zurück: Geislautern

Napoleonische Berghochschule Geislautern


Die Berghochschule vor der Zerstörung
© link annales.org

Die Napoleonische Berghochschule in Geislautern
Ein Beitrag von Dipl. Ing. Hans-Günter Lichtenbäumer.
Quelle: www.warndtheimat.de
neue Seite: link www.warndt.de/heimat

Anmerkung: Dipl. Ing. Hans-Günter Lichtenbäumer hat diesen Vortrag anläßlich der Einweihung der "Geislauterner Heimatstube" 19. September 1987 gehalten.

Nur wenigen ist bekannt, daß hier im Saarland der Ort Geislautern Sitz einer der frühen europäischen Berghochschulen war, die kaum ein Jahrzehnt existierte, die aber für den Bergbau im Saarland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung war.

Wie kam es zu dieser Berg-Hochschule an der Saar?

Am 19.3.1783 war die Ecole des Mines de Paris durch einen Erlaß Ludwig XVI errichtet worden, die erste französische Bergakademie nach den bekannten Gründungen in Freiberg, Schemnitz und Clausthal. Die Ecole des Mines war der Abschluß der in Frankreich seit 1752 einsetzenden Bemühungen, eine gezielte bergmännische Ausbildung sicherzustellen, die zunächst von der Bergverwaltung im Rahmen des Finanzministeriums erfolgte und schließlich 1778 zu einer "Ecole Publique et Gratuite de Mineralogie et de la Metallurgie docimastique" geführt hatte. (Öffentliche, kostenlose Akademie für Mineralogie und analytische Metallurgie.)

Die Entwicklung im deutschsprachigen Raum hat in der Gründungszeit der Ecole des Mines eine maßgebliche Rolle gespielt. Die enge Verknüpfung der Ecole des Mines mit dem Corps bzw. Service des Mines, der französischen Bergbehörde, die heute noch besteht, entsprach der organisatorischen Anbindung des Freiberger Instituts an das sächsische Oberbergamt, unter dessen Leitung es stand. Auch die besondere Betonung der praktischen Ausbildung und die Bindung den Lehrstätten an Bergwerks- und Industrie-Betriebe, die in den Revolutionsjahren zu den Ecoles Pratiques des Mines führten, lehnten sich an die Freiberger Konzeption an. Gehörten zu den ersten Arbeiten der sächsischen Akademie eine Kartierung und dann eine geologische Landesaufnahme, so verwundert es nicht, daß später Napoleon durch seine Hochschule den berühmten "Saar-Kohle-Atlas" erstellen ließ.

Eine große Anzahl deutscher Namen begegnet uns an der französischen Berg-Hochschule:

Sächsische Bergleute wie Koenig, Brottemann waren in der Ausbildung tätig. Bedeutende deutschsprachige Werke wurden übersetzt: Schlutter, Gellert, Lehmann.

Johann Gottfried Schreiber, in Freiberg ausgebildet, wurde schon 1784 Inspecteur des Mines, 1794 Professor an der Ecole des Mines in Paris und 1802 Direktor der Berghochschule in Pesey, der Ecole des Mines du Mont-Blanc.

Die Bergbaukunde von Christoph-Traugott Dellus, Professor an der Bergakademie Schemnitz, von Schreiber übersetzt, war bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts das wesentliche Lehrbuch der Bergbaukunde an der Ecole des Mines. Deutsch war auch Pflicht-Vorlesung an der Hochschule, gehalten vom Abbé Clouet.

Guillot-Duhamel, Professor an der Ecole des Mines, Vater des später in Geislautern tätigen Ingenieur en Chef Duhamel, gab ein französisch-deutsches Wörterbuch heraus, aus dessen Vorwort ich hier zitieren möchte:

"Die Deutschen waren die ersten Völker in Europa, die sich mit Erfolg um den Bergbau kümmerten. Kaum irgendwo sind so viele Veröffentlichungen geschrieben worden. Wenn in Deutschland Minen mit Erfolg betrieben wurden, so weil die Souverains auf ihre Kosten die Ausbildung der Bergleute übernommen haben."

