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Die Hubertushütte in Bierfeld
Kurt Birtel link http://www.members.aol.com/kbirtel40/
erstellt am 10/2/2008
Schmelze der Hubertushütte. Bild von ca.1810
01.09.1755 Leopold Choisy, Hüttenmeister zu Reimeldorf, Kanton Bouzonville, der Erbauer der Kasteler Eisenschmelze (1754) erhielt von der kurtrierischen Regierung die Erlaubnis zur Errichtung eines Eisenhammers in Bierfeld.

23.04.1757 Gesellschaftsvertrag zwischen Jacques Billeard (Notar in Nancy, 50%),Leopold Choisy (Eisenhüttenmeister in Kastel, 25%), und Martin Ory (Commis in Bettingen, 25%) zum Betrieb der Kasteler Hütte und des Bierfelder Hammers.

21.10.1758 Notarielle Bestätigung des Gesellschaftsvertrages von 1757: jedoch Ory tritt seinen Anteil an Billeard ab: Billeard (75 %), Choisy (25%)

21.04.1759 Leopold Choisy erhielt aufgrund eines Gutachtens des Nunkircher Hüttenmeisters Karl Gottbill vom Kurfürsten von Trier, Johann Philipp von Walderdorf (1756 - 1788) die Erlaubnis seine Hammerschmiede durch ein Schmelzwerk (Hochofen) zu ergänzen.

1763 Die Hütte kam unter Choisy nicht so recht in Gang, denn erst 1763 wurden die erste Arbeiter im Kirchenbuch von Nonnweiler verzeichnet, zu dessen Pfarrei Bierfeld gehörte.

15.02.1764 L. Choisy verpachtete sein Hüttenwerk an Johann Lorenz Nacher aus Issel und wendete sich nach Züsch, wo er 1765 den Eisenhammer am Hammerplatz unter der Schmelze wieder neu erbaute, welcher seit 1734 stillgelegen hatte..

Johann Lorenz Nacher war der Sohn von Johann Wilhelm Nacher, Schultheiß zu Issel bei Schweich. Durch seine Ehe (1751) mit einer Tochter des Münchweiler Hüttenmeisters Konrad Lehnen (1697 - 1759) und Anna Maria Gottbill, einer Schwester von Karl Gottbill II), kam Nacher in das eisenschaffende Gewerbe.

J.L. Nacher wohnte mit seiner Familie in Trier, 1765 für kurze Zeit in Nunkirchen, 1767 wieder in Trier oder schon im Herrenhaus bei der Hubertushütte, wo seine erste Frau Johanna (ca. 1729 - 1769) am 31.08.1769 verstarb.

Da Bierfeld zur Pfarrei Nonnweiler gehörte benannte J.L. Nacher als Ausdruck seiner Frömmigkeit sein Hüttenwerk nach dem Namenspatron der Pfarrei Nonnweiler : St. Hubertus - "Hubertushütte".

Erst unter dem neuen Pächter kam das Werk allmählich in Betrieb, nach der Anzahl der Arbeiter , die im Kirchenbuch genannt werden, zu urteilen. Dazu gehörten vorallem Angehörige der Eisenschmelzer- und Hammerschmiedesippe Detemple, die von Nunkirchen und Nonnweiler herbeizogen.

Während die ersten Werktätigen nur kürzer oder länger verblieben und eine starke Fluktuation zu verzeichnen war, lassen sich mehrere der nachziehenden Facharbeiter auf Dauer bei dem Werk nieder, was auf ziemlich stabile Arbeitsverhältnisse schließen läßt.

07.11.1765 Taufe einer Tochter von Johann Lorenz Nacher und Johanna Lehnen in Nunkirchen (anläßlich dieser Taufe wird die Hubertushütte erstmalig urkundlich benannt.)

