Geschichte vom Schloß Saarbrücken
Quelle: link mein-saarland.arno-hornberger.de
Stengelschloß | Burg & Renaissanceschloß | alte Ansichten

letzte Änderung: 7.12.2004

Die Wiederbesiedlung unserer Region, nach dem Untergang des Römischen Reiches und der Völkerwanderung, wobei Siedlungsspuren 2000 Jahre weiter zurückgehen, erfolgt im 7. Jh.n.Chr. in den fruchtbaren Niederungen an der Saar. Ende des 8. Jhs. finden sich vermehrt schriftliche Zeugnisse von Ortsnamen. Vermutlich bereits im 9.Jh. gibt es erste Bauten auf dem Schlossfelsen. Leider ist den frühen Saarbrücker Urkunden zur Baugeschichte des Schlossberges nur wenig zu entnehmen.

999 lesen wir von einem kaiserlichen Kastell, das dem Bischof von Metz geschenkt wird. Zehn Jahre später wird die Burg von Kaiser Heinrich II. erobert. 1168 zerstört Kaiser Friedrich Barbarossa die "Feste Sarebrucca". Die Historiker sind sich heute einig, dass in der zweiten Hälfte des 13.Jhs. eine mächtige Burganlage das Saarbrücker Becken beherrscht.

Zeugnis von dieser Burg legt der "Rothe Turm" ab, der heute im Untergeschoss des Technischen Nebengebäudes zugänglich ist. Mitte des 15.Jhs. wird die bestehende Burganlage erheblich erweitert. In den folgenden Jahren errichtet Baumeister Ludwig Kempf aus Weilburg ein für die damalige Zeit modernes Schloss. Graf Philipp (1574 - 1602) setzt die Bauarbeiten fort. Sein Nachfahre Graf Ludwig lässt 1602 Baumeister Heinrich Kempter aus Vlc (Weil) kommen, der zuvor am Schloss in Neunkirchen gearbeitet hat, um das Schloss nach dem neuesten Baugeschmack zu dekorieren. Im Jahre 1617 ist dieses Saarbrücker Renaissanceschloss vollendet.

Einhundert Jahre später stirbt das Saarbrücker Grafengeschlecht aus. Die Herrschaft fällt an den Grafen von Ottweiler, und als dieser ebenfalls ohne Nachfolger stirbt, gehen beide Territorien an Charlotte Amalie von Nassau- Usingen, Regentin für zwei minderjährige Söhne. Die 1735 verfügte Teilung der Nassauischen Besitzungen bestimmt Wilhelm Heinrich zum zukünftigen Fürsten von Saarbrücken.

Im selben Jahr taucht zum ersten Mal der Name des Baumeisters Friedrich Joachim Stengel in Saarbrücken auf.

Nachdem er den Auftrag zum Schlossbau erhalten hatte, bricht er das Renaissanceschloss ab und beginnt 1739 mit dem eigentlichen Neubau. Die dreiflügelige Anlage fasst er mit einem weiten Vorhof ein. Der Bau selbst ist besonders hoch, die Seitenflügel 3 m und der Mittelbau 4 m höher als das heutige Schloss. Er schafft zwei Stockwerke mit überhohen Fenstern und darüber ein Mezzaningeschoss. Der Mittelpavillon des Hauptflügels betont die Achse und lässt das Schloss noch höher erscheinen. Ein geschwungenes Dach mit reichem Skulpturenschmuck und zierlichen Balustraden verändert den Eindruck der Mächtigkeit ins Heitere, Festliche. Die beherrschende Lage auf dem Felsen über der Saar macht dieses Schloss ganz selbstverständlich zur Stadtkrone Saarbrückens.

1748 ist der Bau des Saarbrücker Barock- Schlosses im wesentlichen vollendet. Mit der Französischen Revolution endet das Zeitalter des Absolutismus. In der Nacht vom 7. zum 8. Oktober 1793 brennt das Saarbrücker Schloss aus. Bis 1800 wird es mit Duldung der Behörden als Steinbruch benutzt.

