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Osterbrücken
letzte Änderung: 19/1/2005

Oster ab- und aufwärts
entlang der Ostertalbahn

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Osterbrücken – Geschichte
Stand: 1987 – Quelle: link www.ostertal.de

Osterbrücken, ein Ort an der Grenze, mit seiner wechselvollen Geschichte

Osterbrücken lag über Jahrhunderte hinweg im Grenzgebiet von Herrschaften und Besitztümern.

Osterbrücken im Reich der Römer und Franken

Bereits zur Römerzeit scheint der Bergrücken der westlichen Wasserscheide des Ostertales (von Grügelborn über Leitersweiler, den Bosenberg bis nach Dörrenbach und Fürth) Bedeutung für die römische Provinzialeinteilung gehabt zu haben. Sie bildete die Völkerscheide zwischen den kelto-germanischen Treverern (Hauptort Augusta Treverorum/Trier, den Mediomatrikern (Hauptort Divodorum/Metz) und den Vangionen der Grenzprovinz Germania Superior (Hauptort Mogontiacum/Mainz).

Das obere Ostertal gehörte zum Nahegau. Nach Einführung des Christentums kam es zur Diözese Mainz. Die Grenzorte dieser Diözese waren Leitersweiler, Hoof, Marth, Niederkirchen, Werschweiler, Dörrenbach usw.

Die von den Franken eroberten Gebiete, aus denen die alten Herrscher vertrieben worden waren, wurden vom König in Besitz genommen und so zum "Königsgut" oder "Reichsland".

Zu ihnen zählte auch das obere Ostertal. Die Grenzen dieses Reichslandes sind inzwischen fast eindeutig ermittelt worden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde durch die zahlreichen Teilungen, Belehnungen, Stiftungen, Verpfändungen und Verkäufe das Reichsland und damit das Königsgut allmählich kleiner.

Auch das sog. Königreich, ein eng begrenztes Besitztum des Königs bzw. Kaisers im Ostertal, war ein Teil des Reichslandes. Das geht aus dem "Weistum zu Marth uff dem Königreich" vom 1.5.1550 hervor. Fabricius erläutert dazu; "Es war also wirklich Reichsbesitz. Da der Lauterer Reichsforst ursprünglich auch das Remigiusland umfaßt zu haben scheint, so wird das Königreich der für den König bei der Schenkung (des Remigiuslandes) zurückbehaltene besondere Bezirk gewesen sein."

In diesem Reichs- und Königsland um Kaiserslautern waren außer dem Königshof in Kaiserslautern noch verschiedene Königshöfe vorhanden, die teils als Lehnshöfe vergeben waren, so z.B. im oberen Ostertal "Brucca", das heutige Osterbrücken, welches schon im Jahre 1152 von König Friedrich 1. Barbarossa dem Remigiuskloster zu Reims zusammen mit dem Hofe zu Kusel mit allen Zuhörungen bestätigt wurde.

Die Grenzen dieses "Königreiches im Ostertal" hat K. Hoppstädter nach Urkundenvermerken des 15. und 16. Jahrhunderts ermittelt, nach denen folgende Orte zum Königreich zählten: Bubach, Breitenbach, Krottelbach, Dunzweiler, Osterbrücken, Dörrenbach, Fürth, Werschweiler, Leitersweiler, Haupersweiler, Herchweiler, Marth, Niederkirchen, Selchenbach und Sültzweiler (= vermutlich Seitzweiler).

Als im Jahre 1491 das Königreich durch den Lichtenberger Amtmann Thomas von Kontwich um 100 Gulden an den Grafen Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken verkauft wurde, war das ganze Königreich auf ein größeres Stück Land und einen Hof zusammengeschrumpft, denn die diesem Verkauf beigegebene Grenzbeschreibung nannte nur noch die Orte Selchenbach, Herchweiler (als Grenzort), Marth und Bubach.