Nach erfolgreichen Anfangsjahren mußte die Ecole des Mines infolge der politischen Schwierigkeiten der Revolutionsjahre ihren Betrieb einstellen. Aber bereits 1794 erfolgten die Neugründung der Berg-Hochschule und die Neuordnung von Bergverwaltung und Bergbehörde. Hierbei ist besonders erstaunlich, daß diese in höchstem Maße kreativen Tätigkeiten zu einer Zeit erfolgten, als die Schreckensherrschaft der Revolution in Paris ihren Höhepunkt erreichte und Männer wie Danton und Lavolsier und schließlich Robespierre zur Guillotine geführt wurden.

Es würde zu weit führen, Einzelheiten über die weitere Entwicklung der Ecole des Mines in Paris vorzutragen. Ich möchte verweisen auf die im Heft 1-2/1988 "Der Anschnitt", der Zeitschrift der "Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau e.V.", erschienenen Veröffentlichungen.

Gründung der "Ecoles pratiques des Mines".

Seit Entstehen der Berg-Akademie war die Einrichtung von "Ecoles pratiques" immer wieder gefordert und auch 1794 gesetzlich festgelegt worden.

Zum Verständnis dieser Schulen sei erwähnt, daß es der Wunsch von Regierung und Bergbehörde war, Bergwerksbetriebe und - darüber hinausgehend - ganze Bergbau- bzw. Industriereviere, also Bergbau und Verhüttung, in eigener Regie zu betreiben - eine Absicht, die zweifellos durch ausländische Erfahrungen, wie z.B.. den kurfürstlichen Bergbau in Sachsen, beeinflußt worden war. Mitbestimmend dabei war der Gedanke, daß die neuen Schulen gekoppelt werde sollten mit Bergwerksbetrieben im Besitz der Republik, deren Ertrag gleichzeitig die Kosten des Lehrbetriebes decken und damit die Bezuschussung mit finanziellen Mitteln des Staates vermeiden sollten. Schließlich konnte durch die bei diesen Schulen vorgesehene Personalunion von technischem Management und Ausbildung der vorhandene Mangel an technisch ausgebildeten Ingenieuren zumindest teilweise ausgeglichen werden.

Nach langen Diskussionen, vielfachen Vorschlägen und Gegenvorschlägen wurde durch den 1. Konsul Napoleon, der Schlußstrich gezogen:

Durch seinen Erlaß vom 12.2.1802 wurden zwei Ecoles pratiques des Mines geschaffen, die - in Zusammenarbeit mit der 1794 gegründete Ecole polytechnique - die Ecole des Mines de Paris ersetzten:


Berghochschule in Pesey
© link annales.org

Hier sei ein erläuternder Hinweis auf die Bezeichnung "Ecole pratique" erlaubt, da die wörtliche Übersetzung "Praktische Schule" oder "Schule für die Praxis" immer wieder zu irrtümlichen Auffassungen geführt hat, wie z.B. zu. der Meinung , es habe sich um Bergschulen im Sinne von "Steiger- Schulen" gehandelt

Das System der "Ecoles pratiques" ist indessen vielmehr der Aufteilung des akademischen technischen Studiums in Deutschland vergleichbar; überwiegend allgemeine mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung in den Semestern bis zum Vorexamen und technisch- fachliche Ausbildung wie z.B. Bergbau, Markscheidewesen und Hüttenkunde in den Semestern nach dem Vorexamen.

Nach der französischen Planung erfolgte der erstgenannte Teil der Ausbildung in der Hochschule in Paris, d.h. nach 1794 in der Ecole Polytechnique, während der zweitgenannte insbesondere fachlich bezogene Teil der Ausbildung von den Ecoles Pratiques des Mines übernommen wurde.

Die Ecoles pratiques des Mines waren also echte akademische Hochschulen zur Ausbildung von Ingenieuren.

Die Hochschule in Pesey nahm 1800 den Betrieb auf, Leiter wurde Johann Gottfried Schreiber.

Die Geislauterner Berghochschule wurde am 1.1.1807 eröffnet


Rückseite der Berghochschule vor der Zerstörung
© link annales.org

Für Geislautern war der Beginn schwieriger. Hier wurde Jean Baptiste Duhamel 1802 mit dem Aufbau und der Vorbereitung des Projektes beauftragt. Duhamel hatte die Ecole des Mines in Paris besucht, wurde 1794 in die Agence des Mines berufen und 1798 zur Verwaltung der Bergbaubetriebe in die von Frankreich neu erworbenen linksrheinischen Gebiete entsandt.

