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Geschichte der Eisenhütte Geislautern
Ein Beitrag von Oberlehrer a.D. Nikolaus Schneider (†)
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erstellt am 30.10.2004


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Erste Betriebsperiode (Von der Gründung bis zum 30-jährigen Krieg)

Die älteste bis heute urkundlich nachweisbare Eisenhütte der Grafschaft Saarbrücken - nicht des Saarlandes - stand in Geislautern. Sie befand sich auf dem rechten Ufer des Lauterbaches in der Gegend der heutigen Schloßstraße. In Geislautern waren nämlich günstige Bedingungen für die Errichtung eines Eisenwerkes vorhanden. Auf dem Geislauterner Bann wurde Eisenerz gefunden. Die großen Wälder lieferten das Holz zur Gewinnung der Holzkohlen. Der Lauterbach diente als Wasserkraft zum Antrieb der Wasserräder für die Blasebälge des Hochofens, für die Poch- und Hammerwerke ("Hammerstraße"). Die Wasserkraft des Lauterbaches wurde in einem großen Weiher durch einen Damm gestaut. Auf der Warndtkarte des Försters Ferger vom Jahre 1640 (Siehe Bild!) ist der Weiher noch eingezeichnet. Geislautern heißt auf dieser Karte ,,Lautem" und liegt in beträchtlicher Entfernung von seiner Eisenhütte.

Schon im Jahre 1572 sollte in Geislautern eine Eisenhütte mit Schmelz- und Hammerwerk erbaut werden. Am 29. Dezember 1572 erteilte Graf Johann IV von Nassau - Saarbrücken in einer Urkunde den "Beständern"' Georg Struß, Hans und Klaus Arnet die Erlaubnis, hier eine Eisenhütte einzurichten. Aus den Akten ist jedoch nicht ersichtlich, ob die geplante Eisenhütte wirklich in Geislautern ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Erst 1585 wurde tatsächlich in Geislautern ein Eisenwerk erbaut. Am 26. Dezember 1585 erteilte Graf Philipp von Nassau - Saarbrücken das Recht zum Bau der Eisenhütte an zwei Bürger aus Heidelberg namens Johann Catho und Georg Leonhardt. In der Urkunde wird den beiden Bürgern erlaubt, "zu lehen und bestandnuß gegeben, uff der Rosseln und Lauter, bey Geislautern eine Hütte mit Schmeltz-, Schmidt- und Pochwerck..uffzurichten, zu bawen und die nechstnacheinander volgende zwantzig Jahr lang...zu lehen und bestand zu tragen, zu gebrauchen und zu genießen."

Die Eisenhütte zu Geislautern war also eine Gründung des Saarbrücker Grafenhauses. Die Pächter mussten dem Grafen den Zehnten als Abgabe entrichten. Der Graf stellte den Pächtern das Bauholz und sowie ein paar Morgen Wald zum Schlagen des Kohlenholzes zur Verfügung. Außerdem durften die Pächter in der ganzen Grafschaft Eisenerze nebst "Miltherung und Leuterung" (Zuschlägen) graben lassen. Allerdings wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie sich mit den Grundstücksbesitzern gütlich zu einigen hätten.

Das kleine Unternehmen schien einen rentablen Betrieb zu entfalten. Darum suchte Graf Philipp die Geislauterner Hütte in jeder Hinsicht zu fördern, weil er sich reichliche Einnahmen für seine herrschaftliche Kasse versprach.

Was in der Geislauterner Hütte nach 1585 hergestellt wurde, ersehen wir aus einer Abrechnung mit den Hüttenmeistern Catho und Leonhardt vom 1. August 1590. In den Jahren 1588 bis 1590 waren in Lehmguss hergestellt worden:

  1588 1589 1590
Eiserne Öfen 319 Ztr. 61 Pfd. 208 Ztr. 52 Pfd. ----
Häfen (Töpfe) 7 Ztr. 8 Pfd. 24 Ztr. 21 Pfd. ----
sowie an Schmiedeeisen, Stangeneisen und Platten 24 Ztr. 480 Ztr. 29 Pfd.243 Ztr. 80 Pfd.

