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Geschichte der Grube Geislautern
Ein Beitrag von Oberlehrer a.D. Nikolaus Schneider (†)
Quelle: www.warndtheimat.de
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erstellt am 12/2/2005 – letzte Änderung: 18/2/2005


Die letzten Grubengebäude vor dem Abriß 1966
Quelle: grubengeschichte an der saar
(http://www.hschmadel.handshake.de/inhalte/saar.html)

A. Kohlengräberei in Geislautern vor 1750


Kohleverladung auf der ehemaligen Grube Geislautern
Quelle: bergbau-im-warndt/geschichte
(http://www.hschmadel.handshake.de/inhalte/geschichte.html)

Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus im Raume Geislautern läßt sich zurückverfolgen bis Anfang des 17.Jahrhhrunderts. Zwar werden Steinkohlen schon in der Belehnungsurkunde für das Geislauterner Eisenwerk vom 29. Dezember 1572 genannt, doch bezieht sich die Stelle in der Urkunde nicht direkt auf Geislautern. Den Beständern (Pächtern) des Eisenwerkes wird in der Urkunde zwecks Schonung der Wälder ein Vorkaufsrecht auf Steinkohlen vor Fremden eingeräumt. Auch dürfen sie in der Grafschaft Saarbrücken ohne Hindernis und Abgaben Steinkohlen suchen und graben. Die Urkunde von 1572 kann meines Erachtens nicht - wie in manchen Zeitungsartikeln zu lesen ist - als ältester Beweis für die Grube Geislautern angesehen werden. Sie ist zu allgemein gehalten.

Dagegen wird Geislautern in einer Liste der Kohlengräberei der Grafschaft Saarbrücken vom Jahre 1615 ausdrücklich erwähnt (G. Schuster: 200 Jahre Bergbau an der Saar).

Richtig ins Licht der Geschichte tritt der Kohlenbergbau in Geislautern erst im Jahre 1621. Um Pfingsten 1621 zeigen Johann Sorg und fünf Genossen von Geislautern dem Grafen Ludwig von Saarbrücken an, daß auf ihrem Gute durch Erzknappen der Eisenhütte Steinkohlen gefunden wurden. Sie bitten den Grafen, ihnen selbst das Graben von Steinkohlen gegeben eine jährliche billige Abgabe zu gestatten. Sie wünschen vorsichtshalber auch um eine schriftliche Erlaubnis. Die gräfliche Verwaltung möge ihnen "schriftlichen Schein" darüber ausstellen. Das Bittgesuch des Johann Sorg und seiner Genossen ist zum größten Teil abgedruckt in dem Buche von Anton Haßlacher über die Geschichte des Saarbrücker Steinkohlenbergbaues 1884 und 1904. Die "Vnderthänige Supplikation vnd dömuthige Bitt" lautet:

"Hochwohlgeborner Grave, E.Gn. (Euer Gnaden) seyen Vnsser Vnderthänig, vor Pflicht, Schuldtwillige dienst, jederzeit nach Eisserstem Vermögen gehorsamlichen Zuvor, gnediger Grave und Herr. Dero Gnaden Endtssbenannte Arme Vnderthanen, Können wir in Vnderthänigkeit Klagent vnangezeigt nicht lassen, wie dass die Ertz Knappen Michael gabriel und vnd sein Mitgesell In vnserm Schäfftgültigen Gut zu Geysslautern oben ahn der Eysenhütten In einem Rodtbösch ahm Klop genannt, Eissenertz zu graben gesucht, aber Keines, sondern Steynekolen gefunden, derselben Etliche wagen voll gegraben vnd verkaufft, vnd vff Bevelch dess Herrn Oberhauptmanns Ihnen Knappen von unserm Schäfftgültigen Guth zu Geysslautern gebothen worden wehre, Sie nicht von den Kohlen abelassen hetten. Dieweil wir dann von vnserm Schäfftgültigen Guth Näher als ein frembter, die Kohlen zu graben, vnd Er.Gn. einen daruff gesetzten billigen Zins Järlichen darvon zu geben vnderthänig gehorsam willig seind. Also gelangt ahn Ew.Gn. vnser vnderthänig Hochflehentlich vmb Gottes willen bitten, Die wollen unss Arme vnderthanen die Kohlen zu graben, vnd einen Järlichen billigen Zinss daruff schlagen, vor andern frembten gnedig gönnen, Vnd auch Schriftlichen Schein darüber Mitzutheilen auss Gnade Verordnen, Hirmit Ew.Gn. vnss zu Gnädiger willfahrung vnderthänig Empfelendt vnd auch einer Gnädigen tröstlichen Antworth Erwarthendt...."

(Erläuterung: Der "Schafft" ist eine Art Steuer, sind Abgaben, die für den Besitz von Grund und Boden entrichtet werden mußten)

Die Bittsteller erhielten von der gräflichen Verwaltung Bescheid, daß sie als Eigentümer vor allen anderen berechtigt seien, die Kohlen zu graben. Anscheinend hatte das Antwortschreiben der Herrschaft an Sorg wenig Erfolg, denn Sorg und seine Genossen wandten sich in dieser Angelegenheit mehrmals an den Grafen. Ob ihre Bittgesuche wirklich Erfolg hatten, ist aus den vorhandenen Schriftstücken nicht ersichtlich. Schon im Jahre 1622 zeigt ein Förster namens Schyra dem Grafen eine Grube bei Geislautern untertänigst an und bittet um Betriebserlaubnis. In den Akten jener Jahren ist auch ein Supplick (Bittgesuch) eines Simon Mußler um die Erlaubnis, eine bei Geislautern entdeckte Grube ausbeuten zu dürfen.

Aus den verschiedenen Bittgesuchen ist klar ersichtlich, daß die Grundbesitzer selbst auf ihrem eigenen Grund und Boden die Steinkohlen nur mit Erlaubnis der gräflichen Verwaltung gewinnen durften. Die Kohlengräber mußten eine feste jährliche Abgabe an die Herrschaft entrichten. Man nannte sie Grubengült. Oft vereinbarte man auch einen bestimmten Teil der Förderung etwa den 6. bis 9. Wagen als Abgabe für die Erlaubnis zum Kohlengraben

Die Steinkohlen spielten damals im Wirtschaftsleben unserer Heimat noch keine große Rolle. Bei dem großen Holzreichtum des Landes wurden Kohlen wenig als Brennmaterial im Haushalt verwendet. Im 16. Jahrhundert wurden Kohlen zu Schmiedezwecken und zum Kalkbrennen benutzt. Den Kalk brauchte man zum Düngen der Felder. Nur wenige, vor allem arme Leute, gruben damals Kohlen, um ihre Häuser zu erwärmen. Das Kohlengraben in der frühesten Zeit war nur Sache der armen Leute. Sie waren meist Bauern. Wer kein Geld zum Holzeinkauf hatte, suchte sich Kohlen. Er fand sie auf den Feldern und im Wald. , wo Kohlenflöze zu Tage, an die Oberfläche traten. Der Bergbau der damaligen Zeit war ein regelloses, planloses Schürfen und Graben am Ausgehenden der Kohlenflöze. Die Bauern benutzten das Kohlegraben als Nebenerwerb. Man grub so lange, bis die geschaffenen Hohlräume zusammenbrachen oder voll Wasser liefen. Dann suchte man in der Nähe eine neue Grube anzulegen. Das planlose Schürfen und Graben am Ausgehenden der Flöze geschah mit Hacken und Spaten. Die Kohlengräber waren Bauern, und sie benutzten die Werkzeuge für Garten- und Feldarbeit zur Kohlengewinnung. Nach Hause getragen wurden die Kohlen in Säcken, Körben oder Bütten. Man nennt die Zeit der wahllosen, planlosen Kohlengräberei die Zeit der Bauerngruben. Im Ruhrgebiet spricht am von Pingenbau.

