Heinrichshaus
Ein historischer Rückblick
(verfasst in den 50igern Jahren - nach1953 - v. Wilhelm Grande, Direktor d. V. a. D.)
© für die älteren Bilder: link www.heinrichshaus.de
letzte Änderung: 4/2/2005

Das älteste Haus des weit verzweigten Grubenortes Von der Heydt (heute Stadt Saarbrücken) ist das ehemalige Jagdhüterhaus Heinrichshaus an der Haltestelle Saarbrücken-Riegelsberg, Haltestelle der Obuslinie 10. (heute Saarbahnlinie 1) Schon der Name gibt uns einen Hinweis auf die Erbauungszeit. Es ist die Zeit des Saarbrücker Fürsten Wilhelm Heinrich (1741-68). Eine genauere Jahreszahl findet sich leider an keiner Stelle des Gebäudes. Der Fürst schrieb sich selbst Wilhelm Heinrich. Daher auch der noch heute vielfach gebräuchliche Namen "Henrische-Häuschen". Die Ausübung des edlen Waidwerks in den ausgedehnten Waldungen unserer Saarheimat in damaliger Zeit lässt die Bedeutung dieser Jagdhüterhäuser deutlich erkennen.

Die Jagd- und Waldordnung des Fürsten Wilhelm Heinrich vom 7. Juli 1745 bedrohte unerlaubtes Betreten des Waldes und Störung des Wildes dabei selbst durch die Niederschiessung durch die streifenden Jäger und Landgarden. In den fürstlichen und gräflichen Wäldern des Warndt, des Köllertales und um Neunkirchen waren von 1700 ab ungemein hohe Bestände an Rotwild und Sauen herangehegt worden. Die Niederjagd hatte neben dem Rehwild in den Remisen und Feldbännen überreiche Bestände an Hasen, Wildkaninchen, Fasanen und Feldhühnern. Im Betrieb der Jagd hatte auch am Saarbrücker Hof die französische Parforcejagd Eingang gefunden. Mehr als dem eigentlichen Waidwerk der Entfaltung höfischen Prunkes und der Repräsentation dienend. Rücksichtslos ging ihr Verlauf mit einem großen Tross von Reitern und Hatzhunden über Feld und Flur durch Gehöfte und Gärten des Landesmark und mit der angemaßten Wildfolge oft weit noch in fremde Herrschaftsgebiete hinein. Der letzte Fürst Ludwig, den eine schrankenlose Leidenschaft zur Jagd beseelte, unterhielt gar einen Marstall von 300 erlesenen Reitpferden und eine Meute von 500 Hatzhunden.

Die reich ausgestatteten Jagdschlösser NEUHAUS im Köllertaler Wald, Karlsbrunn im Warndt und Jägersburg im Ottweiler Forst waren Mittelpunkte der großen Jagdreviere, die mit mächtigen Wildzäunen eingehegt und von einem Ring von Tor und Jagdhäusern umzogen waren. Eines der bedeutendsten Jagdhäuser im Köllertaler Forst war neben Wolfsgarten und Pfaffenkopf das Henrische-Häuschen, an der Saarbrücker Hauptstrasse gelegen.

Die Hälfte dieses massiven, zweistöckigen Gebäudes bestand aus Wohn- und Wirtschaftsräumen, der übrige Teil aus einer großen Stallung und einer geräumigen, die ganze Tiefe des Gebäudes ausfüllende Scheune. Dichter Efeu umrankte das alte Gebäude, so wie wir das alte Schulhauses und des Inspektionsgebäudes in Von der Heydt und besonders das der alten Zehntscheune am Rastpfuhl in guter Erinnerung haben. Nach dem der Efeu im kalten Winter 1928/29 teilweise erfroren war, wurde derselbe an den besagten Gebäuden zu Von der Heydt restlos entfernt. (? - auf einem Bild von 1891 ist das Efeu bereits entfernt) An der Südseite des Jagdhauses befand sich ein hübscher Goldfischteich mit Springbrunnen, beschattet von einem alten Nussbaum. Viele Morgen Wiesen- und Ackerland gehörten zu diesem Anwesen.