Der an den Grafen zu entrichtende Pacht wurde anfangs durch Abgaben von eisernen Erzeugnissen, später in Geldabgaben erhoben. Schmiedeeisen und eiserne Töpfe wurden mit 3 Gulden je Zentner berechnet, sonstiges Eisen nur mit 2 Gulden. Aus der Abrechnung geht hervor, dass die Eisenhütte nicht während des ganzen Jahres in Betrieb war. Eine Schmelzperiode - vom Anstecken des Schmelzofens bis zum Ausblasen - dauerte nur 5 bis 7 Wochen. 1589 wurde nur eine und 1590 gar keine "Campagne" durchgeführt. Die Betriebsunterbrechungen hatten verschiedene Gründe, wie Erz- oder Holzkohlenmangel oder Nachlassen der Wasserkraft.

War genügend Wasser in dem großen Weiher oberhalb der Hütte, konnte eine Schmelzperiode beginnen. War das Wasser des Weihers abgelaufen, musste sie beendet werden. Wahrscheinlich erinnert der heutige Flurnamen "Weiherwies" im Lauterbachtal an die erste Betriebsperiode der Geislauterner Eisenhütte. In diesen Jahren bezog die Geislauterner Hütte auch Eisenerz vom Geisberg bei Sandhof, aus dem Gebiet der Abtei Wadgassen. Die Eisenerze scheinen nur spärlich gefunden worden zu sein.

Von 1605 war die Geislauterner Hütte hauptsächlich in der Pacht lothringischer Bürger. Am 31. März 1605 wurde ein Pachtvertrag abgeschlossen zwischen dem Grafen Ludwig II. von Nassau- Saarbrücken und zwei Bürgern aus Metz mit Namen Nikolaus Unbehendt und Ruppert Maulpassant. Der Vertrag wurde auf 25 Jahre abgeschlossen. Die Pächter sollten jährlich 300 "gülden batzen" als Abgabe bezahlen. Die Pächter erhielten in dem Vertrag die Zusicherung, dass kein anderes Hüttenwerk in der Grafschaft errichtet werde. Auch durften sie das geschmiedete Eisen zollfrei in der Grafschaft und auch außerhalb verkaufen. Bereits 1610 wurde die Geislauterner Hütte von der gräflichen Verwaltung selbst übernommen. Anscheinend konnten die beiden Metzer Pächter ihre Pacht nicht ordnungsgemäß bezahlen.

Im Jahre 1617 ist ein Metzer Bürger, Paul Peltre, als Hüttenmeister in Geislautern tätig. Er untersucht im Schmelzofen der Hütte Erzproben von Wallerfangen in mehreren Versuchsanordnungen. 1619 erlaubt Graf Ludwig dem Johann Wolkeringe aus Diedenhofen, auf der Geislauterner Hütte 50 . 100 Masseln zu schmieden.

Am 14. Juli 1619 erließ die Gräfliche Verwaltung eine Ordnung, nach der sich der Faktor (Hüttenmeister) zu richten habe. Er musste alles notieren, was während der Woche in den Schmelzofen gelangte und was mit dem Eisen geschah. Jeden Tag musste er das geschmiedete Eisen in Empfang nehmen, über den Verkauf und Holzkohlenverbrauch Rechnung führen. Alle 14 Tage musste er mit den Arbeitern abrechnen. Wegen vielen Betriebsunterbrechungen wechselten die Facharbeiter jedoch sehr oft.

Von 1621 an wurde die Geislauterner Hütte auf 30 Jahre an Franz Devaul, Herr zu Lozenges, Probst zu Bassenach verpachtet. Die jährliche Pacht betrug 1600 Gulden. Demnach scheint sich die Geislauterner Hütte gut entwickelt haben. Doch bereits 1625 wurde der Pachtzins auf 1 000 Gulden ermäßigt. Der Pächter hatte sich beschwert, dass er die Erze für die Hütte in Geislautern aus der Gegend von Diedenhofen beziehen müsse. Ihm seien große Unkosten entstanden. Bereits am 24. März 1622 hatte der französisch König Philipp in einer Urkunde, ausgestellt in Brüssel, dem Geislauterner Hüttenpächter gestattet, Eisenerz in Hayingen zu graben und auf dem Wasserweg über Mosel und Saar nach Geislautern zu schaffen. 13 Goldgulden mussten als Abgabe entrichtet werden. Aus der Beschwerde des Hüttenpächters erfahren wir, dass 1625 in Geislautern lothringisches Minetteerz verhüttet wurde. 1628 wurde die Saar bei Wallerfangen für die Schifffahrt gesperrt. Der Transport aus der Hayinger Gegend war nicht mehr möglich. Der Hüttenbetrieb in Geislautern kam allmählich zum Erliegen. Der 30-jährige Krieg machte sich nun in unserer Heimat bemerkbar.

