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Besseringen
letze Änderungen: 10.12.2004 / 3.4.2008


Abteihof - 18.Jh.
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Das ehem. Zehnthaus der Abtei Mettlach (Gasthof "Abteihof") ist ein stattlicher Bau des späteren 18.Jh.

Zeittafel Besseringer Geschichte
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500-300 v. Chr. Früheste Kunde aus der Geschichte unseres Dorfes geben

1 .) das keltische Fürstengrab auf dem Müllerküppchen. Beigaben: ein prachtvolles goldenes Diadem (als Beutekunst in Rußland), eine bronzene Schnabelkanne, Beschlage eines 2- rädrigen Prunkwagens
[vgl.: Keltenstätten im Saarland]

2.) 2 Hügelgräber (11 x 9 m) in Lindscheid.

54 v. Chr. bis etwa 450 n. Chr.
3.) Die Römer unterwerfen und romanisieren die Kelten im linksrheinischen Gebiet. Aufschwung in Ackerbau und Obstanbau, in Handel und Verkehr, im Hausbau.

Funde: Römische Villa mit Bronzestier- Mühlen-/Waldstraße, Römische Ziegelei - Fahrfelder, röm. Gräberfeld am Fuße des Kieselbergs, 3 röm. Steinsärge - Kreimertsberg
[vgl.: Römerstätten im Saarland]

Anfang 4. Jhdt. Von Trier aus verkündet Quiriakus als erster das Christentum in unserer Heimat an der Saar.

im 4. + 5. Jhdt. Im Laufe der Völkerwanderung verdrängen germanische Stämme die Römer und besiedeln unsere Heimat.

406 Germanische Vandalen ziehen durch das Saartal gen Trier.

Mitte 5. Jhdt. Franken vom Mittelrhein verdrängen die Römer und besiedeln mit Alemannen vom Südwesten das Saarland.

um 500 n. Chr. Bazhero, fränkischer Sippenführer, gründet Bazzeringa, unser Dorf; (1398 geht das "Betzart-Gut" als Lehen an die Abtei zurück).

695 Der fränkische Herzog Lutwinus gründet die Abtei Mettlach und beschenkt sie reich mit 1000 Mansen Land ( 1 Manse = 64 Morgen)

782 bestätigt Karl der Große mit den Großen des Reiches auf dem Gerichtstag zu Diedenhofen dem Trierer Erzbischof Weomad den Besitz der Abtei Mettlach.

802 Der fränkische Kaiser Karl der Große schenkt dem Bischof von Trier das große Waldgebiet zwischen Saar, Prims und Mosel bis zur Linie Büschfeld-Merzig, seither Besseringer Forsthuber.

846 Nach der Teilung des fränkischen Reiches fällt Besseringen an das Mittelreich, an das Herzogtum Lothringen, seither lothringische Vogteileute im übrigen Besseringen.

925 Heinrich I., der Vogler, 1 . König des Deutschen Reiches, verbindet Lothringen mit dem Deutschen Reich.

Seit 802 sind die Besseringer zweigeteilt in lothringische und trierische Untertanen.

bis 1778 Für die lothringischen Vogteileute ist der Amtmann in Siersburg zuständig, für die trierischen Forsthuber der Amtmann in Saarburg. Bis zum Teilungsvertrag im Jahre 1778 währen die Streitigkeiten zwischen Lothringen - ab 1766 Frankreich- und Kurtrier um die Feststellung der Landesgrenzen, der beiderseitigen Hoheitsrechte und die daraus erwachsenden Einkünfte.

1016 Der Bischof von Trier läßt die Burg Skiva, altes Besitztum ardennisch-lothringischer Grafen, zerstören.

1095 Bezzeringa wird erstmals urkundlich erwähnt in einer "Güterrolle" derAbtei Mettlach.

1190 Arnulf von Walcourt erbaut auf den Trümmern der Burg Skiva die Burg Montclair, mit der Burg Eltz die größte des Trierer Landes.

1230 inkorporiert Erzbischof Theoderich von Trier die Kirche St. Gangolf in die Krankenstube der Abtei Mettlach, da sie von alters her dazu gehörte.

1264 gibt Guido von Clermont, Herr von Montclair, der Kirche zu Mettlach als Almosen 3 Malter Korn etc. in die Mühle zu Borrenbag bei Besseringen

1277 verzichtet der luxemburgische Gaugraf im unteren Saargau auf seine Rechte zugunsten des Herzogs von Lothringen.