Der 30jährige Krieg von 1618 bis 1648, in dessen Verlauf Geislautern völlig zerstört und entvölkert wurde, vernichtete auch den einfachen Bergbau in unserer Heimat. Es dauerte Jahrzehnte, bis wieder in amtlichen Schriftstücken von Kohlen in Geislautern die Rede ist. In dem Geislauterner Renovaturprotokoll vom Jahre 1672, durch das die Besitzverhältnisse des Geislauterner Bannes neu geregelt wurden, fand sich kein direkter Hinweis für Kohlenbergbau in Geislautern. Zwar wird die Flurbezeichnung mit dem Namen "der Kohlzippel" erwähnt, doch ist fraglich, ob es sich bei Kohl um Kohlen oder um das Gemüse handelt.

Dagegen wird in dem Denombrement (Lehensverzeichnis), das die Gräfin von Saarbrücken für die Reunionskammer in Metz am 1. Mai 1683 einreichen mußte, eine Kohlengrube (Mine de charbon a Geyslauter) in Geislautern ausdrücklich aufgeführt. Sie soll früher einigen Zins erbracht haben, jetzt aber zerstört sein. In diesem Lehensverzeichnis werden auch eine Lohmühle (moulin a escorce), die ebenfalls zerstört und eine "vacherie", sicherlich ein Hof mit vielen Kühen, genannt. Demnach ist anzunehmen, daß Geislautern 1683 wieder besiedelt war.

Beinahe 50 Jahre lang hören wir nun nichts mehr von Kohlengewinnung in Geislautern. In einem Bericht der Kammerräte Schmoll und Heinz vom 4. August 1730 über die Verhältnisse in den Saarbrücker Landen wird erwähnt, daß in Geislautern zwei Gruben im Besitz von vier Einwohner sind. Als Abgabe an die Herrschaft mußten sie jeden 9. Wagen Kohlen abliefern. Das nötige Holz zum Verbauen der Gruben erhielten die Kohlengräber aus den herrschaftlichen Wäldern und zwar meist umsonst. In der Grafschaft Saarbrücken wurden 1730 523 Fuder gefördert. Ein Fuder sind 30 Zentner.

Von einem Bergbau im heutigen Sinne können wir vor 1750 nicht sprechen. Die Kohlengewinnung bestand in einem planlosen Schürfen und Graben am Ausgehenden der Kohlenflöze. Im Laufe der Zeit hatte sich ein richtiger Raubbau eingestellt. Hinsichtlich des Betriebes vermerken die Kammerräte, daß "bishero nur auf den Raub geschafft worden" ist. Die Verhältnisse bei den Gruben des Saarbrücker Landes mußten allmählich unhaltbar geworden sein, so daß die herrschaftliche Regierung eingreifen mußte. Die Änderung kam, als Fürst Wilhelm Heinrich alle Gruben seines Landes verstaatlichte.

B. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur französischen Besetzung unserer Heimat im Jahre 1793

Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der planlosen Kohlengräberei und dem Raubbau Einhalt geboten. Umfangreiche Kohlenausfuhren auf dem Wasserwege nach Holland hatten zu einer Verteuerung des Hausbrandholzes geführt. Dieser Umstand und eine scharfe Waldordnung veranlaßten viele Bewohner, Steinkohlen als Brenn- und Heizmaterial zu verwenden. Zudem wurden immer mehr Kohlen zum Kalkbrennen benötigt. Den Kalk brauchte man ja, um die Felder zu düngen.


Tagesanlagen der Grube Geislautern

Bei Besichtigungen der Kohlengruben hatten gräfliche Beamten festgestellt, daß sich in den Bauerngruben zahlreiche Mißstände eingeschlichen hatten. Auch hatten sie gemerkt, daß mit Kohlegraben und Kohlenhandel ein schönes Stück Geld zu verdienen sei. Durch den steigenden Verbrauch gewann die Kohle immer mehr Bedeutung als Handelsware. Die Aussicht, sich durch systematische Gewinnungsmethoden eine gute Einnahmequelle für die Landeskasse zu beschaffen, ließen bei dem Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken den Entschluß reifen, die Kohlengruben zu verstaatlichen. Mit der zu erwartenden Steigerung des Kohlenabsatzes hoffte der Fürst, auch die Bestände seiner Wälder schonen zu können.

Die wichtigste Maßnahme des Fürsten Wilhelm Heinrich, die den Beginn eines regelmäßigen Bergbaues einleitete, war die Verstaatlichung der bisherigen Kohlengräbereien.

Am 23. November 1750 legte Hofkammerrat Heus dem Fürsten den Plan zur Übernahme der Gruben vor, um sie auf herrschaftliche Rechnung zu betreiben. In verschiedenen Terminen vom 15. Bis 18. Januar 1751 wurden die Kohlengräber vernommen. Sie sollten die Berechtigung zum Kohlengraben nachweisen. Viele Kohlengräber vermochten nur die widerrufliche Erlaubnis des Fürsten als Berechtigung beizubringen. Manche konnten selbst diese nicht einmal vorlegen. Bei den Vernehmungen wurde den Kohlengräbern eröffnet, daß "Hochfürstliche Durchlaucht gesonnen seien, die Steinkohlengruben einzuziehen und aus besonderen Bewegursachen bergmännisch administrieren zu lassen, anbey aber doch gnädigst entschlossen sind, den Kohlengräbern ihre beweisslich angewandten Kosten nach Billigkeit ersetzen zu lassen." Erst im Februar 1751 kam es zur Abschätzung der Geislauterner Grube. Mit Geislautern wurden die Gruben Gersweiler, Klarenthal, Krughütte und Fürstenhausen abgeschätzt. Leider war nicht herauszufinden, wie hoch die Geislauterner Grube abgeschätzt wurde. Aus dem Verhandlungsbericht ist zu ersehen, daß die meisten Kohlengräber mit der Höhe der Entschädigung nicht einverstanden waren. Die gräfliche Behörde machte ihnen den Vorschlag, für die Hälfte der Kohlenförderung in Zukunft zu arbeiten und die andere Hälfte der gräflichen Behörde abzu- liefern, da diese das Grubenholz, die Anlagekosten für neue Gruben und die Bezahlung der Bergbeamten übernehme. Doch mit diesem Vorschlag waren die meisten Kohlengräber nicht einverstanden. Den widerspenstigen Kohlengräbern wurde auferlegt, bei Strafe von 50 Talern keine Kohle mehr zu verkaufen bis auf anderweitige gnädigste Verordnung. Wie die Verhandlungen verliefen, ist nicht bekannt.

Es dauerte nicht mehr lange, bis alle Kohlengruben der Grafschaft verstaatlicht waren und auf herrschaftliche Rechnung betrieben wurden. Durch Verordnung des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken vom 27. November 1754 wurde angeordnet, daß "Niemand in Zukunfft eine Steinkohlengrube eröffnet, noch viel weniger daraus Stein-Kohlen, bey 100 Reichs.Thaler Straff verkauffet". Mit dieser "Reservation der Steinkohle für den Landesherren" wird dessen ausschließliche Bergbauberechtigung auf Steinkohle festgestellt. Dr. Schuster schreibt in seinem Buch "200 Jahre Bergbau an der Saar": "Dieser Zeitpunkt gilt als eigentlichem Beginn einer systematischen, wirtschaftlichen und rationellen Kohlengewinnung an der Saar. An Stelle der planlosen Gräberei am Flözausgehenden wird ein kunstgerechter Abbau, verbunden mit wirksamer Wasserlösung eingeleitet. Mit der Verbesserung des technischen Betriebes setzt die Erweiterung des Absatzgebietes ein."

