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Kastel
letzte Änderung: 17/1/2005
Prims ab- und aufwärts
entlang der Primstalbahn/ Lebach-Nonnweiler
(auf diesem Streckenabschnitt ist nur noch der Bahndamm erhalten)

© link Landesamt für Kataster-,Vermessungs- und Kartenwesen

Nonnweiler-Kastel

"Links der Prims ist Kastel Schmelz"

Das Hochwalddorf Kastel gilt als "Perle an der Prims"
Quelle: www.nonnweiler-kastel.de.vu

Auch wenn der Name Kastel auf das lateinische Wort "castellum", was so viel wie Burg oder Schloss bedeutet, zurück geht - eine Burg gab es in der rund 900-jährigen Geschichte des Hochwalddorfes noch nie.

Mit "Kastell" - so schreibt der Duden - wird ein fester Platz, ein Fort, eine Burg oder ein Schloss bezeichnet. Das Wort stammt vom lateinischen "castellum", hat nur noch historische Geltung und trat einst an die Stelle des alten Lehnwortes "kástel" als befestigter Ort. Noch in zahlreichen deutschen Ortsnamen lebt das Wort weiter und weist manchmal auch auf ein römisches Truppenlager hin. Die Deutung des Ortsnamens Kastel im Kreis St. Wendel liegt allerdings im Dunkeln. Weder von einem Truppenlager noch von einer Burg ist etwas bekannt, wenn auch vor Jahren an der alten Straße über den Peterberg römische Topfscherben und Münzen gefunden wurden. Im Ortswappen ist eine rote Zinnenmauer gemalt, die zwar auf eine befestigte Anlage hinweist, die aber keine Spuren hinterlassen hat.

Kastel - 1186 heißt es "Castellum", 1235 "Castres" und 1726 "Castel" - gehörte im 13. Jahrhundert dem Kloster Tholey. Vogtherr war der Graf von Blieskastel, der seine Vogteirechte dem Grafen von Veldenz zu Lehen gegeben hatte. 1276 bestätigte Papst Innozenz V. dem Kloster den Zehnten sowie Hof, Wiesen, Büsche und Mühlen dem Dorfe Kastel. Die Vogteirechte gingen später an den Herzog von Lothringen über, der auch Landesherr wurde. Andere Grundherren außer dem Kloster Tholey sind nicht bekannt. Das Dorf gehörte lange Zeit zum Herzogtum Lothringen und zum Amt Schaumburg. Es bildete eine Mairie, zu der auch Kostenbach und Buweiler-Rathen gehörten. Nachdem das übrige Amt Schaumburg 1787 an Pfalz-Zweibrücken abgetreten worden war, wurde die Mairie Kastel Ende 1788 mit dem Amtsbezirk Bouzonville vereinigt und bildete eine von deutschem Gebiet umgebene Exklave.

Wahrzeichen des Dorfes ist die Pfarrkirche, die eine besondere kunsthistorische Bedeutung hat. Erstmals wird eine Kirche am Ende des 12. Jahrhunderts erwähnt. Die unteren zwölf Meter des Turmes der heutigen Kirche sind Reste des ersten Kirchenbaues. 1777 wurde das jetzige Gotteshaus an den alten romanisch-frühgotischen Turm angebaut. 1907 erhielt der Turm sein heutiges Aussehen. Die spätbarocke Madonnenplastik im Innern stellt Maria als die "Unbefleckt Empfangene" dar. Sie steht hoch aufgerichtet auf der Weltkugel und zertritt die sich um die Kugel und die Mondsichel schlingende Schlange, von der im ersten Buch Mose die Rede ist. Die Anfertigung der Madonna ist nach intensiver Forschung der Mitte des 18. Jahrhunderts zuzurechnen. Stilistisch soll sie zu den Arbeiten des Trierer Bildhauers Ferdinand Tietz gehören.

Bis zum 19. Jahrhundert ist über die Entwicklung der Schule wenig überliefert. Unterricht wird erstmals im Jahr 1739 erwähnt. Neben dem Elementarunterricht besuchten die Kinder damals auch die Christenlehre. Der erste bekannte Lehrer hieß Johann Loth, der von 1794 bis 1812 unterrichtete. Er war zugleich Küster und Kirchenrechner. Die Schule war einklassig und wurde Pfarrschule genannt. Auch die Kinder von Kostenbach und Braunshausen gingen hier zum Unterricht, besaßen aber eine eigene Winterschule für sich. Das alte Schulhaus wurde 1839 gebaut. Ihm folgte 1881 ein weiteres, anfangs jedoch ebenfalls nur einklassiges Gebäude mit einer Lehrerdienstwohnung.

Der Name "Schmelz" für den links der Prims gelegenen Teil von Kastel hält die Erinnerung an eine Eisen- und Kupferschmelze wach. Sie wurde nach ihrer Zerstörung im 30-jährigen Krieg 1720 von dem Franzosen Choisy wieder aufgebaut, bald danach aber erneut still gelegt.

Am 17. März 1945 musste Kastel kriegerische Kampfhandlungen über sich ergehen lassen. Die Chronik des Amtes Nonnweiler schreibt darüber: "Artilleriefeuer von 12 bis 15 Uhr aus Richtung Wadrill. Während dieser Zeit Eintreffen deutscher Truppen auf dem Rückzug. Zwischen 15 und 16 Uhr Einrollen der ersten amerikanischen Panzer. Bis etwa 18 Uhr Kämpfe mit deutschen Truppen im Ort. Verlust: 16 deutsche Soldaten gefallen, drei amerikanische Soldaten gefallen, ein Toter unter der Zivilbevölkerung. 23 bis 24 Uhr Artilleriebeschuss durch deutsche Artillerie. Sachschaden: ein Wohnhaus abgebrannt."

1958 bestellten die Landwirte 463 Hektar Nutzfläche, davon 301 Hektar Ackerland. Im Jahr 1965 wurden im Ort noch insgesamt 113 landwirtschaftliche Betriebe gezählt. Sie bauten auf 21 Hektar Brotgetreide an, auf 30 Hektar Futtergetreide und auf 33 Hektar Hackfrüchte, davon rund 27 Hektar Kartoffeln. Auf der Gemarkung wuchsen damals 3882 Obstbäume, darunter 2149 Apfelbäume. Die Landwirte hielten 101 Rinder, davon 56 Milchkühe, und 59 Schweine.

Kastel gilt als "Perle an der Prims". Der frühere Lehrer Gerhard Schoder hat es einmal so beschrieben: "Kein schöner Land in dieser Zeit - wer dächte da nicht an unser liebliches Tal mit seinen Bergen und grünen Wäldern, an das helle Silberband der Prims, an unser liebes Hochwalddorf mit seinen stillen und malerischen Winkeln?"

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 06.02.2003