1329 Abteiliche Bücher erwähnen Ortsteile von Besseringen: Ponten, Hinterst Ponten, Ouer-Besseringa , Nederbesseringa

1351 Kurfürst Balduin von Trier belagert und besiegt den Ritter Jakob von Montclair, der im Einvernehmen mit Lothringen die trierische Oberhoheit im Bezirk Merzig-Saargau mit Füßen tritt.

1368 Einigung zwischen Kurtrier und Lothringen im Kondominium = in der Gemeinherrschaft Merzig-Saargau, endlich! - aber nicht unendlich!

1370 faßt die Abtei Mettlach schon die Güter in Besseringen zu einem Gut zusammen; 1489 übernehmen 2 Besseringer Pächter das Gut auf 18 Jahre; Pachtzins: 6 Malter Korn (1 Malter = 8 Sester = 2,4 Ztr.)

1488 Die Abtei Mettlach überläßt die Fähre zu Ponten dem Peter daselbst auf 16 Jahre für 3 Gulden u. 16 Alben.

1497 Die Besseringer Kapelle wird erbaut. In der Gründungsurkunde, dem Stiftungsbrief, stiftet die Gemeinde Besseringen durch den Zender Peter zu Ponten mit Mayern u. Schöffen die Wochenmesse in die Kapelle, dazu als Pfründe 2 Wiesen.

1524-25 Während der Bauernkriege besetzen lothringische Bauern die Burg Montclair.

1528 Die Besseringer Mühle geht in den Besitz des lothringischen Amtsmanns Cicignon über.

1545 am 15.10. verkauft der Erzbischof von Trier die Besseringer Forsthube fur 1000 Gulden an die Abtei Mettlach.

1590 Die Abtei Mettlach verleiht "das Fahr zu Ponten" mit Zubehör dem Ponten Claissen auf 6 Jahr für 200 Eier, 4 Thaler etc.

1594 Akten des lothringischen Amtmanns in Siersburg (Archiv zu Nancy) berichten von Hexenprozessen gegen mehrere Hexen auf der Besseringer Vogtei, 1594 gegen die Frau des Schweinehirten. (Folterung, Verbrennung am Galgenberg), weitere Prozesse um ca. 1600.

1618-48 Der 30jährige Krieg bringt fortlaufend Besatzung und Abgaben, Plünderung und Zerstörung, Not und Tod. Von 17 lothringischen Haushalten im Jahr 1519 gibt es 1663 nur mehr 2, von 20 trierischen zu Beginn des Krieges überlebten 4 das Ende 1648.

1635-38 hielt die Pest reiche Ernte unter den durch Hunger geschwächten Einwohnern.

1654 besetzt der französische König Ludwig XIV. Lothringen und alle dazu gehörigen Dörfer, auch Ponten-Besseringen. Eine große Überschwemmung vergrößert die Not, die den Bewohnern durch hohe Abgaben entstanden ist.

1665 Die Abtei Mettlach erwirbt die zerstörte Besseringer Mühle vom Junker Johannes Alexander von Cicignon.

1671 Trotz aller Not halten die Besseringer einen Schulmeister. Johann Hector Stein wird 1671 erstmalig erwähnt im Pfarrregister von St. Gangolf. Er starb 1719.

1667-68 Ludwig XIV. sucht, das französische Gebiet zu erweitern,
- durch den 1 . Raubkrieg,

1672-78 - durch den 2. Raubkrieg. Reichstruppen unter Führung des lothringischen Herzogs Karl V. kämpfen gegen die französischen Truppen.

1680 - durch die Reunion, d.h. Wiedervereinigung von Lothringen und aller jemals mit Lothringen verbundenen Gebiete mit Frankreich.

1688-97 - durch den 3. Raubkrieg.

1677 Auf der Flucht vor den siegreichen Reichstruppen legten die Franzosen einen Wüstungsgürtel im Saarland an. Am 6. Februar 1677 verbrannte eine Gruppe französischer Soldaten unter Führung ihres Hauptmanns, nachdem sie alles Heu und Vieh requiriert hatten, erst unser Dorf Besseringen, danach Mettlach und am Nachmittag Merzig von allen vier Enden her. Die armen Leute hatten bei Hochwasser und Kälte kein Dach überm Kopf, kein Korn für Brot. Ein Flugblatt rief die Deutschen zur Hilfe auf für die Opfer des "Mordbrandes" zu Merzig, Mettlach, Besseringen usw. bis St. Wendel.