Mit dem Übergang der Gruben in landesherrlichen Besitz begann für den Saarbergbau ein neuer Abschnitt in seiner Entwicklung. Fürst Wilhelm Heinrich schuf ein zentrale fürstliche Bergverwaltung. Als oberste Behörde für den Bergbau in Nassau-Saarbrücken wurde die fürstliche Rentkammer gegründet. Sie bestand aus dem Präsidenten, einem Direktor und vier bis fünf Räten. Ihr unterstanden der Berginspektor als Leiter des Grubenbetriebes und der Bergkassierer als Rechnungsführer. Auf den einzelnen Gruben waren Steiger, Gelderheber, Kontrolleure und Magazinverwalter angestellt. Sie unterstanden dem Inspektor.

Fürst Wilhelm Heinrich setzte sich auch für eine Verbesserung des technischen Betriebes ein, indem er Fachleute der Kohlengewinnung aus anderen Grubenbezirken in sein Land rief. Über den Grubenbetrieb der damaligen Zeit finden sich einige Ausführungen im "Bergmannskalender 1973": An die stelle der planlosen Gräberei am Ausgehenden der Kohlenflöze trat nun der Stollenbau. Die ersten Stollen waren nur eine Verlängerung der Kohlenlöcher in den Berg hinein, der Kohle nach. Sie hatten nur in den seltensten Fällen Ausbau. Man fuhr in die Stollen sehr schmal auf, nur etwa 1 bis 1,5 m breit. Damals hatte sich an der Saar eine besondere Art des Abbaus der Kohle entwickelt, der Schemelbau. In bestimmten Abständen ließ man die Pfeiler stehen, die später wieder zurückgewonnen wurden. Die Schemel wurden aus dem Hauptortstollen ausgefahren. Zur Wegschaffung des Wassers (Wasserlösung) benutzte man erst spät Handpumpen. Vorher benutzte man Eimer aus Tuch oder Leder. Wurde man des Wassers nicht mehr Herr, mußte die Grube aufgegeben werden. Eine künstliche Bewetterung durch Ventilatoren zur Zuführung von Frischluft gab es damals noch nicht. Als Licht dienten offene Öllampen. Zum Herausschaffen der Kohlen aus den Stollen benutzte man erst Holzschlitten, später Karren und kleine Loren.

Wilhelm Heinrich bestrebt, die Kohle als Hausbrand einzuführen. 1765 erließ er eine Anweisung, "Welcher Gestalt die Steinkohle zur Erwärmung der Stuben und Behältnisse füglich und nützlich angewendet werden können".

V9ßSie wurde an die Ortsvorsteher und Geistlichen verschickt. Diese sollten sie ihren Lehrern und Pfarrkindern näher erklären. 1766 wurde den Untertanen der Grafschaft verbilligte Hausbrandkohlen bewilligt. Dieser Brauch hat sich bis in unsere Zeit erhalten. Es sind die Gemeindeberechtigungskohlen.

Auch das soziale Los der Bergleute suchte Fürst Wilhelm Heinrich zu verbessern. 1769 wurde eine Bruderbüchse für die Bergleute sämtlicher landesherrlicher Gruben ins Leben gerufen. An Beiträgen wurde von jedem in Arbeit stehendem Bergmann ein Kreuzer auf je eineinhalb Gulden Lohn erhoben. Aus der Bruderbüchse hat sich allmählich die Saarbrücker Knappschaft entwickelt.

Die Geislauterner Grube scheint in den ersten Jahren nach der Verstaatlichung nicht in Betrieb gewesen zu sein. Sie wird in den Berichten der 1760er Jahren nicht genannt. Erst aus einer Zusammenstellung des Berginspektors Engelken vom 3. Mai 1773 erfahren wir, daß in Geislautern zwei Stolen waren, die von sieben Arbeitern betrieben wurden. Diese Grubenstollen lagen wahrscheinlich an den bewaldeten Hängen des Galgenberges nach dem Lauterbachtal zu und in der Kloppwaldgegend. Der Flurname "An der Kohlengrub" für die Gewann westlich und südlich des Friedhofes weist noch heute auf den alten Stollen hin. (Luftschutzstollen im letzten Krieg)

Eine Vermehrung der Belegschaft der Geislauterner Grube ist unter der fürstlichen Herrschaft nicht eingetreten. Fürst Ludwig,der Nachfolger Wilhelm Heinrichs, kümmerte sich nicht so sehr um die Industrie seines Landes Weise wie sein Vater, der bereits 1768 verstorben war. Über die Förderung der Geislauterner Grube in jener Zeit unterrichten folgende Zahlen.

1779 1785 1790 1791 1792
627 Fuder
15 Zentner
187 Fuder
1 Zentner
1140 Fuder
5 Zentner
892 Fuder
2 Zentner
805 Fuder
9 Zentner

(1 Fuder = 30 Zentner = 1 500 kg)

Was die Geislauterner Grube der herrschaftlichen Kasse in einzelnen Jahren einbrachte, zeigt folgende Übersicht (aus "Mitteilungen des Historischen Vereins", Nr. 7)

1777 1778 1779 1780 1781
478 fl 9 Albus
6 Pfg.
184 fl 18 Albus
2 Pfg
970 fl 14 Albus
-Pfg.
1391 fl 9 Albus
3 Pfg
2269 fl 20 Albus
2 Pfg

(fl ist die französische Bezeichnung für Gulden. Es bedeutet Florin.
1 Gulden 0 30 Albus = 240 Pfennige = 15 Batzen = 60 Kreuzer)

An Ausgaben werden für die Jahre 717 Florin 23 Albus 3 Pfennige genannt.

An Ausgaben werden für die Jahre 717 Florin 23 Albus 3 Pfennige genannt.

Der Kohlenpreis betrug in den Jahren 1785 bis 1790 auf der Geislauterner Grube 3 Gulden für ein Fuder Kohlen. Die Firma Le Clerc, Jolly und Co., die das Geislauterner Eisenwerk gepachtet hatte, brauchte nur 2 Gulden zu zahlen.

C. Die Grube Geislautern unter französischer Verwaltung (1793 - 1815)

Im Jahre 1793 wurde unsere Heimat von französischen Soldaten besetzt. Der Fürst von Nassau-Saarbrücken, Fürst Ludwig, mußte sein Land fluchtartig verlassen und sah es nie wieder. Die saarländische Landesherrschaften wurden aufgelöst und ihr Gebiet in französische Verwaltung genommen. So kamen auch die saarländischen Gruben in französischen Besitz. Die französische Republik hatte bei der Besetzung 1793 alle Sonderrechte der seitherigen Landesheren aufgehoben und deren Besitzungen als Staatsgut eingezogen. Sämtliche Gruben wurden vorerst auf Rechnung der Republik durch die seitherigen Beamten weiterbetrieben. Doch wegen der zahlreichen Kriege ging die Förderung zurück. Die Arbeiter leisteten der Zwangsverpflichtung Widerstand und streikten. In mehreren Briefen an die Verwaltungsbeamten in Saarlouis beschwert sich Savoye, der Generaldirektor der Gesellschaft Le Clerc, die das Geislauterner Eisenwerk gepachtet hatte. Die Fuhrleute, die die Kohle zur Hütte bringen sollten, verlangten sehr hohe Preise. Am 15. August 1794 beklagt Savoye sich über die dienstverpflichteten Bergleute: "Der Bürger Chretien meldet mir, daß es ihm nicht gelingt, sie zur Aktivität zu bringen."