Die im Bereich des Fürstentums Nassau-Saarbrücken liegenden Bergwerke und Hütten waren nach der französischen Besetzung im ersten Koalitionskrieq zunächst unter Sequester gestellt worden. Nach den Friedensverträgen von Basel (1795 mit Preußen) und Campoformio (1797 mit Österreich), in denen das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten wurde, waren die im Besitz des Fürsten befindlichen Gruben und Hütten ab 1.1.1798 (Vertrag vom 23.7.1797) an eine private Gesellschaft, die Compagnie Equer, verpachtet worden. Die übrigen kleineren Bergbaubetriebe wurden den bisherigen Besitzern zurückgegeben. 1801 wurde auch der fürstliche Bergwerksbesitz den Nassauer Erben juristisch zurückgegeben, der Pachtvertrag Equer blieb jedoch in Kraft.

Nach dem Frieden von Luneville wurde der gesamte Bergwerks- und Hüttenbesitz "de jure" französisches Staatseigentum, aber auch jetzt blieb der Pachtvertrag Equer weiter in Kraft, ebenso wie die Konzessionen, die sich seit altersher im Besitz der einheimischen Glashütten befanden.

Daher dachte die Compagnie Equer auch gar nicht daran, auf Grube und Hütte Geislautern zugunsten der neuen Bergbau-Hochschule freiwillig zu verzichten. Und Duhamel hatte - obwohl die Schaffung der Akademie durch Dekret bereits seit 1802 beschlossen war, und obwohl ihm seit 1799 die bergbehördliche Aufsicht über die ehemals Nassau Saarbrücker Gruben übertragen worden war - keine Möglichkeit, diesen Zustand durch einseitige Anordnungen zu ändern.

Erst als 1806 mit der Compagnie Equer über eine Verlängerung des Pachtvertrages verhandelt und diese durch Vertrag vom 20.6.1806 gewährt wurde, konnten Hütte und Grube Geislautern von der Verlängerung ausgeklammert und Duhamel für den Aufbau der Bergakademie übergeben werden.

Geislautern - im westlichen Teil des Saarlandes, am Rande des Warndtwaldes gelegen war wohl die beste Hütte der Nassauer Lande, bekannt durch die Herstellung eines vorzüglichen Stahles sowie von eindrucksvollen Ofenplatten. Dennoch war sie zurückgeblieben im Vergleich zur Hütte in Dillingen, die seit 1804 nach englischem Vorbild ein Walzwerk eingerichtet hatte und auch erste Verhüttungsversuche mit Steinkohlen einführte. Dillingen kam als Standort für die Ecole Pratique jedoch nicht in Frage, da es bereits 1766 mit dem Herzogtum Lothringen an Frankreich gefallen war und die Hütte sich in Privatbesitz befand. Außerdem waren für die nahe gelegenen Kohlengruben in Griesborn Konzessionen erteilt worden, so daß beide Betriebe für den Staat nicht zur Verfügung standen.

Nach den vorbereitenden Arbeiten wurde die Geislauterner Akademie zum 1.1.1807 eröffnet. Infolge der inzwischen erfolgten Kaiserkrönung Napoleons erhielt sie die offizielle Bezeichnung "Ecole Pratique Imperiale des Mines de la Sarre"

Das offizielle Bestätigungsschreiben zur Ernennung von Duhamel als Direktor ging am 10. März 1807 ein. Im Mai wurde ihm ein weiterer Mitarbeiter zugeteilt: Michel Francois Calmelet.

Duhamel konnte mit der Arbeit beginnen, d.h. mit dem Erstellen der für den Lehrbetrieb notwendigen Einrichtungen, dem Beginn erster wissenschaftlicher Arbeit sowie der Weiterführung und Modernisierung von Hütte und Grube.

