Grube Jägersfreude
letzte Änderung: 20/2/2005

siehe auch: Pascal-Schacht der Grube Dudweiler
Die Tagesanlagen der Grube Jägersfreude
Die Bergeschüttungen der Grube Jägersfreude

Ensemble Grube Jägersfreude
Quelle: link www.denkmal.saarland.de

Bild rechts: historische Aufnahm der Grube Jägersfreude
© link www.fell-dudweiler.de

Bestand: Ehem. Kaue, Zechenhaus, Fördermaschinenhäuser Schacht IV mit Fördermaschine und zwei Umformern, Kompressorengebäude.

Einen markanten Einschnitt in der bis ins 18. Jh. zurückreichenden Geschichte der Grube Jägersfreude stellt das Abteufen der ersten beiden Tiefbauschächte im Jahr 1856 dar. 1861 wurde die Grube der Berginspektion IV Dudweiler- Jägersfreude zugeteilt. Nach der Jahrhundertwende erlebte die Grube Jägersfreude eine Blütezeit, nachdem u.a. mit Schacht III (1906) neue Teufen erschlossen, das Abbaufeld erweitert und der Anschluß an die Eisenbahn hergestellt werden konnte. Zwischen 1909 und 1914 stieg die Belegschaft sprunghaft von 230 auf 1.800 Mann an. In der Völkerbundszeit kam Schacht IV (1920 angeschlagen) hinzu. 1956 zählte Jägersfreude noch zu den größten Gruben an der Saar, 1968 wurde im Zusammenhang mit der Schaffung einer Verbundanlage Luisenthal-Jägersfreude- Camphausen die Förderung eingestellt. Die Fördergerüste an den Schächten III und IV fielen 1988.

Der enorme Aufschwung der Jahre vor dem ersten Weltkrieg wird eindrucksvoll durch einige Gebäude der damals großzügig ausgebauten Tagesanlage dokumentiert. Zu nennen ist die ehemalige Waschkaue, ein langgestreckter Sandsteinquaderbau von 1910, der sich mit Lisenen und Rundbogenfriesen noch historisierender Gliederungsformen bedient. Stilistisch nah verwandt, jedoch noch reicher instru- mentiert ist das ehemalige Kompressorengebäude (1911/12), später Zentralwerkstatt, während das Zechenhaus, wie die Kaue 1910 entstanden, wesentlich schlichter als zweigeschossiger Putzbau mit Werksteingliederung und übergiebeltem Mittelrisalit ausgebildet wurde.

Die Fördereinrichtungen sind im Denkmälerbestand der Grube vertreten mit den beiden unmittelbar nebeneinanderliegenden Maschinenhäusern (um 1925) von Schacht IV, der über eine Doppelförderung verfügte: stattliche Gebäude mit massiven, übergiebelten Schmalseiten, die an Tempelfronten erinnern, und Längswänden in Stahlfachwerk. Im nördlichen Maschinenhaus befinden sich noch eine Fördermaschine französischen Fabrikats von 1925 und zwei zugehörige Umformer, nach Slotta eines der besten (Maschinen-) Ensembles aus der Epoche der ersten französischen Betriebszeit.

Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 17): Die Tagesanlagen der Grube Jägersfreude Quelle: link www.delfslotta.de

Architekturen des Bergbaus im Sulzbachtal


Die rostroten Fördergerüste Jägerfreude III und IV (im Hintergrund, von
links). Die beiden Wahrzeichen des Ortes wurden 1988 abgebrochen.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Über Jahrzehnte hinweg dominierte die Silhouette des Bergwerks Jägersfreude den Ausgang des Sulzbachtales und das Erscheinungsbild der Bergarbeitersiedlung Jägersfreude. Zwar wird das Grubenareal in Teilen auch heute noch bergwirtschaftlich genutzt. Das Aussehen der Tagesanlagen hat jedoch in den letzten 35 Jahren einschneidende Veränderungen erfahren.

In Umsetzung der im Generalplan I der Saarbergwerke AG vom 1. Oktober 1962 vorgesehenen Rationalisierungsmaßnahmen wurde die Kohleförderung am Standort Jägersfreude am 26. Juli 1968 eingestellt. Anschließend diente die Grube dem nahegelegenen Bergwerk Camphausen als Nebenanlage. In Folge dieser Entscheidung mussten markante Anlagenteile, so die Aufbereitungsanlage und der Grubenbahnhof, abgerissen werden. Weitergehende Veränderungen brachte auch das Abwerfen der 1906 und 1920 angeschlagenen Schächte Jägersfreude III und IV mit sich. Zwischenzeitlich vom Bergwerk Camphausen als Seilfahrts- und Frischwetterschacht genutzt, wurden sie 1988 verfüllt. Mit dem Abbruch der beiden 1942 und 1950 aufgestellten markanten, rostroten Fördergerüste verlor Jägersfreude im Jahr 1988 seine Wahrzeichen.


Das Werkstattgebäude.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Doch auch die heute noch auf dem Grubengelände vorhandenen Anlagenteile lohnen die Besichtigung. Beginnend am Werkstor bilden sie zwei die Werksstraße begleitende Bebauungszeilen. Die östliche, der Sulzbachtalbahn zugewandte Gebäudezeile besteht aus der Markenkontrolle, der 1959 fertiggestellten Kaffeeküche und einem Werkstattgebäude. Die anschließenden Schachthallen der Schächte Jägersfreude III und IV, die unmittelbar an der Geländestufe zur Bahnlinie standen, sind nicht mehr vorhanden.


Das Zechenhaus (links) und die Waschkaue bilden auf
Jägersfreude funktionell und optisch eine Einheit.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Die westliche Bebauung ist hingegen unverändert geblieben. Siesetzt in Höhe des Grubenplatzes mit der im Jahre 1910 entstandenen ehemaligen Waschkaue ein, die heute als Magazin und Werkhalle genutzt wird. Ebenfalls dem Jahr 1910 entstammt das anschließende repräsentative Zechenhaus. Es ist zweigeschossig aufgeführt, erhebt sich über einem Sandsteinsockel und bildet einen 3-achsigen Mittelrisaliten aus, während seitlich jeweils ein dreiachsiger Seitenflügel folgt.

Das Fördermaschinenhaus Jägersfreude IV, die Schaltanlage und das Fördermaschinenhaus Jägersfreude III sind als Konglomeratbau miteinander verbunden. Besonders bemerkenswert ist das im Jahr 1925 erbaute Maschinenhaus des ehemaligen Doppelschachts Jägersfreude IV. Jede der beiden Förderungen besaß ein eigenes Maschinenhaus. Entsprechend besteht der Komplex aus zwei baugleichen Maschinenhäusern, deren massive, übergiebelteSchmalseiten an Tempelfronten erinnern. Die Längsseiten zeigen hingegen schlichtes Stahlfachwerk.

Das qualitätsvollste Gebäude der Jägersfreuder Tagesanlagen ist jedoch die in den Jahren 1911 und 1912 errichtete Kompressorenhalle. Der langgestreckte, später als Zentralwerkstatt genutzte eingeschossige Baukörper erhebt sich aus einem Sandsteinsockel. Er ist mit Lisenen, Rundfenstern, einem Bogenfries und Eckbekrönungen versehen. Die Lisenen gliedern hell verputzte Fassadenflächen aus, in die unterschiedlichzahlreiche Fenster eingelassen sind. Besonderes Zierelement ist der aus Sandsteinwerksteinen gefügte Dreiecksgiebel über dem Portal.

Text und Fotos: Delf Slotta

IV Steinkohle 10/2002

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