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Grube König, Neunkirchen
letzte Änderung: 12/2/2005


Die Grube König in Neunkirchen zeigt die vermutlich älteste, 1864
von C. H. Jacobi (Kreuznach) aufgenommene Industriefotografie im Saarland.
Saarland Museum Saarbrücken
Quelle: link Dokumentation der Saarländischen Industriefotografie

Neunkircher Grubenweg (2)
Quelle: link www.delfslotta.de

Der Grund für das Entstehen der Grube König war der enorme Bedarf des Neunkircher Eisenwerks an Fettkohle. Entsprechend wurde bereits 1821 in unmittelbarer Nähe des Eisenwerks der Friedrich- Wilhelm- Stollen aufgefahren. Die später zu einem Schachtbetrieb ausgebaute und in "König" umbenannte Grube wurde am 31. Mai 1968 als letzte selbständige Grubenanlage in Neunkirchen stillgelegt.

  • Fördergerüst "König I". Das 1940 aufgestellte und 1963 verstärkte Strebengerüst zeigt in Stütze und Streben die sog. Vollwandbauweise, die die Weiterentwicklung im Stahlbau belegt. Das Gerüst ist heute das weithin sichtbare Wahrzeichen des neuen "Industriegeländes König". Vor dem Gerüst steht das zu den ehemals zwei "Wilhelm Schächten" gehörende schlichte Fördermaschinenhaus
  • ehem. Haupthalden. Die Bergekörper wurden im Rahmen der Rekultivierung nachträglich aufgeforstet. Die Gipfel- und Hangbereiche der Spitzkegelhalden wurden zudem durch das Anlegen von Plateaus am höchsten Punkt und das Einfügen von Terrassen (sog." Bermen") mit dem Ziel der besseren Einbindung der Halden in das Landschaftsbild neugestaltet. Die nördliche Halde ist durch eine Selbstentzündung "heiß". Um einen Haldenbrand zu vermeiden, wurde der obere Bereich mit einem Lehmschlag abgedeckt. Ein weiterer Panoramablick auf die vom Steinkohlebergbau und dem Eisenhüttenwesen geprägte Industrielandschaft rund um Neunkirchen belohnt für die Mühen des Aufstiegs.
  • In der Straße "Am Blücherflöz" befinden sich noch das ehem. Magazingebäude, die ehem. Kaue und die ehem. Werkstatt

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Die Grube König Quelle: link www.delfslotta.de

Sieht man von vereinzelten Schürfversuchen während der napoleonischen Ära ab, als in dem unmittelbar westlich des Ortes Oberneunkirchen gelegenen Talzug die zutage tretenden Steinkohlenflöze angegraben wurden, so fällt die Eröffnung einer neuen Steinkohlengrube bei Neunkirchen erst in die preußische Verwaltungszeit. In der besonderen Entwicklungsakte der Grube König, Akte Nr. 137, heißt es: "Den ersten Anlaß hierzu gab die Absicht der Hüttengewerkschaft Gebrüder Stumm, ihre Hochöfen mit Koks zu betreiben. Im Verfolg der deshalb unterm 18. November 1818 an das Königliche Oberbergamt zu Bonn gerichteten Vorstellung forderte diese in Rücksicht auf den besorglichen Holzkohlenmangel und unter dem Hinweis, daß ein Grubenbetrieb nur auf landesherrliche Rechnung geschehen könne, daß Königliche Bergamt zu Saarbrücken auf, ausführliche Vorschläge über den zweckmäßigen Angriff eines der bei Neunkirchen zu eröffnenden Kohlenförderung einzureichen und hierbei die Erwägung zu ziehen, ob es rätlich und nützlich sei -bei der allenthalben festzuhaltenden Absicht möglichster Concentration der Förderungspunkte- nach Begründung einer ansehnlichen Förderung bei Neunkirchen noch die Zechen von Kohlwald und Wellesweiler, welche von diesen und in welchen Verhältnissen bestehen zu lassen".