1766 Abguß einer Takenplatte mit bürgerlichem Wappen und der Aufschrift "St. Hubertus 1766", welche sich um 1936 noch im Pfarrhaus von Nonnweiler befand. Diese Takenplatte wurde während des 2. Weltkrieges, als das Pfarrhaus durch Bomben beschädigt und verlassen war, gestohlen. Das Werk war also in der Lage Ofenplatten und wohl auch Gußöfen abzugießen.

20.08.1772 Johann L. Nacher und seine 2. Ehefrau Antonetta Meyer aus Dinkelsbühl erwerben die bislang von Leopold Choisy gepachtete Hütte samt Gebäuden, Kohlescheuern, Häusern und Hämmern käuflich. Damit verschwindet Choisy aus der Geschichte der Hochwälder Eisenindustrie. Es wird berichtet, er sei verarmt in Mertesdorf bei Trier gestorben.

J.Nacher vergrößert das Werk durch Erbauung eines Formhammers, einem herrschaftlichen Wohnhauses, Arbeiterwohnungen und einer Kapelle.

Diese Kapelle wurde unter Pastor Heinrich Hein (1771 - 1795) erbaut und stand nicht an der gleichen Stelle wie die später, vermutlich ca. 1836 im Todesjahr des letzten Gottbill - Carl Richard (1763 - 1836) zusammen mit der Kapelle in Mariahütte, erbauten Kapelle.

ca.300 Meter Luftlinie talabwärts, auf dem Bann Oberlöstern, erbaute er einen weiteren Hammer "Antoniushammer"

21.01.1786 Johann L. Nacher starb am 21.1.1786 in Bierfeld. Seine drei Söhne Johann Heinrich (1755-1805), Damian Joseph (1761- ) und Peter Joseph (1764 - 1804) führten das Werk unter der Oberleitung des ältesten Sohnes Heinrich weiter und vergrößerten das Werk 1794/95 durch Ankauf weiterer Ländereien.

um 1800 Laut einer Aufstellung der Schmelzen und Hämmer im SaarDepartement vom 7.7.1803 bestand die Hubertushütte aus:

1 Schmelze (Hochofen)
1 Frischfeuer
1 Gießerei

Um 1800 waren 82 Arbeiter auf der Hütte tätig, im Vergleich dazu, Bierfeld hatte seinerzeit 261 Einwohner.) Produziert wurden Gußeisen, Schmiedeeisen, sowie Klein- und Feineisen. Das im Hochofen gewonnen Eisen wurde sofort zu Gußwaren verarbeitet. Sollte das Eisen schmied- und schweißbar werden, mußte im sogenannten Frischfeuer der hohe Kohlenstoffanteil verbrannt werden.

Neben Guß erzeugnissen lieferte die Hubertushütte schmiedbares Eisen für die Nagelschmieden der Region. Die Stummsche Hütte in Abentheuer und die Mariahütte wurden von Bierfeld mit Roheisen beliefert.

1808 H. Nacher ist zwar weiterhin der Besitzer der Hubertushütte, die Erben von Karl Gottbill haben sie jedoch gepachtet.

Die Hubertushütte besteht aus 1 Hochofen, 4 Frischfeuern, wovon 2 wegen fehlendem Holz ausser Betrieb sind. 2 große Hämmer.

Holzverbrauch : 11520 Steher, 6036 m3 oder kg Holzkohle, 1000 Miriagramm

Steinkohle (= 10 to, 1 Miriagramm = 10000 gr.). 181 to Roheisen, 113,67 to Grobeisen, gehämmert oder geschnitten (gespalten).

172 Arbeiter sind in den Werkstätten und in der Köhlerei beschäftigt.

Der Hochofen ist 8 bis 9 Monate im Jahr in Betrieb. 4/5 der Fabrikation ist geformtes Grobeisen, der Rest gehämmertes Eisen.

Absatzmärkte: Paris, Metz, Köln und die Umgebung Schmiede.

Erze: gleiche Vorkommen wie Mariahütte, sowie Bierfeld, Braunshausen und Kastel. Ausdehnung des ausgebauten Gebietes beträgt 10 ar. Die geförderte Erzmenge beträgt 145 to, 38 Arbeiter sind mit der Förderung der Erze beschäftigt.