Die speziellen Zielsetzungen der Ecole Pratique in Geislautern waren

Erste Überlegungen dazu waren bereits 1804 zwischen Napoleon und Duhamel anläßlich eines Zusammentreffens in der Departementshauptstadt Trier besprochen worden. Hinzu kamen

Aber auch die Arbeiten zur Aufnahme der Lagerstätte gingen weiter, insbesondere nachdem der Kaiser durch einen Erlaß vorn 13. September 1808 die Aufteilung der Steinkohlenlagerstätte im Departement Saar in 60 Konzessionen angeordnet und die an der Akademie in Geislautern tätigen Ingenieure des Corps des Mines beauftragt hatte, Diese Arbeiten einschließlich der

Zur weiteren Unterstützung wurde 1809 Beaunier nach Geislautern abgeordnet. Die Arbeiten wurden im Juli begonnen und forciert betrieben, zumal der Kaiser argwöhnisch die schnelle Durchführung überwachte.

Am 15. April - nach nur 9 Monaten - legte Duhamel seinen Vorschlag für die Aufteilung der Konzessionen vor, zusammen mit einem umfangreichen, die letzten Einzelheiten erfassenden Kartenwerk, dem "Saar-Kohle-Atlas, mit dem offiziellen Titel:

Atlas des concessions du terrain houiller de la Sarre
par
Mrs. BEAUNIER et CALMELET
Ingenieurs au corps des mines
SARREBRUCK de 1'an 1810"

Der Duhamel-Atlas ist ein hervorragendes Werk französischer Markscheidekünste, die aufbaut auf den schon erwähnten Arbeiten von Gabriel Jars (Studienkollege von Duhamels Vater, Jean-Pierre Guillot-Duhamel) und von dem in der Bretagne tätigen sächsischen Bergmann Koenig.

Hier möchte ich auf die im Heft 1-2 des "Anschnitt" erschienene Arbeit von Rolshoven, Hiery und Schuster hinweisen, in der eingehend über den Duhamel-Atlas berichtet wird.

(Anmerkung: Siehe den Beitrag "Der Duhamel-Atlas" von Oberlehrer a.D. Nikolaus Schneider auf dieser Homepage)

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lagen für das Gebiet des heutigen Saarlandes kaum kartographische Unterlagen vor, die auf wissenschaftlicher Grundlage basierten. In den Jahren 1803-1813 erfolgte im Saarland eine systematische Landesaufnahme durch französische Ingenieur-Geographen, die wohl als Grundlage verwendet wurde. Die Geislauterner Ingenieure schufen ein überzeugendes Werk; sie legten ein Nivellement über den gesamten Bezirk der Kohlenlagerstätte mit auf Millimeter genauen Zahlen sowohl für geographische Punkte wie Bacheinmündungen oder Gebäude wie auch für die vorhandenen bergmännischen Betriebe wie Stollenmundlöcher, Flözschürfe, Pingen und Kuhlen.

Das Einfallen der Flöze wird angegeben, das Ausgehende dargestellt die Grenze der überdeckenden Buntsandstein-Formation genau kartiert. Ergänzt werden die Grundrißkarten durch mehrere auf einem Blatt zusammengefaßte Schnitte, die auch Angaben über die Oberflächenform und die Tektonik enthalten.

Besonders fortschrittlich ist die Anwendung des in Frankreich bereits eingeführten metrischen Maß-Systems anzusehen, bei den Flözmächtigkeiten finden wir Angaben in Meter und Zentimeter, teilweise zusammen mit Eintragungen der hier noch gebräuchlichen Fuß und Zoll.

Der Duhamel-Atlas wurde nicht nur von den französischen Behörden als "außerordentlich wertvoll" bezeichnet, sondern war auch für die preußische Verwaltung nach 1815 von hohem Wert und während des ganzen 19. Jahrhunderts Grundlage für den Abbau der Steinkohlenflöze zwischen Geislautern und Neunkirchen.

Streifen will ich hier nur die Bedeutung, die der Duhamel-Atlas auch heute noch für die Landesgeschichte hat. Es gibt kein anderes Werk, das einen solch exakten Überblick über die Situation des Landes zu Beginn des 19. Jahrhunderts gibt: Art und Umfang der Besiedlung, besondere Gebäude, Brücken, Befestigungen, Straßen- und Wegenetz, Industriebetriebe und auch die erst seit wenigen Jahren eingerichtete Aufteilung der Waldgebiete in Staats- und kommunale Forsten.