Bis zum Bau der elektrischen Straßenbahn Saarbrücken-Riegelsberg-Heusweiler war dieses alte, fast historisch zu nennende Gebäude, alleinige Beherrscherin dieser Großräumigen Waldlichtung. 1923 wurde als erstes Nachbarsgebäude das Blockhaus für zwei Straßenbahn-Kontrolleure seitens der Gemeinde Riegelsberg erbaut. Heute als Eigentum der darin wohnenden Angestellten der Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal erworben, bildet dieses Haus das einzige Zivilgebäude der Grubenkolonie Von der Heydt.

Zu Beginn der ersten Saarlandzeit nach dem Weltkrieg 1914/18 entstand als zweiter Nachbar an der Südseite ein massives Doppelhaus mit Dienstwohnungen von Grubenangestellten. Gleichzeit aber wurde das Antlitz des alten Henrische-Häuschen durch Umbau von Scheune und Stallung in eine moderne Dienstwohnung der Grube zu seinem jetzigen Aussehen verändert. Wie schon angedeutet, befindet sich also auch das alte Heinrichshaus im Besitz der Grubenverwaltung. Zu welchen Zeitpunkt erfolgte die Erwerbung des Besitzes durch den Bergfiskus, und wer waren die früheren Besitzer dieses Anwesens? Zu Anfang des verflossenen Jahrhunderts war Heinrichshaus mit den umfangreichen Ländereien, der "Nauwies" und des Wiesengeländes am Fischbach hinter der Rußhütte und den Ländereien auf dem Riegelsberg bis hinauf zum Schooksberg Eigentum der Familie Raubuch. Eine Ehefrau der Familie stammte vom nahen Wolfsgarten bei Neuhaus. Aus dieser Ehe Raubuch stammten zwei Kinder. Der Sohn gründete die Burbacher Familie Raubuch, welche bestens bekannt war durch ihre großen Pferdehaltungen auf der Burbacherhütte und auf einigen Gruben. Desgleichen stellte Fuhrunternehmer Raubuch bei den Provinzialstraßen- Instandsetzungsarbeiten zum Fortbewegen der schweren mit Wasser gefüllten Straßenwalze durchschnittlich 8 Pferde.

Ein weiterer Besitz der Stammfamilie Raubuch zu Heinrichshaus war die "Sandkaul" an der Straße nach Riegelsberg hinter dem Kirscheckschacht. Den hier gegrabenen Sand lieferte Herr Raubuch jahrzehntelang an die Burbacherhütte. Schichtmeister Ludwig von der Berginspektion Von der Heydt lernte die Tochter des Herrn Raubuch zu Heinrichshaus kennen und vermählte sich mit ihr in den ersten Jahren nach dem Kriege 1870/71. Das ganze große Anwesen ging nun auf die Familie Ludwig über. Auf drängen der Grubenverwaltung hin verkaufte Schichtmeister Ludwig etwa 1890 Heinrichshaus an den Bergfiskus. Unter Raubuch und Ludwig war in Heinrichshaus stets der Berieb einer Gastwirtschaft, der mit dem Übergang in Grubenbesitz erst endete. Das einsame Waldwirtshaus an der Lebacher Straße war sowohl in Saarbrücken auch im weiten Köllertal wohl bekannt. Sowohl die vorbeikommenden Fuhrleute als auch die Fußwanderer machten gerne Rast in der gemütlichen Wirtsstube. Falls der Fuhrmann auf der langen einsamen Fahrt eingenickt war, machten die Pferde schon von ganz alleine an der bekannten Stelle halt, denn hier gabs einen frischen Trunk und auch das nötige Futter zur Stärkung für die Weiterfahrt. Selbst die Fußgänger aus dem unteren Köllretal nahmen ihren Weg über en Schooksberg oder die Entenlöcher, um nach Überquerung des Burbachtales von Heinrichshaus aus der Hauptstraße nach der Stadt zu folgen. So liegt eine Anzeige vom Januar 1827vor,in welcher ein Püttlinger Bürger seinen Mitgenossen eines Vorfalles mit der Eiweiler Eierfrau bezichtigt, geschehen auf dem "Henrischer Heuschen" am 14.Oktober 1826. Also war auch damals schon der Besuch dieser Gaststätte ein recht reger. Zu erwähnen sei auch, dass im Jahre 1820 eine Magd von Heinrichshaus in der Nähe der jetzigen weißen Brücke beim Wasserholen ein Urnengrab entdeckte. Sie grub die Urne aus, und aus Ärger darüber, dass sie den vermeintlichen Schatz darin nicht vorfand, sondern nur Brand- und Knochenasche, zerstörte die Finderin das Gefäß.

