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Die Alte Schmelz in St. Ingbert


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umfassende Darstellung siehe: link www.alte-schmelz.de

Ensemble Alte Schmelz
Quelle: link www.denkmal.saarland.de


Möllerhalle und früheres Herrenhaus
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Bestand: Alleestr. o.Nr.: Alte Möllerhalle, anschließende Werkhalle, Herrenhaus; Alte Schmelz 1/3/5, 2-42 (gerade Nummern), 13/15, 25, 46-60 (gerade Nummern), 64, 68, 72, 78, 80, Parkanlage bei Nr. 25 und 80; Dudweilerstr. 24/26, 29, 31, 79, o.Nr.: ehem. Speisehalle und Bürogebäude des "oberen Werks", Walzendreherei; Saarbrücker Str. o.Nr.: Mechanische Werkstatt sowie nördlich anschließende Werkshalle.

Das St. Ingberter Eisenwerk, im Westen der Stadt gelegen, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die sich heute noch in einem ungewöhnlich dichten und aussagefähigen Denkmalbestand dokumentiert. Im Jahr 1733 durch Graf Caspar von der Leyen gegründet (aus dieser Frühphase die sog. Möllerhalle erhalten), nahm das Unternehmen in der Ära Krämer (1804-1905) einen bedeutenden Aufschwung. Davon zeugen u.a. das Krämer'sche Herrenhaus von 1807, im Habitus noch ganz barock, und das spätklassizistische Verwaltungsgebäude aus den 1870er Jahren. Zu einem relativ frühen Zeitpunkt, in den 1830er Jahren, wurden hier Puddelöfen errichtet, und 1832 setzte man eine Dampfmaschine zum Antrieb der Walzenstraße ein; es war die erste in der saarländischen Eisenindustrie. Zu den Produkten zählten neben Gußwaren vor allem Eisenbahnschienen, Eisenträger und Draht. Die nördlich des Produktionsgeländes am Hang gelegene und bereits im 18. Jahrhundert begonnene Werksiedlung wurde in zwei Reihenhauszeilen weiter ausgebaut.


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Zwischen 1907 und 1913 führte das Unternehmen, das nach einer Fusion nunmehr als "Rümelinger und St. Ingberter Hochofen und Stahlwerke AG" firmierte, umfangreiche Umbauten und Erweiterungen durch. Aus dieser Zeit stammt eine ganze Reihe von Betriebsgebäuden, die sich durch eine anspruchsvolle architektonische Gestaltung in historisierenden Formen auszeichnen (u.a. Elektrozen- trale, Mechanische Werkstatt, Walzendreherei, Modellager, Pförtnerhaus). Die Siedlung wuchs um weitere Wohnhäuser und ein großes Schlafhaus für Pendler.

"Werk und Siedlung zählen zu den bedeutendsten Denkmälern saarländischer Industriekultur und sind in dieser Dichte und Gebäudevielfalt über einen vergleichbar großen geschichtlichen Zeitraum als Zeugnisse einer ungebrochenen industriellen Entwicklung an keinem anderen Ort des Saarlandes mehr erlebbar" (J.P. Lüth).

Die spätbarocke Werksiedlung, deren Entstehung ab 1771 inzwischen durch dendrochronologische Daten belegt werden kann, ist das früheste erhaltene Zeugnis unternehmerischer Wohnungsfürsorge weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus. Die bisherigen Recherchen lassen vermuten, daß es sich sogar um die älteste erhaltene Arbeitersiedlung im südwestdeutschen Raum handelt, so daß der Anlage eine überregionale, nationale Bedeutung zugesprochen werden kann. Im einzelnen tragen dazu folgende Aspekte bei:

- Überregionale Singularität bzw. außerordentlicher Seltenheitswert des spätbarocken Siedlungskerns aufgrund des hohen Alters; - bauliche Ergänzungen über eineinhalb Jahrhunderte hinweg in Fortführung des ursprünglichen Konzeptes einer zweizeiligen Bebauung beiderseits der Erschließungsstraße "Alte Schmelz"; - hoher Dokumentationswert aufgrund des weitgehend unveränderten Bauzustandes; - besondere bautypologische Vielfalt: unterschiedliche Typen von Wohnhäusern, die zugleich auch die soziale Stellung ihrer Bewohner vom Arbeiter über den Meister und den Beamten bis hin zum Fabrikherrn bzw. Direktor widerspiegeln; das Schlafhaus als hervorragendes Beispiel für diesen inzwischen selten gewordenen Bautyp; das Kon- sumgebäude als werkseigene Versorgungseinrichtung; - städtebauliche Geschlossenheit des Siedlungskomplexes; - unmittelbare Nachbarschaft zum Produktionsgelände, dessen historische Entwicklung sich in architektonisch anspruchsvoller Industriearchitektur von der barocken Möllerhalle bis zu den Gebäuden von 1907/13 eindrucksvoll dokumentiert.

Als Denkmal der Industriekultur ist die "Alte Schmelz" im Rang der Völklinger Hochofenanlage vergleichbar, in der Denkmalaussage verhält sie sich dazu komplementär. Während in Völklingen der technische Prozess der Eisenverhüttung auf einem bestimmten historischen Entwicklungsstand in seiner Komplexität umfassend anschaulich wird, vergegenwärtigt die "Alte Schmelz" den komplementären Bereich der patriarchalischem Selbstverständnis verpflichteten unternehmerischen Wohnungsfürsorge in großer zeitlicher Spannweite, typologischer Vielfalt und außerordentlicher Aussagedichte.

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