Etwa um 1630 scheint die Geislauterner Hütte völlig verlassen zu sein, und damit war die erste Betriebsperiode unserer Hüttenanlage beendet.

Die zweite Betriebsperiode (von etwa 1730 - 1884)

Die zweite Betriebsperiode wird meist in drei Abschnitte eingeteilt

  1. Vom Wiederaufbau bis zur französischen Herrschaft,
  2. Die Zeit von 1815 bis zur Stilllegung des Werkes 1884

1. Vom Wiederaufbau bis zur französischen Herrschaft,

Im 30-jährigen Krieg war die Geislauterner Eisenhütte zerstört worden. Erst ein Jahrhundert später wurde wieder eine Eisenhütte in Geislautern auf dem alten Hüttengelände errichtet. Dereits 1726 hatte die Herrschaft in Saarbrücken die Absicht, in Geislautern eine Eisenschmelze und einen Hammer zu bauen. Doch verzögerte sich der Wiederaufbau um einige Jahre. Erst Anfang der 1750er Jahre wurde die Geislauterner Eisenhütte tatsächlich wieder aufgebaut. In einem amtlichen Bericht vom Jahre 1750 wird erwähnt, dass mehrere Morgen Land des ausgedehnten Schäfereigeländes abgetreten worden waren, ,,worauf das neue Hammergebäude gestellt worden". Außerdem berichtet der evangelische Pfarrer Horstmann von Völklingen in einem Schriftstück vom 30. 9. 1734, dass in Geislautern ,,vor einiger Zeit ein Eisenwerk errichtet worden sei".

Dass die Hütte bereits 1733 in Betrieb war, bezeugen uns am besten die aus dieser Zeit erhaltenen Ofen-(Taken-)platten, die das Gussjahr 1733 tragen. link (Siehe Beitrag: "Die Geislauterner Takenplatten")

Bereits 1735 stellte das Geislauterner Werk 3 052 Ztr. Stab- und Kleineisen her und erbrachte einen Erlös von über 15 288 Gulden. Das Geislauterner Eisen wurde hauptsächlich in den Schmieden in Lothringen, vor allem in Metz, abgesetzt.

Am 29. Oktober 1736 unterzeichnete der Eisengroßhändler Olry aus Metz mit der Saarbrücker Herrschaft einen Vertrag. Er verpflichtete sich, nicht nur die damals in Geislautern auf Vorrat befindlichen Waren zu kaufen, sondern die ganze Produktion dieser Hütte während der folgenden sechs Jahre. Auf Olrys Veranlassung wurden 1738 in Geislautern 0fenplatten mit dem französischen Lilienwappen hergestellt

In den Jahren nach 1730 verarbeitete das Geislauterner auch Massel der Fischbacher Schmelze (Siehe "Masselgarten".) In einem 1734 erstatteten Bericht beschwert sich der Fischbacher Hüttenschreiber Gottfried Röchling über die Konkurrenz der Geislauterner Hütte.

Durch Vertrag vom 8. September 1741 wird die Geislauterner Hütte wieder an Josef Olry aus Metz verpachtet. Gleichzeitig mit der Hütte pachtete Olry auch die Geislauterner Grube, die Fischbacher Schmelze und den Scheidter Hammer. Für die Geislauterner Hütte sollte er jährlich 7000 Livres an Pacht bezahlen. Der neue Pachtvertrag sollte neun Jahre bis zum Jahre 1751 dauern. Die Geislauterner Hütte bestand damals aus zwei Hochöfen mit von Wasserrädern betriebenen Blasbälgen, ferner mit einem großen Hammerwerk mit drei Feuern, einem Rennfeuer zum Reinigen und einem kleinen Hammer. Dem Pächter Olry wird erlaubt, dazu noch ein Spaltwerk und eine Nagelschmiede zu errichten. Die Erze konnte er frei in der Grafschaft graben lassen, aber auch zollfrei aus benachbarten Orten einführen. Das notwendige Kohlholz wird dem Pächter überwiesen, doch er muss es auf eigene Kosten fällen lassen. Für die Ausfuhr von Eisenwaren ist der übliche Zoll zu entrichten. Die herrschaftlichen Aufseher(Faktoren) Quien und Raab treten als Direktoren in den Dienst des Pächters. Die Herrschaft von Saarbrücken, vor allem der Fürst Wilhelm Heinrich, waren bestrebt, die Eisenindustrie zu fördern und machten den Pächtern Zugeständnisse. Sie waren jedoch auch auf das Wohl der Untertanen bedacht. In den Pachtverträgen findet sich eine Klausel, möglichst einheimische Arbeiter zu beschäftigen.