Er kommt auf dieselbe Frage am 11. Oktober 1794 zurück: "Die Ausbeutung der Grube von Geislautern ist noch nicht in der gewünschten Qualität. Der Bürger Chretien hat melden müssen, daß er nur 13 Bergleute in Arbeit hat und daß die anderen sich hartnäckig weigern, der Dienstverpflichtung zu folgen. Soweit und solange Zeit die Bergleute außerhalb der französischen Posten sind und die Commissare der ausübenden Gewalt uns nicht zu Hilfe kommen, wird es den Unsern nicht möglich sein, die für die Hochöfen notwendigen Kohlen graben zu lassen. Die Nähe der militärischen Operationen ist die Ursache des Übels."

1795 wurden auf der Geislauterner Grube 482 Fuder 23 Zentner Kohlen gefördert, 1796 waren es nur noch 207 Fuder 7 Zentner.

Weil die staatlichen Gruben und Eisenhütten unserer Heimat unter der Verwaltung der französischen Republik keine allzu großen Erträge einbrachten, wurde vom französischen Minister der Finanzen am 23. Juli 1797 mit der Gesellschaft Equer, die aus Pariser Banken und Saarlouiser Industriellen bestand, ein Vertrag abgeschlossen. Die staatlichen Hütten und Gruben gingen in die Pacht dieser Gesellschaft über. Den Gemeinden mußten die Kalk- und Hausbrandkohlen und den Hüttenwerken und Fabriken, die ihnen in früherer Zeit bewilligten Kohlenmengen zu verbilligten Preisen geliefert werden. Der Gesellschaft wurde zugestanden, daß in der Vertragszeit (1798 - 1808) keine andere Konzession auf Steinkohle erteilt wurde. Zehn saarländische Gruben hatte die Compagnie Equer in Pachtbesitz. Mit der früher landesherrlichen Hütte Geislautern hatte Equer selbstverständlich auch die Geislauterner Grube gepachtet. Diese Kohlengrube, die von jeher zur Hütte gehörte, lag etwa 400 m westlich des Dorfes Geislautern. Sie war jedoch nur ein kleiner Bau mit einem Stollen, in dem 18 Bergleute arbeiteten. Von 1797 bis 1801 stieg die Förderung wieder. Auch Gewinne wurden wieder erzielt. Die Übertragung der Industrieanlagen in private Verwaltung hatte sich gelohnt. Die staatliche Oberaufsicht über den Betrieb der Industrieanlagen führte der Ingenieur en chef des mines et usines Jean-Baptist Duhamel, der auch Guillot-Duhamel genannt wird. Er sollte in Geislautern noch eine wichtige Rolle spielen.

Die Napoleonische Berg- und Hüttenschule (1808-1945)

Eine Verordnung des Kaisers Napoleon vom 12.02.1802 hatte die Errichtung von zwei praktischen Berg- und Hüttenschulen in Frankreich angeordnet. Eine dieser Schulen wurde in Pezey im Gebiet des Montblanc ins Leben gerufen. Als Standort der zwei- ten Bergschule wurde Geislautern vorgesehen. Es dauerte jedoch bis zum Jahre 1807, bis die Geislauterner Bergschule eröffnet werden konnte. Die Anstalt wurde für die praktische Tätigkeit im Bergbau und Eisenhütttenwesen gegründet. Ihre wichtigste Aufgabe war es, Versuchsarbeiten für den Bergbau und das Eisenhüttenwesen durchzuführen. Darum wurde die Grube und die Eisenhütte Geislautern der Berg- und Hüttenschule zugeteilt. Alle Stufen der Eisenverhüttung und Eisenverarbeitung vom Rohstoff bis zum fertigen Erzeugnis sollten in Geislautern vereinigt werden. Vor allem sollte versucht werden, bei der Eisengewinnung im Hochofen die Holzkohle durch den aus Steinkohlen gewonnenen Koks zu ersetzen. Auf diese Weise wollte der französische Staat den übrigen Hütten und Gruben langwierige und kostspielige eigene Versuche ersparen. Die Ausbildung von Schülern an der Berg- und Hüttenschule war anfangs nicht so wichtig. Darum sprechen einige Heimatkundler der Geislauterner Anlage die Bezeichnung Schule ab.

Doch ist die Bezeichnung Berg- und Hüttenschule bis heute üblich geblieben.

Warum der französische Staat gerade Geislautern als Standort einer solchen Versuchsanstalt auswählte, ist verständlich. Hier waren wichtige Voraussetzungen erfüllt. In Geislautern lagen eine Eisenhütte und eine Grube nahe beisammen. Außerdem lieferte der Hüttenwerkskanal, der hammergraben, genügend Wasser zum Antrieb der vielen Wasserräder der Hütte, und schließlich befanden sich Erzgruben in der näheren Umgebung.

Als Direktor der Geislauterner Berg- und Hüttenschule wurde Jean Baptist Duhamel bestellt. Über ihn schreibt Manfred Glaes in seiner "Geschichte des Bergbaus im Warndt": Der französische Bergingenieur J.B. Duhamel brachte als Chefingenouer der Departements Saar und Donnersberg ein wertvolles bergmännisches Wissen mit und bemühte sich besonders um die Einführung besserer Abbaumethoden und um eine Modernisierung der Gruben."

Duhamel war bemüht, die primitiven Verhältnisse in den Gruben zu verbessern. Vor allem war er bestrebt, die Verwendung von Steinkohlen als Brennstoff in der Eisenverhüttung einzuführen. Darum wurden in Geislautern zahlreiche Versuche zur Gewinnung eines braucbbaren Kokses unternommen. Leider mußte man feststellen, daß die Kohlen der Geislauterner Grube keinen guten Koks lieferten. Daher suchte Duhamel Kohlen der Grube Dudweiler für die Berg- und Hüttenschule zu erhalten. Die erwartete Bewilligung wurde ihm jedoch versagt. Doch können wir annehmen, daß sich die Arbeit der Geislauterner Berg- und Hüttenschule auf die Modernisierung der damaligen Hüttenwerke und Gruben sicher ausgewirkt hat. Ab 1813 leitete L. Beaunier die Berg- und Hüttenschule.

In der französischen Zeit unserer Heimat war wahrscheinlich nur ein Grubenstollen in Betrieb. Es dürfte sich um den Stollen in der Flurgewann "An der Kohlengrub" handeln, der von der Warndtstraße in den Galgenberg hineinführte.

Für die Zwecke der Berg- und Hüttenschule war ein dreiteiliger großer Bau geplant. Er sollte hufeisenförmige Gestalt haben. 1808 begann man mit dem Bau des ersten Seitenflügels, der 1810 vollendet wurde. Leider verhinderten zahlreiche Kriege Kaiser Napoleon den Weiterbau. Nur dereine Flügel des geplanten Bauwerkes blieb erhalten. Wegen seines schloßartigen Aussehens wurde das gebäude von den Geislauterner "Schloß" genannt. 1945 brannte das Schloß aus und wurde bis auf das Kellergeschoß abgetragen. (Siehe auch Beitrag "Das Geislauterner Schloß" in "Schloß-Journal, Nr. 1) Der Straßenname "Schloßstraße" und der amtliche Name der Grundschule Geislautern "Schloßparkschule" werden immer an das gebäude der ehemaligen Berg- und Hüttenschule erinnern.

