Ritterstraße Püttlingen
66346 Püttlingen, Stadtverband Saarbrücken
erstellt am 13/2/2005

DER PÜTTLINGER STADTTEIL RITTERSTRASSE:
EIN GESCHICHTSTRÄCHTIGER ORT SEIT MEHR ALS 3000 JAHREN

Unter den historisch reichlich bedachten Stadtteilen Püttlingens braucht sich die Ritterstraße keineswegs hinter Köllerbach und Altpüttlingen zu verstecken; denn Ritterstraße ist ein geschichtlich und kulturell trächtiger Platz auf der Höhe zwischen Püttlingen und Altenkessel und dem dazwischen liegenden Frommersbachtal. Die ältesten Siedlungshinweise reichen zurück bis in die Zeit der Ligurer vor mehr als 3 000 Jahren.

Die ersten Ritterstraßer Siedler vor 3 000 Jahren waren Ligurer und Bronzezeitmenschen

Heute bemühen sich die Völker Europas, ihre Grenzen untereinander aufzuheben, um zu einer Einheit zusammenzuwachsen. Vor etwa 4 000 Jahren war Europa bereits eine Einheit im Reich der Kelten von Skandinavien bis zum Tiber und vom Atlantik bis zum Kaukasus. 1.) Kelten, Ligurer und Etrusker waren stammverwandte, friedliebende Völker im Raum Kaukasus und Kleinasien. Im 2. Jahrtausend vor Chr. wanderten sie nacheinander nach Westen aus. Die zuerst ziehenden Kelten nahmen im Abendland die einige Generationen später nachfolgenden Bruder-Völker freundlich auf und überließen den norditalienischen Raum den Etruskern. Diese gaben ihm den Namen "Toskana". Den südwestfanzösischen Raum besiedelten die Ligurer und nannten ihn "Ligurien". Die Kelten behielten den französischen Raum "Gallien" sowie West- und Süddeutschland mit Böhmen und dem Nordalpenland. 1.)

So gelangten wahrscheinlich schon in der Bronzezeit (2000-800 v. Chr.) Ligurer in unsere Gegend an Saar, Mosel und Rhein. In Wallerfangen am Blauberg wurden in Grubenstollen Kupfererze gegraben und in Öfen erschmolzen. Hier konnten von versierten Handwerkern Schwerter, Beile, Messer, Ringe, Räder, Wagen und alle möglichen Geräte aus Kupfer und Bronze hergestellt und in alle Welt verkauft werden. Im Frühgeschichtlichen Museum zu Saarbrücken am Schloßplatz, aber auch in Museen in Trier und Paris können Wallerfanger Bronzeprodukte bewundert werden. Es wäre möglich, daß damals auch Bergleute, Schmelzer und Handwerker aus dem Köllertal an der Herstellung oder dem Handel mit Bronzeprodukten in Wallerfangen beteiligt waren. Daß Ligurer und Kelten damals hier gesiedelt haben, ist jedenfalls aus sprachlichen Urkunden der Ritterstraßer Flurnamen erwiesen. 2.)

1.) Robert Sträuli "Die Herkunft der Kelten" und Marianne Kreikenbaum "Keltischer Wortschatz in der deutschen Sprache" in "Museion 2000 " Zürich 1992 S. 6 und 32 ff

Ritterstraßer Flurnamen weisen ligurische Besiedlung im Köllertal nach

Historiker stützen sich bei ihren Forschungen auf "uralte" Urkunden, Archäologen auf ausgegrabene und datierte Funde, Kunsthistoriker auf Baustile und Kunstmerkmale einer Epoche, Theologen auf Schriftsteller aus dem Alten oder Neuen Testament. Die Volkskunde belegt ihre Forschungen mit altüberlieferten Erzählungen, Altenbefragungen, mit alten Geräten, Werkzeugen, Möbeln, Trachten usw. Wenn aber alle Bereiche der Wissenschaften bei ihren Erkundungen der Vergangenheit nicht weiter kommen, dann wissen oft die Sprachwissenschaftler noch Wege zu gehen, um mit Hilfe der alten Sprachen kulturhistorische Forschungsergebnisse beizusteuern. "Typonymie" heißt ihre Wissenschaft, die aus Flurnamen, Ortsnamen, Bergnamen, Gewässernamen oder Landschaftsnamen Reste aus alten Sprachen auswertet und so zu einer Datierung der Besiedlungszeit kommen kann.