Da die Wasserkraft des Lauterbaches nicht mehr den Frfordernissen der Eisenhütte genügte, wurde um 1750 der Hammergraben als Hüttenwerkskanal gegraben. Er begann beim heutigen Velsen, verlief am Fuß des steilen Westhanges des Rosseltales und endete am Hüttenwerk. Das Wasser wurde beim heutigen Velsen gestaut und in den Hammergraben geleitet. Es trieb die Wasserräder des Hüttenwerkes und floss durch den Lauterbach wieder zur Rossel zurück. Durch den Hammergraben war die Wasserversorgung der Hütte gesichert. Heute ist der Hammergraben zugeschüttet. An seinem Ufer standen Bäume. An ihnen kann man hoch ungefähr den Verlauf des Hüttenwerkskanals erkennen, vor allem in der Nähe der Schloßparkschule. Die Straße ,,Am Hammergraben" erinnert noch an den ehemaligen Hüttenwerkskanal.

Nach Ablauf der Olry'schen Pachtzeit kam die Geislauterner Hütte ab 1751 zunächst in die Pacht einer jüdischen Gesellschaft und als die meisten Teilnehmer nach und flach ihre Anteile zurückgaben, ab 1758 an den fürstlichen Hofagenten Beer Hertz. Er musste 3 200 Gulden jährlich an Pacht bezahlen. 1766 wurde der Vertrag mit Beer Hertz erneuert. (Siehe hierzu Beitrag im Schloßjournal Nr. 9 "Alte Häuser in Geislautern) Da der Fürst große Schulden hatte, hatte ihm die Firma Beer 50 000 Gulden geliehen. Sie sollte in jährlichen Raten mit der Pachtsumme abgetragen werden. Die Firma besaß einen großen Teil der Eisenindustrie des Saarbrücker Landes. Wegen der von der Firma angeforderten Holzmengen kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der fürstlichen Forstverwaltung.

In der Mitte des Jahrhunderts stellte man in Geislautern neben geschmiedeten Stab- und Platteneisen und erheblichen Menschen von Gusswaren auch einen vorzüglichen Stahl her, ebenso Schwarz- und Weißblech von verschiedenen Größen.

Das Geislauterner Unternehmen wuchs ständig, und seine Erzeugnisse hatten weit über das Saarbrücker Land hinaus einen guten Ruf. Viele Waren der Hütte wurden nach Frankreich geliefert. Wie berühmt die Stahlmacher waren, beweist die Tatsache, dass 1756 der Geislauterner Stahlmacher Eberhard Groll mit zwei anderen Stahlarbeitern von Geislautern nach dem Eisenhüttenwerk Malapane in Oberschlesien berufen wurde, um dort die Stahlfabrikation einzuführen. Die Preußische Staatskasse bezahlte den drei Facharbeitern die Unkosten der weiten Reise.

1756 waren in Geislautern 30 Wohnungen für Hüttenarbeiter.

Am 10. Oktober 1776 wurde die Geislauterner Eisenhütte an die französische Gesellschaft Leclerc, Joly und Compagnie verpachtet, die ihren Sitz in Dieuze und Metz hatte. 1793 kam unsere Saargegend unter französische Herrschaft.

2. Von 1815 bis zur Stillegung 1884

Durch den zweiten Pariser Frieden (1815) kam die Geislauterner Eisenhütte in den Besitz des preußischen Staates. Die Lieferungen der Hütte nach Frankreich fielen nun fort, da es ausländische Eisenwaren mit hohen Zöllen belegte. Da die deutschen Länder durch die vorhergehenden Kriege wirtschaftlich geschwächt waren, mussten die saarländischen Hütten und damit auch die Geislauterner Eisenhütte in den Jahren nach der Rückgliederung an Deutschland harte Zeiten durchmachen. In verschiedenen Eingaben machten sie die Regierung auf ihre Schwierigkeiten aufmerksam. Diese suchten durch Erlass von Steuern und Gebühren zu helfen. Am 23. November 1818 erstatte Alexander von Humboldt ein Gutachten über die linksrheinische Industrie. In ihm weist er vor allem auf di Anwendung von Koks im Schmelzprozess und auf di Anlegung von Schienenwegen zum schnelleren Transport von Rohstoffen hin.

