte sie die Grundsteine für einen modernen absolutistischen Staat.

Erziehung Wilhelm Heinrichs:

Um ihre beiden Söhne auf die Ämter als Regenten vorzubereiten legte Charlotte Amalia sehr viel Wert auf die Erziehung der beiden Söhne.

Zu dem umfangreichen Programm gehörten: Reitstunden, Sprachunterricht, Geschichte, Genealogie, Mathematik und Umgang mit Menschen von Stand.

Wo der Prinz ausgebildet worden ist herrscht Unstimmigkeit, ob es Genf war läßt sich heute nicht mehr nach vollziehen, wobeiu inzwischen auch Dokumente verschollen sind.

Könnte jedoch gut möglich sein, wie es als Akademie hoch im Kurs stand beim protstantischen Adel. Seine abschließende Bildungreise unternahm W H nach Paris ; Niederlande und zurück über Strßburg und Speyer.

Als wichtige Station sollte Paris hervorgehoben werden, weil es entscheidende Eindrücke bei W H hinterließ, die sich in seinem späteren Lebenstil niederschlagen. Bei seinem Besuch in Versailles (1737) verlieh ihm Ludwig XV. ein französiches Regiment und konnte ihn durch dieses Geschenk zeitlebens für Französiche Militärdienste gewinnen.

Am 1.3.1741 endete die Vormundschaft W H und trat die Regierung seiner Länder an. W H Hofstaat war bunt gemischt von uradligen Geschlechtern bis hin zu jungem Briefadel. Nur wenige familien des alten hofstaates wurden übernommen,(Konfessionswechsel)

Trotzdem hatte der saarbrücker Hofstaat keinesfalls den cosmopoliten Charkater des herzogs Leopold von lothringen in Lunéville (Multi-kulti, In Sb bis auf wenige franz. Familien deutsch). Am sb. Hof wurde deutsch gesprochen und nur in seinen privatkorrospondenzen bediente er sich dem französichen.

1742 lernt er in Frankfurt anläßlich der Wahl Kaisers Karl VII. , seine zukünftige Frau Sophie Erdmuthe von Erbach kennen. Wenige Wochen später führt er diese schon nach Saarbrücken. Sie wird ihm fünf Kinder schenken.

Bautätigkeit:

Durch W H's Mutter war der begnadete Baumeister Friedrich Joachim Stengel an den nassauischen Hof gelangt. W H Baufreudigkeit erstreckte sich nicht nur auf den öffentlichen Bereich sondern er berwirkte durch Steuernachlässe oder kostenloses Überlassen der Bauplätzen auch die private Bautätigkeit,vor allem in der Doppelstadt Saarbrücken-St. Johann. Unter Stengel wurden dann auch die Reste des Renaissance-Schlosses abgerissen und neu erbaut (Neubau 1738-48). Während des Schloßneubaus (das in einige üppige Parkanlage eingebetet war) wurde unterdessen in der heutigen Eisenbahnstraße ein Gymnasium und eine reformierte Kirche erbaut. Aber auch Palais und Ludwigskirche gehören zu seinen Werken um nur einige Bauwerke zu nennen. Was die bildenden künste anbelangt so sei die Porzellanmanufaktur Ottweilers genannt. Was malerische Werke anbelangt so beschränkte es sich auf die Ausschmückung der fürstlichen Wohnbauten. Aber W H war die wirtschaftliche Förderung seines Landes sehr wichtig und erkannte als aufgeklärter Geist schnell die Wichtigkeit. Fast alle zweige der Wirtschaft konnten sich seiner Förderung erfreuen.

So konnte er z. B. gezielt eine weitere Verschuldung der bäuerlichen Betriebe verhindern indem er Z.B den hohen Zinsfuß senkte.

Seit 1750 erließ er eine Neuvermessung des Landes und bewirkte somit einen einheitlichen Steuerfuß.

Er leitete die Emtwicklung kleinbäuerlicher Besitzverhältnisse ein und schränkte Weidezeiten ein, veranlasste Wiesenverbesserung, förderte den Anbau von Obst, die Düngung mit Kalk und Schädlingsbekämpfung. Weiter Förderungen erhielten Stienkohlebergbau und Forstwirtschaft. Auch die Wisenindustrie wurde gefördert doch chronischer Geldmangel zwang zur Berpachtung der Betriebe, was dazu führte, daß die Einnahmen landauswärts landeten.

Ein Wirtschaftzweig erfreute sich der besonderen Hingabe des Fürsten. So war es der Handel, den er besonders unter seine Fittiche nahm. So ist der bedeutende Aufschwung des Transithandels auf W H Konto zu verbuchen. Er hatte schon früh erkannt, daß die Saar eine gute Möglichkeit bot, dem mit Zollstationen gespickten Rheintal zu umgehen. In Blütezeiten legten an manchen Tagen 15 bis zu 20 Schiffe in Saarbrücken an. Zu den Umschlagwaren gehörten eisenwaren, Glas, Kohle, chemische produkte, Wolle und vor allem Holz. Nahrungsmittel wurden kaum befördert, da damals das Land sich selber nu r schwer versorgen konnte. Zum Aufschwung des Transithandels gehörte aber auch die Verbesserung des Verkehrsnetzes, die wichtigsten Straßen wurden unter W H gebaut (Wilhelm Heinrich Straße, Talstraße, etc.) aber auch auf die Untehaltung wurde sehr viel Wert gelegt und auch an das netz der Thurn und Taxischen Reichspost angebunden.

Der Wirtschaftszuwachs wurde zudem noch durch den Anstieg der Bevölkerung unterstützt ( Grob: zwischen 1735 und 1766 fast verdoppelt außergewöhnlich für das 18 Jht.)

Reformen in Rechtspflege und Verwaltung

Aussenpolitik (als großer Erfolg wird hier der Abschluß eines umfassenden Grenzbereinigungsvertrages mit Frankreich gerechnet 1766)

Rechte des Fürsten (Ohne Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat besaß er kaum Einwirkungsmöglichkeiten auf die Reichspolitik. Als Regent eines kleinen Staates waren seine Bemühungen stets auf eine gute Nachbarschaftspflege mit Frankreich ausgelegt)

Wilhelm Heinrich starb am 24. Juli 1768 an den Folgen seines zweiten Schlaganfalles. Er hinterließ ein Fürstentum, daß er im Sinne des Aufgeklärten Absolutismus umgestaltet hatte.

(...)

Von: Denise Heitzmann

Februar 1999

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