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Gersweiler
letzte Änderug: 6/10/2008
Saar auf- und abwärts
 
 

Sehenswert:
ev. Kirche - 18.Jh. (siehe rechts), Ruine der Aschbachkirche

[Bild links: ev. Kirche Rodheim (Friedberg) © link www.kirchbau.de] Eine Verwandtschaft der ev. Kirche von Gersweiler zur ev. Kirche in Rodheim (Hessen), 1732-1736 nach Plänen des Hanauer Baudirektors Christian Ludwig Hermann erbaut, ist nicht von der Hand zu weisen

Husarendenkmal in Gersweiler: Das Obeliskenförmige Denkmal erinnert an die an dieser am 6. August 1870 Stelle gefallenen Soldaten.

Glashütten in Gersweiler


Die Krier-Herb'sche Glashütte, rekonstruktion von Carl Büch.
Quelle: Saarheimat 7´ 1976

erhaltene Gebäude: Ehem. Herrenhaus, 18.Jh. Zweigeschossiger Putzbau mit Krüppelwalmdach.

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Ortsverzeichnis


ev. Kirche © link www.8ung.at/orgel-sb


ev. Pharrhaus

Im Zuge der Reformation in der Grafschaft Saarbrücken 1575 wurde auch die Stiftspfarrei Gersweiler, die zum Stift St. Arnual gehörte, evangelisch. Selbstständige Gemeinde wurde sie aber erst 1844. Die Kirche wurde 1783/84 durch Johann Jakob Lautemann (wie auch die ev. Kirchen in Fechingen und Güdingen), einen Schüler von Friedrich Joachim Stengel, im Barockstil erbaut. Sie war als Querhaus angelegt, d.h. Altar und Portal befanden sich jeweils in der Mitte einer Längsseite des rechteckigen Baus.

In den 60er Jahren des 20. Jh. wurde die Kirche dann stark verändert. An den Querseiten wurden ein niedriger Vorraum, an dem sich jetzt der Eingang befindet, mit darüberliegender Orgelkammer und gegenüber ein hoher Altarraum angebaut, wodurch die Kirche zum Langhaus wurde. Der alte Eingang wurde zugemauert und es wurde eine hölzerne Decke eingezogen. Im Jahr 2002 wurde der Innenraum renoviert, es wurden u.a. ein neuer Boden und eine neue Beleuchtung angeschafft.


kath. Kirche © link www.8ung.at/orgel-sb


© Josef Gläser link www.mydarc.de/dk2va/

Gersweiler
Quelle: link gersweiler-online.de

Die Frühgeschichte von Gersweiler.

Blick auf Fenne
© Josef Gläser link www.mydarc.de/dk2va/
Alter Gersweiler Wasserturm
© Josef Gläser link www.mydarc.de/dk2va/

Gersweiler, ein damaliges altes Bauerdorf im Saartal, unterhalb der Stadt Saarbrücken und an diese angrenzend, dehnt sich mit seinem Besitz im Süden bis zur französischen Grenze aus. Im Norden bildet die Saar die Grenze, im Osten Saarbrücken mit seinem Waldgebiet, im Westen sind die Orte Klarenthal und Völklingen die Nachbarn. Dunkel ist die Entstehung und der Uranfang unserer Gersweiler Besiedelung. Bodenfunde bezeugen das sich in der Saartalrinne schon vor über 2000 Jahren Menschen angesiedelt hatten.

Die spätere Zeit, etwa um 58 v. Chr., die zur Unterwerfung ganz Galliens führte, ließ auch unser Gebiet vollständig besetzen die vielen römischen Funde beweisen das. Am Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. Brachen germanische Stämme die römische Herrschaft. Es waren Franken die sich hier niederließen. Die fränkische Landnahme brachte umwälzende Reformen.Nach Lebensbeschreibungen der Heiligen des 6. und 7. Jahrhunderts wird die Kultivierung von Ödland, Wäldern und Sümpfen als religiöse, verdienstliche Tugend gepriesen. Damit beginnt die frühmittelalterliche Aufbauzeit, in welcher die größte Zahl der alten ....weiler-Orte entstand, wahrscheinlich auch Gersweiler. Etwa vom 8. bis 14. Jahrhundert rechnet man die mittelalterliche Rodungsperiode mit den sogenannten ....bach- und.....hausen-Orten.

Die älteste Urkunde ist von 1252. Der Ort nannte sich dann bis zum Jahre 1312 Gerswiler, 1524 Gerswillre, 1542 Gerßweiller, 1729 Gerschwyler, ab 1807 Gersweiler.