Die Behörden in Berlin wollten die königlichen Hütten verkaufen, doch das Oberbergamt in Bonn setzte sich dafür ein, fünf Hütten zu Musterbetrieben auszubauen. Unter ihnen war auch die Geislauterner Hütte. Sicherlich wurde Geislautern ausgewählt, weil hier Hütte und Grube nahe beieinander lagen und weil man in der französischen Zeit ehrliche Absichten in Geislautern verfolgt hatte. Für die fünf Musterhütten wurden 345 000 Taler bewilligt.

Auf der Geislauterner Hütte wurde unverzüglich mit dem Bau neuer Gebäude und Anlagen begonnen. Der Hochofen wurde zum Betrieb mit Koks eingerichtet, die Fundamente für einen zweiten gelegt. Gießhütte und Formhaus wurden neu erbaut und im Gebläsehaus ein Zylindergebläse eingerichtet. Auf der Geislauterner Hütte sollte erstmals das Puddlingsverfahren eingeführt werden. Kaum waren die neuen Bauten vorhanden, wurde mit den Versuchen begonnen. Sie standen unter Leitung des seit Jahren in Geislautern tätigen Ingenieurs Van den Broek. Leider brachten die Versuche, die in den 1820er Jahren durchgeführt wurden, keine befriedigende Ergebnisse. Es gelang nicht, aus den Kohlen einen guten Koks für das Schmelzen des Eisens zu gewinnen. Man wurde mit den Schwierigkeiten nicht fertig. Die preußische Regierung hatte im Saarland wenig Glück, die neuesten technischen Errungenschaften einzuführen. Das bewies auch die missglückte Zusammensetzung des Dampfwagens auf der Geislauterner Hütte um 1820.

Der Geislauterner Dampfwagen von 1819: link www.warndtheimat.de/hk-dampf.htm

Inzwischen kamen die Behörden zu der Ansicht, dass die Verwaltung eines Hüttenwerkes durch den Staat nicht vorteilhaft sei. Der Verkauf der Geislauterner Hütte wurde beschlossen. In mehreren großen Zeitungen, auch im Amtsblatt der Regierung von Trier, wurden anzeigen veröffentlicht und auf die verschiedenen Einrichtungen des Werkes hingewiesen (1826)

Doch nur die Gebrüder Stumm aus Saarbrücken zeigten Interesse am Geislauterner Werk. Sie erwarben die Hütte für 94 100 Taler im Jahre 1827. Doch schon 1828 verkauften sie die Hütte weiter zum Ankaufspreis an die Anonyme Gesellschaft der Dillinger Hütte, an der die Gebr. Stumm mitbeteiligt waren. Dadurch erfuhr die Dillinger Hütte die Stärkung ihrer Betriebsgrundlage. Geislautern lieferte vor allem Roheisen und drei Frischfeuer und besaß eine gute Wasserkraft. Mit dem Erwerb des Geislauterner Werkes schaffte sich die Dillinger Hütte einen lästigen Konkurrenten vom Halse. Nach dem Verkauf an ihren ärgsten Konkurrenten war das Geislauterner Werk nur noch ein Nebenbetrieb von Dillingen.

1831 wurde in Neunkirchen das Puddelverfahren eingeführt. Bald danach wurden auch in Geislautern sechs Puddelöfen eingerichtet. Das neue Verfahren ermöglichte eine beachtliche Steigerung der Stahlfabrikation.

Puddelverfahren: In einer Herdwanne mischte man Roheisen mit sauerstoffhaltigen Eisenverbindungen, vor allem mit Erzen. Aus einem danebenliegenden Herd schlugen die heißen Flammen über das Gemisch hinweg und brachten es zum Schmelzen. Durch den Sauerstoff der Verbindungen und Gase wurde es der Kohlenstoff des Roheisens mitverbrannt. Um den Vorgang zu beschleunigen, rührte man mit Stangen und Haken den Roheisenbrei um. Daher der Dame des Verfahrens. Er stammt aus England. ,,umrühren" heißt dort ,,to puddle'1. Das Puddelverfahren hatte großen Vorteil, da beim Frischen des Roheisens nur Steinkohlen verwendet wurden. Durch den Puddelprozess ergab sich eine bedeutende Verbilligung der Stahlherstellung, weil sehr viel Brennmaterial gespart wurde.