Der Duhamel-Atlas

Duhamel und seine Mitarbeiter haben ein Kartenwerk, den sogenannten "Duhamel-Atlas", angefertigt, das für die Heimatkunde des Saarlandes sehr wichtig ist. Über diese Arbeit wird in einer späteren Ausgabe des "Schloß-Journal" noch ausführlich berichtet werden. Hier geben wir nur schon einmal einen Teilabdruck des Blattes Nr. 58 des Duhamel-Atlasses wieder, das den Bereich Geislautern zeigt.

Über die Kohlenförderung der französischen Zeit stehen in dem Buch von Capot-Rey "Quand la sarre était francaise?" folgende Angaben:

1809 768 Fuder, 1810 1632 Fuder
1811 1910 Fuder, 1812 3518 Fuder
1813 ? Fuder, 1814 3071 Fuder

(1 Fuder = 30 Zentner)

Zum Schluß sei noch daran erinnert, daß am 28. Mai 1983 in Geislautern von dem französischen Staatspräsident POHER und dem damaligen saarländischen Wirtschaftsminister HÜGEL eine Erinnerungstafel an die Berg- und Hüttenschule ("Ecole Pratique Impériale des Mines de la Sarre") eingeweiht wurde.

Die Erinnerungstafel wurde 1991 auf Initiative des HEIMATKUNDLICHEN ARBEITSKREISES GEISLAUTERN an der Schloßmauer angebracht.

Die Erinnerungstafel besteht aus der Nachbildung einer gußeisernen Ofenplatte aus dem Jahre 1733. Auf ihr wird das Nassau-Saarbrücker Wappen von zwei Löwen gehalten., und über ihnen schwebt die Fürstenkrone. Auf der Tafel befindet sich die Inschrift:

"Von 1807 bis 1815 befand sich in diesem Haus die kaiserliche Bergschule der Saargruben. Direktoren waren J.B.Duhamel und L.Beaunier.

De 1807 à 1815 ce batiment a abrité L'Ecole Pratique Impériale des Mines de la Sarre. J.P.Duhamel et L. Beaunier ayant été directeurs".

D. Vom Abbaufeld der Grube Geislautern

Die folgenden Ausführungen stützen sich weitgehend auf die beiden Bücher von R. Nasse und von Mellin über den technischen Betrieb der Steinkohlengruben bei Saarbrücken. Sie sind 1885 und 1906 erschienen.

Die Geislauterner Grube war zu ihrer Zeit die einzige ganz auf dem linken Ufer der Saar gelegene Flammkohlengrube des preußischen Staats. Flammkohlen sind Magerkohlen, die hauptsächlich zum Heizen verwandt wurden und nicht wie die Fettkohlen tief in der Erde liegen. Die Geislauterner Grube baute auf den Flözen der hangenden Flammkohlenpartie. Der obere Flammkohlenzug beginnt etwa bei Wiebelskirchen und führt über Göttelborn und Güchenbach bis zu den Völklinger Höhen. Hier bricht er mit dem Saarsprung ab. Zwischen Völklingen und Bous aber taucht er wieder auf, um über Hostenbach und Wehrden nach Geislautern zu verlaufen. Auch hier bricht er wieder ab, taucht aber bei Werbeln wieder auf und verläuft durch den Warndt nach Spittel.

Das Abbaufeld der Geislauterner Grube hatte eine Längsausdehnung von etwa 3 000 m. begrenzt war das Abbaufeld nordwestlich und nördlich von dem Konzessionsfeld der damaligen Privatgrube Hostenbach, östlich vom Saar- und Rosseltal. Nach Südwesten bildete der von SO nach NW verlaufende Geislauterner Hauptsprung eine natürliche Abbaugrenze. Dieser Hauptsprung hatte eine Verwurfshöhe von rund 440 m. Bei dem Hauptsprung brechen die Kohlenflöze plötzlich ab und tauchen erst nach etwas 440 m Tiefe wieder auf. Der Geislauterner Hauptsprung setzt sich zwischen Geislautern und Ludweiler quer durch die Täler der Rossel und des Lauterbaches. Die Flöze verlaufen im allgemeinen von Norden nach Süden und fallen Nachwesten ein.

Das Abbaufeld der Grube Geislautern war durch zahlreiche Sprünge, die in verschiedenster Richtung verliefen, zerrissen und zwar im hohem Maße. Die bedeutendsten Sprünge waren der Castorsprung, der Polluxsprung und der Polluxnebensprung. Zusammen haben die Sprünge Verwerfungen von je 80 bis 150 m. benannt waren die Sprünge nach Pastor und Pollux, einem Brüderpaar der griechischen Sage. Außer diesen größeren Sprüngen kamen noch massenhaft kleinere Sprünge von Verwerfungshöhen von 1 bis 5 m vor.

Die bauwürdigen Flöze der Grube Geislautern waren vom hang3nden (oben) zum liegenden (unten) folgende Flöze:

1. Flöz Otto mit 0,53 m Kohle
2. Flöz Emil mit 0,80 m Kohle
3. Flöz Alvensleben mit 1,25 m Kohle
4. Flöz Bülow mit 0,80 bis 1,60 m Kohle
5. Flöz Schuckmann mit 0,90 bis 1,12 m Kohle

Die Abschnitte zwischen den einzelnen Flözen betrugen in gleicher Reihenfolge 12 bis 15 m -- 40 bis 50 m -- 120 bis 130 m -- und 20 m.

Flöz Alvensleben war benannt nach dem Grafen Albrecht von Alvensleben (1794-1858), der von 1835 bis 8142 preußischer Finanzminister und damit oberster Leiter der Staatsgruben war. Flöz Bülow war benannt nach dem Grafen Friedrich Wilhelm von Bülow von Dennewitz (1755-1816), einem preußischem General und Heerführer in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Flöz Schuckmann trug seinen Namen von einem preußischen Staatsmann, der in verschiedenen höheren Staatsstellungen tätig war und zeitweise preußischer Innenminister war. Ihm unterstanden einige Jahre die Direktion des Berg- und Hüttenwesens. Friedrich Wilhelm, Freiherr von Schuckmann lebte von 1755 bis 1834.

Außer den mit Namen bezeichneten Flözen wurden für die Geislauterner Grube noch andere Flöze aufgeführt, ie nur mit Nummern bezeichnet wurden. In dem Buche von R. Nasse über die Geologie des Saarbrücker Steinkohlengebirges aus dem Jahre 1884 werden insgesamt 12 Flöze für die Geislauterner Grube genannt. Außer den Flözen werden noch die Abstände zwischen den einzelnen Flöze angegeben.

Flöze Abstände
Flöz Otto ---
Flöz Emil 12 m
Flöz Alvensleben I 48 m
Flöz Alvensleben II 7 m
Flöz Nr. 3 114 m
Flöz Nr. 4 24 m
Flöz Nr. 5 9 m
Flöz Nr. 6 16 m
Flöz Nr. 7 50 m
Flöz Nr. 8 15 m
Flöz Nr. 9 15 m
Flöz Nr. 10 ---

Wie man sieht, besteht in der Numerierung ein gewisser Widerspruch. Anscheinend hat man Flöz Otto und Flöz Emil nicht in die Numerierung aufgenommen. Flöz Alvensleben trägt in der Literatur die Nr. 1, Flöz Nr. 4 den Namen Bülow, Flöz Nr. 5 und 6 den Namen Schuckmann. Die Flöze Nr. 7 - 10 werden nur erwähnt, da sie alle nicht abbauwürdig waren.

