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St. Gangolf
letzte Änderung: 20/8/2005

Saar auf- und abwärts

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Kloster und Hofgut St. Gangolf (2003)
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pejder Juni 2004


pejder 5/8/2005


pejder 5/8/2005


Klosterkirche (2003)
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Auf dieser alten Aufnahme ist noch der Friedhof vor der Kirche mit alten
Grabstätten zu erkennen. Die Gräber sind längst eingeebnet.
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Blick ins Innere
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"Pagodenburg" von Christian Kretzschmar in St. Gangolf,
heute Wohnhaus der Familie von Boch.
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Die heutigen Besitzverhältnisse stellen sich wie folgt dar:

Quelle: "St. Gangolf - eine alte Siedlung und Kultstätte an der unteren Saar" von Arthur Fontaine
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SaarsaarlandbilderKarte
Ortsverzeichnis

St. Gangolf bei Besseringen/ Saar - uralte Pfarrei, Kloster und Wallfahrtskirche
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In den Saarwiesen am Montclairberg, kurz vor der Saarschleife, liegt am Nordrand des "Merziger Beckens" seit Jahrhunderten die alte Kloster- und Pfarreikirche "St. Gangolf".

Am heutigen Standort der Klosterkirche St. Gangolf soll sich folgende Sage zugetragen haben:

"Luitwin, ein fränkischer Adeliger aus dem Geschlecht der Widonen, der Gründer des Klosters in Mettlach, ist im 7. Jahrhundert n. Chr. auf der Jagd in der Nähe der Saarschleife. Er ist in Begleitung seines waffentragenden Dieners, als sie in der heissen Mittagszeit eine Rast auf einer Lichtung einlegen. Luitwin bettet seinen Kopf in den Schoß seines Dieners und fällt in Tiefschlaf. Ein Adler steigt vom Himmel nieder, bleibt mit ausgebreiteten Schwingen über dem Jäger in der Luft stehen und spendet ihm so kühlen Schatten. Als Luitwin wieder erwacht, schwebt der Adler lautlos davon.

Luitwin versteht diese Begebenheit als Gotteszeichen und beschliesst, sein Vermögen für den Bau einer Kapelle zu verwenden."

Die Kapelle wird dem Heiligen Dionysios, einem Märtyrerbischof aus Paris, gewidmet. Die Kapelle entwickelt sich zu einem Seelsorgezentrum für die Region. Von hier aus missionieren Kirchenmänner die Umgebung.

Die Dionysioskapelle ist nicht erhalten. An ihrer Stelle steht heute die Pfarrkirche von St. Gangolf auf dem Bergrücken, der aus dem Saartal so gut einzusehen ist.

Über die Gründung der Pfarrei St. Gangolf liegen keine genauen Erkenntnisse vor. Erstmalige Erwähnung erfährt die Kirche in einer Urkunde aus dem Jahre 1230, als sie dem Kloster Mettlach eingegliedert wurde.

Wahrscheinlich handelt es sich bei der Pfarrei und Kirche St. Gangolf um eine Gründung der Mettlacher Benediktiner um das Jahr 1000, denn die Benediktiner gehören zu den Verbreitern des Gangolfkultes. Der heilige Gangolf stammte aus einer burgundischen Hochadelsfamilie. Er war ein Mann Gottes und genoß bei seinen Standesgenossen und im Volk hohes Ansehen. Weil er seine untreue Ehefrau, entgegen damaliger Gepflogenheiten nicht verurteilte, setzte er für seine Generation ein Zeichen konsequent christlichen Handelns. Er gilt seither als der Martyrer der christlichen Selbstbeherrschung.

Zweiter Pfarrpatron ist der heilige Andreas, den die Dreisbacher Fischer zu ihrem Patron bestimmt hatten und dem ein Altar in der Kirche geweiht ist. Der heilige St. Gangolf spielte als Schutzpatron der Ehe und als Brunnenheiliger ein große Rolle. So wird dem Wasser des St. Gangolf-Brunnens in der Nähe der Kirche Heilkraft bei Augen-, Ohr-, Haut- und Darmerkrankungen zugeschrieben. Bis heute ist die Kirche St. Gangolf eine beliebte Heiratskirche, was sicher neben der romantischen Lage etwas mit dem heiligen St. Gangolf als Schutzpatron der Ehe zu tun hat.

Über die Pfarrei St. Gangolf ist während der Zugehörigkeit zur Abtei Mettlach bis ins 16. Jahrhundert nicht viel berichtet. Um 1560 gehörten zur Pfarrei die Orte Besseringen, Ponten, Schwemlingen, Dreisbach, Mettlach, Saarhölzbach, Keuchingen und das Gebiet Montclair. Die Filialorte Saarhölzbach und Besseringen hatten zu dieser Zeit bereits eigene Kapellen (Saarhölzbach seit 1434; Besseringen seit 1497).