1697 Der Friede von Ryswik zwingt Frankreich, seine Eroberungen zurückzugeben.

1709 Als Folge des Spanischen Erbfolgekrieges gibt es immer wieder Einquartierung mit drückenden Abgaben von Naturalien und Geld. Dazu kommt eine arge Hungersnot nach ungewöhnlich kaltem Winter und ebenso ungewöhnlich trockenem Sommer.

1740-84 Aus Besseringen zogen Einzelpersonen und Familien, manche mit 7 Personen, bis kurz vor Ausbruch der französischen Revolution (1789) über Wien in die von den Türken zurückeroberten Gebiete des nördlichen Balkans.

1754 Im Dezember kam aus dem Banat-Temeswar der Schneider Joh. Cleemann mit einer Vollmacht seiner Frau Maria Heynen nach Besseringen zurück, um bei deren Bruder Matthias Hein ihr Erbteil zu fordern. Bestens unterstützt von der kurfürstlichen Regierung zog er mit 91 Rth "zurück ins Banath".

1766 Lothringen fällt als Erbe des letzten Herzogs Stanislaus Leszynski an Frankreich. Die lothringischen Untertanen auf der Vogtei in Besseringen sind also französisch.

1775 Die jetzige Gangolfskirche wird erbaut.

1778 Durch den Teilungsvertrag zwischen Kurtrier und Frankreich fallen alle Orte rechts der Saar - auch Besseringen - an Kurtrier, die links der Saar an Frankreich.

1779 Am 2. Januar 1779 erfolgt die feierliche Besitzergreifung unserer Heimat durch Kurtrier und die begeisterte Huldigung der Untertanen in der St. Gangolfskirche.

1794 Französische Revolutionstruppen besetzen das Kurfürstentum Trier

1792/94 Der Unteroffizier Peter Welsch aus Besseringen schlägt sich tapfer bei den Abwehrkämpfen im Merziger Raum.

1794 Unter der französischen Herrschaft erfolgt die Aufhebung der geistlichen Herrschaft, die Aufhebung der Klöster (Abtei Mettlach) und ihre Enteignung zugunsten des französischen Staates sowie die Aufhebung jeglicher Hörigkeit der Untertanen.

1795 Besseringen wird Sitz der Bürgermeisterei-Mairie, mit Michel Hoffmann aus Besseringen als Maire, im Königreich Preußen ab 1815-1827 als Bürgermeister, abgelöst durch Herrn Boch-Buschmann. 1847 wurde Mettlach Sitz der Bürgermeisterei.

1801 Das ganze linke Rheinufer fällt an Frankreich.

1802 gewährt die französische Regierung auf Grund des Konkordats zwischen Napoleon und Papst Pius VII. den ehemaligen Ordensleuten ein Staatsgehalt von 500 frs. jährlich.

1803-14 Versteigerung der klösterlichen Güter.

1803 Am 10. August ersteigert Johann Hoffmann von Dreisbach, Bruder des Bürgermeisters Michel Hoffmann, die Besseringer Mühle als Nationalgut für 3.575 frs., Schätzpreis 900 frs.

1803 Jacques Leistenschneider, Papierfabrikant aus Dillingen, ersteigert die Abtei Mettlach für 12.500 frs.

1809 Herr Boch-Buschmann erwirbt von ihm die Abteigebäude fur 22.370 frs. und errichtet darin seine Fabrik, die vielen Besseringern Arbeit und Brot gab und gibt.

1812/13 mußten die kriegstauglichen jungen Männer mit Napoleon nach Rußland ziehen. Der Feldzug in die Weite und winterliche Kälte Rußlands bedeutete für Napoleon eine totale Niederlage, für die meisten der Soldaten Krankheit und Tod. Der 18-jährige Matth.Strupp kehrte glücklich nach Hause zurück; er wurde 1821 durch eine Treuemedaille des Kaisers Napoleon geehrt. Joh. Philipp Stein kam aus den Kämpfen nicht zurück, wie sicher etliche andere - unbekannte- junge Burschen.

1813/14 sterben in Besseringen, Saarhölzbach und Britten hilfsbereite Frauen und Männer, die todkranke napoleonische Soldaten, per Schiff auf dem Heimweg nach Frankreich, gepflegt hatten, an der Fleckfieberseuche, in Besseringen 25 Personen. Die 9 verstorbenen Soldaten wurden auf geweihter Erde rings um die Kapelle zu Besseringen begraben auf der Flur "Seläcker".