Im Jahre 1618 begann im entfernten Böhmen ein Krieg, der dreißig Jahre dauern und großes Unglück über das ganze deutsche Reich, somit auch über die Grafschaft Saarbrücken, bringen sollte. So schwer die Jahre 1625, 1627 und 1632 hier auch waren, so gingen sie doch vorüber ohne wesentliche Eingriffe in den Bestand der Bevölkerung und der Dörfer, das Leben ging weiter. Furchtbar war das Jahr 1635. Nach der Schlacht von Nördlingen im September 1634, bei welcher Schweden die größte Niederlage erlebte, wurde jetzt Bernhard von Weimar der Heerführer der vereinigten Schweden und evangelischen Truppen gegen den Kaiser. Er mußte sich auf das linke Rheinufer zurückziehen, um sich mit den verbündeten Franzosen unter dem Befehl des Kardinals de la Valette in Lothringen zu vereinigen. Gallas, Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, setzte ihm nach. Es war durchaus kein rein innerdeutscher Religionskrieg, sondern ein Machtkampf zwischen den Herrscherhäusern Bourbon und Habsburg. Das kaiserliche Heer bestand im wesentlichen aus deutschen Landsknechten, Spaniern, Ungarn und Kroaten, das schwedische aus eigenen Landsleuten, deutschen Landsknechten, aber auch aus vielen anderen Völkerschatten, Dänen, Iren, selbst Lappen. Die Ungarn, Kroaten Undaschweden waren die Gefürchtetsten. Diese zum Teil sehr undisziplinierten Völkerschatten fielen 1635 über unser Land, aber auch über Pfalz und Lothringen her. Bei Merlebach vereinigten sie sich. Nach ihrem Abzug blieb ein zerstörtes Land zurück. Wo sonst frohe und fleißige Menschen lebten und Wohlergehen geherrscht hatte, war jetzt nur verbrannte Erde, herrschten Hunger, Not, Elend und Pest.

Die Landbevölkerung war, sofern möglich, in befestigte Städte geflohen, nach Trier, Luxemburg und vor allem Metz, das damals französisch war. Die Familie des Grafen von Nassau-Saarbrücken mit dem ganzen Hofstaat zog es ebenfalls in diese Stadt. Graf Wilhelm Ludwig sollte Saarbrücken nicht mehr wiedersehen 1640 starb er in Metz in dürftigen Verhältnissen.

Befehlshaber der Truppe, die über Gersweiler herfiel, war der Marquis von Gonzaga aus einem italienischen Geschlecht bei Mantua, ihm unterstanden etwa 6000 Mann, Ungarn und Kroaten. Gonzaga hatte bei Wallerfangen die Saar überschritten, die Stadt gestürmt und verbrannt. Auf seinem Weg nach Saarbrücken hinterließ er ausgeraubte und eingeäscherte Höfe und Dörfer. Die Belagerung von Saarbrücken, das von den Franzosen verteidigt wurde, begann am 28. September 1635. Die Zerstörung Gersweilers dürfte somit Ende September dieses Jahres erfolgt sein.

Am 7. Dezember 1635 berichtet der Rentmeister Klicker, in Gersweiler "seind nit mehr als 3 Einwohner am Leben." Anderen Orten erging es nicht besser. So seien in Völklingen "nit mehr als 8 oder 9 Untertanen", in Malstatt "seindt die Häuser teils abgebrannt teils abgebrochen, 5 Untertanen am Leben", in Ludweiler "weiß man nit, ob jemand am Leben", Nassweiler "ist uf'm Boden abgebrannt und niemand mehr vorhanden", Sulzbach sei "fast ganz abgebrannt und leben an Untertanen nicht über 2" usw.

Im Jahr seiner Zerstörung zählte Gersweiler mit Ottenhausen 18 Vogteien. Mit Vogtei bezeichnete man eine Hofstatt, ein typisches bäuerliches Anwesen, daß das Saarbrücker Landrecht mindestens seit 1321 kennt. Graf Johann I. gab in diesem Jahr nicht nur den Städten Saarbrücken und St. Johann den Freiheitsbrief, sondern seinen gesamten Untertanen ein treffliches Landrecht, das zu den ausführlichsten Werken dieser Art in jener Zeit gehört und bis zur Auflösung der Grafschaft als Rechtsgrundlage diente. Eine Vogtei bestand aus der Behausung (Wohnung) und dem Stall, die unter einem Dach vereint waren, und weiteren einzelstehenden Gebäuden wie Scheune, Fruchtspeicher, dem Backofen und dem Keller (das Hauptgebäude war nur selten unterkellert).

(...)

Im Jahre 1635 war die Meierei Gersweiler - also mit Ottenhausen, das nie eine selbständige Gemeinde war - ein mittlerer Ort der Grafschaft. Aufgrund der Anzahl der vorhandenen Pferde, 62, kann man sagen, daß es kein armer Ort war. Die wohlhabensten Einwohner zu dieser Zeit waren Wagner Hans, Lang Nikolaus und Claußen Friedrich, jeder von ihnen hatte 5 oder 6 Pferde im Stall.

Meier in diesem schrecklichen Jahr war Hans Mohr, auch Mohr Henßgen genannt. Im Mai und Juni 1635 lieh er jeweils 6 Reichsthaler bei dem "Kaufhändlern Johann Schmidtborn. Zeuge war dabei der Gersweiler Hans Becker, auch Hans Bier genannt. Am 20. Juli 1637 bezeugt er dies in Metz vor dem Oberamtmann Philipp Georg von Pißport und teilt weiter mit, daß der Meier verstorben sei.

