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St. Wendel
(nebst Geschichte des Hl. Wendalinus)
letzte Änderung: 6/1/2008

Sehenswürdigkeiten: Wallfahrtskirche - 14./15.Jh., ehem. Magdalenenkapelle - 14.Jh., St. Wendelskapelle - 18.Jh., ev. Kirche - 1844/45, Altes Rathaus, 1802/03 nach Plänen von Friedrich Gerhard Wahl, Schloß (Rathaus) - Anf. 19.Jh., Straße der Skulpturen

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Ortsverzeichnis


altes Rathaus


neues Rathaus


pejder Juni 2004


pejder Juni 2004

Ortsteile: Alsfassen, Am Zoll, Beierbacher Hof, Betzelbacher Mühle (bei Hoof), Billerborner Hof, Birkenhof, Bleischbacher Mühle, Bliesen, Bogenfelderhof, Bubach, Bühlerhof, Dörrenbach, Dörrwiesmühle, Eichenhof, Elsenbacher Hof, Erlenhof, Ernstbach (bei Niederlinxweiler), Gombacher Mühle, Göckelmühle, Harschberger Hof, Hinkelberger Hof, Hoof, Hospitalhof, Hütherhof, Katharinenhof, Keimbacher Hof, Kiesmühle (bei Niederlinxweiler), Klingelberger Hof (bei Osterbrücken), Klopphof, Königreicher Hof, Kreuzhof (bei Hoof), Kupp (bei Winterbach), Langenfelderhof (bei Remmesweiler), Leitersweiler, Linxbach (bei Niederlinxweiler), Mariahof, Marienhof (bei Urweiler), Marienhof (bei Winterbach), Marth, Martinshof, Missionshaus, Neumühle (bei Hoof), Niederkirchen, Niederlinxweiler, Oberlinxweiler, Ohlerweiherhof, Osterbrücken, Osterhof (bei Osterbrücken), Rassiersmühle (bei Bliesen), Remmesweiler, Saal, Seienhof, Sonnenhof, Tholeyerberg, Trautenborner Hof, Urweiler, Urweilerhof (bei Leitersweiler), Wackenborner Mühle (bei Bliesen), Waldhof (bei Bliesen), Walkmühle, Wallesweilerhof (bei Winterbach), Wendalinushof, Werschweiler, Winkenbacher Hof, Winterbach, Wurzelbach, Wurzelbacher Ziegelhütte (bei Oberlinxweiler)

Geschichte

Dem Kern der Stadt St. Wendel bildete wahrscheinlich der Hof eines Grundherrn aus der Merowinger Zeit (spätes 6. Jh.) namens Baso. So entstand der Ortsname Basonevillare, d.h. Landgut des Baso. Dieser Name hätte sich in unserer Zeit vermutlich zu Bosenweiler weiterentwickelt - wäre die Wendalinusverehrung nicht gewesen; vgl. die Bezeichnungen Bosenberg und Bosenbach, in denen Baso's Name noch "überlebt" hat. Jedenfalls lagen die Ursprünge von Basonisvillare auf der "Schulter" des Bosenberges, zwischen dem Todbach und dem Bosenbach.

Mitte des 7. Jh. gelangte der Abt von Tholey Paulus, später Bischof von Verdun, in den Besitz von Basonevillare. Die Stiftung Tholey erbte er von einem fränkischen Adeligen, Adalgisil, mit dem Beinamen Grimo. Auf diese Weise kam das Gebiet von St. Wendel auf Jahrhunderte an Verdun. Laut einer Legende war in diesem Zeitraum der Eremit Wendalinus bei Basonevillare, gestorben. In Folge entwickelte sich in den Jahrhunderten eine ausgedehnte Wallfahrt, was schließlich dazu führte, dass der alte Siedlungsname Basonevillare im Laufe des 12. Jh. durch St. Wendel ersetzt wurde.