Nachdem die Bürger von St. Johann sich außerstande sehen, den von Napoleon geforderten Kaufpreis für die Schlossruine zu zahlen, wird sie 1809 versteigert. Die großzügige Gartenanlage hinter dem Schloss war bereits 1806 Parzellenweise durch Versteigerung in die Hände von sieben Saarbrücker Gartenliebhabern gelangt ("Sieben Herrengärten"). Das Gebäude selbst wird in Wohneinheiten aufgeteilt und an verschiedene Eigentümer verkauft.

Das 19.Jh. nimmt einen politisch wie wirtschaftlich wechselvollen Verlauf. Es entwickeln sich politische und territoriale Grundstrukturen, die heute noch gelten. So wird 1816, nachdem das Saarbrücker Land zu Preußen kam, der Kreis Saarbrücken gebildet.

In jene Zeit der politischen Dominanz des Bürgertums fällt der nächste Abschnitt des Saarbrücker Schlosses. 1810 beginnt Adam Knipper, erster Baumeister des Kreises Saarbrücken, mit dem Wiederaufbau und Umbau des Schlosses zu einzelnen Wohnungen.

Knipper lässt das 2. Obergeschoss, das Mezzanin, abtragen und wandelt durch den Einzug neuer Decken den verbliebenen 2-geschossigen Torso zu seiner heutigen 3-geschossigen Gestalt. Den besonders stark zerstörten Nordflügel reißt er bis auf die Oberkante des Erdgeschosses ab und errichtet im Stil des herrschenden Klassizismus den heutigen Flügel mit enger Fenster-Stellung und neuen Eingängen zur Nutzung als Wohnhaus.

Der Mittelpavillon, untauglich zum Wohnen, wird einige Jahre später abgebrochen.

1872 lässt Freiherr von Stumm, der den Mangel der "aufgebrochenen" Drei- Flügel- Anlage erkennt, einen neuen Mittelbau im Stil der damals beliebten französischen Neorenaissance durch den Architekten Hugo Dihm einfügen.


Quelle: Saarheimat 11´ 1979

1938 planten die nazionalsozialistischen Behörden eine Restaurierung des Schlosses nach Knipper. Verwirklicht wurde davon die unbarocke Treppenanlage mit Auffahrtrampen, die u.a. als Freilichtbühne für nationale Fest- und Weihespiele dienen sollte.

Die nächste bauliche Veränderung erfolgt 1937/ 38, als der ursprünglich - wie heute - leicht zum Alten Rathaus geneigte, 3-fach geteilte Schlossplatz durch eine barockisierende Freitreppe zerstört wird; auch die dem Schlossplatz zugewandte Fassade des Dihm'schen Mittelbaus wird barockisiert. Beim großen Fliegerangriff auf Saarbrücken 1944 [2.-4. Oktober] wird der Nordwestpavillon zerbombt. Das Schloss brennt erneut. 1947/ 48 stellt die Renovierung den Vorkriegszustand wieder her. 1982 wird eine grundlegende Sanierung des Gebäudekomplexes begonnen und im April 1989 abgeschlossen. Das Konzept stammt von Prof. Gottfried Böhm, Köln.

Das Schloss heute

Schon während der ersten Überlegungen zur Wiederherstellung des Saarbrücker Schlosses ging man von einer mehrfachen Nutzung des Schlosses aus. Dem kunsthistorischen, städtebaulichen und architektonischen Anspruch des Schlosses entsprechend, haben sich fünf Funktionen des Schlosses herauskristallisiert. Die heutigen Nutzungen haben sich aus der Schlossgeschichte entwickelt, sie haben Tradition, sie sind eine logische Fortsetzung des Lebens, das tausend Jahre lang auf dem Saarbrücker Schlossfelsen stattfand. Das Saarbrücker Schloss ist ein Denkmal von überregionaler Bedeutung. Darin liegt auch der ganz besondere Wert des Saarbrücker Schlosses für unser Land.

