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Quellheiligtum Kasbruch in Neunkirchen
mit Besiedlungsspuren aus der Jungsteinzeit
von Günther Gensheimer
Quelle: link www.es-heftche.de
Erstellt am 11/7/2008 – letzte Änderung: 9/3/2008
Foto des Brustharnischs
Flickstellen und Nietlöcher am Fragment
der Panzerstatue
Felsgräber im Kasbruchtal
Fragment einer Venusfigur aus Sandstein

Der Mensch war in grauer Vorzeit meist ebenso wie das Tier den Urgewalten der Natur schutzlos ausgeliefert. Zu den frühesten Denkleistungen gehörte deshalb die schutzheischende Anbetung der Naturgewalten: Feuer - Wasser – Sturm. In allen Kulturen wurden sie als Gottheiten angebetet. Das Element Wasser war aber nicht nur heilig, weil es lebenserhaltend war, sondern auch heilbringend.

Im naturverbundenen Polytheismus unserer keltischen Vorfahren spielten die Gottheiten Apollo, Epona, Sirona, Mars und Cnabetius eine große Rolle im Fruchtbarkeits- und Heilgottkult unserer Heimat. Die Kelten (keltoi/galli ab 550 v. Chr.) betrachteten in ihrer Naturverehrung nicht nur Bäume, sondern auch Flüsse, Bäche, Seen, Moore und Quellen als heilig. Ihr wichtigster Fluß, die Donau, war ihnen als Mutter der Gewässer (Danu = Muttergöttin, die das Himmelswasser liefert) besonders heilig. Zahlreiche Flüsse tragen ihren Götternamen wie Donau, Don. Die Kelten waren ein Volk mit hoher Kunst der Waffenfertigung und der Kampftechnik. Ihr herausragender Mut gründete wohl in ihrem Glauben an die Anderswelt und die Wiederkehr. Den Kelten wurde hohe Heilkunst bei der Wundbehandlung, der Altersgebrechen und der Augenleiden und kostenfreie medizinische Versorgung zugeschrieben. Bei einer solchen Wertschätzung ist es fast selbstverständlich, dass Heilquellen zu Stätten der Götterverehrung wurden.

Seit 1753 kennt man Quellheiligtümer in:
1.) Herapel (auf der lothringischen „Sainte Colline”) bei Rossbruck mit der heute noch genutzten Helena-Quelle
2.) dem Sequana-Heiligtum an der Seinequelle
3.) dem Quellheiligtum des Apoll und der Sirona zu Hochscheid
4.) dem Altar für die keltische Quell- und Heilgöttin Sirona in der Schlucht des Sudelfelsens bei Niedaltdorf
5.) dem Quellheiligtum von Kindsbach bei Landstuhl mit einer speziell auf dem Pilgerbetrieb basierenden Töpferei. Bericht der staatlichen Denkmalspflege 1978/79, A. Kolling
6.) ein wahrscheinliches Quellheiligtum des Mars Cnabetius im Kasbruch von Neunkirchen – im wasserreichen Bruch unter Eichen (casné)
7.) das Quellheiligtum des Mars Cnabetius beim Dolberg, nahe Nonnweiler in Schwarzenbach „Spätzrech”. Hier bestand in vorrömischer Zeit ein quadratischer Umgangstempel d. Mars Cnabetius der Heilfürsorge, begleitet von Sirona und Diana.

Kasbruch – bedeutende Kultstätte?!

Zwischen der Landstraße Furpach–Scheib (L114) und dem Wasserwerk Wellesweiler (an der L 226) liegt das Kasbruchtal. Besiedlungsspuren aus der Jungsteinzeit vor 4000 Jahren lassen das Tal zu einem der historisch ältesten unserer Saarheimat werden. An einem Wintertag 1976 durchwanderte der geschichtlich interessierte Wellesweiler Bürger Engelbert Bernhardt wieder einmal den Kasbruch. Die durch Erdarbeiten dort zwischen Felsenbank und südlichem Talweg für eine Wasserleitung aufgebrochene Erde beobachtete der Sucher und Sammler frühgeschichtlicher Keramiken besonders aufmerksam. Und wirklich – sein geschultes Auge entdeckte neben der Fahrspur einer Planierraupe ein metallisch belinkendes Teil aus der Erde ragen. Mit seinem Messerchen legte er in vorsichtiger Schürfarbeit das Oberteil eines metallenen Brustharnischs mit Armstummeln frei.

Die Untersuchungen des 58,5 Zentimeter breiten und 18 Zentimeter hohen Fundes aus vier bis sechs Millimeter starkem Bronzeblech durch den damaligen Landeskonservator Kolling führten im Frühjahr 1977 zu erstaunlichen Feststellungen (veröffentlicht: 25./26. Bericht der Staatlichen Denkmalpflege 1978/79, A. Kolling).