Die Jahre bis zum Friedensschluß 1648 waren weiterhin geprägt durch ständige Truppendurchmärsche der verschiedensten Heere, alle verroht und ausqehungert.

Die Bevölkerung musste das Militär ernähren und wurde dennoch ihrer wichtigsten Habe beraubt. Übergriffe der Landsknechte, Krankheit, Unterernährung und Seuchen peinigten die Menschen. Das Acker- und Weideland wurde zur Einöde, die menschlichen Wohnstätten wurden Trümmerhaufen, die von Gestrüpp überwachsen wurden.

Nach 1635 war der ganze Ort zerstört und so gut wie menschenleer. So blieb es über ein Jahrzehnt lang. 1651 war die Einnahme der Rentenkammer für Gersweiler und Ziegelhütte immerhin 19 Gulden und 13 Albus. Diese erste Wiederbesiedlung war aber von kurzer Dauer. 1661 wurde Gersweiler in einer Aufzählung der Dörfer der Grafschaft Saarbrücken nicht mehr aufgeführt. Auch in Ottenhausen war niemand. Der Ansiedelungsversuch des Dominik Hoffmann aus Merlebach, der eine Tochter von Friedrich Claußen geheiratet hatte, schlug fehl. Er schaffte es nicht, das verwilderte Land so zu bewirtschaften, daß er seine Familie ernähren konnte und verließ die Grafschaft 1664, ohne sich vorher von der Leibeigenschaft loszukaufen. Dies war damals ein Verbrechen, sein Name wurde an den Galgen geschlagen.

Eine echte Wiederbesiedlung setzte erst nach 1672 an. Die Grafschaft hatte etwa 84% seiner Bevölkerung verloren. Als erster bemühte sich Graf Gustav Adolf (1660-1677) um den Zuzug neuer Siedler. Er ließ auch die ausgewanderten Einwohner zur Rückkehr auffordern und versprach ihnen, ebenso den Neusiedlern, Befreiung oder Minderung bestimmter Lasten.

Von den alten Familien, die im Dreißigjährigen Krieg in Gersweiler gewohnt hatten, war nur ein Nachkomme der Familie Becker wieder hier. Dies soll nicht bedeuten, daß alle anderen Familien ausgestorben waren. Bei fünf oder sechs trifft dies zu. Die Reuter, Christschilles, Wagner lebten in Malstatt und Saarbrücken. Von Kiefer wohnten eine Tochter und ein Sohn in St. Arnual. Von Melchior Clausen war ein. Sohn bei einem Grafen in Brüssel im Dienst. Von Arnual Cuntz war eine Tochter in Sierck mit einem Soldaten verheiratet. Von Krieger Nickel lebte eine Nichte in Metz. Eine Tochter von Lockweiler war noch am Leben, ebenfalls außer Land und mit einem Italiener verheiratet. Ein Sohn von Bastian Reuter war "Balbierern (Barbier) in einem anderen Land.

Es ist schwierig, die Besitzverhältnisse der Gersweiler Einwohner nach dem Dreißigjährigen Krieg im heutigen Ort zu lokalisieren. Für Ottenhausen habe ich dies getan. Über Gersweiler ist diesbezüglich noch wenig erfolgt. Auch diese Arbeit liefert nur einen kleinen Mosaikstein. Fest steht, daß die ersten Gebäude von Gersweiler in der Hauptstraße zwischen der Krughütter Straße und der Straße "In der Meierei", ferner in der Brunnenstraße bis zum Brunnen standen. In Ottenhausen standen die ersten Häuser etwa von der Klarenthaler Straße bis zur Blumenstraße.

Für die Zeit vor und nach dem Dreißigjährigen Krieg stehen uns wertvolle Quellen zur Verfügung, die uns erlauben, viele, jedoch nicht alle Grundstücke und Gebäude zu lokalisieren. Zu nennen sind zuerst die Flurkarten des Geometers Johann Georg Valentin Knoerzer von 1762/63. Da das alte Bannbuch vielfach unrichtig und widersprüchlich war, hatte Fürst Wilhelm Heinrich (1741 -1768) 1753 eine Renovaturkommission ins Leben gerufen. Sie sollte alle Bänne der Grafschaft Saarbrücken und der Herrschaft Ottweiler aufmessen und den Eigentümern ihre rechtmäßigen Besitzungen gerichtlich zuschreiben. Die nach dieser Messung angefertigten Spezialkarten können noch heute den besten Arbeiten dieser Art zur Seite gestellt werden.

Auszüge aus dem Buch: Zwischen Saar und Aschbach (Heimatkundlicher Verein Gersweiler-Ottenhausen) und Flurnamensammlung vom Gersweiler Raum (Carl Büch)


Quelle: Saarheimat 7´ 1976

Die Gersweiler Steingutfabrik Gebr. Schmidt (vormals Glashütte Sofienthal) kurz nach der Stillegung des Betriebes. Ansicht von der Straße. Im Hintergrund die noch schwach besiedelte Burbacher Talseite. Das Bild wurde 1908 aufgenommen. Die Straßenbahnlinie nach Gersweiler wurde erst in diesem Jahr eröffnet.


ehem. Bahnhof – anro 22/2/2005