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Neunkirchen - Schloß Jägersberg
66539 Neunkirchen, Kreis Neunkirchen
erstellt am 13/11/2004 – letzte Änderung: 11/2/2007


Plan von Köllner
Quelle: members.aol.com/ersludwig/park4.htm


Schloß Jägersberg, Gartenseite, Rekonstruktion von Dieter Heinz
Quelle: Saarheimat 8´ 1981

Lageplan des Barockschlosses „Jägersberg” (schraffiert), der Häuser 20 bis 24 der heutigen Schlossstraße, sowie der Kochgasse und der Seilergasse.
Ansicht des Schlosses „Jägersberg” aus Richtung der heutigen Irrgartenstraße nach einer Rekonstruktion und Zeichnung von Professor Heinz

1753 begint Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken mit dem Bau des Schlosses Jägersberg nach den Plänen des Oberbaudirektors Friedrich Joachim Stengel.

Keine zeitgenössischen Abbildungen oder Schriftquellen können herangezogen werden. Dieter Heinz hat nach dem Plan des Hofgärtners Köllner, dem Nordheim'schen Lageplan der beiden Schlösser von 1797, den Briefen des Freiherrn Adolf von Knigge, Goethes "Dichtung und Wahrheit" sowie seiner eigenen Untersuchungen von 1952 eine Rekonstruktion des Schlosses erstellt. Danach war das Schloß über U-förmigem Grundriß errichtet, bestehend aus einem zweigeschossigen Hauptbau mit Mittelpavillon und seitlich daran anschließend zwei eingeschossige segmentbogenförmige Trakte, die in Pavillons endeten.

Freiherr von Knigge schrieb 1792: "Wir fuhren des anderen Morgens nach Jägersberg, einem Jagdschloße des Fürsten. Das Schloß liegt hoch, von Waldungen umgeben, die zu einem Parforce-Jagdpark eingezäunt sind, am Abhang des Berges aber, unmittelbar an den englischen Garten stoßend, das Dorf Neunkirchen. Die hintere Seite des Schlosses hat die Aussicht auf Terrassen, die, den Bau hinab, fast bis zu den beträchtlichen Eisenhütten fortgeführt sind, welche im Thale liegen. Das massive Gebäude ist in der Form eines halben Mondes gebaut, hat auf den beyden Flügeln nur ein Erdgeschoß, dahingegen in der Mitte noch eine etage aufgesetzt ist. Jeder Gegenstand, den man hier erblickt, hat Bezug auf die Jagd, welche der Fürst vormals, mehr wie jetzt, ausserordentlich liebte. Oft hat ein Hirsch die Nachsetzenden Jäger zwölf Stunden des Weges eit gelockt (denn Sie wissen vermuthlich, daß nach den Conventionen der Parforce-Jäger, bey Verfolgung des Wildes keine Gränze respectiert wird).

Als ich das erstemal in Saarbrücken war, fand ich den Marstall mit dreyhundert Pferden besetzt, wovon ein großer Theilö zu diesem Vergnügen bestimmt war. Piqueurs und Hunde verstehen ihr Handwerk und der Aufzug bei der Parforce-Jagd ist glänzed. Das Schloß Jägersberg ist von Aussen gänzlich bekleidet mit einer ungeheuren, daran festgenagelten Menge von Geweyhen der gejadten Hirsche. Der Hof bringt den Herbst hier zu, und dann ist von nichts wie von Jagd die Rede. Hier bedient sich der Fürst auch eines Silber-Services, wovon die Knöpfe der Terrinen und Glocken in Gestalt von Hirsch- und Schweinsköpfen gearbeitet sind. Einige Zimmer aber sind verziert mit Tafeln, auf welchen man hinter Glas das Verzeichnis der in jedem Jahr parforce gejagten Hirsche sauber eingeschrieben sieht, nebst den genauen Nachrichten von den dabey vorgefallenen Umständen. So hat der arme Hirsch den Trost, daß die Geschichte seines Märtirer-Todes verewigt wird und die Wand eines Fürsten-Palastes ziert.

Auch die teutsche Jagd und die Reyher-Beize liebte vormals der Fürst von Nassau sehr und zu jeder dieser Arten von Jagd wird vom ganzen Hofe eine besondere Uniform getragen. Zuweilen verirren sich Wölfe durch die vogesischen Gebürge, in das Saarbrückische und werden dann aufgetrieben und geschossen.

Das Schloß ist, besonders was die Zimmer des Fürsten betrifft, geschmackvoll meubliert. Mir gefiel unter anderem die Einrichtung eines Schlafzimmers, in welchem, dem Fenster gegenüber, ein erhöter Alcoven angebracht ist. Die Rückwand dieses Alcovens besteht gänzlich aus einem Spiegel. Vor diesem steht dann das Bett, so, daß der Fürst, wenn er in demselben liegt, die durch das Fenster in dem Spiegel sich darstellende Gegend wie ein Landschaft-Gemälde zur Seite erblickt."

[Briefe aus einer Reise aus Lothringen nach Niedersachsen geschrieben, in: Mitteilungen des Historischen Vereins für die Saargegend, Heft VII]

Wenig Beachtung schenkte Knigge den Gärten, die in Verbindung mit dem Schloß gesehen werden müssen. Das Gelände war für die terrassenartig angelegten Barockgärten, die Stengel bevorzugte, hervorragend geeignet. Nach dem Plan des Geometers Nordheim jäßt sich ein Garten hinter dem Schloß und ein gestufter zweiteiliger Garten vor dem Schloß erkennen.

Bereits 40 Jahre nach Baubeginn wurde dieses so schön gelegene Barockschloß von französischen Revolutionstruppen geplündert, nachdem sich Fürst Ludwig mit seiner Familie am 13. Märts 1793 durch Flucht hatte retten können. Als fürstliches Eigentum ging es in französischen Besitz über und wurde 1803 mit dem alten Schloß und weiteren Frundstücken an Franz Couturier verkauft, der von 1806-25 Bürgermeister in Neinkirchen war.

Unbewohnt verfielen die Gebäude in den folgenden Jahren und wurden nach und nach abgebrochen bzw. in Wohnhäuser umgebaut.

Quelle: Martina Conrad, 700 Jahre Neinkirchen, in: Saarheimat 8´ 1981

erhaltene Reste Quelle: link www.denkmal.saarland.de

Schloßstr. 20: Kellergewölbe und Teile des aufgehenden Mauerwerks vom Mittelpavillon des ehem. Barockschlosses Jägersberg, 1752-65 von Friedrich Joachim Stengel für Fürst Wilhelm Heinrich erbaut.

Schloßstr. 22: Kellergewölbe von einem Seitenflügel des Schlosses.

F. J. StengelBurgen & Schlösserwww.saarlandbilder.netKarte