Dieser Zufallsfund war Teil einer Bronze-Panzerstatue. 1963 waren im unmittelbaren Umfeld große Quadersteine aus Sandstein und Teile einer hölzernen Wasserleitung gefunden worden, deren Holzfällzeit von den Experten auf 204 (plus/minus 6) nach Christus datiert wurde. 1964 fand man im gleichen Bereich ein Säulenstück mit Schuppenmuster von 49,5 Zentimetern, wahrscheinlich Teil einer Jupitersäule. Während der Wasserleitungsarbeiten 1976 hatte der Bagger dort dann Bruchsteine gehoben die zu der Fußbodenheizung (hypocaustum) eines großen Hauses gehörten.

Das Bronzefragment war wohl Teil einer lebensgroßen Panzerstatue, wie sie als Abbild von Imperatoren (römische Kaiser, Götter, Feldherrn) in römischen Feldlagern bekannt waren.

Als obere Brustpartie mit Halsansatz und Stummeln der beiden Oberarme zeigte sie technisch hoch interessante Lötspuren und Nietstellen im Bronze-Gussblech (Bronze: Legierung aus 90 Prozent Kupfer und 10 Prozent Zinn). Es handelte sich um einen Fund aus der Pionierzeit.

Die einzige bis ins Mittelalter unversehrte Panzerstatue von Barletta in Italien (wahrscheinlich für Valentinian I, 365–374 nach Christus) und der Bronzetorso im Meer vor Cadiz (Spanien) künden davon. Vom Kasbruchtal bezeugen seit 1921 Quader- und Keramikfunde eine galloromanische Besiedlung im ersten bis dritten Jahrhundert nach Christus. Aber lebensgroße, transportable Bronzestatuen wurden ehemals nur in größeren römischen Militärlagern aufgestellt. Im Fahnenheiligtum („inter signa”) huldigten die Legionäre vor diesem Bronze-Abbild ihrem Imperator.

Im engen, feuchten, strategisch bedeutungslosen Kasbruchtal aber gab es kein solche bedeutsames Militärlager. Auffallend war auch, dass dem Harnisch vom Kasbruch ähnlich wie dem „Torso von Cadiz” der Mantelüberwurf, das „Paludamentum” über der linken Schulter (sonst für Feldherren typisch) fehlte. Untersuchungen im Kasbruchtal mittels Elektrosonde förderten keine weiteren Metallteile zu Tage. Sollten andere Teile der wertvollen Bronze den Weg über Hackbronze zum Umschmelzen gefunden haben? Keine erfreuliche Vorstellung für die Forscher.

Ein weiterer Bernhardt-Fund aus diesem Talbereich war 1976 eine kleine zwölf Zentimeter hohe Venusfigur aus Voltziensandstein in der Haltung einer Badenden.

Im Zusammenhang mit den im Tal bereits 1921 von Carl Klein entdeckten Resten einer Töpferei meint Professor Kolling – der profundeste Kenner des Kasbruchs seit 1952- eine Verbindung zu einem Quellheiligtum wie in Kindsbach/Landstuhl zu erkennen. Nach Kolling deuten alle aufgeführten Funde im Kasbruch „auf ein bedeutendes galloromanisches Quellheiligtum”, wo der keltische Gott Mars (Mars Cnabetius) als Heilgott in Gestalt einer lebensgroßen Panzerstatue verehrt wurde. Die bei dem Fragment der Panzerstatue im Umkreis von 40 m gefundenen Quadersteine, eines Porticus-Steines, Teile eines Hypocaustums, datierte Reste einer hölzernen Wasserleitung, Fragment einer Jupiter-Gigantensäule (Viergötterstein), Oberteil einer kleinen Venusfigur, eine Lanzenspitze und ein amulettähnlicher kleiner Tierkopf wurden zu bedeutsamen Einzelteilen eines Puzzles Quellheiligtum Kasbruch (2./3. Jahrhundert nach Christus). Zu ihm könnten auch die etwa 400 m im Norden davon gefundene Töpfereireste und im Süden davon die Felsgräber gehört haben.

In einem Brief vom 22. Mai 1999 an Günther Gensheimer schreibt Prof. Kolling: „Mit dem großen bronzenen Mars als Kultfigur gehörte das Kasbruch-Heiligtum zu den bedeutendsten Kultstätten im Rheinland und darüber hinaus. Mir (Kolling) sind in Deutschland nur zwei weitere Tempelanlagen mit minimalen Mars-Panzerstatuen bekannt”. Das ist ein Wort. Vielen Neunkirchern war dieser Jahrhundertfund von 1976 im Kasbruch aus dem zweiten/dritten Jahrhundert nach Christus bisher wohl unbekannt.

Quellenangabe:

römerstättenwww.saarlandbilder.net