Nachdem zwischenzeitlich ausgeführte Schürfarbeiten mehrere Steinkohlenflöze nachgewiesen hatten, wurde im Jahre 1820 beschlossen, die festgestellten Flöze durch einen anzulegenden Stollen und durch Tagesstrecken vorzurichten. Die neue Stollengrube nahm im Jahr 1821 den Betrieb auf und erhielt aus Anlass des ersten Besuchs des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III am 21. und 22. Juni 1921 in Saarbrücken den Namen "Königsgrube".

Der Hauptförderstollen, der sog. "Friedrich-Wilhelm-Stollen", wurde zunächst rund 52 m querschlägig aufgefahren. Die Tagesstrecken ermöglichten die Bewetterung des oberflächennahen Abbaufeldes. Die weitere Entwicklung des Grubenbetriebs war gekennzeichnet durch eine stetige Verlängerung des Friedrich- Wilhelm-Stollens und der von ihm ausgehenden Grundstrecken. Gemäß Generalbefahrungsplan vom Jahre 1848 betrug seine Länge schließlich 620 m.

Begleitend zum sukzessiven Ausbau des Stollenbetriebs waren bereits 1842 wiederum auf Initiative der Neunkircher Eisenhütte Pläne zur tieferen Lösung der Königsgrube vorgelegt worden. Im Juli 1844 begannen die Abteufarbeiten an einem neuen Haupt- und Förderschacht, der den gleichzeitig vorgetriebenen Wasserlösungsstollen, der 19 m unter der Friedrich-Wilhelm- Stollensohle zu liegen kam, erreichte. Bei der Generalbefahrung am 01. und 02. November 1849 erhielt er den Namen Wilhelm-Schacht 1. Als erste Grube im Raum Neunkirchen vollzog somit die Grube König den Übergang zum Schachtbau, wobei der Grubenbetrieb jedoch -wie aufgezeigt- als doppelsohliger Stollenbetrieb charakterisiert werden muss, bei dem dem Wilhelm-Schacht die Aufgabe zukam, zwischen beiden Sohlen die Verbindung herzustellen. Zur Beseitigung der zahlreichen Wasserzuflüsse war 1846 im Wilhelm- Schacht zudem die einzige im Kreis Ottweiler auf einer Grube bestehende Dampfmaschine aufgestellt worden.

Bergleute der Grube König führten die Vorarbeiten zu zwei neuen Gruben aus. Im Juli 1846 begann das Auffahren des neuen Wasserlösungsstollens im Klinkental, der bei der Generalbefahrung am 10. Oktober 1846 den Namen "Reden-Stollen" erhielt. Am 12. Juni 1847 wurde am rechten Gehänge des Holzhauertales der "Heinitz- Stollen" angesetzt. Westlich des Reden-Stollens begannen im Oktober 1847 die Abteufarbeiten am Maschinenschacht, des späteren Reden-Schachtes 1. Zum 01. Januar 1851 wurden die beiden neuen Förderstandorte im Holzhauser- und Landsweiler Tal selbständige Gruben mit den Namen Grube Heinitz und Grube Reden.