Ungewiß ist, ob in den Bliesniederungen eine ältere Wasserburg bestand. Diese war vielleicht eine Turmhügelburg (Motte), worauf die Ortsbezeichnung "In der Mott" (beim Mia-Münster-Haus) hinweisen würde. Rechts sehen wir eine Rekonstruktionszeichnung von Wingertszahn, wie sie vielleicht ausgesehen haben könnte. (Gesicherte Turmhügelburgen gibt es im nördlichen Saarland eine ganze Reihe, so z.B. die "Finkenburg" in Weiskirchen, Burg "Motte" bei Lockweiler, Burg Mühlenbach bei Numborn, Burg Rappweiler, Burg Weierweiler und die Burgen "Insel" und "Wasserburg" bei Neunkirchen an der Nahe).

Gesichert ist erst die unter Erzbischof Balduin um 1334 durch Jacomin von Montclair errichtete und 1677 zerstörte Burg. Diese lag etwas weiter oberhalb der vermeintlichen Motte, im Bereich des heutigen Rathauses. Links sehen wir eine Rekonstruktionszeichnung von Wingertszahn, die sich an einem Plan aus dem 18. Jahrh. orientiert, auf dem das Gelände noch zu erkennen ist.


Bereich der Burg Balduins (Plan des 18.Jh.)

Einen dritten Bereich bildete eine kleine Kirche, die im 9. oder frühen 10. Jh. "über dem Grab des Wendalinus" am Standort der heutigen Basilika entstand. Im Laufe des 11. Jh. wurden die Reliquien des hl. Wendalinus in die Kirche gebracht. Parallel zur Wallfahrt entstand der Wendelsmarkt, der zentrale Markt der gesamten Umgebung für Vieh, Kleidung und Gebrauchsgegenstände. Um die Kirche siedelten sich schon früh der Adel und der Klerus an. Burg, Hof und Kirche wuchsen erst im 14. Jh. allmählich zusammen.

1326/28 erwarb der Trierer Kurfürst und Erzbischof Balduin von Luxemburg Burg und Dorf St. Wendel. Mit dem Erwerb St. Wendels durch Balduin entwickelte sich die Siedlung allmählich zu einer mittelalterlichen Stadt. Erster Amtmann (= Burggraf) wurde Jakomin von Monkler. Als Vertreter des Kurfürsten ließ er eine neue Burg errichten. Außerdem veranlasste Erzbisschof Balduin den Bau einer neuen Pilgerkirche. Auf dem Reichstag in Nürnberg erwarb Balduin 1332 bei Kaiser Ludwig dem Bayern das Privileg, das Frankfurter Stadtrecht auf eine Reihe von Orten (Burgen, Kapellen, Orte) anzuwenden, um deren Entwicklung zu fördern, das er auch auf St. Wendel anwendete, was dem Ort und dadurch wiederum dem Bistum dauerhaft weitere Einkünfte brachte. Aber erst sein Nachfolger, Erzbischof Werner von Falkenstein, ließ 1388 eine Mauer rings um die Stadt ziehen.

Ab dem 15. Jh. entwickelte sich der heutige Fruchtmarkt zum Marktplatz. Es bildeten sich Zünfte, die ein Mitspracherecht in der Stadtverwaltung durch die Schöffen erlangten. 1455 entstand die Hospitalstiftung, etwas später auch das Rathaus.

1591 wurde ein Großteil der Stadt durch einen Brand in Schutt und Asche gelegt. Kaum hatten die Bürger mit dem Wiederaufbau begonnen, brachten Einquartierungen und Kontributionen (Beiträge zum Unterhalt von Besatzungstruppen) während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) die Stadt an den Rand des Ruins. In französisch-holländischen Krieg (1672-1697) wurden alle Häuser bis auf wenige Ausnahmen niedergebrannt (Lichtmess 1677). Die Stadtmauer wurde bereits 1674 geschleift. Auch das Rathaus und die kurfürstliche Burg wurden verwüstet. Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) wurde die Stadt erneut besetzt und geplündert. Gewerbe und Handel konnten sich lange Zeit nicht mehr erholen. Erst 1714 konnte mit den Aufräumungsarbeiten begonnen werden. Auch im Polnischen Erbfolgekrieg (1733-1736), im Österreichischen Erbfolgekrieg (1741-1748) und im Siebenjähriger Krieg (1756-1763) marschierten die Truppen durch St. Wendel und mussten Kontributionen geleistet werden.

