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Gonnesweiler
letzte Änderung: 13/2/2008


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historisches Photo der Kapelle
Quelle: link www.gonnesweiler.de.vu

Die im Jahr 1743 errichtete Kapelle, die dem heiligen Nepomuk geweiht war, fiel im Jahr 1970 der Erweiterung der Gonnesweiler Hauptstrasse zum Opfer. Bereits im 16. Jahrhundert war auf einer Mercator-Karte in Gonnesweiler eine Kapelle erwähnt worden, die im 17. Jahrhundert jedoch verfallen war.

Gonnesweiler: “Arbeiterbauerndorf” Quelle: link www.gonnesweiler.de.vu

Von GERHARD TRÖSTER

Gonnesweiler. Gonnesweiler wurde im Jahr 1333 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Man kann aber davon ausgehen, dass der Ort bedeutend älter ist. Im Jahr 1956 wurden nördlich der Straße nach Bosen spätlatènezeitliche Scherben gefunden. Sind sie ein Hinweis auf eine sehr frühe Besiedlung? Niemand kann darauf im Moment eine Antwort geben. Nach neueren Forschungen ist eher davon auszugehen, dass Gonnesweiler im Zuge der fränkischen Landnahme im sechsten bis achten Jahrhundert gegründet oder wieder besiedelt wurde.

Schwierigkeiten bereitet auch die Deutung des Namens. Es liegt nahe, dass Gonnesweiler den Namen des ersten Siedlers erhielt. In alten Dokumenten sind die Schreibweisen “Gundeswilre” und “Gonterswilre” zu finden.  Demnach wäre der Ort “Weiler des Gundo” oder “Weiler des Gunter” gewesen. Das Dorf gehörte zum Hochgericht Neunkirchen/Nahe, der Teil des Bannes rechts der Nahe jedoch zum Hochgericht Wolfersweiler. Die Lehensinhaber des Dorfes und des Hochgerichts Neunkirchen waren gleichzeitig die Grundherren. Jedenfalls sind andere Grundherren nicht festzustellen. Nur der Zehnt war in anderen Händen. Im 15. Jahrhundert besaßen ihn Friedrich von Bitsch, genannt Gentersberg, und Wilhelm von Esch, die ihn 1488 und 1492 an die Kirche St. Wendel verkauften.  Das heute verschwundene Gonnesweiler Schloss wurde um 1730 von dem damaligen Inhaber des halben ,Hochgerichtes Neunkirchen Josef Lattre de Feignies, erbaut. Es ging später mit der Hochgerichtsbarkeit in den Besitz von Karoline Auguste von Esebeck über und wurde von ihr umgebaut und verschönert. Die Flurbezeichnung “Englischer Garten” zeugt noch heute von der schönen Anlage hinter dem Gebäudekomplex. In der französischen Revolution wurde es als Nationaleigentum erklärt und versteigert, später abgerissen und die Steine für den Bau von Wohnhäusern verwendet. Der Schwarzhof rechts der Nahe gehörte ursprünglich zu Walhausen. Erst in der oldenburgischen Zeit, im Jahr 1833, kam er zu Gonnesweiler. Sein Name geht auf Peter Schwarz zurück, der den Hof im 18. Jahrhundert kurze Zeit in Besitz hatte.

Der Hof war im 18. Jahrhundert ebenfalls im Besitz der Familie Lattre de Feignies. Sie verkaufte ihn 1768 nach Zweibrücken. Die Waldsiedlung Bocksborn (im amtlichen Gemeindeverzeichnis als “Waldgut” bezeichnet) ist 1894 als Jagdhaus von dem Ingenieur Fritz von Rexroth aus Saarbrücken am Silberberg für sich und seine Jagdgäste angelegt worden. Heute wohnt hier seine Enkelin Gisela Renner. Den Wanderern erschließt sich am Boxborn ein idyllisches Fleckchen Erde. Bis ins 19. Jahrhundert war Gonnesweiler ein reines Bauerndorf. Es gab einige große Bauernhöfe und kleinere Anwesen, die Handwerkern und Tagelöhnern gehörten. Die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert eröffnete vielen Familienvätern neue Arbeitsfelder in den Fabriken, Eisenhütten, Bergwerken und bei der Eisenbahn. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Dorf in ein Arbeiterbauerndorf. Die Mehrzahl der Einwohner ging ihrer Arbeit außerhalb des Ortes nach. Landwirtschaft wurde nur noch im Nebenerwerb betrieben. Die Schütz- Mühle wird 1695 erstmals erwähnt.  Der Müller hieß Peter Mayer. Bis in die 50er Jahre des 19.  Jahrhunderts war diese Familie dort ansässig. Familie Schütz erwarb 1870 die Mühle und 1873 die Wasserrechte.  Das alte Mühlengebäude wurde 1929 durch einen Brand zerstört. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite erbaute sich Familie Schütz ein neues Wohnhaus, eine moderne Mahlmühle und ein Sägewerk. Während die Mahlmühle 1981 still gelegt wurde, hat sich das Sägewerk im Laufe der Jahre zu einem leistungsfähigen Betrieb entwickelt.

Im April 1946 wurde für die Filialen Gonnesweiler, Bosen und Eckelhausen - sie gehörten zur Pfarrei St. Martin Neunkirchen/Nahe - eine Expositur, ein selbstständiger Seelsorgebezirk, gegründet. Die Notkirche in Gonnesweiler unter dem Patrozinium des hl. Geistes wurde zur Expositurkirche erhoben. 1948 wurde Gonnesweiler Kirchengemeinde, 1951 Pfarrvikarie. Seit 1961 ist sie eine selbstständige Pfarrei. Der Rohbau der neuen Kirche konnte 1950 fertig gestellt, 1958 ein Seitenflügel angebaut werden.

Seit der Gründung der Pfarrgemeinde im Jahr 1948 feiert das Dorf jedes Jahr seine Pfingstkirmes. Früher erhielten die Gonnesweiler Schulkinder nur im Winter Unterricht. In der übrigen Zeit wurde ihre Arbeitskraft bei der Feldarbeit benötigt. Der Unterricht fand im Gemeindehirtenhaus statt.  1834 erhielt der Ort ein Schulhaus. 1893 wurde im Oberdorf ein zweites Schulhaus gebaut. Die unteren Klassen gingen in die “alte” Schule, die älteren in die “neue”. Da beide Gebäude im Lauf der Zeit nicht mehr den Anforderungen genügten, musste 1958 ein Neubau in Angriff genommen werden, der 1960 seiner Bestimmung übergeben wurde.

Unvergesslich ist den Gonnesweilern natürlich der Flugzeugabsturz am 17. August 1979. Ein Phantom der US-Luftwaffe fiel am späten Nachmittag zwischen zwei Häuser im Talgarten. Wie durch ein Wunder wurde niemand ernsthaft verletzt.

Unvergessen ist auch der “Schellenmichel”, der viele Jahre ein Stück Gonnesweiler Tradition verkörperte. 40 Jahre lang hatte er sein Amt ausgeübt, anfangs zusätzlich als Nachtwächter, bis er schließlich 1968 in den Ruhestand gegangen war.

Quelle: link Saarbrücker Zeitung, 16.10.2001