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Alte Brücke, Saarbrücken

Die älteste erhaltene Steinbrücke über die Saar ist die Alte Brücke in Saarbrücken, eine ursprünglich auf 13 Pfeilern stehende, massive Steinkonstruktion. Ihr Bau wurde 1546-1548 veranlaßt von einem Anhänger Kaiser Karls V., dem baufreudigen Saarbrücker Grafen Philipp II. – auf Wunsch des Kaisers, der 1546 auf dem Weg nach Frankreich die Saarstädte Saarbrücken und St. Johann passieren wollte und durch Hochwasser einige Tage aufgehalten wurde. Der Bau kostete rund 20.000 Gulden; zu seiner Finanzierung erbat sich Philipp das Recht, einen Brückenzoll zu erheben. Sie war zwischen 1548 und 1784 die einzige Steinbrücke am Fluß und bis 1865 die einzige Brücke in den Saarstädten, abgesehen von der Eisenbahnbrücke, die 1849 am Schanzenberg für die Bahnlinie nach Forbach errichtet wurde. An den malerischen Nebenflüssen Blies und Oster im Nordosten des Saarlandes entstanden um 1550 zwei weitere Steinbrücken. Die dreibogige Brücke aus Sandstein, die in Oberlinxweiler (Lengertstraße) die Blies quert, und die steinerne vierbogige sogenannte Römerbrücke über die Oster in Fürth (Brückenstraße), deren Brückenpfeiler mit Wasserbrechern versehen sind. Die Fernstraße über die Saar hatte ihre Bedeutung durch das ganze Mittelalter und die Renaissance bis zur Moderne behalten. Zunächst war sie eine mittelalterliche via regalis (Königsstraße), d. h. Fernhandels-, Heer- und Nachrichtenstraße; in gleicher Funktion nutzte sie dann Napoleon I., der 1806-1811 ihren Ausbau zur frühmodernen Heerstraße in den Jahren betrieb; erst seither heißt sie Kaiserstraße. Die Alte Brücke zwischen Saarbrücken und St. Johann erlebte wegen ihrer strategisch zentralen Position mehrere kriegsbedingte Zerstörungen, bei denen unter anderem der südliche Torbau, das Saarbrücker Zollhaus von Hans Sparer, auf der Strecke blieb. Von französischen Truppen wurde die Brücke dreimal durch Sprengung zerstört: Reunionskriege 1677, Revolution 1793, Befreiungskriege 1813-1814; von deutschen Truppen einmal am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945. Danach wurde die Brücke jeweils wieder aufgebaut. Was alle Kriege nicht schafften, erreichte der Autoverkehr unter der Flagge des Fortschritts. 1962 wurde für den Bau der Saarbrücker Stadtautobahn der südliche Brückenkopf und ein Teil der Brückenbögen zerstört. Dabei wurde mit der Wohnbebauung entlang des südlichen Saarufers zugleich ein wichtiger Teil der historischen Bausubstanz von Alt-Saarbrücken abgerissen. Die Alte Brücke, Symbol der Verbindung der beiden Saarufer, ist seither fragwürdiges architektonisches Stückwerk und dient nur noch als Fußgängerbrücke – ein Rückschritt von der ehemaligen europäischen Fernverbindung zur innersaarbrückischen Lokalverbindung. Der Fernverkehr läuft heute über die außerstädtischen Autobahnen, dabei nimmt kaum ein Fernreisender mehr die Stadt oder den Flußübergang wahr. Als Ironie des Schicksals mutet heute an, daß diese Opfer historischer Bausubstanz umsonst waren. Längst hat sich gezeigt, daß die Trassenführung der Autobahn mitten durch die Stadt, die damals als unverzichtbarer Sachzwang moderner Straßenführung angesehen wurde, stadtplanerisch aber eine äußerst kurzsichtige Lösung war und verkehrstechnisch hinter die Planungen Henri Pingussons von 1945 zurückfiel. Die Stadtautobahn ist mittlerweile längst an der Grenze ihrer Verkehrskapazität angelangt. Bei den immer häufigeren Hochwassern wird sie mindestens einmal pro Jahr überflutet. Ganz abgesehen von dem ökologischen Schaden, den die Flußaue dabei erlitt, hat die Trasse am linken Flußufer auch den städtischen Lebensraum zerschnitten.

Alte Brücke Saarbrücken
erstellt am 11/1/2005 – letzte Änderung: 29/1/2008


anro 5/2/2005

Die Brücke im Wandel der Zeit


um 1800
Quelle: Saarbrückens Vergangenheit im Bilde


um 1840
Quelle: Saarbrückens Vergangenheit im Bilde


um 1880


um 1890


um 1900


um 1930


Alte Brücke mit Kriegsschäden


Mitte der 50er Jahre


um 1960

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