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Die Vopelius-Wentzel'sche Glashütte und Siedlung in St. Ingbert
erstellt am 17.11.2004 – letzte Änderung: 3.12.2004


Gesamtansicht der "vereinigten Vopelius & Wentzel'schen Glashütten GmnH
Quelle: Saarheimat 2´ 1977

Quelle: link www.denkmal.saarland.de

Bestand: Blieskasteler Str. 180 (ehem. Glashütte); Karl- Vopelius-Str. 1-25 und Wilhelm-Wentzel-Str. 1-22 (Siedlung).

Im Zuge der Konzentrationsbewegungen in der saarländischen Glasindustrie schlossen sich im Jahr 1914 fünf auf preußischem Gebiet gelegene Glashütten als "Vereinigte Vopelius & Wentzel'sche Glashütten GmbH" mit Sitz zunächst in Sulzbach zusammen. Die veralteten Stammbetriebe wurden nacheinander stillgelegt, und im bayerischen St. Ingbert entstand südlich der Eisenbahnlinie an der Straße nach Hassel ab 1914 ein neues, modernes Werk, das 1918 den Betrieb aufnehmen konnte. Mit einer Produktion von jährlich 2 Mio qm Flachglas bei einer Belegschaft von 980 Arbeitern zählte das St. Ingberter Werk zu den leistungsfähigsten Glashütten auf dem Kontinent. Bereits 1926 stellte man von den mundgeblasenen Walzen auf das maschinelle "Tafelziehverfahren nach Fourcault" um, das durch die Ersparnis von Brennstoff und Arbeitskräften sowie durch eine Beschleunigung des Produk- tionsvorgangs erhebliche Vorteile brachte. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgten weitere Modernisierungsmaßnahmen. Dennoch mußte das Werk unter dem Druck ungünstiger Wettbewerbsbedingungen im Jahr 1975 geschlossen werden. Die Gebäude wurden gewerblich umgenutzt (Firma Edelmann) und dienen seither überwiegend als Lagerhallen; ein Teil wird heute nicht mehr genutzt.

Der ursprüngliche Gebäudebestand ist noch vollständig erhalten, wenn auch teilweise in schlechtem baulichen Zustand. Aus dem langgestreckten Baukomplex hebt sich - der Chor- und Querhauspartie einer Kirche vergleichbar - die zentrale Produktionsanlage hervor, in der der Schmelzofen und die Ziehtürme standen. Daran schließt sich in einer Länge von 200 m die sog. "Streckhütte" mit dem Schneidehaus an. Im Untergschoß des Schneidehauses waren die Kistenmacherei und der Versand untergebracht mit direktem Zugang zur Laderampe am Eisenbahngleis. Auf der gegenüberliegenden Seite der Gleistrasse liegen die Mechanische Werkstatt und verschiedene Lagerhallen. Zum ursprünglichen Bestand gehört weiterhin das Maschinenhaus, kenntlich an den beiden hohen Schornsteinen.

Die maschinelle Ausstattung ist nicht erhalten. Doch läßt sich der Produktionsprozeß an der funktional differenzierten Anordnung der Gebäude noch anschaulich nachvollziehen. Die architektonische Haltung ist durch solchen Funktionalismus ebenso charakterisiert wie durch eine auf Historismen weitgehend verzichtende Formensprache im einzelnen. Dies verleiht der Architektur eine Modernität, die sicherlich zur Beurteilung des Werks als "Musterbetrieb" beigetragen hat. Im Denkmalbestand des Saarlandes zählt die Vopelius-Wentzel'sche Glashütte zu den besten Beispielen der Industriearchitektur dieser Zeit. Darüber hinaus ist sie neben der Cristallerie Wadgassen (Alte Fabrik, 1883) das bedeutendste bauliche Zeugnis der saarländischen Glasindustrie - neben Kohle und Stahl immerhin der drittwichtigste Industriezweig dieses Landes.

Im Norden schließt sich an das Werksgelände die zugehörige Arbeitersiedlung an. Sie wurde in städtebaulich exponierter Lage oberhalb der Blieskasteler Straße 1920 nach Planung des Kaiserslauterner Architekten Alois Lech erbaut. Die Wohnhäuser sind abgesehen von einem Ledigenheim und zwei Mehrfamilienhäusern geschlossen erhalten. Das 1928 zu Ehren der im 1. Weltkrieg gefallenen Betriebsangehörigen errichtete Denkmal wurde bedauerlicherweise noch in jüngster Zeit abgebrochen (Wiedererrichtung im Siedlungsbereich geplant). Die eingeschossigen Reihenhäuser sind in zwei Zeilen und fünf Gruppen angeordnet. Die langgestreckten Fronten werden durch zweigeschossige Eckbauten und halbrunde turmartige Vorbauten rhythmisiert. Steile Dächer mit Dachgauben und die Verwendung von Sandssteingewänden geben der Siedlung ein traditionalistisches Gepräge.

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