Noch ein Wort zur Aufteilung der Lagerstätte in Konzessionen. Obwohl im vorrevolutionären Frankreich Regal-Bergbau die Regel war und der König seine Rechte häufig an Honorationen aus seiner Familie oder aus seiner Umgebung übertrug, gab es bereits einige verliehene Konzessionen. Als Beispiel erwähne ich die Konzession Griesborn hier im Saarland und die in Nordfrankreich der Compagnie d'Anzin verliehene Konzession.

Dieses mit Privatkapital in der frühen Form einer Aktiengesellschaft aufgebaute Bergbau-Unternehmen beschäftigte beim Ausbruch der Revolution - man höre und staune - über 4 000 Bergleute und lag mit einer Jahresförderung von 300 000 t weit über den übrigen Kohle-Abbaurevieren (Gesamt-Ruhr ca. 230 000 Nassau-Saarbrücken ca. 50 000 t)

In den folgenden Jahren gewann der Gedanke des Konzessions-Bergbaus naturgemäß immer größere Bedeutung und wurde dann von Napoleon in der neuen Berggesetzgebung vom 21.4.1810 endgültig festgelegt. In diesem Zusammenhang ist der an Duhamel ergangene Auftrag zur Aufteilung der saarländischen Lagerstätte in Konzessionen zu sehen

Bei dieser Aufteilung wurden von Duhamel und seinen Mitarbeitern zunächst die Departementsgrenzen respektiert, dann die früher bereits an Glashütten und Alaunfabriken vergebenen sieben Konzessionen beibehalten und die übrige Lagerstätte dann in 64 Konzessionen eingeteilt, wobei häufig Gemeindegrenzen oder geographische Bezugspunkte für die Festlegung maßgebend waren.

Unabhängig von den mit der Erstellung des Duhamel Atlas verbundenen Arbeiten ging der Aufbau in Geislautern weiter. Anfang 1810 wurde der erste Bauabschnitt des Schulgebäudes fertiggestellt, ein Seitenflügel des geplanten Gesamtkomplexes. Dieses Gebäude war bis 1945 erhalten und in Geislautern unter der Bezeichnung "Schloß" bekannt. Ferner wurde ein großes Versuchslaboratorium in Gebäuden des früheren Geislauterner Hofes eingerichtet.

Aufgrund einer Mitteilung Duhamels berichtete der Conseil des Mines dem Innenministerium am 1. Januar 1810, daß ab sofort Bergstudenten nach Geislautern gehen könnten.

Im Laufe des Jahres treffen die ersten Studenten ein und bei der Neuordnung der französischen Bergbehörden am 10.11.1810 wurde festgelegt, daß dem Corps Imperial des Mines 28 Elèves-Ingenieurs angehören sollten, die sich auf die beiden Ecoles des Mines in Pesey und Geislautern aufteilen sollten. (Namentlich bekannt sind die Studenten de Gargan und Le Fangeux)

Am 11. Mai 1812 ließ sich Napoleon in Saarbrücken, wo er auf dem Wege nach Rußland Halt machte, von den Geislauterner Ingenieuren berichten.

Aber die weitere Entwicklung der Anstalt war überschattet von den kriegerischen Ereignissen. Duhamel wurde zu Beginn des Jahres 1813 zum Inspecteur Générale des Mines ernannt und in den Conseil des Mines nach Paris berufen. Bevor er Geislautern verließ, erhielt er noch vom Conseil den Auftrag, selbst seinen Nachfolger als dortigen Direktor zu ernennen. Seine Wahl fiel auf Beaunier. Der zwar jüngere, aber schon länger in Geislautern tätige Calmelet war darüber enttäuscht und schied aus den Diensten der Akademie aus.

Aber Beaunier blieb in Geislautern keine ersprießliche Zeit mehr:

In der Neujahrsnacht 1814 überschritt Blücher den Rhein und zog am 10. Januar in Saarbrücken ein.

Jedoch noch einmal flackerten Hoffnung und Leben in der Geislauterner Akademie auf: Der 1814 unterzeichnete Erste Pariser Frieden legte fest, daß der zum Saar-Departement gehörende Kanton Saarbrücken bei Frankreich verblieb. Daraufhin kehrte Beaunier nach Geislautern zurück. Als stellvertretender Direktor kam Brédif von der verlorenen Ecole des Mines du Mont-Blanc hinzu.