In der Beschreibung der Rheinprovinz von Restroff vom Jahre 1830 stehen recht interessante Ausführungen über Geislautern:

,,Geislautern, ein Dorf am Rosselbach mit einer Mühle,526 Einwohner, Steinkohlengruben und einem vormals königlichen Eisenwerk. Dies besteht aus einer Eisenhütte mit Hochöfen und einer Gießerei, aus einer Puddlings-Frischanlage mit Flammöfen, drei Walzwerken, einem Eisenschneidwerk und den nötigen Hammerwerken, aus einer Bohr- und Drehanstalt, einer Emaillierhütte zum Emaillieren gusseiserner Poterie, aus einem großen Laboratorium mit Gussstahl- und Stahlzementieröfen, aus zwei Doppel-Röstöfen, aus einem Stahlpochwerk, einer Erzwäsche, zwei Werkschmieden usw. Ferner ist in Geislautern eine Weißblechfabrik, die jährlich für 15 bis 20 000 Taler weißes Blech fertigt."

Einen guten Eindruck in die Geislauterner Einlagen bietet eine Permissionsurkunde (Permission=Erlaubnis) der Berliner Behörden vom 3. Juni 1831 (abgedruckt bei Van Ham: Dillingen Hütte). Es ist leider nicht möglich, die lange Urkunde hier zu bringen. Im allgemeinen entsprechen die dort beschriebenen Anlagen den Ausführungen im vorigen Abschnitt. Allein zehn Wasserräder werden in diese Urkunde genannt.

Seit der Mitte der 1830er Jahre erfolgte ein Aufschwung der saarländischen Eisenindustrie. Nach dem Abschluss des Zollvereins konnten die Saarhütten ihren Absatzraum nach Süddeutschland erweitern. Auch von der Entwicklung des Maschinenbaues zogen saarländische Hütten Nutzen. Durch Aufstellung von Dampfmaschinen suchten einzelne Hütten ihren Betrieb zu verbessern.

Die wichtigste Neuerung für das Geislauterner Werk wurde 1840 eingeführt. Hier wurde der älteste Koksofen des Saarlandes angeblasen. Geislautem wurde auserwählt, weil hier eine Kohlengrube nahe bei der Hütte lag und weil in Geislautern seit vielen Jahren viele Versuche zur Gewinnung eines brauchbaren Kokses gemacht worden waren. Die Steinkohle wurde zur Koksherstellung in einem schmalen gemauerten Koksofen unter Luftabschluss erhitzt. Die Flammen konnten sie zwar erhitzen, aber nicht verbrennen. Nunmehr war die Zeit der Holzknappheit vorbei.

Nach 1840 wurde die Zahl der Puddelöfen auf 12 erhöht. In der Beschreibung des Regierungsbezirkes Trier von Georg Bärsch werden für 1843 folgende Angaben über das Geislauterner Werk gemacht: Das Eisenhüttenwerk Geislautern besteht aus 12 Puddelöfen, 5 Schweißöfen, 1 Luppenpresse, 1 Luppenwalze, 1 Großhammer, 2 Platinenwalzen und 4 Frischfeiern und 1 Platinenschere. Das Werk gehört der Anonymen Gesellschaft zu Dillingen. Auf dem Eisenwerk arbeiten 95 männliche und 75 weibliche Bedienstete (zusammen 170). 115 von ihnen sind katholisch, 55 evangelisch.

Die politischen Unruhen der Jahre 1848 - 1850 störten Aufschwung der saarländischen Eisenindustrie, Durch die badisch - pfälzischen Kämpfe wurde der Warenabsatz nach Süddeutschland empfindlich gestört.

1854 war ein Chemie - Ingenieur namens Christoph Bochkoltz beim Geislauterner Eisenwerk beschäftigt. Er wurde ausgezeichnet für die Erfindung der Feinwaage mit konstanter Empfindlichkeit. (Siehe Beitrag Wilhelm Christoph Bochkoltz (Civil-Ingenieur und Hüttendirektor in Geislautern) link www.warndtheimat.de/namen.htm [die seite existiert nicht!]

1855 erfolgte eine weitere technische Verbesserung auf der Geislauterner Hütte. Zwei Dampfhämmer wurden aufgestellt. Sie dienten zum Hämmern der geschweißten Luppenstäbe.