Die Flöze der Grube Geislautern waren nicht alle von Anfang an in der Reihenfolge ihrer Lagerung bekannt. Sie wurden erst nach und nach bekannt und für den Abbau hergerichtet.

Das Abbaufeld der Grube Geislautern lag hauptsächlich unter dem Galgenberg, dem Hahnenkopf und dem Höhenrücken zwischen der Rossel und dem Lauterbachtal. Es erstreckt sich bis zum "Geller" in Wehrden. Das Abbaufeld befand sich also in den Gemeindebännen von Geislautern und Wehrden. Die Geislauterner Grube war ein kleiner Betrieb mit einem verhältnismäßig kleinen Abbaufeld und nur wenigen abbauwürdigen Flözen, die dazu noch durch zahlreiche Sprünge zerrissen waren.

Außerdem mit den ungünstigen Lagerverhältnissen ihrer Flöze hatte die Geislauterner Grube noch unter starken Wasserzuflüssen zu leiden.

Man muß staunen, daß sich die Grube noch bis zum Jahre 1808 am Leben halten konnte. Natürlich schrumpfte der Kohlenreichtum in den Jahrzehnten des Abbaus immer stärker. Während im Jahre 1885 die bauwürdigen Flöze noch 3,75 bis 4,85 m mächtig waren, besaßen sie im Jahre 1908 nur noch eine Kohlenmächtigkeit von 2,05 m.

Es ist klar, daß die Geislauterner Grube mit den nach und nach eröffneten Fettkohlengruben nicht mehr mithalten konnte. Sie war ja eine Flamm- und Magerkohlengrube, und diese hatte oft nur 2, höchstens 5 abbauwürdige Flöze mit einer Kohlenmächtigkeit von 5 bis 6,5 m. Die Fettkohlengruben hatten wenigstens 12, oft sogar bis zu 19 bauwürdige Flöze mit etwa 18 - 20 m Kohlenmächtigkeit.

E. Von 1815 bis etwa 1874

Durch den zweiten Pariser Frieden (20.11.1815) kam unsere Heimat an Preußen. Die Gruben und mithin auch die Grube Geislautern gelangten in den Besitz des preußischen Staats. In dem Bereisungsprotokollen des Grafen Beust stehen viele Einzelheiten über die Grube Geislautern. Die Protokolle stammen aus dem November 1815. In ihnen wird folgendes über die Geislauterner Grube berichtet:

"Die Steinkohlengrube Geislautern liegt zwischen dem Eisenwerk, zu welchem sie gehört, und baut auf drei verschiedenen Flözen von 2-3 und 5 Fuß Mächtigkeit. Die vorgetriebenen Felder sollen sämtlich in Wechseln stehen, hinter diesen man die Flöze nicht wieder ausgerichtet hat. Die Kohlen sind bis an die Wechsel meist abgebaut. Das Werk ist mit 39 Mann belegt, welche jährlich 2 500 Fuder Kohlen fördern. (1 Fuß = 0,314 m; 1 Fuder = 30 Zentner)"

1815 waren in Geislautern drei Flöze bekannt und in Abbau: Flöz Alvensleben und Flöz 2 und 3. Der Abbau erfolgte oberhalb des Friederikenstollens, der in der Warndtstraße lag. Flöz Nr. 4 wurde im Jahre 1817 erbohrt. Die Belegschaft war 28 Mann stark. Im Jahre 1818 wurden die Flöze Nr. 5 und 6 (Schuckmann) erschürft. Auf Flöz 6 wurde am nördlichen Ufer des Lauterbaches der Philippstollen angehauen. Während dieser Zeit bewegte sich der Abbau über Flöz Nr.1. Flöz Nr. 4 wurde vorbereitet. Die Belegschaft betrug nun 51 Mann. 1827 wurde der Lauterbachstollen angelegt. Alle Stollen lagen in der Gegend der heutigen Warndtstraße. Sie führten in den Galgenberg hinein. Aus Flözkarten des Oberbergamtes aus dem Jahre 1890 ist die Lage der einzelnen Stollen ersichtlich. Der Stollen südlich des Geislauterner Friedhofes führte den Namen Philippstollen. Der Lauterbachstollen befand sich in der Gegend, wo die Schloßstraße in die Warndtstraße mündet. Der Friederikenstollen lag etwa in der Mitte zwischen Schloßstraße und Birkenkopf. Während die beiden erstgenannten Stollen auf der rechten Seite der Warndtstraße lagen, befand sich der Friederikenstollen auf der linken Seite der Warndtstraße. Er lag zwischen Warndtstraße und Lauterbach. In der Flözkarte ist noch in der Nähe des Lauterbachstollens ein Christinenstollen eingetragen. Nach wem der Stollen benannt ist, ist heute nicht mehr bekannt. Außer den Stolen sind in der Flözkarte noch mehrere Tagesstrecken eingetragen. Die Tagesstrecke Louise befand sich auf der linken Seite der Warndtstraße in der Nähe des Birkenkopfes. Am Ende der Warndtstraße, auf der rechten Seite, ist die Tagesstrecke "In der Muhl" eingezeichnet. Schließlich ist noch eine Tagesstrecke namens "Laumont" in der Flözkarte ausgeführt. Sie lag rechts des Saarlouiser Weges etwa in halber Höhe des Berghanges. Erwähnen möchte ich noch einige Wetterschächte der Grube in Geislautern. Ein Wetterschacht stand in der Nähe des Lauterbachschachtes an "Kreise Berg". Er war noch da, als ich 1921 in Geislautern die Schule besuchte. Ein Wetterschacht befand sich auch auf der rechten Seite des Saarlouiser Weges, ziemlich hoch am Berghang.

Im Sommer 1817 wurden in Geislautern in offenen Meilern Versuche zur Koksgewinnung durchgeführt. Sie erstreckten sich auf größere Mengen Stückkohlen aus den Gruben Geislautern, Bauernwald , Rittenhofen, Gersweiler und vergleichsweise auch aus Dudweiler. Trotz Wiederholung der Versuche lieferten nur die Kohlen von Dudweiler einen brauchbaren Koks. Die Kohlen der Geislauterner Grube waren schlechte Kokskohlen.

Mit den Erträgen der Geislauterner Grube scheint die Bergbehörden nicht so recht zufrieden gewesen zu sein, denn sie beabsichtigten im Jahre1826 mit dem Geislauterner Eisenwerk auch die Grube zu verkaufen. Anscheinend fand man jedoch keinen Käufer, und so blieb die Geislauterner Grube im Besitz des preußischen Staates.

1829 zählte die Belegschaft 63 Mann. Dem Abbau der Kohlen durch Stollen waren Grenzen gesetzt. An die tiefer gelegenen Kohlenflöze kam man nicht heran. Das änderte sich mit der Entwicklung der Technik, vor allem mit der Einführung der Dampfkraft. Sie wurde zur Förderung der Kohle und zum Heben des Wassers verwendet. Die meisten saarländischen Gruben gingen in der Zeit nach 1815 zum Tiefbau über. Man teufte von der Erdoberfläche senkrechte Schächte in die Erde. So war es möglich, die tiefer gelegenen Kohlenflöze zu erschließen.

Auf der Geislauterner Grube ging man im Jahre 1833 zum Tiefbau über und gleichzeitig zur Anwendung der Dampfkraft. Im Gebiet des heutigen Warndtgymnasiums wurde der Förderschacht und der Wassserhaltungsschacht niedergebracht. Die beiden Schächte standen ganz in der Nähe der heutigen Hammer- und Forsthausstraße. 1838 erreichte der Förderschacht die erste Tiefbausohle.