Erst um die Mitte des 18. Jh. begann die Bürgerschaft wieder aufzuatmen, die Stadt begann sich etwas auszudehnen. Die Gewerbe, vor allem die Woll- und Lederidustrien, lebten von Neuem auf. Kaufleute aus Saarbrücken und Straßburg deckten hier ihren Bedarf an guten Tüchern, während die Gerbereien ihre Ledererzeugnisse auf die Frankfurter Messe brachten. So bildete sich bald eine wohlhabende Oberschicht, es entstanden zahlreiche prächtige Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude. Der Wendelsdom wurde 1753 mit einer dreistufigen barocken Kuppelhaupe versehen. Zudem fanden zahlreiche städtebauliche Maßnahmen statt (z.B. Anlegen von Straßen, Bebauung des Schlossgeländes, Verlegung des Friedhofs von der Basilika vor das Obere Tor der Stadt).

Während der Revolutionskriege hatte St. Wendel ab 1792 unter Plünderung und Einquartierung durch Truppen beider Seiten zu leiden. Die Einführung der Gewerbefreiheit schaffte die alten Zunftordnungen ab. Ab 1798 gehörte der "Kanton St. Wendel" zum Arrondissement Saarbrücken, Saardepartement. Allmählich kam wieder etwas Wohlstand in die sich langsam aber stetig ausdehnende Stadt. In der Kelsweilerstraße wurde das untere Stadttor abgerissen, es wurde die jetzigen Bahnhofstraße angelegt und eine neue Brücke über die Blies gebaut.

1814 erhielt Herzog Ernst I. von Sachsen Coburg-Saalfeld für seine Verdienste in den Befreiungskriegen (gegen Napoleon) die Kantone St. Wendel, Grumbach und Baumholder (zusammen ca. 20.000 Einwohner) zugewiesen. Ab 1816 nennt er dieses Gebiet "Fürstentum Lichtenberg". Die herzogliche Regierung hatte versucht, das Fürstentum zu melken und eingeplante Gelder über seinen sauberen Regierungsassessor Sebaldt heimlich nach Coburg verschwinden lassen, und sie versuchte die Justiz einer staatlichen Kontrolle zu unterwerfen. Das Vertrauen der Lichtenberger in eine unabhängige Rechtsprechung schwand. Nach der Bildung eines Landrates hoffte die Bevölkerung auf eine Mitbestimmung in der Gesetzgebung, Steuerpolitik etc., doch Herzog Ernst entschied in vielen Fällen eigenmächtig. Der Landrat trat dagegen nur einmal zusammen - in 18 Jahren. Die Bevölkerung wurde zunehmend unzufrieden und dies führte zu Unruhen. Im Zuge der liberalen Bewegung nach dem Hambacher Fest 1832 eskalierten die Auseinandersetzungen. Die Revolten der Bevölkerung konnte selbst mit Hilfe preußischer Truppen aus Saarlouis nicht niedergeschlagen werden. 1834 verkaufte der Herzog das Fürstentum an das Königreich Preußen. St. Wendel wurde Kreisstadt im Regierungsbezirk Trier.

