www.saarlandbilder.net | karte | ortsverzeichnis
Tholey Geschichte & Abtei Schaumberg Wareswald Bergweiler Hasborn-Dautweiler
Lindscheid Neipel Scheuern Sotzweiler Theley Überroth-Niederhofen

Neipel
Quelle: link www.am-schaumberg.de

Abwechslungsreiche Landschaftsformen und eine genauso wechselvolle Geschichte- das zeichnet Neipel aus. Außerdem wahrscheinlich der einzige Ort im Kreis, in dem ein Bär im Sommer umherzog.

Das "Haus am Mühlenpfad" hat den kleinen Ort im Bohnental aus seinem stillen Dasein heraus geholt. Seit dieser Kulturtreff mit seinem Heimatmuseum existiert, finden an den beiden offenen Sonntagen im Monat viele Fremde den Weg dorthin. Das 1842 gebaute Bauernhaus beherbergte seit jeher neben Wohnung und Landwirtschaft auch eine Gastronomie. 1997 entstand daraus ein Domizil für Vereine, eine Gaststätte und gleichzeitig ein Museum für die dörfliche Geschichte des Schaumberger Landes, insbesondere des Bohnentals.

Die Landschaft wird geprägt von 250 Millionen Jahren alten Sedimentablagerungen, die von Vulkanischen Gesteinen unterbrochen werden. Der kleinräumige Wechsel der Gesteinsarten führte zu abwechslungsreichen Landschaftsformen, die geradezu zu einem Spaziergang auffordern. Dabei findet man Achate, Jaspis, Rötel und vielleicht auch einmal ein Stück versteinertes Holz. Ein geschliffenes Steinbeil aus Jadeit steht am Anfang einer ganzen Kette von archäologischen Funden, die eine ständige Besiedelung des Bohnentals seit der späten Steinzeit belegen. Ein bronzener Armreif aus frühkeltischer Zeit gehört zu den besonderen Stücken der Dauerausstellung. Die alte Kulturlandschaft gibt immer wieder neue Funde preis, die Interessantes und Aufschlussreiches aus vorgeschichtlicher Zeit erzählen. So belegen einige Hinterlassenschaften aus römischer Zeit, daß Rötel bereits damals als mineralischer Farbstoff kommerziell genutzt wurde. Arbeitsgeräte und Gebäudestruckturen lassen die Mühle erkennen, die es die Ortsbewohner noch in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts kostete, um an ihr tägliches Brot zu gelangen. Eine komplette Schusterwerkstatt und eine Schmiede stehen exemplarisch für das Handwerk, das in Neipel ausgeübt wurde. Ein Bienen stand erklärt die Entwicklung der Imkerei und der Bienen. Im Wohnteil des Gebäudes befindet sich die Einrichtung eines Bauernhauses zu Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts, darunter eine Küche, ein Schlafzimmer und natürlich die "gudd Stubb". Ein weiterer Raum ist ständig wechselnden Ausstellungen vorbehalten. Hier werden Themen wie das Spinnen mit Wolle und Flachs behandelt.

Geschichtlich wird Neipel 1297 in einer Urkunde des Tilmann von Hagen erwähnt, damals Herr von "La Motte" in Lebach. Der Name "Noepel" geht auf das mittellateinische "noda", "noa" oder "nova" zurück und bedeutet soviel wie "Wasserlauf". Im Mittelalter war ein Teil des Dorfes, möglicherweise auch das ganze Dorf, Eigentum des Klosters Tholey. 1306 verzichtete Ritter Heinrich von Neipel zu Gunsten der Abtei Tholey auf seinen Anteil am zehnten der Orte Limbach bis Aschbach. 1357 belegt eine Abgabenurkunde die Existenz einer Mühle in Neipel. 1433 scheint man von der Manderscheidschen Fehde betroffen zu sein. 1793 wurden die Besitzverhältnisse erstmals kartografisch festgehalten.

Ein Teil des heutigen Dorfbannes gehörte zum "St. Petersbann" oder "Hilscherhauserfeld", einem Distrikt zwischen den Gemarkungen von Scheuern, Neipel, Überroth-Niederhofen, Dorf und Hasborn, der sich bis in das Dorf Neipel hinzog, so daß noch drei Häuser zu ihm gehörten. Die Grundgerichtsbarkeit über diesen Distrikt hatte der Freiher von Buseck als Herr von Epellborn inne.

Soviel bekannt ist, waren die Bürger von Neipel immer katholischer Konfession. Das Dorf gehörte zumindest im Spätmittelalter zur Pfarrei Scheuern. Wohl vermerkt der Oberamtmann Moser in seinem Bericht über das Oberamt Schaumburg im Jahre 1791, daß Neipel vormals mit der Siedlung "Hölzhausen" vereinigt gewesen sei. Da an anderer Stelle "Hölzerhausen" als Kirchort genannt wird, an weiterer Stelle die Zugehörigkeit des Hölzerhausener Bannes "allerzeit unter der Gemeinde Neupell begriffen worden ist", kann man davon ausgehen, daß Neipel mit "Hölzerhausen" eine Pfarrei bildete.

Das alte Brauchtum zwischen Geburt und Tod ist reichhaltig. So ist beispielsweise überliefert, daß eine verstorbene Jungfrau früher immer auch von Jungfrauen zu Grabe getragen wurde. Auf den Sarg legte man einen Palmzweigen gewickelten Kranz in form einer Acht. Sechs 14-18-jährige Mädchen gingen neben dem Leichenwagen bis zur Kirche, dann zum Grab. Bis etwa 1960 wurden die Toten von Neipel mit dem Leichenwagen, der von zwei Pferden gezogen wurde, nach Scheuern gebracht.

Hatten zwei junge Menschen entschlossen, den Bund fürs Leben einzugehen, bestellten sie beim Pfarrer der Braut das Aufgebot, ebenso beim Standesamt. Ganz schnell ging das Ereignis dann im Dorf von Mund zu Mund: " Haschde schon gesein: die hänge em Kaschde!"

Tholey | Dorf, Lindscheid, Neipel | saarlandbilder