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Klarenthal und Krughütte
Dorfgemeinschaft Klarenthal-Krughütte von 1990 e. V.
letzte Änderung: 22/2/2005
 
 
   

Ausgrabungen auf der Krughütte
Quelle: link free.pages.at/dorfgemeinschaft

Ein Bürger aus Krughütte ist bei Sanierungsarbeiten in seinem Hofgelände auf Steinzeugfragmente gestoßen, die wichtige Hinweise zur Geschichte der früher dort ansässigen Töpfereien liefern können. Die Krughütte wurde ja bekanntlich ab 1721 von so genannten "Krug- und Kannenbäckern" aus dem Westerwald und dem Taunus besiedelt.

Vor diesem Hintergrund hat der heimatkundliche Verein Gersweiler-Ottenhausen e.V. gemeinsam mit der unteren Denkmalschutzbehörde der Landeshauptstadt Saarbrücken und dem staatlichen Konservatoramt mit freundlicher Unterstützung der Dorfgemeinschaft Klarenthal-Krughütte eine Grabung auf der Krughütte nach Ostern 2004 durchgeführt. link mehr


evangelische Kirche
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Bauernhaus in der Warndtstraße, datiert 1811.
Nachbarocker zweigeschossiger Putzbau mit Satteldach. [Staatliches Konservatoramt:
link Denkmalliste des Saarlandes.]
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Delbrückschacht (mehr!)
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Geschichte
Quelle: © www.helmut-zimmer.info

Klarenthal mit Krughütte bildet den westlichsten Stadtteil von Saarbrücken. Beide Siedlungen sind neueren Datums, sie entstanden auf Gersweiler Bann aus dem Wunsch der Herrschaft, das Land nach den Verheerungen des 30jährigen Krieges neu aufzubauen und durch Ansiedler wieder zu bevölkern, was schließlich auch für die gräfliche Rentkammer von Vorteil war.

1662, im Jahre seines Herrschaftsantritts, gründete Graf Gustav Adolf von Nassau-Saarbrücken im östlichen Teil des Warndt eine Glashütte und stattete die meist aus der Schweiz stammenden Glasmacher mit einem Freiheitsbrief aus. Die ursprüngliche Siedlung Klarenthal umfaßte zwei Öfen, ein Herrenhaus und zwölf Arbeiterwohnungen; sie wurden benannt nach Eleonora Klara, der Gemahlin von Graf Gustav Adolf, bis 1723 meist als Gräfinhütte bezeichnet. Doch die Glashütte konnte sich nicht halten. 1715 wurde sie verpachtet und 1723 stillgelegt. Die Privilegien wurden fortan wieder aberkannt, die Siedlung blieb allerdings bestehen.

Unter Graf Ludwig erhielten 1721 vier Kannenbäcker aus Raußbach die Erlaubnis, für 30 Jahre im Erbbestand eine Hütte zwischen Klarenthal und Gersweiler einzurichten, hier hatte sich schon vor dem 30jährigen Krieg die Aspacher Ziegelhütte befunden. Wenige Jahre später sind weitere Krug- und Kannenbäcker auf der Asbach (Aschbach) nachgewiesen, aber schon früh setzt sich der Name Krughütte für die Ansiedlung durch. Die Kannenbäcker führten ihr Gewerbe bis zum Ende des Jahrhunderts. Als der Fürst verlangte, zur Schonung des Waldes auf Kohlenfeuerung umzustellen, verlegten die Krughütter sich auf die Herstellung von Ziegeln.

Außer der Krughütter Ziegelei befanden sich in Klarenthal im Jahre 1800 drei Ziegeleien, 1890 sogar elf, doch als 1892 an der Kreisstraße eine Dampfziegelei errichtet wurde, gingen die Handziegeleien ein, bis 1961 war die Dampfziegelei in Betrieb. Trotz ungünstiger Voraussetzungen spielte allmählich die Landwirtschaft die Hauptrolle im Wirtschaftsleben. Klarenthal galt meist als arme Gemeinde. Neben den Ziegeleibetrieben ist die Kohlengräberei zu erwähnen. 1731 wird der erste Grubenstollen an der Stangenmühle, 1766 der Clarenthaler Stollen erwähnt; doch die Förderung blieb bescheiden; 1773 wurde die Förderung eingestellt. 1825 die Klarenthaler Grube definitiv stillgelegt. Niemand dachte damals an den neuen Aufschwung Ende des Jahrhunderts: 1899 - 1905 Anhauen der Delbrückschächte (zur Grube Gerhard, später Ursprung der Grube Luisenthal); 1898-1902 Anhauen der Velsenschächte im Rosseltal (zunächst zur Grube Geislautern, seit 1907 Grube Velsen genannt, deren Tochtergrube Warndt eine der wenigen noch fördernden Gruben des Saarlandes darstellt). Als bedeutende neuere Investition ist die bei den Anrainern nicht unumstrittene Müllverbrennungsanlage Velsen zu nennen, die 1998 ihren Betrieb aufgenommen hat und den Betreibern nach zu den modernsten Europas zählt.

Da die Siedlungskerne der Gemeinden Klarenthal und Krughütte räumlich nicht weit auseinanderlagen, erfolgte 1913 ihre Vereinigung. Die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges angestrebte Loslösung aus der Verbindung mit Gersweiler gelang 1952, das Amt Gersweiler wurde Anfang 1953 aufgelöst. Die Verwaltung der neuen Gemeinde befand sich im alten Schulhaus, bis an dessen Stelle 1958-61 das Rathaus gebaut wurde. 1930 wurde die katholische Pfarrei Klarenthal gegründet (1925-27 Bau der Kirche St. Bartholomäus), bis dahin gehörte Klarenthal zu Völklingen, seit 1918 zu Fenne, Krughütte zu St. Johann, seit 1886 zu Gersweiler. Ein Jahr später wurde eine selbstständige evangelische Pfarrei eingerichtet, 1932 eine Kirche gebaut (1947/48 instandgesetzt).

Zwischen den Weltkriegen entwickelte sich Klarenthal zum Wohndorf. Als dringende Maßnahme wurde ein zügiger Straßenausbau in Angriff genommen; auch nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Bevölkerung überdurchschnittlich zu. Wie im benachbarten Gersweiler bewirkte die Gebietsreform zunächst einen Rückgang des Gemeinschaftslebens, aber auch hier arbeiteten die Vereine stärker zusammen und bildeten eine Dorfgemeinschaft, die als kulturellen Höhepunkt ein von allen gern besuchtes Dorffest veranstaltet.

Quelle: Geschichte der Stadt Saarbrücken Band II
Herausgegeben 1999 von Rolf Wittenbrock

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