1. Das Saarbrücker Schloss -
der Verwaltungssitz des Stadtverbandes Saarbrücken

Seit 1908, als der Landkreis Saarbrücken des Schloss abschnittweise erwarb und Zug um Zug nutzte, diente es als Verwaltungssitz des Landkreises und späteren Stadtverbandes Saarbrücken. Erst diese Verwaltungsnutzung macht eine Wiederherstellung angesichts angespannter kommunaler Haushalte vertretbar.

Das Schloss beherbergt alle Ämter der Stadtverbandsverwaltung, ausgenommen das Schulverwaltungs- und Kulturamt, das Sozialamt, das Ordnungsamt sowie das Ausländeramt, die dem Schloss gegenüber in der Talstraße untergebracht sind. Die vhs Stadtverband Saarbrücken hat Verwaltungs- und Schulungsräume im Alten Rathaus und im vhs-Zentrum. Das Schloss bietet Arbeitsplätze für ca. 240 Mitarbeiter/innen.

Der Mittelpavillon, gemeinhin "Kopf" von Schlossanlagen in doppeltem Sinne, war auch beim Saarbrücker Schloss des 18.Jhs. Ort von Festveranstaltungen und Empfängen. Dort, wo sich früher die Mächtigen des Landes trafen, wird heute eine andere Art der Politik gemacht. Der Stadtverbandstag, bestehend aus 45 - demokratisch legitimierten und unmittelbar gewählten - Mitgliedern, trifft sich hier i.d.R. einmal monatlich zu einer Sitzung. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht einer seiner Ausschüsse im Kleinen Saal tagt.

Kommunal- und regionalpolitischer Einfluss geht vom Schlossplatz aus - wie seit 1000 Jahren. Davon ausgenommen bleibt die Zeit von 1810 bis 1920, in der das Saarbrücker Schloss als sog. "Bürgerschloss" in mehrere Einzelhäuser unterteilt war, die verschiedenen Eigentümern als Wohnungen dienten.

2. Das Saarbrücker Schloss - museal genutzt
Mit dem Historischen Museum Saar beheimatet das Schloss eine Einrichtung, die die letzten 200 Jahre unseres Lebensraumes in Form von ständigen und Wechselausstellungen reflektiert. Kaum ein Ort wäre dazu geeigneter, denn die Schlossmauern wurden selbst zum Spielball der Geschichte wie kein anderer Ort Saarbrückens.

Von der Blüte in absolutistischen Zeiten, über Revolutionswirren und Depressionen während der Naziherrschaft bis hin zur heutigen Nutzung durch eine kommunale Körperschaft und die Bürger selbst hat das Schloss Stunde um Stunde miterlebt Die Steine können davon berichten - die Art der Wiederherstellung versetzt sie dazu in die Lage.

3. Das Saarbrücker Schloss - ein kultureller und bürgerschaftlicher Treffpunkt
Das Saarbrücker Schloss stand, eigentlich seit es existiert, in ständiger Verbindung zu den umliegenden Orten und den Einwohnern. War es früher eher Machtsymbol und unnahbar, so soll das Schloss heute offen für seine Bürger sein; mehr noch, der Bürger soll ins Schlossleben mit einbezogen werden. Kulturelle Aktivitäten als Mittel der Kommunikation - als Bindeglied des Bürgers zum Schloss, der Bürger untereinander. Der Interpretation dieses Kultur-Begriffes sind keine Grenzen gesetzt Das Schlossinnere und -äußere bietet Raum für Konzerte, Kleinkunst, Gedenkfeiern, Lesungen, unkonventionelle oder alternative Darbietungen. Wenden Sie sich mit Ihren Ideen an das Kulturforum Saarbrücker Schloss - es koordiniert und bemüht sich um Unterstützung.

4. Das Saarbrücker Schloss - eine städtebauliche Attraktion
Schon als erste Ansiedlungen in den Niederungen der Saargegend erfolgten, wurde der Schlossfelsen aufgrund seiner Mächtigkeit und Dominanz zum Standort von Befestigungsanlagen, später zum Sitz der mittelalterlichen Burg. Bereits das Renaissanceschloss, mehr noch das Stengelsche Barockschloss in der Blütezeit Saarbrückens im 18.Jh. wirkten als "Stadtkrone Saarbrückens".