1826 Am 25. April Feuerkatastrophe im Bereich Abtei-, Reihen- heutige Brückenstraße; die Brandkasse Trier zahlt für 5 betroffene Häuser.

1836 Am 13. Mai Brandkatastrophe im gleichen Bereich; die Versicherung zahlt für 17 verbrannte Häuser.

1848 Im Freiheitsrausch der Revolution ließen sich einige junge Männer durch 2 Hauptführer zu Zerstörungen an den Straßenbarrieren aufwiegeln; betroffen war auch das Barriere Haus auf dem Mühlenberg. Einige junge Burschen wurden in Trier monatelang "eingelocht".

1860 Am 26. Mai wird die Bahnstrecke Saarbrücken-Trier eröffnet.

1870/71 Deutsch-französischer Krieg, 24 Besseringer wurden einberufen. Der siegreiche Kanzler Bismarck ruft im Schloß zu Versailles das 2. Deutsche Reich aus.

1885 Besseringen bekommt eine Haltestelle auf der Bahnstrecke Saarbrücken-Trier.

1903 Am 19. Mai wird die Saarbrücke eingeweiht.

1904 Wasserleitung - versorgt durch Quellen in der Katzenschleidt und am Mühlenweiher.

1914-18 Erster Weltkrieg - von 367 Einberufenen fallen 62.

1920 Folge des verlorenen Krieges: Bildung des Saargebiets, Verwaltung durch die Regierungskommission des Völkerbundes.

1935 Am 1 . März Rückgliederung des Saargebiets ins Deutsche Reich.

1939-45 Zweiter Weltkrieg - große Schäden im Dorf, von 560 eingezogenen Soldaten sind 166 gefallen.

1945-57 zweite Trennung des Saarlandes von Deutschland; am 1 .1 .1957 nach Abstimmung wieder zurückgegliedert.

1969 Das Wachstum von Besseringen anhand einiger Einwohnerzahlen ab dem Jahre 1802:

1802: 529 E
1833: 753 E
1843: 878 E
1885: 1212 E
1957: 2664 E
1969: 3260 E
1997: 3362 E (Stand vom 01 .01 .1997)

1974 Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform wird Besseringen mit den umliegenden Dörfern in die Stadt Merzig eingemeindet.

1995 Besseringen feiert sein 900-jähriges Jubiläum

seit 1987 freundschaftl. Beziehungen zur Partnergemeinde Linsengericht/Hessen

1997 Besseringen wird das Prädikat "staatlich anerkannter Erholungsort" verliehen.

1997 500 Jahre Alte Kapelle

29.08.1999 Orgelweihe der neuen "LINK-Orgel" in der Pfarrkirche "Herz-Jesu"

14.12.2000 Besseringen erhält direkten Anschluss an das europäische Autobahnnetz - Verkehrsfreigabe der Querspange A8/B51

31.12.2001 Einwohnerzahl: 3.189
30.06.2003 Einwohnerzahl: 3.173
30.09.2003 Einwohnerzahl: 3.186


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Besseringen
Kartenausschnitt um 1730 des frz. Militärgeographen Naudin

Besseringen/Saar ist einer von 17 Ortsteilen der Kreisstadt Merzig; im "Grünen" Kreis Merzig-Wadern, im nördlichen Saarland. Aufgrund der exklusiven Lage im Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Luxemburg, war die Gegend immer ein Zankapfel der jeweils Mächtigen. Daher auch die wechselvolle Geschichte der Orte Besseringen und Ponten, die heute unter Besseringen zusammengefaßt sind.

Der Verfasser dieser Seiten hat mit Hilfe versch. Chroniken des Ortes versucht, die Geschichte lebendig werden zu lassen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Das Internet als weltumspannendes Netz und riesiger Datenspeicher erscheint mir dazu bestens geeignet diese Informationen zu veröffentlichen und damit allen zugänglich zu machen, die heute in der ganzen Welt leben und ihre Wurzeln hierher zurückverfolgen können.

Ich danke allen Personen, die vor mir sich mit diesem Thema befaßt und die Daten zusammengetragen haben. Sie alle haben mir damit die Arbeit sehr erleichtert. Besonderen Dank gilt den Verfassern - und hier ganz besonders der Besseringer Lehrerin Frau Gretel Schreiner für ihre immense Fleißarbeit - von "900 Jahre Besseringen/500 Jahre Kapelle Besseringen" - erschienen im Jahre 1997 im Druckhaus Faßbender in Mettlach-Weiten.


Blick auf "Müllerkippchen"
(hier lag das keltische Fürstengrab)
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