Man hatte mit starken Wasserzuflüssen zu rechnen. 1856 wurde mit der Weiterabteufung des Förderschachtes begonnen und 1864 die zweite Tiefbausohle erreicht. 1865 war auch der Wasserhaltungsschacht bis zur zweiten Tiefbausohle niedergebracht worden. In den Berichten über die Grube Geislautern werden noch eine dritte und vierte Tiefbausohle genannt, doch war nicht festzustellen, wann sie abgeteuft wurden. Über die Höhenlage der Schächte und der Tiefbausohlen gibt die folgende Zeichnung Aufschluß.

Der Förderturm des Geislauterner Schachtes war aus Eichenbalken errichtet und befand sich in einem Gebäude, das erst 1978 abgerissen wurde. Der Förderschacht war nicht rund sondern viereckig. Er war 3,50 m lang und 1,75 m breit. Der Seilkorb oder die Förderschale war nur 3,25 m lang und hatte 1,90 m Durchmesser. Auf sie konnte ein Kohlenwagen gestellt werden. Die Seilscheiben hatten einen Durchmesser von 2,30 m Durchmesser. Die Höhe über der Hängebank betrug 9 m. Das Förderseil war ein Bandseil aus Tiegelflußstahl. 1 m Seil hatte ein Gewicht von 2,4 kg. Die Schachtleitung war aus Flußeisen mit einseitiger Seitenführung. Das Eigengewicht der Förderschale betrug 900 kg, das Gewicht der vollgeladenen Schale 1 750 kg.

1841 war bei den Gruben des Saarlandes, die zu Preußen gehörten, nur vier Dampfmaschinen in Betrieb, davon zwei in Geislautern, eine zur förderung und eine zur Wasserhaltung. Es ist sicher erstaunlich, daß gerade die Geislauterner Grube mit den neuartigen Maschinen bedacht wurde.

In dem längeren Beitrag über den Siegeszug der Dampfmaschinen in der Saarindustrie von H.W. Hermann in der Zeitschrift über die Geschichte der Saargegend, Bd. 2, heißt es: "Bald wagte man sich an die Aufstellung unterirdischer Dampfmaschinen, zuerst in Geislautern.Das Jahr der Aufstellung ist nicht bekannt, erwähnt wird die Maschine im Jahre 1854. Rauch und Dampf wurden durch eine schwebende Strecke in Backsteinvermauerung im Alvensleben-Flöz bis zum Friederikenstollen und von da durch einen ausgemauerten senkrechten Schacht zutage geführt. Die Bergleute waren jedoch von der Aufstellung unterirdischer Dampfmaschinen nicht begeistert."

Nachdem 11847 im Flöz Alvensleben im Unterwerksbau abgebaut wurde, hatte man das Baufeld weiter untersucht und die Flöze Emil und Otto entdeckt. Sie wurden von einer Tagesstrecke "In der Muhl" abgebaut. In der Geislauterner Grube war auch eine unterirdische Fördermaschine auf einem flachen Schachte im Flöz Emil in Betrieb.

Eine Aufstellung der Arbeiterzahl und Fördermenge von 1836 bis 1860 ergibt folgendes Bild (nach Buchleitner, Heimatbilder I):

Jahr Arbeiter Förderung
1835 49 3 868 Fuder
1840 108 6 983 Fuder
1850 315 18 912 Fuder
1855 295 641 222 Zollzentner
1860 202 583 637 Zollzentner

1 Fuder = 30 Zentner 1 Zollzentner = 197 Pfund

Die Geislauterner Grube hatte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts einen bedeutenden Aufschwung genommen. Das beweisen die Arbeiter- und Förderungszahlen. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Metz-Saarbrücken-Ludwigshafen begann ein lebhafter Transportverkehr mit beladenen Kohlenwagen über die Grenze bei Großrosseln und Lauterbach, zumal damals im benachbarten Lothringen noch keine Kohlengruben erschlossen waren. Die meisten Kohlen wurden nach dem Forbacher Bahnhof geführt. An der Grenze mußte ein Übergangszoll bezahlt werden. In der damaligen Zeit wurde auch die Straße von Ludweiler nach Lauterbach gebaut. Sie erhielt den Namen Kohlenstraße. Bei ihrem Bau waren viele Bauern und Fuhrleute in der Lage, ihren Lebensunterhalt zu verbessern. Die Landabsatzstelle befand sich in der Nähe der Schachtanlagen, im Gelände des heutigen Warndtgymnasiums.

Es gibt heute noch zwei Bilder aus dieser Zeit. Das eine zeigt die Landabsatzstelle im Jahre 1866. Das andere - hier in einer Nachzeichnung von Werner SOKOLI+ - befindet sich in fast jeder Heimatkunde über Geislautern (Schilke, Trenz, Buchleitner). Rechts sehen wir die Schachtgebäude, im Bild von 1873 gegenüber 1866 etwas erhöht, vorne im Bild die einfachen Verladeeinrichtungen an der heutigen Ludweilerstraße.

Von jeher hatte die Grube Geislautern unter ungünstigen Verhältnissen zu leiden. Als sie endlich so weit war, volle Förderung aufnehmen zu können, war es die starke Konkurrenz der Grube Hostenbach und der neu entstandenen Gruben in Lothringen, die ein Zurückgehen des Absatzes verursachten. Hinzu kamen größere Wasserzuflüsse, die zur Einstellung des Betriebes auf den Tiefbausohlen führten. Man baute nur noch durch Stollen auf den Flözen Alvensleben und Otto im Südfeld der Grube ab. Nur langsam stieg die Förderung wieder und erreichte im Jahre 1872 40 924 Tonnen, fiel aber im nächsten Jahr auf 31 131 Tonnen zurück. Um diesen ungünstigen Verhältnissen ein Ende zu bereiten, wurde 1874 in Wehrden der Kanalstollen angehauen. Über größere Unglücksfälle wird in der Literatur nichts berichtet. Lediglich von einer Dampfkesselexplosion am 11.04.1864 ist die Rede in den Verhandlungen zur Förderung des Gewerbefleißes. (1865)

Verwaltung der Grube in preußischer Zeit

1815 wurde die königliche Bergamtskommision in Saarbrücken gegründet. Die Grube Geislautern gehörte mit den Gruben Schwalbach und Rittenhofen zur Direktion C. Sie wurde von dem Oberschichtmeister Posth aus Rockershausen geleitet. Von der Geislauterner Grube werden drei Beamte genannt: Kontrolleur Sadtler mit 900 fr Gehalt, Steiger Schmitt mit 600 fr Gehalt und Schichtmeister Francois mit 600 fr Gehalt. Chef der Bergamtskommission war Leopold Sello. Der Bergamtskommission unterstand zunächst auch das im Staatsbesitz befindliche Geislauterner Eisenwerk, für das später ein eigenes Hüttenamt geschaffen wurde. 1816 wurde aus der Bergamtskommission ein Kgl. Bergamt. Geislautern gehörte in ihm zur ersten Bergmeisterei im Revier Elm. Es unterstand dem Geschworenen Feldmann. 1855 unterstanden Geislautern und die Grube Kronprinz dem Geschworenen Heinz, 1857 dem Bergmeister Leuschner. 1861 wurde das Bergamt in Bergwerksdirektion umbenannt. Die Grube Geislautern gehörte von nun an zur Berginspektion I mit der Grube Kronprinz. Bei ihr verblieb die Grube Geislautern bis zum 1. April 1908.

