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Geislautern
letzte Aktualisierung: 21/2/2005

Rossel auf - und abwärts

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Geislautern 1966
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kath. Kirche Maria Himmelfahrt
1906-07 nach Entwurf von Wilhelm Hector, Saarbrücken
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Geschichte des Ortes Geislautern
Quelle: link www.warndtheimat.de

Industriewanderweg "RUND UM GEISLAUTERN"

Geislautern (nd) Die Industriewege rund um Völklingen erwiesen sich bereits bei der ersten Präsentation des ersten Weges "Rund um Geislautern" als ein "Renner". Trotz des miserablen Wetters machte 1998 sich eine stattliche Schar heimatkundlich Interessierter auf den Weg, sachkundig geführt und informiert von Delf Slotta (Saarbrücken), der im Auftrage des Amtes für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Mittelstadt Völklingen - wie bereits mehrfach berichtet - die vier Industriewege konzipiert und erarbeitet hatte. In Geislautern konnte er sich dabei auch auf Vorgaben ähnlicher Wanderungen aus den Jahren 1989 und 1991 stützen, die der Heimatkundliche Arbeitskreis Geislautern damals unter großen Anteilnahme der Bevölkerung gestaltet hatte.

Erste Station der Wanderung war auch diesmal am alten, stillgelegten Geislauterner Bahnhof. 1907 erbaut, wird derzeit das wegen seiner bahnhistorischen und architektonischen Wertes unter Denkmalschutz stehende Gebäude durch Privatinitiative aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. Früher herrschte auf der Strecke Saarbrücken-Großrosseln reger Personenzugverkehr, heute dient sie nur noch dem Kohlentransport der Grube Warndt. Ganz in der Nähe des Bahnhofs geben ein altes Bauernhaus und ein altes Arbeiterhaus in fast unverändertem Zustand beredtes Zeugnis von der Wohn- und Baukultur früherer Zeiten. Über den Weg "Im Kirchenfeld" erreicht man an der Schule für Lernbehinderte vorbei ein altes Grubengebiet. Hier erinnert die Flurbezeichnung "An der Kohlengrub" noch an alter Bergmannszeiten. Im weiteren Verlauf des Weges kann man auf der rechten Seite mehrfach länglich verlaufende, teilweise eingefallene Bruchspalten erkennen, die auf eingestürzte Stollen verweisen. Die vom Tage einfallenden Stollen sind im Duhamel-Atlas aus dem Jahr 1810eingezeichnet. Im Kriege dienten sie der Bevölkerung teilweise als Luftschutzstollen. In der "Schellenburg" und einem weiteren sehenswerten Komplex von vier Arbeiterhäusern wohnten einst Arbeiter der nahegelegenen Geislauterner Eisenhütte Geislauterner Eisenhütte mit ihren Familien. An der Ecke Schloßstraße/Hammerstraße erinnert eine Gedenktafel an der "Schloßmauer" an die Napoleonische Berghochschule, die ,,Ecole pratique impériale des mines de la sarre", die Kaiser Napoleon ab 1807 hier erbauen ließ. Es wirkten hier bedeutende Ingenieure, u.a. Duhamel sowie Beaunier und Calmelet, die das erste Kartenwerk der saarländischen Kohleabbaugebiete, den Saarkohlen-Atlas oder Duhamel-Atlas, gestalteten.

Das "Schloß" fiel 1945 einer Brandstiftung zum Opfer. ,,Schloßmauer" und ,,Schloßpark" erinnern heute noch an die großzügige Anlage. In der Schloßstraße steht auf dem Gelände der ehemaligen Geislauterner Eisenhütte die Mühle Abel & Schäfer. Ein kleines Glockentürmchen mit den Symbolen der Eisenindustrie, Hammer + Schlägel, erinnert daran, daß hier einst ein bedeutendes Eisenwerk stand. 1752 erlaubte der Graf von Nassau-Saarbrücken, in Geislautern eine Eisenhütte zu errichten. Später - insbesondere zur napoleonischen Zeit - entwickelte sich das Werk zu einem wichtigen Technologiezentrum, in dem neue Verfahren zur Eisenverhüttung und -weiterverarbeitung ausgedacht und erprobt wurden. 1819 wurden hier Fahrversuche mit dem ,,Geislauterner Dampfwagen" einer der ersten Lokomotiven in Deutschland, unternommen. Leider scheiterte dieser historische Versuch.