Da hat uns der aus Püttlingen stammende Professor Dr. Hans-Siegfried Scherer von der Universität Köln wesentlich weitergeholfen mit seiner Erforschung der "Flurnamen auf Püttlinger Bann". 2.) Er wies zahlreiche ligurische und keltische Sprachreste in den ältesten Flurnamen unserer Köllertaler und auch Ritterstraßer Heimat nach. So sind zum Beispiel die beiden Flurnamen "Auf der Ath" und "Vor Nack" von Menschen aus der ligurischen Zeit bzw. der vorligurischen Zeit den Fluren gegeben worden. Diese Flurnamen sind beibehalten worden über 3 000 Jahre bis auf den heutigen Tag.

Auch die auf der Ritterstraße bekannten Fluren "Schocksberg", "Esp", "Erbach", "Frommersbach", "Auf der Schlecht", "Haarwiesen", "Auf der Triesch", "Ölsitters" und "Hunsberg" sind prähistorisch bzw. keltoligurisch. 2.)

2.) Hans Scherer "Flurnamen auf Püttlinger Bann" Köln 1991 Kitschburgerstraße 47, 5000 Köln 90

2 500 JAHRE ALTE KELTISCHE HÜGELGRÄBER AUF DER RITTERSTRASSE

Kommt man von der Ritterstraße über die Saarbrückerstraße und biegt auf die neue Umgehungsstraße ein in Richtung Riegelsberg, dann gelangt man nach etwa 200 m rechts an ein großes Hinweisschild zur Autobahn. Geht man von diesem Schild aus waldeinwärts in Richtung ZDF-Sender etwa 100 m, dann steht man mitten auf einem recht großen keltischen Grabhügel von circa 30 m Durchmesser, 80 cm hoch. Auf dem Hügel stehen hohe Buchenbäume. Der Orkan im Februar 1989 hat eine dieser Buchen entwurzelt und ein tiefes Loch in die Grabstätte gerissen. Der Buchenstamm liegt noch da. Grabbeigaben wurden in dem Loch nicht beobachtet. In unmittelbarer Nähe in nordöstlicher Richtung scheint sich unter dem dichten Buschwerk ein weiterer Grabhügel zu befinden. Archäologen vom Konservatoramt Saarbrücken (Reinhard, Schönwald) waren mit mir am 15. Dezember 1992 an dieser Fundstelle und markierten sie in der Saarlandkarte. Sobald die Mittel genehmigt sind, soll dort ausgegraben werden.

Die Fundstelle liegt am Ende des historisch trächtigen Judenpfades, der vom Heidstock durchs Frommersbachtal nach Riegelsberg führt. Es kann angenommen werden, daß noch mehrere Hügel unter dem Waldgestrüpp freigelegt werden können. Sie dürften der gleichen Epoche angehören wie die keltischen Hügelgräber auf dem Riegelsberger Friedhof und an der Autobahnabfahrt sowie im Herchenbacher und Sprenger Wald, die in den vergangenen Jahren von 1988-93 vom Konservatoramt ausgegraben wurden: um 500 - 450 v. Chr. Eines der ausgegrabenen Gräber im Jahre 1988 im Herchenbacher Wald war ein keltisches Fürstengrab mit einer Wagenbestattung und einem Ohrring aus Gold, wie es bei keltischen Fürstenbestattungen üblich war. Auch in den übrigen Gräbern war man reichlich fündig mit Halsringen, Armringen, Fußringen, Ohrringen, Fibelspangen, Broschen usw. Alle Beigaben konnten in die Zeit zwischen 500-450 vor Christus datiert werden, in die Übergangszeit zwischen der Hallstattzeit (750-450 v. Chr.) und der Latänezeit (450-Chr. Geb.) Es kann auf eine bewegte historische Epoche im unteren Köllertal geschlossen werden zur damaligen Zeit mit einem Fürstensitz im Herchenbacher Wald, einer gallorömischen Fliehburg "Rammelte" auf dem Heidstock am Anfang des Judenpfades und zahlreichen Siedlungen und den dazugehörenden Gräberfeldern auf den Randhöhen zu beiden Seiten des Köllertales.