Der preußische Staat machte in der Folgezeit aus St. Wendel einen Garnisonsstandort. Doch wirtschaftlich ging es der Gegend in dieser Zeit sehr schlecht. Bis zur Mitte des 19. Jh. wanderten viele Bürger aus dem St. Wendeler Land nach Amerika aus. 1859 wurden die Stadt St. Wendel und die nahegelegene Orte Alsfassen und Breiten nach erfolgter Abstimmung zur "Stadtgemeinde St. Wendel" zusammengelegt. Die Bahnhofstraße wurde bebaut und ebenso die Brühl- und die Kelsweilerstraße, die nach Baltersweiler führten. Weitere bauliche Maßnahmen: Straßenbeleuchtung, Umzug des Hospitals (1818), Friedhofsverlegug in die Werschweilerstraße (1816), Bau der evangelischen Kirche (1841). Die Wirtschaftslage in St. Wendel änderte sich erst 1860 mit der Eröffnung der Rhein-Nahe-Bahn zwischen Bingen und Saarbrücken, wovon die Stadt als Bahnstation und durch den Bau der Eisenbahnwerkstätte am Tholeyer Berg profitierte.

1898 ließ sich die Steyler Missionsgesellschaft in St. Wendel nieder und errichtete ein großes Missionshaus. Zudem setzte um die Jahrhundertwende die Reaktion auf die Veränderung der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur mit umfangreicher Städteerweiterung ein. Dies hatte zur Folge, dass zwischen 1910 und 1937 sich die Wohnbaufläche mehr als verdoppelt hatte. Während der NS-Zeit wurde 1937/38 am westlichen Stadtrand beiderseits der Ausfallstraße nach Winterbach ein großer Kasernenkomplex errichtet.

Während der Bombardierungen im Zweiten Weltkriege starben zahlreiche Menschen und es kam zu erheblichen Gebäudeschäden. Die schwersten Bombenangriffe geschahen am 6.12, 24.12, 27.12.1944 und am 28.2.1945. Zerstörung der St.-Anna-Kirche durch Bombenangriffe am 24. und 27.12.1944.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte mit dem "Wirtschaftswunder" noch einmal eine starke Expansion der Wohnbebauung ein. Doch die Rückgliederung an die Bundesrepublik brachte St. Wendel zunächst eine negative Entwicklung, da 1960 mit der traditionsreichen Tabakfabrik Marschall ein großer Arbeitgeber schließen musste. Dafür wurde im ehemaligen NS-Kasernenkomplex von 1961 bis 1999 eine französische Garnison untergebracht.

1960 erhob Papst Johannes XXIII. die Grab- und Wallfahrtskirche in den liturgischen Rang einer Basilika minor.

Trotz aller Kriege war noch in den 1960er Jahren viel historische Bausubstanz im Stadtkern von St. Wendel vorhanden. Mangelndes Geschichtsbewußtsein und wirtschaftlich orientierte Sanierung zerstörten jedoch bis Anfang der 1980er Jahre zahlreiche Gebäude. Spuren der mittelalterlichen Stadt sind jedoch in der Nähe des Wendelsdomes noch zu erkennen.

St. Wendel hat durch die Gebietsreform von 1974, bei der mehrere Dörfer im Umland zum Stadtgebiet gezogen wurden, heute rund 29.000 Einwohner.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die heutigen Orte der Stadt zu unterschiedlichen Herrschaften: Fürstbistum Trier (Amt St. Wendel), Nassau-Saarbrücken, Pfalz-Zweibrücken; die ehemals naussauischen und pfälzischen Orte sind bis heute überwiegend evangelisch geprägt. Von 1816 bis 1834 gehörte St. Wendel zum Fürstentum Lichtenberg, das dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha unterstand, und anschließend zu Preußen, in dessen Rheinprovinz das Gebiet als Landkreis St. Wendel eingegliedert wurde. Seit 1947 gehören die bis dahin bayerisch-pfälzischen Orte Osterbrücken, Hoof, Niederkirchen, Marth, Saal und Bubach (Landkreis Kusel) zum Landkreis St. Wendel und kamen mit der kommunalen Neugliederung 1974 zur Stadt St. Wendel.

Roland Geiger, St. Wendel – Andreas Rockstein, Saarbrücken