Saarbrücken war von der städtebaulichen Seite her wie ein einheitliches, zentriertes Gefüge. Deshalb schadete es auch nichts, dass das Schloss, zusammen mit den alten Siedlungshäusern, den viel zahlreicheren und weitläufigen Bürgerwohnungen auf der anderen Saarseite gegenüberstand. Im Gegenteil: der exponierte Standort am Rande hob die Fürsten aus dem Bürgertum hervor, förderte wahrscheinlich die "Unnahbarkeit", selbst wenn es von Wilhelm Heinrich damals nicht gewollt war.

Diese geschichtliche Situation ist längst überwunden. Die trennende Wirkung des Flusses ist durch die Brücken aufgehoben. Jedoch haben sich manche Lebensäußerungen konzentriert. In St Johann wird gut gelebt, in Alt-Saarbrücken regiert und verwaltet. Das Saarbrücker Schloss will mit all den beschriebenen Nutzungen mit der Gestaltung seines Umfeldes dazu beitragen, dass Alt-Saarbrücken attraktiver wird für die Leute aus nah und fern, dass Alt-Saarbrücken als lebendiger Stadtteil angenommen wird.

5. Das Saarbrücker Schloss - ein Denkmal
Schließlich bedeutet das Schloss ein zeit- und baugeschichtliches Dokument ersten Ranges für den Stadtverband Saarbrücken und das gesamte Land. Die fast 1000-jährige Baugeschichte auf dem Saarfelsen ist in den freigelegten mittelalterlichen Mauerresten, den Teilen des Renaissance- und Barockschlosses, den Wohngebäuden des 19. und dem Verwaltungsgebäude des 20.Jhs. mit der im Originalzustand erhaltenen Gestapozelle als lebendiges Geschichtsdenkmal nachvollziehbar.
(Manfred Schneider)

Zeittafel

  • 9. Jh. Erste Herrschaftsbauten auf dem Buntsandsteinfelsen
  • 999 Urkundliche Ersterwähnung des "Castrum Sarabruca"
  • 13. Jh. Errichtung einer mächtigen Stauferburg über der Saar
  • 15. Jh. Erweiterung und Umbau der Burganlage
  • 1602-17 Baumeister H. Kempter vollendet den Bau eines Renaissance-Schlosses
  • 1618-48 Im 30jährigen Krieg dient das Schloss Schweden, Franzosen und Kaiserlichen als Hauptquartier
  • 1677 Starke Beschädigung des Schlosses in den Reunionskriegen
  • 1697 ff. Wiederaufbau und Modernisierung der Anlage nach Plänen des Architekten J.C. Motte dit la Bonté
  • 1728 Die Grafschaft Nassau-Saarbrücken fällt an die usingische Linie des Hauses Nassau. Vormundschaftliche Regentschaft durch die Fürstin-Witwe Amalie bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Wilhelm Heinrich
  • 1739-48 Abbruch des Renaissance-Schlosses und Bau einer spätbarocken Dreiflügelanlage durch Baumeister F.J. Stengel
  • 1793 Schlossbrand bei Kämpfen zwischen französischen Revolutionssoldaten und preußischen Truppen
  • 1810 ff. Umbau der Schlossflügel zu bürgerlichen Wohnungen durch den Architekten J.A. Knipper. Abbruch des Mittelbaues
  • 1870-72 Errichtung eines neuen Mittelbaues im Stil der französischen Neorenaissance
  • 1908-20 Der Landkreis Saarbrücken erwirbt das Schloss zur Verwaltungsnutzung
  • 1944 Brand im Nordflügel durch Fliegerbomben
  • 1947-48 Reparatur der Kriegsschäden
  • 1969 Baupolizeiliche Sperrung des Südflügels wegen schwerer Schäden der Bausubstanz
  • 1982 Beginn grundlegender Sanierungsarbeiten unter Leitung von Prof. G. Böhm, Köln
  • 1989 Feierliche Übergabe des wiederhergestellten Schlosses an den Stadtverband Saarbrücken

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