REGER BETRIEB AUF DER RITTERSTRASSE IN DER RÖMERZEIT VOR 2 000 JAHREN

"1986: Römische Villa am Rande des Schlammweihers freigelegt"

Im Herbst 1986 legte eine Gruppe von Arbeitsbeschaffungskräften des Arbeitsamtes Saarbrücken unter der Leitung des Archäologen Mohammed El Kawash auf der Ritterstraße am Ufer des Schlammweihers der Grube Luisenthal Mauerreste einer römischen Villa frei. Außerdem wurden drei römische Münzen des 2. Jahrhunderts registriert.

1987-92 brachte eine Arbeitsgruppe der Erwerbslosen-Selbsthilfe Püttlingen mit Spaten, Schaufel, Pinsel und Pinzette am Rösselbrunnen in der Flur "Beim alten Schloß", wo vom Volksglauben das sagenhafte "Ritterschloß" vermutet wurde, die Grundmauern einer kompletten Pferdewechselstation mit einem römischen Gutshof ans Tageslicht: 37 m lang, 18 m breit, mit 37 cm mächtigen Fundamentmauern aus lauter exakt wie Backsteine behauenen Sandsteinen aus einheimischen Steinbrüchen. Eine große Toreinfahrt, mächtige Quadersteine, Keller, Zimmer mit 5 Fenstern, 3 bis 4 m hohe Räume, ein großer Innenhof. Die Wohnvilla des Prachtbaues war wahrscheinlich zweigeschossig, wie sie an vielen großen Kreuzungen und Plätzen vorhanden waren in jener Zeit des 3. und 4. Jahrhunderts. 13 römische Münzen in Kupfer und Bronze aus der gleichen Zeit, mehrere Sorten des Pferdegeschirrs sowie Anspannriemen und Eisenketten brachten die Archäologen auf den Zweck der Prachtvilla als "Pferdewechselstation".

"Glücklich fündig geworden und Pech gehabt!"

Nur selten sind wir Archäologen so fündig geworden wie hier auf der Ritterstraße. Oft waren nächtliche Besucher mit Suchgeräten beim Münzenraub auf der Grabungsstelle. Es war ein historischer Genuß, die freigelegten mächtigen Mauern anzuschauen und zu bewundern. So exakt wurde vor 2 000 Jahren gemauert! Unser Vorschlag: die Mauern fachgerecht konservieren, die Gesamtanlage mit einer Blockhütte einfassen, sichern, ein historisches Denkmal der Ritterstraße wie ein Museum nutzen: interessierte Bürger, Schulklassen, Studenten und Touristen vorbeiführen, erklären, anschauen lassen, Heimatgeschichte grundlegen. Mit geringen Kosten:

Sponsoren ansprechen, Spendenbriefe ausschreiben, Heimatverein, Pensionärverein, Verkehrsverein! Die Kosten wären zusammengekommen. Doch dreimal dürfen die Ritterstraßer raten: die einmalige Chance für eine Aufwertung der Ritterstraße wurde abgelehnt!

"Drei Pottasche-Meiler am Judenpfad"

15 m östlich des Judenpfades, auf der Linie zwischen dem Ritterstraßer Sportplatz und der "Drei-Bildches-Quelle", liegen im dichten Buschwerk des Waldes drei kreisrunde, hügelgräberverdächtige Hügel: 12 - 15 m Durchmesser, etwa 1 m hoch. Alle drei Hügel scheinen von Osten her angegraben worden zu sein. Lange Jahre hindurch vermuteten wir hier keltische Grabhügel. Andere Alternativen schieden aus: Übertagestollen zur Schürfung von Obertagekohlen in früheren Zeiten kamen, weil hier kein Flöz verläuft, nicht in Frage, auch Eisenerzgrubenlöcher und Hügel, wie im benachbarten Großwald, gab es aus geologischen Gründen hier nicht; auch Flakstände vom 2. Weltkrieg oder Schützengräben aus dem 1. Krieg gab es hier nicht. So haben auf meine Bitte drei Archäologen (Reinhard, Schönwald und ich) die Hügel am 15.12.1992 erneut untersucht. Holzkohle kam auf der obersten Schicht zutage. So kann es sich nur um drei große Meiler-Überreste handeln, Meiler, die angelegt wurden, um Pottasche zu gewinnen: Pottasche ist Kaliumkarbonat K 2 CO 3, wird aus Buchenholz gewonnen und dient im Glasschmelzofen zusammen mit hellem Sand und Holzkohle zur Erschmelzung von Glas. Die Römer haben mit diesem Verfahren bereits vor 2 000 Jahren ihr Glas geschmolzen. Auch die rotglasierte Glanzschicht auf der Terrasigillataware haben die Römer mit Pottasche bewirkt. Bis ins 18. Jahrhundert wurde mit Pottasche Glas hergestellt. Wir können also nicht behaupten, die drei Pottasche-Meiler seien römischen Ursprungs. Hierzu wäre noch ein gendrochronologischer Test notwendig. Ein Holzkohlensplitter müßte auf sein Alter untersucht werden in einem frühgeschichtlichen Laboratorium in Saarbrücken oder Trier. Auch zur Seifenherstellung wurde seit der Römerzeit Pottasche gebraucht.

