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Schiffweiler
letzte Änderung: 6.4.2008


Grubenmuseum in Landsweiler-Reden mit Obelisk von 1869
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Ortsteile: An der Grenze, Graulheck, Heiligenwald, Hirschbrunnen, In der Mussel, In der Mühle, Landsweiler-Reden, Leopoldsthal, Madenfelderhof, Nußberg (bei Landsweiler-Reden), Sonnenberg, Stennweiler, Stülzehof (bei Stennweiler), Ziegelhütte

Im Jahre 893 wird in einer Schenkungsurkunde des Klosters Neumünster bei Ottweiler Illingen erwähnt und eine Kapelle "in loco, qui dicitur Scufines villare" - eine Kapelle an jenem Ort, der Scufines villare genannt wurde. In dieser Urkunde wird beschrieben, dass der Bischof von Metz dem Kloster des heiligen Terentius bei Wibiliskirika (Wiebelskirchen) unter anderem die Kirche zu Illingen (Letoldingos) mit der dazugehörenden Kapelle in Scufines Villare schenkte. Das Kloster Neumünster, das gemeint ist, bekommt das Recht, den Zehnten zu erheben.

Der Name "Scufines villare", d.h. der Weiler des Scufin oder Scufo, verweist auf die Zeit des keltisch-römischen Siedlungsraumes. Die Endung -weiler ist abgeleitet vom lateinischen "villare" und verweist auf die karolingische Ausbauperiode. Der erste Teil des Namens verweist wie hier auch auf den Gründer der Siedlung: Scufin oder Scufo. Diese rund um die Kapelle entstandenen einzelnen Höfe und Hofgruppen können nicht als Weiterentwicklung der römischen Siedlung verstanden werden. Der Name Scufines Villare erscheint in der Folgezeit, durch Lesefehler oder unterschiedliche Schreibweise verändert, als Sciffwilre - Hiffwilre - Tiffwilre oder auch als Schiefweiler.

Jahrhunderte lang bestimmende Grundherren von Schiffweiler waren die Herren von Greiffenclau zu Volrads. Friedrich von Greiffenclau zu Volrads heiratete 1390 Irmgard von Ippelbrunn (Eppelborn) und wurde durch die Heirat Grundherr über die Besitzungen in Schiffweiler. Der Sohn Friedrich von Greiffenclau zu Volrads verzichtet im sogenannten "Rachtungsbrief" von 1430 gegenüber seiner Lehensherrin, Elisabeth von Nassau - Saarbrücken, auf alle Forderungen, die er und sein Vater an die Grafschaft Saarbrücken gestellt hatten. Er verzichtet zugunsten der Gräfin weiterhin auf alle Eisenschmieden und Kohlengruben im Sinnerthal (Sinderthal) und zu Schiffweiler, behält sich jedoch seine Einwilligung vor, wenn die Gräfin solche auf seinem Erbe neu anlegen will. In der Eppelborner Linie des Hauses Greiffenclau blieb das Lehen zu Schiffweiler bis zum Ende der Linie 1511. Die Besitzungen fielen beim Tod von Dietrich von Greiffenclau an Heinrich von Hagen und Friedrich von Fleckenstein.

Der Dreißigjährige Krieg wütete auch in Schiffweiler. Am 7. Dezember 1635 berichtete ein Saarbrücker Rentmeister: "In dem Städtlein Ottweiler, darin die Vorstadt mehrenteils abgebrannt, befinden sich nicht mehr als 10 gesunde Bürger. Die übrigen sämtlich an der Pest und anderen infizierenden Schwachheiten verstorben. Die Dorfschaften zu diesem Amt gehörig sind bis auf 5 Dörfer, darinnen aber die Unterthanen fast gänzlich hinweggestorben, abgebrannt. Exweiler, Schiffweiler, Stennweiler .... sind ganz in Asche gelegt". (Zitat nach Prinz, "Die Wüstungen des Saarlandes", Ottweiler 1935).

Erst 1663 begann der Wiederaufschwung, als sich 11 Familien hier niederließen.

Zwei Ereignisse haben gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Geschichte der Gegend entscheidend verändert: Zum Einen setzte die Französische Revolution, die auch ins Fürstentum Nassau-Saarbrücken getragen wurde, der Leibeigenschaft und der Hörigkeit ein Ende. In der Folgezeit sank die Größe der bäuerlichen Betriebe unter das Existenzminimum. Zum Anderen veränderte die industrielle Entwicklung die wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten. Die Gruben Itzenplitz und Reden sowie die Eisenhütte in Neunkirchen sorgten für Erwerbsmöglichkeiten. Als Folge dieser Ereignisse war im beginnenden 19. Jahrhundert eine Bevölkerungszunahme im Raum Neunkirchen zu verzeichnen.

Die Entwicklung, aber auch die Geschichte des Ortes Schiffweiler ist mit dem Vorhandensein und der Gewinnung der Steinkohle, die für den hiesigen Bereich bereits 1430 erwähnt wurde, eng verbunden. Einhergehend mit der systematischen Erschließung und Ausbeutung der Kohlenvorkommen des Gebietes unter preuß√≠scher Verwaltung siedelten immer mehr Bergleute in Schiffweiler an, so dass sich Schiffweiler vom reinen Bauerndorf zum Arbeiterbauerndorf entwickelte.

Strukturen des Arbeiterbauerndorfes finden sich noch heute in der Architektur. 1995 mit dem Ende des Steinkohlenabbaus auf dem Gebiet der Gemeinde Schiffweiler, nach der Schließung der Grube Reden, ging eine wichtige Epoche für die Gemeinde Schiffweiler zu Ende. Fast 150 Jahre lang konnten die Bewohner von Heiligenwald, Landsweiler-Reden, Schiffweiler und Stennweiler ihren Lebensunterhalt "off de Grub" verdienen. Der Strukturwandel setzte ein, auf ehemaligen Kohlenflächen entstanden neue Gewerbegebiete, neues Leben.

Quelle: link http://schiffweiler.de