Rund 100 Jahre später war wiederum eine merkliche Schrumpfung des Königreiches eingetreten, denn der Landschreiber Johannes Hoffmann brachte in seiner "gründlichen und wahrhaftigen Beschreibung des Amtes Lichtenberg" von 1585 - 1588 bezüglich des Königreiches, das nicht mehr zum Amt Lichtenberg gehörte, nachrichtlich folgende Beschreibung: "Das Königreich... liegt zwischen den Dörfern Boppach, Markt, Osterbrücken und Selchenbach und hat eine besonders ausgesteinte Gemarkung umher".

Im Jahre l603 wurde das erheblich verkleinerte Königreich von dem Grafen von Nassau-Saarbrücken im Tauschwege an den Herzog von Pfalz-Zweibrücken abgetreten.

Von dem einstigen begrenzten Königreich innerhalb des Reichslandes blieb schließlich nur noch ein kleiner Hof, der Königreicher Hof bei Bubach, übrig, der heute noch an das einstige große königliche Besitztum erinnert.

Osterbrücken im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation

Als im Jahre 843 zu Verdun das Frankenreich in drei Teile aufgeteilt wurde, kam unser Ostertal, weil es zum Nahegau gehörte, zum Ostfränkischen Reich König Ludwigs des Deutschen. Dieser König hatte sich bei der Teilung den Nahegau "um des Weines Willen" vorbehalten.

Die Westgrenze dieses Ostfränkischen Reiches verlief über die bereits erwähnte westliche Wasserscheide des oberen Ostertales und grenzte damit an das Mittelreich Kaiser Lothar I., dessen Sohn Lothar II. nach der Teilung des Mittelreichs im Jahr 855 sein Staatsgebiet "Lotharingen" nannte. St.Wendel und seine Kirchspielsgemeinden Urweiler, Baltersweiler, Roschberg usw. gehörten somit zu Lotharingen, das sich 911 dem Westreich "Frankreich" anschloß, aber 925 durch Heinrich 1. (der Vogler) in das Ostfränkische Reich eingegliedert wurde. Durch diese Reichsgrenzänderungen hat sich an den Gau- und Bistumsgrenzen keine Änderung vollzogen. Das Ostertal mit seinen kirchlichen Mittelpunkten Oberkirchen und Niederkirchen blieb weiterhin beim Bistum Mainz und dem Nahegau. Wie viele Gaugrafen, so hatten auch die Nahegaugrafen an der Neige des 11. Jhdt., als das Reich in kriegerische Wirren verstrickt war, es verstanden sich selbständig zu machen, eine eigene Dynastie im Nahegau aufzurichten und sich die bisher verwalteten Landesteile anzueignen. Die Geschichte nennt als Begründer dieser Dynastie den Grafen Emich von der Schmidtburg (im Hahnenbachtal oberhalb Kirn). Zu Beginn des 12. Jhdt. fand eine Teilung der Nahegaugrafschaft statt. Es erscheinen nunmehr zwei Brüder, Emico als Graf von Kirburg und Gerlach als Graf von Veldenz.

Die Gräfin Anna zu Veldenz, die seit 1410 mit dem Pfalzgrafen von Zweibrücken verheiratet war, vererbte die Grafschaft Veldenz ihren 3 Söhnen. Im Erbvertrag vom 6.9.1444 bekam der dritte Sohn Ludwig die Grafschaft Veldenz und die Grafschaft Zweibrücken. Somit gehörte das obere Ostertal ab diesem Zeitpunkt mit der alten Grafschaft Veldenz zum neugeschaffenen Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und teilte bis zur französischen Revolution das Schicksal der Pfalz-Zweibrücker-Lande.