Die Pottasche-Meiler wurden über eine lange Zeit hinweg immer auf der gleichen Stelle im Wald bedient. Buchenbalken wurden senkrecht und schräg wie ein Kegel aufgerichtet, entzündet und mit Erde luftdicht abgedeckt, damit das Holz nicht brennen, sondern nur verkoken, verkohlen kann. Die Pottasche sickerte nach unten, wo sie ständig entnommen werden konnte. Auch die Abdeckerde sickerte nach unten, wo sie ständig entnommen werden konnte. Auch die Abdeckerde sickerte ab und bildete in langer Zeit die besagten kreisrunden Hügel, die aussehen wie ein keltisches Hügelgrab. Sie könnten auch so alt sein wie die Hügelgräber, denn auch die Kelten haben hierzulande Glas geschmolzen. Es wird nun die Aufgabe der Wissenschaft sein, auch noch das letzte Geheimnis zu lösen, das uns diese Hügel aufgegeben haben, ob sie 2 000 Jahre alt sind aus der gallorömischen Zeit, oder 200 Jahre alt und aus der Barockzeit stammen. Die vermeintliche Angrabstelle an den 3 Hügeln rührt von der Entnahme der Pottasche immer an der gleichen Stelle unten am Meiler.

KELTISCHE FLIEHBURG, RÖMISCHE VILLEN, POTTASCHE MEILER UND VERGANGENE BERGBAUROMANTIK AM JUDENPFAD UND IMFROMMERSBACHTAL

Der Judenpfad vom Heidstock über die Ritterstraße nach Riegelsberg sowie das Frommersbachtal von der Quelle des Baches bis zur Mündung in die Saar als Grenze zwischen Püttlingen und Altenkessel sind beide geschichtlich und auch wirtschaftlich so trächtig, daß wir uns mit einer bloßen Aufzählung der Plätze und Fakten begnügen sollten:

VERGANGENE BERGBAUROMANTIK

Im Laufe von fast 500 Jahren entstanden und vergingen im Frommersbachtal zu beiden Seiten des Baches über Tage und unter Tage zahlreiche "Erzlöcher" (Eisenerzgrabungsstellen), Stollengruben (Bauerngruben), Schächte, die den Boden unserer Stadt bis zu einer Teufe von 800 m kreuz und quer durchlöchert und ausgehöhlt haben, um die wertvolle Steinkohle zu gewinnen, um unsere Energieversorgung zu sichern. Wir begnügen uns mit einer bloßen Aufzählung der Gruben, Schächte und Stollen:

3.) Franz Knoblauch, Heimatforscher, Völklingen, Pottaschdell 27

4.) Willibald Meyer +, Heimatforscher, Püttlingen, Karlstraße 10

5.) Hans Breinig, Sagenforscher und Heimatforscher, Püttlingen, Bildchenstraße 9

6.) Dr. Friedrich Schröter "Die Römerstraßen im Saarland" 1846-67 herausgegeben als Saarlandkarte 1:100 000 vom Konservatoramt Saarbrücken 1962

7.) Prof. Karl Rug, Heimatforscher, Püttlingen, Bildchenstraße 5

DIE BESIEDLUNG DER BERGMANNSKOLONIE RITTERSTRASSE IN DER NEUZEIT UM 1825 8.)

Die Bannkarte von Püttlingen aus dem Jahre 1784 weist auf der Ritterstraße nicht ein einziges Haus auf. Der Name "Ritterstraße" erscheint dort lediglich als Flurname. Die eigentliche Besiedlung der Ritterstraße in der Neuzeit beginnt erst um 1825. Damals fanden sich dort die ersten Siedler ein, Bergleute aus den nahen Stollengruben der Umgebung. Sie errichteten ihre kleinen Bergmannshäuser entlang der gleichnamigen Durchgangsstraße, die der Volksmund nach dem Flurname " Am alten Schloß " auch "Ritterschloß" nannte und schließlich auch "Ritterstraße". Erst acht Jahre später, im Jahre 1833, als die ersten Neubauten schon bezogen waren, erschien der Name "Ritterstraße" erstmals im Heiratsregister der katholischen Pfarrei Püttlingen. 4.) Maria Albert, Tochter von Johann Albert und Maria-Katharina Jungmann aus Ritterstraße wurde vermählt mit Johann Karrenbauer am 5. August 1833 in Püttlingen, beide katholisch. 4.)