Buchleitner gibt in seinen "Heimatbildern (III) eine Übersicht über die Zahl der Arbeiter in jenen Jahren (1855 und 1858)

Eisenwerk 1855 271 Arbeiter 1858 215 Arbeiter
Kalkofen der Hütte   1 Arbeiter   1 Arbeiter
Erzgrube der Hütte   12 Arbeiter   19 Arbeiter

In der Mitte des vorigen Jahrhundert machte sich allgemein ein Erzmangel bemerkbar. Die heimischen Erzfelder waren meistens ausgebeutet, und die Erze mussten von weither bezogen werden. Die Geislauterner Hütte hatte die Konzessionsgebiete Itzbach, Sandhof und den Bezirk um Völklingen, Püttlingen und den Warndt. Um 1860 verbesserte sich die Lage durch die Verwendung lothringischer Minette. Ihre Verhüttung war durch das Thomasverfahren möglich geworden. Die Dillinger Hütte erbaute nun eigene Hochöfen in Dillingen. Damit geriet die Geislauterner Hütte allmählich ins Abseits. Sie lag nämlich abseits der Eisenbahnlinien und konnte auch nicht viel erweitert werden In der Beschreibung des Kreises Saarbrücken für 1859 - 1861 werden nur noch 105 Beschäftigte aufgeführt. Landrat von Gärtner gibt uns auch bekannt, was in dem Berichtsjahr in Geislautern hergestellt wurde: a) Roheisen, b) schmiedeeiserne Achsen c) ausgeschmiedete Puddlingseisen in groben und feinen Sorten, d) Gusseisen, Schienen, Laschen, Unterlagsplatten und faconirtes Eisen, e) Roh- und Blechstabeisen und Gusswaren, f) Roh-, Guss- und raffinierter Stahl.

In der Beschreibung des Regierungsbezirkes Trier von Otto Beck werden Angaben gemacht, was das Geislauterner Werk im Jahre 1868 verbraucht hat: 30 000 Ztr. Kohlen, 648 000 Ztr. Koks, 290 000 Ztr. Eisenstein und Minette aus eigenen Gruben bei Wetzlar und Gießen und aus Luxemburg durch Ankauf, 3 000 Ztr. Brucheisen und 63 000 Ztr. Kalkstein aus den Steinbrüchen bei Bous. Bei der Beschäftigung von 80 Arbeitern wurden 106 000 Ztr. Roheisen erzeugt. Die Schlacken werden als Straßen - und Wasserbaumaterialien verwendet.

Infolge des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 lag die Produktion der Geislauterner Hütte mehrere Monate still.

Dem Geislauterner Werk waren nur noch wenige Jahre beschieden. 1874 wurde der Hochofenbetrieb in Geislautern ganz eingestellt. Die Werksanlagen wurden nach und nach abgebaut und nach Dillingen geschafft.

1884 schlug die letzte Stunde der Geislauterner Eisenhütte. Die stillgelegte Hütte wurde mit den dazugehörenden Ländereien zunächst an die Gebrüder Hanau verkauft. Dann kaufte der Privatmann Galoff aus Wallerfangen die Gebäude und das Hüttengelände. Später übernahm der Mühlenbesitzer Peter Abel aus Überherrn das gesamte Betriebsgelände im Bereich der heutigen Schloß- und Hammerstraße. Er nutzte bestehende Gebäude, um in den Folgejahren dort eine Walzenmühle zu betreiben. Die Hüttenarbeiter fanden Beschäftigung im neuen Völklinger Werk. Sie waren als Fachleute sehr geschätzt. Unter den von Geislautern kommenden Leuten war sehr bekannt Lorenz Klein mit dem eigenartigen Spitznamen der ,,Wackrichmacher".

Eine Redensart findet sich noch in Geislautern, die an das Ende der Geislauterner Hütte und an den Beginn der Eisenindustrie in Völklingen erinnert:

"Die Tochter ist gewachsen, die Mutter blieb zurück,
so will es ja auf Erden das wechselnde Geschick.."

Quellen: 1) Haßlacher: Beiträge zur älteren Geschichte des Eisenhüttenwesens im Saargebiet
2) Gayot-Herly: La metallurgie des pays de la Sarre moyenne jusqu'à 1915
3) 350 Ludweiler (Festschrift)

weiter: Grube Geislautern

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