1884 wurde das Werk an die Dillinger Hütte verkauft, die es wegen mangelnder Rentabilität schloß. 1893 kam das ehemalige Hüttengelände in den Besitz der Familie Abel, die hier eine Getreidemühle errichtete. Ursprünglich wurde die Mühle mit Wasserkraft aus dem heute zugeschütteten Hammergraben der ehemaligen Hütte getrieben. Der Verlauf des Hammergrabens ist im heutigen Schloßpark noch gut zu erkennen. Sehenswert ist neben der Mühlenanlage ein Wohnhaus, das architektonisch dem ehemaligen Verwaltungsgebäude aus dem Jahre 1776 nachempfunden wurde. Durch die Warndtstraße und Kloppwaldstraße erreicht man zwei Bergehalden der ehemaligen Grube Geislautern, im Volksmund die ,,klään" und die ,,groß' Hall" genannt Vor allem die größere ragt deutlich erkennbar aus dem Lauterbachtal heraus. Auf der kleineren hat der Anwohner ein Garten, auf der größeren ein anderer ein Wohnhaus errichtet. Die größere Halde ist mit dem typischen Haldenbewuchs Robinien und Akazien, bedeckt. Eine weitere, weitaus größere und umfangreichere Halde befindet sich beim heutigen Warndtgymnasium. Hier kann man am östlichen Verbindungsweg zwischen Kloppwaldstraße und Rehbruchweiher noch tiefe Mulden im Abhang, ehemalige Stollenmundlöcher einfallender Strecken, erkennen. An der westlichen Ecke des heutigen Sportplatzes des Warndtgymnasiums stand bis 1978 das Direktionsgebäude der Berginspektion XII. Es wurde unmittelbar über den beiden Schächten der alten Geislauterner Grubeerrichtet Vor dem Mittelbau des Gymnasiums ist als Erinnerungsstück noch eine Rundlage Bruchsteine zu sehen, mit der die oberen sechs Meter des Kunstschachtes ausgemauert waren. Im weiteren Verlauf des Geislauterner Industrieweges kommt man noch an weiteren Arbeiter- (Prämienhäusern) und Steigerhäusern vorbei. Ein Schlußstein des alten Brauereigebäudes aus Sandstein erinnert in einer kleinen Grünanlage in der Ludweilerstraße an die ehemals bedeutende Hansena-Brauerei, die 1905 mit eigenen Brauverfahren gegründet wurde. Wegen Kriegsschäden konnte der Braubetrieb 1945 nicht weitergeführt wurde. In der Nähe des Zusammenflusses der beiden Bäche Lauterbach und Rossel steht das Geislauterner Dorfkreuz. 1853 errichtet, wurde es inzwischen wegen seines kulturhistorischen Wertes als Zeugnis der hohen Gießkunst des Geislauterner Eisenwerkes unter Denkmalschutz gestellt. Als Abschluß und Schlußrast der Industriewanderung empfiehlt sich ein Besuch der ,,Geislauterner Heimatstube" des Heimatkundlichen Arbeitskreises Geislautern in der Gaststätte "Geislauterner Hof".

"Dieser erste Rundgang eines unserer Industriewege hat eindrucksvoll bewiesen, daß auch außerhalb der Kernstadt und des Weltkulturerbes zahlreiche, zum Teil wenig beachtete Zeugnisse der Industriekultur zu finden und zu bewundern sind. Unsere Industriewege in den einzelnen Stadtteilen sind zudem hervorragend geeignet, das Geschichtsbewußtsein und damit ein verstärktes Heimatgefühl zu fördern", wertete abschließend Uwe Grieger, einer der Initiator dieses Projekts den Erfolg der ersten Industriewanderung.

Geschichte des Ortes Geislautern

Zusammenstellung: Hermann Bauernfeind

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