Die topographischen Karten "Blatt Püttlingen" 1:25 000 aus den Jahren 1803-13, 1816-20 und 1820-28 weisen noch keine Siedlung Ritterstraße aus. Erstmals zeigt die Karte von 1848 entlang der heutigen Ritterstraße westlich des Weges 9 Häuser und östlich noch 7 Häuser, zusammen 16 Häuser. 8.)

"Ritterstraßer Gruben und die ersten Bergleute"

Ritterstraßer Grubenstollen, Übertagegruben, lagen damals am "Frommersbach", "Frommersbacher "Wies", "Hohberg", "Im Kohlwald", "Am Kohlenfeld", "An der Kohlgrub", "Am Schocksberg", "Bauernwald", "Josephaschacht", "Krugschacht", "Seilschacht", "Großwald", "Lumpenbergschacht". Einige dieser Gruben lagen jenseits des Frommersbaches. Ritterstraßer Bergleute arbeiteten auf allen diesen Gruben. Die mit dem Namen "Schacht" bezeichneten Gruben wurden erst nach der Einführung des Schachtabbaues um 1830-40 abgeteuft. über den Judenpfad fuhren die Erzfuhren um 1750 bis 1850 von der Ritterstraße bis zur Eisschmelze nach Geislautern.

1814: Johann Altmeyer, Journalier (Tagelöhner) im Großwald, aus Püttlingen

1814: Joseph Baltes, Journalier im Großwald aus Püttlingen

1836: Johann Speicher, Bergmann im Großwald aus Ritterstraße

1847: Friedrich Hemmer, Bergmann, Ritterstraße

1848: Philipp Müller, Bergmann, Ritterstraße

1849: Philipp Altmeyer, Bergmann, Ritterstraße

1849: Jakob Scherer, Bergmann, Ritterstraße

1849: Dominik Spaniol, Bergmann, Ritterstraße

1850: Johann Schneider, Bergmann, Ritterstraße

1850: Jakob Messinger, Bergmann, Ritterstraße 8.)

8.) Mag. Josef Gillet "Püttlingen und der Bergbau" 1983 S.64 ff

RITTERSTRASSE HIESS VOR 100 JAHREN IM VOLKSMUND "NEU-AMERIKA"

Unserm verehrten Pastor Georg Kronenberger verdanken wir in der Pfarrchronik die Eintragung, daß Ritterstraße früher im Volksmund "Neu-Amerika" genannt worden sei. Der Begründer der Ritterstraße sei Matz Speicher-Holl aus Püttlingen gewesen. Um 1820 habe er sich das Ziel gesetzt, nach Amerika auszuwandern. Er habe etwas Geld gespart, hätte sein Reisebündel gepackt und habe zur Auswanderung angesetzt. Mehrmals habe er das so gemacht und sich auf die Reise begeben. Doch sein Wandertrieb habe nie lange angehalten. Immer wieder sei er auf der Ritterstraße "kleben" geblieben, vielleicht in einer Kneipe. Schließlich habe er sich dort eine Dielenbude gebaut, aus der später das Haus Messinger entstanden sein soll, der Ex-Mouselclub.

Als ihn dann das Auswandererfieber wieder packte, und er diesmal nur bis Le Havre kam und vom Heimweh ergriffen worden sei, da habe er endgültig beschlossen, auf Amerika zu verzichten und auf der Ritterstraße ein "Neu-Amerika" zu gründen, was ihm schließlich auch gelungen ist, zumindest mit der Erhaltung des Spottnamens "Neu-Amerika" bis in unsere heutige Zeit.

9.) Pastor Georg Kronenberger "Pfarrchronik St. Bonifatius Ritterstraße" 1935, S. 2 ff

Diese Chronik wurde zusammengestellt von Magister Josef Gillet, Bahnhofstraße 33, 66346 Püttlingen anläßlich des 100. Vereinsjubiläums des MGV Ritterstraße 1893 e. V.

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