Im Jahr 1854 wurde mit dem Wilhelm-Schacht 2 ein weiterer Förderschacht abgeteuft, womit der Obergang vom Stollen- zum Tiefbau endgültig vollzogen wurde. Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde im März 1855 nach 34 Jahren in Förderung stillgelegt. 1857 folgte das Anschlagen des Ziehwaldstollens, der als Förder- und Transportstollen diente und an der Eisenbahnlinie nordwestlich des Kuchenberges auf diese traf. Seit 1828 hatte man der Grube eine Kokerei angegliedert, die 1859 über 102 Öfen verfügte. Acht Jahre später legte man sie indessen wieder still. Nachdem die beiden Wilhelm-Schächte bis auf die sog. "Saar-Sohle" weiter geteuft worden waren, wurde der Abbau erheblich ausgedehnt. Mit dem Follenius-Schacht (Rhein-Nahe-Bahn-Schacht), Mehlpfuhl-Schacht (1868) und Wilhelm-Schacht III (1870) wurden drei weitere Schächte niedergebracht. Nachdem man indessen infolge bestimmter Abbaubedingungen den Mehlpfuhlschacht 1887 wieder abwerfen musste - sein Abbaufeld befand sich unterhalb des Neunkircher Stadtgebietes-, brachte man 1890 die Hermine-Schächte l und 2 sowie 1893 den Wetterschacht Wilhelm 4 nieder, teufte 1897 bzw. 1898 den Minna- und Sinnerthal-Schacht ab und schlug schließlich 1907 noch den der Wasserhaltung dienenden Heusnersweiherschacht an. 1929 begann das Abteufen des Hermine-Schachts 3.

Unter der Verwaltung der Saargruben AG wurden auf vielen Teilgebieten im Unter- und Übertagebetrieb neue Maschinen beschafft, neue Techniken eingeführt, leistungsstärkere Motoren und Anlagen eingebaut oder schon bestehende entsprechend erweitert. 1936 wurde der Follenius-Schacht und der Wilhelm- Schacht 3 verfüllt und am ausziehenden Minna-Schacht eine Methangas-Gewinnungsanlage errichtet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Grube König systematisch zu einer der führenden Gruben des Saarreviers und der Bergwerksdirektion Ost ausgebaut. 1957 wurde das Abteufen des neuen, im Kohlwald gelegenen Wetterschachtes der Grube König, des Gegenort-Schachtes, angekündigt. Am 26. August 1963 wurde am Minna-Schacht Rauch festgestellt. Dieser Grubenbrand zwang zum Abdämmen des gesamten Ostfeldes der Grube. Am 28. Juni 1964 ging auf dem Schacht Hermine l ein neuer Ventilator in Betrieb. Das Grubenfeld König wurde in das West-, Mittel- und Ostfeld eingeteilt. Der Sinnerthal-Schacht war für das West-, der Hermine- Schacht l für das Mittel- und der Minna-Schacht für das Ostfeld als ausziehende Schächte installiert. Die Maschinensätze waren für ca. 10.000 Kubikmeter Wetter/Minute ausgelegt. Einziehschächte waren die Wilhelm-Schächte l und 2, der Gegenort-Schacht und der Schacht Hermine 3. 1965 besaß das Baufeld König eine streichende Länge von 2500 m und eine querschlägige Ausrichtung von 3600 m. Die Hauptfördersohle lag in 806 m Teufe, die Wettersohle in 631 m Teufe.

Nach der Stillegung der Grube Heinitz am 24. November 1962 vereinigte man am 01. Januar 1964 die bis dahin selbständigen Gruben König und Dechen zu einem Verbundbergwerk. Die Abbaumöglichkeiten der Grube aber waren schon wegen der notwendigen Sicherheitspfeiler im Gebiet des Neunkircher Eisenwerks und unter dem Stadtgebiet sowie durch den Circe-Sprung im Norden begrenzt. Ab dem 01. Juli 1967 wurden auf der Grube König-Dechen nur noch auf einer Schicht Kohlen gefördert. Mit der Teilstillegung konnte die Förderung auf 3.000 t täglich reduziert werden. In diesem Jahr waren auf der Grube noch 1.889 Mitarbeiter beschäftigt, die eine Jahresförderung von 1.151.075 Tonnen, wobei die Leistung unter Tage bei 2.803 Kg pro Mann und Schicht lag, erreichten. Am 31. März 1968 wurde die Grube stillgelegt, die Restvorräte wurden von der Grube Reden übernommen. Der untertägige Verbund der Grube König mit der Grube Reden war mit dem Durchschlag der Richtstrecke Ost auf der 600-Meter-Sohle bereits vollzogen worden.

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