Durch Nachgrabungen stellte ich fest, dass es sich tatsächlich um ein solches Grab gehandelt hat. Noch fanden sich die großen unregelmäßigen Steinplatten vor, welche die Urne umstanden hatten. Außerdem fand ich bei dieser Gelegenheit noch eine rotglasierte Tonscherbe, versehen mit einem netten Rosenornament, anscheinend herrührend von einem Beigabengefäß zur großen Urne.

Und noch eine Jagdgeschichte aus der Napoleonischen Zeit, i welcher ebenfalls Heinrichshaus erwähnt wird: Am 6. Brumaire des Jahres 11 (28. Oktober 1802) schrieb der Unterpräfekt des Arrondissements Saarbrücken an den Maire von Saarbrücken, Herrn von Mandell, einen Brief, der in der Übersetzung so lautet: Die wiederholten Klagen, die wir zugegangen sind, Bürger Maire, über die Verheerungen und Verwüstungen, welche täglich die Wölfe an verschiedenen Stellen des Arrondissements anrichten, und die so weit gekommen sind, dass sie die Sicherheit des Viehs auf den Feldern und selbst die der Reisenden gefährden, habenmich veranlasst, eine allgemeine Treibjagd anzuordnen. Sie werden demzufolge die Güte haben, allen männlichen Bewohnern der Dörfer Mohlstadt und Burbach zu befehlen, sich zu einer Treibjagd ausgerüstet, unfehlbar am 12. diesen Monats pünktlich um 7 Uhr morgens am Neuhaus als Versammlungsplatz einzufinden und die folgenden Bürger einzuladen, sich zu der selben Stunde am Heinrichshaus einzufinden, um an der Jagd teilzunehmen: Stichling, Rat a. D., Dern, Asseessor a. D., Fürstenrecht, Großjägermeister, Fürstenrecht, Landjägermeister, Walster, Kaufmann, Wenger, Ingenieur der Brücken und Straßen, Wilkens, Apotheker, Thomas Röchling von St. Johann, Karl Schmidtborn, Knörzer, Landmesser, Bühler, Wachtmeister zu Pferd, Wahlster, Unterförster, Wahlster, früherer Kammerdiener, Hoos, Förster, Schmidt, desgl., Stöver, Förster von St. Johann, Dürrfeld, Unterförster, Bachmayer von Arnual, Pfeilstücker, Kupferschmied, Fohrberg, Korn, Korn Sohn, Kaufmann, Lander, Vater und Sohn, v. Holz, Schmidtborn, Holzhändler, Thomas Köhl, Sohn von St. Johann und Körner, auch v. St. Johann.

Von den Söhnen des letzten Besitzers von Heinrichshaus lebt gegenwärtig nur noch der am 4. September dort selbst geborene Herr Eduard Ludwig, Besitzer eines großen internationalen Speditionsgeschäftes in Wuppertal.

Von den alten Köllertaler und auch Saarbrücker wäre der alliterierende Vers wohl bekannt:
" Hinner Heriche Haus hat Hennriche Hund hunderd Hase hör huschde."

Ende der 60iger Jahre verkaufte die Saarbergwerke AG das Haus! (die beiden Gebäudehälften getrennt!) Das Haus ist heute in Privatbesitz!

SaarbrückenVon der Heydtwww.saarlandbilder.netKarte


Zeit unbekannt - vermutlich Mitte - Ende 19. Jahrhundert!


1891 (nach Notiz auf Foto) - Im Heinrichshaus ist noch eine Wirtschaft, aber das Efeu ist bereits entfernt!


Datum unbekannt - könnte vor dem 2. Weltkrieg sein...


Blick von der Haustür auf die Hauptstrasse Richtung Saarbrücken - vor 1953, da die elektr. Strassenbahn zum Zeitpunkt der Bildaufnahme noch fährt. genaues Datum unbekannt!


ca. 1965


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Auf das Alter deuten noch die Kellereingänge
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Staatliches Konservatoramt.
link Denkmalliste des Saarlandes:
Heinrichshaus 004

Heinrichshaus. Ehemaliges fürstliches Jagdhaus, im Kern 18. Jahrhundert. Zweigeschossiger Bau mit Satteldach, stark verändert. Scheune und Stallung um 1920 zum Wohnhaus umgebaut.

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