Mit der 1444 erfolgten Eingliederung des Veldenzer Besitzes in das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken wurde die Burg Lichtenberg, im Remigiusland Mittelpunkt und Sitz des Oberamtes Lichtenberg. Dieses neugeschaffene Oberamt umfaßte im wesentlichen die Bezirke der alten Veldenzer Landgerichte Kusel (Remigiusland) und Baumholder und erfuhr durch Abtretungen und Neuerwerbungen im Laufe der Zeit verschiedene Gebietsänderungen. Die Grenzziehung stimmte größtenteils mit der des alten Remigiuslandes überein, in dem das obere Ostertal und das Königreich eingeschlossen war. Das Oberamt Lichtenberg war unterteilt in Ämter und Schultheißereien. Das obere Ostertal, mit Ausnahme der Herrschaft und Pfarrei Oberkirchen, die 1261 zur Abtei Tholey und dann nach dem Blieskasteler Erbfolgestreit zum lothringischen Oberamt Schaumburg kam, gehörte seit frühester Zeit zum veldenzischen Teilgebiet, dem Remigiusland, das den Landgerichtsbezirk Kusel bildete, und nunmehr dem Oberamt Lichtenberg und seinem Unteramt Konken sowie der Schultheißerei Konken zugeteilt wurde.

Osterbrücken und Umgebung 1789

I : Herzogtum Pfalz - Zweibrücken
II : Kurtrier (Amt St.Wendel)
III : Grafschaft Nassau - Saarbrücken
IV : Reichsherrschaft Oberkirchen
V : Herrschaft Münchweiler

Osterbrücken seit der franz. Revolution

1793 wurde das Ostertal französisch besetzt und 1798 Teil des Departements "Sarre". Erst 1801 kam es im Frieden von Luneville offiziell zum französischen Staat und zum Bereich der Bürgermeisterei (Mairie) Niederkirchen.

1814/l5wurdeOsterbrücken mit den von Österreich und Preußen zurück eroberten Gebieten unter der Verwaltung einer österreichisch-bayrischen Landadministrationscommission mit dem Kanton St.Wendel dem Kreis Ottweiler eingegliedert.

Nach dem Wiener Kongreß 1816 kam die Bürgermeisterei Niederkirchen ohne Leitersweiler in den Kanton Kusel und zum Königreich Bayern (Bez. Kaiserslautern, später Bezirk Kusel; diese Verwaltungseinheit bestand bis 1947, ab 1938 Kreis Kusel), die Bürgermeisterei Oberkirchen mit Leitersweiler zu Sachsen-Coburg-Gotha, später Fürstentum Lichtenberg, und Werschweiler und Dörrenbach zu Preußen (1834 wurde das Fürstentum Lichtenberg von Preußen gekauft).

Nach dem Versailler Vertrag verlief die Grenze zwischen dem Deutschen Reich und dem Saargebiet durch das Ostertal. (Werschweiler und Dörrenbach kamen zum Saargebiet). Am 1.3.1935 kam das Saargebiet zum Reich zurück, blieb aber eine vom "Reichskommissar für die Verwaltung des Saarlandes" geführte eigene Verwaltungseinheit. Bei der lag Osterbrücken im Bereich des Gaues "Saarpfalz" mit Hauptstadt Neustadt an der Weinstraße. Ab März 1945 war das Ostertal von alliierten Truppen besetzt.

Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches gehörte das Ostertal zur Provinz Rheinland-Hessen-Nassau in der französischen Besatzungszone. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das "Saarland" zunächst in den Grenzen des alten Saargebietes geschaffen. 1946 wurden Oberkirchen, Haupersweiler, Grügelborn, Leitersweiler und Schwarzerden, am 24.6.1947 Osterbrücken, Hoof, Marth, Saal, Bubach und Niederkirchen dem Saarland eingegliedert. Bis 1957 verlief zwischen Osterbrücken und Selchenbach, Herchweiler die Grenze zwischen der BRD und dem Saarland. Osterbrücken wurde 1947 wieder Grenzort mit Zollstation in Richtung Herchweiler und Zollhäusern in denen bis 1957 franz. Zöllner mit ihren Familien lebten.

Bei der Volksabstimmung über das europ. Statut des Saarlandes am 23.10.1955 lehnten in Osterbrücken 94,19 % der Bevölkerung das Saarstatut ab.

Am 1.1.1957 folgte die politische Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland, die wirtschaftliche folgte am 5.7.1959 (Tag X). Die Grenze zwischen Osterbrücken und Selchenbach, Herchweiler ist bis heute noch Landesgrenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz.

(Quelle: Westricher Heimatblätter 8/74, B. Stoll "Das obere Ostertal")