Aufgrund des Teilungsvertrages von 1778 gehörten die Orte links der Saar (Schwemlingen, Dreisbach) zu Frankreich, während der Rest der Pfarrei zu Kurtrier gehörte. Die Zugehörigkeit der einzelnen Orte zur Pfarrei St. Gangolf sollte in den folgenden Jahrzehnten noch mehrmals wechseln, bis Saarhölzbach (1803) und Mettlach-Keuchingen (1851) eigenständige Pfarreien wurden. 1775 wurde die Kirche an die Stelle der alten Kirche am Berghang gesetzt, weil eine vom damaligen Abt zu Mettlach gewollteVerlagerung des Kirchenbaues nach Besseringen-Ponten scheiterte. Am 01. September 1907 hielt der damalige Pastor Krayer den letzten Pfarrgottesdienst in der Kirche zu St. Gangolf. Danach zog die Pfarrei um nach Besseringen.

Zu der Pfarrei St. Gangolf gehörte auch die "Pagodenburg" - das Schul- und Küsterhaus. Die "Pagodenburg" wurde 1745 (Jahreszahl im Türsturz eingemeißelt) vom Abteiarchitekten Christian Kretzschmar auf dem Fundament eines alten, baufälligen Schulgebäudes erstellt. Zur damaligen Zeit gehörten auch die umliegenden Dörfer, u. a. Besseringen und Schwemlingen zur Pfarrei St. Gangolf. Die Gemeinden finanzierten den Bau der "Pagodenburg", Auftraggeber waren allerdings die Mettlacher Mönche. Die Bezeichnung "Pagodenburg" entstand vermutlich in Anlehnung an süddeutsche Pagodenburgen mit ihren außergewöhnlichen Grundrissen. Auch die "Pagodenburg" in St. Gangolf weist einen solchen Grundriß auf: An einen achteckigen Mittelraum schließen sich in den Haupthimmelsrichtungen vier kleinere quadratische Räume in Pavillons an. Alle Räume haben ein eigenes Mansarden-Zeltdach. Der Grundriß erstaunt um so mehr, wenn man die Nutzung des Baues bedenkt. Hier handelt es sich nicht um ein Lusthaus, sondern um ein Schulgebäude. Weiter sollte es auch dem diensttuenden Mönch als Aufenthaltsort dienen, weil ein eigenes Pfarrhaus fehlte. Die Mönche wohnten als Ordensgeistliche im Mettlacher Kloster. Abgesehen von seinem Grundriß besitzt der Bau keine weiteren Besonderheiten und ist eher schlicht gestaltet.(Quelle: Ingrid Jakobs "Christian Kretzschmar - Steinhauer und Baumeister des 18. Jahrhunderts in Kurtrier")

Nachdem der Umzug der Pfarrei nach Besseringen feststand, wurde das Gelände teilweise an die Familie von Boch verkauft, die ganz in der Nähe ihr Wohnhaus hatten. Der uralte Friedhof und das Kirchengrundstück (Kirche, Kirchenumgang und Kirchenzugang) verblieben aber lt. Unterlagen des Katasteramtes Merzig bei der Pfarrgemeinde Besseringen-Ponten und Dreisbach. Die Familie von Boch stellte das von ihr erworbene Gelände für den Neubau des Kapuzinerklosters zur Verfügung. Bauherr des Klosters war die Rheinisch-Westfälische Kapuzinerprovinz. Die Planung oblag Architekt Merchel aus Mainz, Substitut des Architekten Becker aus Mainz. Die Bauausführung hatte Baumeister Johann Melchior aus Fremersdorf. Baubeginn war im April 1900; ein Jahr später war das Haus bezugsfertig. Am Heiligen Abend 1974 zelebrierte Pater Eberhard als letzen Gottesdienst die Mitternachtsmette.

Zum 31. Dezember 1974 wurden die letzten drei verbliebenen Patres Eberhard, Wigbert und Kuthbert versetzt und das Kloster geschlossen. Im Herbst 1985 wurde das Klostergebäude (teilweise) abgerissen - nur ein kleiner Rest ist bis heute erhalten gebleiben.

Bis auf den heutigen Tag wird die Kirche als beliebte Heiratskirche von Brautpaaren aus der näheren und weiteren Umgebung gern benutzt. Der Pfarrer von Besseringen (oder auch ein beliebiger anderer Geistlicher) halten hier die Brautmessen ab und geben wie in alter Zeit dem Brautpaar und seinen Gästen ihren Segen.

Aus Anlass des 225 jährigen Bestehens der Klosterkirche feierten am 26.08.2001 die Gläubigen eine feierliche Bischofsmesse mit Herrn Weihbischof Dr. Felix Genn. Die Mitgestaltung hatte der Kirchenchor Cäcilia Besseringen übernommen.

Weitere Informationen zur Pfarrgemeinde und zur Kirche St. Gangolf finden Sie auf den Seiten der
link Pfarrei St-Gangolf-Besseringen.