1811 Die Hubertushütte soll ca. 200 Arbeiter beschäftigt haben. (Diese Zahl scheint jedoch überhöht zu sein.)

vor 1819 Die Erben von J.L. Nacher verkauften die Hubertushütte an die Gebrüder Gottbill zu Mariahütte.("Gottbill sel. Erben.") Diese legten nun die Schmelze bei Nunkirchen, ihr Stammwerk, endgültig still und deckten ihren Roheisenbedarf teilweise aus der wegen ihrer Nähe günstiger gelegenen Hubertushütte, deren Leitung Joseph Gottbill (1766 - 1833) übernahm.

Da von den sieben direkten Nachkommen Dr. Karl Gottbills III (1731 - 1799), bis auf den Sohn Sebastian Joseph (1775 - 1803) alle ledig blieben,fiel das gesamte Vermögen der Familie Gotbill später an die einzige Tochter Susanna (1802 - 1871) des Sebastian Joseph, die 1826 den aus Sachsen stammenden preußischen Oberforstmeister Alexander von Beulwitz (1783 - 1854) in Trier heiratete, so daß die Eisenwerke der Familie Gottbill, (somit auch die Hubertushütte) nach dem Tode des letzten Namensträgers Carl Richard Gottbill (1763 - 1836) im Jahre 1836 endgültig in den Besitz der Familie von Beulwitz übergingen.

1831 1831 erfolgte von der königlichen Regierung in Trier eine Bestandsaufnahme. Das Werk bestand, wie oben erwähnt, aus 2 Hauptteilen:

1. Hubertushütte

2. Antoniushammer (Neuhammer genannt)

26.01.1844 Gottbill sel. Erben erhalten die Genehmigung, im Hochofengebäude einen Kupolofen mit 3 Zylindergebläse zu erbauen.

"Das zum Umschmelzen erforderliche Roheisen soll von den Hochöfen der St.Hubertushütte und Mariahütte bezogen und die erforderliche Koks sollen von der Königsgrube mit ca. 80 Fuder jährlich entnommen werden."

1852 Eine umfangreiche Landvermessung wurde im Jahre 1852 in der Gemarkung Bierfeld durchgeführt. Die von Comes und Book erstellten Lagepläne geben einen guten Überblick über die Örtlichkeiten der Hubertushütte.(siehe Lageplan von 1852 in der Anlage)

1863 In der Bierfelder Hubertushütte wird noch gearbeitet.

vor 1868 Nachdem sich die einstigen Standortvorteile - räumliche Nähe zu "Erzen,Holzkohle und Wasserkraft" in Standortnachteile umwandelten, war die Hubertushütte nicht mehr konkurrenzfähig und wurde stillgelegt. Kostengünstigerer Steinkohlekoks verdrängte die Holzkohle. Die Dampfmaschine war leistungsfähiger und witterungsunabhängiger als die Wasserräder. Die Winderhitzer senkten den Verbrauch von Brennmaterial. Die einheimischen Erze waren eh nur schwach eisenhaltig. Die Einrichtungen wurden verschrottet und die Gebäude verfielen. Ein Teil der Beschäftigten der Hubertushütte wanderten nach Amerika aus. Die aufstrebenden Großstädte Nordamerikas wie Chicago, Pittsburgh, Buffalo u.a. zogen mit ihren Fabriken viele Arbeiter an. Die Hütte wurde nach und nach stillgelegt, die einzelnen Betriebe wurden nach Mariahütte verlagert.

ca.1869 brannte der letzte Holzkohlenmeiler in unserer Gegend.

1871 Auf der Hubertushütte wohnen noch 6 Einwohner in 2 Häusern, in den 70er Jahren wurden die Wohnhäuser abgerissen.

1890 Die letzten Bewohner verlassen das Gelände der Hubertushütte

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