E. Von 1874 bis zur Stillegung im Jahre 1908

Das kleine Baufeld und der geringe Kohlevorrat der Flöze der Grube Geislautern gaben Anlaß zu umfangreichen Untersuchungen der Umgebung, um vielleicht das Abbaufeld erweitern zu können. So machte man in den Jahren 1886 und 1888 einen Versuch, durch einen Querschlag nach der Landesgrenze hin die untere Flamm- und Fettkohlenpartie zu erschließen. Ein Querschlag von 1540 m Länge erbrachte keine bauwürdigen Vorräte in dieser Schichtfolge. Man war gezwungen, die verlassene hangende Flöze (Alvensleben, Emil, Otto) wieder aufzusuchen.

Die Belegschaft war inzwischen vermehrt worden. Im Jahre 1889 hatte sie die Höchstzahl mit 435 Mann erreicht. Entsprechend der Belegschaft war auch die Förderung gestiegen auf 65 370 Tonnen. 1892 wurde infolge ungünstiger Verhältnisse die Belegschaft bis auf 271 Mann verringert. Die überflüssigen Leute wurden auf die benachbarten Gruben verlegt. Die Jahresförderung betrug jetzt nur noch 44 020 Tonnen, so daß damals schon die Bergbehörden an Stillegung dachten. Infolge günstiger auftretender Abbauverhältnisse im Flöz Emil wurde die Betriebseinstellung nochmals verschoben. Die Belegschaft wurde wieder vermehrt, und die Jahresförderung stieg auf über 60 000 Tonnen, blieb jedoch schwankend. Der Abbau bewegte sich durchweg in der 1. Tiefbausohle "in der Muhl" und "im Geller" (Wehrden), ferner in der 4. Tiefbausohle auf Flöz 6. Deswegen schritt man zu umfangreichen Tiefbohrungen. So wurde 1896 in der Nähe der Grube Kleinrosseln eine Tiefbohrung von 818 m Tiefe vorgenommen und 18 bauwürdige Flöze erschlossen. Gleichzeitig hatte man im Ort Ludweiler ein Bohrloch in Betrieb genommen. Man wollte die mittlere Flammkohlenpartie untersuchen, hatte aber keinen Erfolg. Man stieß auf die Fettkohlen des Warndts und stellte den Versuch bei 903 m ein.

Über den Betriebsumfang der alten Grube Geislautern wird in den Büchern über den Steinkohlenbergbau von A. Haßler berichtet:

1883
Förderung 58 319 t
Belegschaft 370 Mann
Gebaute Flöze 3 - 4
Schacht zur Förderung 1
Schacht zur Wasserhaltung 1
Noch benutzte Förderstollen 1
Pferde 7
Dampfmaschinen 7
1902
Förderung 74 032 t
Belegschaft 433 Mann
Gebaute Flöze 3
Schächte zur Förderung 2
Schacht zur Wasserhaltung 1
Schächte zur Wetterführung 2
Noch benutzte Förderstollen 1
Pferde 15

1898 begann man mit dem Abteufen eines Versuchsschachtes westlich Großrosseln. Infolge starker Wasserzuflüsse war man gezwungen, die Arbeiten bald wieder einzustellen.

Am 11. November 1899 wurde auf der Gemarkung Klarenthal der Rosselschacht, der spätere Schacht Gustav I der Grube Velsen angehauen.

Schon nach wenigen Jahren hatte die Grube Velsen die Muttergrube Geislautern überflügelt.

1901 wurde östlich der Straße Werbeln-Differten ein Schürfschacht angehauen. Da aber beim Abteufen mehrere Sprünge durchteuft wurden und die Gebirgschichten unregelmäßiges Einfallen hatten, stellte man bei 52 m Tiefe die Arbeiten ein. Auch bei Friedrichsweiler hatte man ein Bohrloch niedergebracht, das eine Tiefe von 1478 m erreichte. Verschiedene bauwürdige Flöze hat man in ihm aufgeschlossen (1902)

Das Jahr 1902 brachte die höchste Fördermenge, die Geislautern je erreichte, nämlich 74152 Tonnen. Jedoch fiel in den nächsten Jahren die Fördermenge immer mehr ab. 1907 machte sie kaum noch ein Drittel der Förderung aus.

Am 1. April 1908 wurde aus den Gruben Geislautern und Velsen die neue Berginspektion XII geschaffen. Sie hatte ihren Sitz zunächst in Fürstenhausen, später in Geislautern. Doch nur wenige Monate unterstand die Grube der neugebildeten Inspektion

Am 1. Dezember 1908 wurde die Grube Geislautern stillgelegt.

Die im "Bergmannsfreund 1908" veröffentlichte Chronik schließt mit folgenden Sätzen:

"Trotz ihres hohen Alters hat es die Grube Geislautern nie zur rechten Blüte gebracht, jetzt ist sie stillgelegt. Dies war zwar für manchen ein schmerzlicher Abschied von einer liebgewordenen Arbeitsstätte. Der in vollem Aufblühen begriffenen Tochtergrube (Velsen) wurde hierdurch aber ein alter Stamm erfahrener Bergleute zugeführt."

A u s k l a n g

Die Anlagen der alten Grube Geislautern beim Rotweg wurden zunächst in Schlafhäuser für Bergleute der Grube Velsen umgewandelt und dann, als 1922/23 nicht weit von der Grube Velsen neue gebaut wurden, zu Büroräumen der Berginspektion XII umgebaut. Diese wurde im Jahre 1926 von Fürstenhausen nach Geislautern verlegt. Im Jahre 1935 wurde die Bezeichnung Berginspektion XII in Steinkohlenbergwerk Geislautern umgeändert. Durch diese Bezeichnung sollte die Erinnerung an die alte Grube Geislautern erhalten bleibe. Von der französischen Grubenverwaltung wurde nach dem zweiten Weltkrieg die alte Bezeichnung XII wieder eingeführt. 1952 wurde die Inspektion XII umbenannt in Grube West. Von ihr wurden die Gruben Püttlingen, Ensdorf, Griesborn und Velsen verwaltet. 1967 siedelte die Grube West aus Geislautern nach Ensdorf über. Der Weg zum Verkauf der alten Gebäude wurde nun frei. Land und Stadt erwarben das ehemalige Grubengelände in der Nähe des Rotweges. Das Land erbaute auf dem Gelände das heutige Warndtgymnasium. Etwa sieben Jahre dienten sogar die alten Gebäude als Klassenräume des Gymnasiums. Vorher hatte die Schulfabrik SERVAS in einem Gebäude ihren Betrieb aufgenommen, jedoch nach nur kurzer Zeit wieder aufgegeben. Im Februar 1978, nach Errichtung neuer Gebäude für das Gymnasium wurden die Gebäude der alten Schachtanlage abgerissen. Sie waren die letzten Erinnerungen an die alte Grube Geislautern. Wer heute die Anlagen des Warndtgymnasiums betritt und die Straße mit den neuerbauten Wohnhäusern hindurchgeht, ahnt wohl kaum noch, daß er sich in einem alten Industriegebiet Geislauterns befindet.

1978
An Aschermittwoch wird das alte Direktionsgebäude der Saarbergwerke abgerissen. Das Gelände soll dem Ausbau des schulinternen Sportplatzes und eines Schülerparkplatzes dienen (SZ 15.07.1994)

Quellen:

Saarbrücker Zeitung vom März 1953

GeislauternGruben & Stollenwww.saarlandbilder.netKarte