Geislautern war damit die einzige Hochschule für Bergbau und Hüttenwesen in Frankreich. Es bestand sogar die Absicht, die Einrichtungen der Akademie von Moutiers dorthin zu überführen. Aber dazu kam es nicht mehr: Napoleon kehrte von Elba zurück, der Krieg begann erneut.

Waterloo war nicht nur das endgültige "Aus" für den großen Korsen, sondern auch für Geis1autern. Beaunier und zwei Mitarbeiter blieben zwar zunächst an der Saar gemäß einer Verordnung der Minister der Großmächte vom 14. Juli 1815. Aber nach der Unterzeichnung des Zweiten Pariser Friedens im selben Jahr fiel das Saarbrücker Gebiet an Preußen, mit ihm die saarländischen Gruben und die Hütte von Geislautern. Beaunier kehrte nach Paris zurück.

Preußen hatte nur wenig Interesse, im äußersten Westen des Landes eine bergmännische Hochschule fortzuführen oder neu einzurichten,

denn es ging in den neugewonnenen rheinischen Gebieten zunächst einmal darum, überhaupt eine preußische Verwaltung einzuführen. So geriet Geislautern als bergbauliches Bildungszentrum in Vergessenheit.

In einigen wenigen Veröffentlichungen, die in späterer Zeit über die Aktivitäten der Schule von Geislautern berichteten, wurde häufig der direkte Zusammenhang und die Nachfolgefunktion der Hochschule von Geislautern zur Ecole des Mines de Paris übersehen oder mißgedeutet.

Erst im Jahre 1983, als des 200. Jahrestages der Gründung der Ecole des Mines de Paris gedacht wurde, kam auch Geislautern wieder in Erinnerung.

Auf dem Gelände in Geislautern wurde eine Gedenkplatte errichtet und von Alain Poher, französischer Senatspräsident, sowie Edwin Hügel, saarländischer Wirtschaftsminister, eingeweiht.

Leider ist der deutsche Text der Inschrift irreführend. denn es handelt sich um eine falsche Übersetzung der offiziellen französischen Bezeichnung der Geislauterner Akademie: "Ecole Pratique Imperiale des Mines de la Sarre".

Abgesehen davon, daß im gewählten deutschen Text "Die Kaiserliche Bergschule der Saargruben" das Wort "Mines" des französischen Textes zweimal übersetzt ist, hat die Bezeichnung "de la Sarre" nichts mit "Saargruben" zu tun, sondern stellt einen Hinweis auf die geographische Lage der Schule dar, nämlich das Saar-Departement.

Genauso wie es bei dem zweiten Nachfolge-Institut der Pariser Hochschule in Pesey nicht bedeutet "Schule der Mont-Blanc-Gruben", sondern "Berghochschule des Mont-Blanc-Departement")

Eine richtige Übersetzung müßte somit lauten: "Kaiserliche Berghochschule mit praxisbezogener Ausbildung im Saargebiet" (d.h. im Saar-Departement)

(Anmerkung: Auf Anregung des Heimatkundlichen Arbeitskreises Geislautern wurde am 21.08.1991 die Gedenktafel an der Umfassungsmauer am ehemaligen "Schloß" in der Hammerstraße der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.)

Wenn so die Gedenkplatte nicht gerade dazu beiträgt, Mißverständnisse in der Betrachtung des Geislauterner Instituts auszuschließen, so ist sie trotzdem als Würdigung der - wenn auch nur für kurze Zeit - im Saarland befindlichen Berghochschule und ihrer Aktivitäten, insbesondere des bedeutsamen Duhamel-Atlas , sehr zu begrüßen.

Darüber hinaus ist sie ein Zeichen, daß gemeinsame bergmännische und technisch-wissenschaft1iche Aktivitäten zwischen Franzosen und Deutschen wieder selbstverständlich geworden sind, so wie es zum Beginn des 19. Jahrhunderts der Fall war.

Bibliographie:

GeislauternGruben & Stollenwww.saarlandbilder.netKarte