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Niederlosheim
letzte Änderungen: 13.1.2007 / 14.3.2008

rot = Römerstraße Trier – Saarbrücken

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Bild: link www.ffw-niederlosheim.de

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Niederlosheim
Quelle: link www.losheim-stausee.de

Fläche: 7,72 qkm

Nur 2 km vom Kernort Losheim entfernt liegt inmitten eines Talkessels zwischen Losheim und Nunkirchen der Ortsteil Niederlosheim. Obwohl schriftliche Aufzeichnungen aus der Zeit vor Christus fehlen, sind klare Anhaltspunkte vorhanden, dass der Ort bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Darauf deuten die in näherer Umgebung des Ortsteils gefundenen steinzeitlichen Relikte hin. Weitere sichtbare Anhaltspunkte einer Besiedlung weisen in die Römerzeit.

Durch den Ort ging damals die von Trier nach Saarbrücken bzw. Metz führende Römerstraße im Ortsbereich, "Rennpfad" genannt. Noch heute weist eine Straßenbezeichnung auf diese historische Vergangenheit hin. 1921 wurden auf dem Distrikt "Schachen", etwa 150 m von der Römerstraße entfernt, Reste einer römischen Villa entdeckt und ausgegraben. Ihre Entstehung ist vermutlich in das 3. Jahrhundert n. Chr. zurückzudatieren. [vgl.: RömerstraßenRömerstätten im Saarland]

Ob Niederlosheim schon in Vor- und Frühgeschichtlicher Zeit besiedelt war, ist sehr fraglich. Obwohl auf dem Niederlosheimer Bann aus der Alt- und Mittelsteinzeit 12 Steinwerkzeuge und aus dem Neolithikum, der Jungsteinzeit, 10 geschliffene Steinbeile gefunden wurden, läßt dieses relativ hohe Fundaufkommen keinen Schluß auf eine dauerhafte Besiedlung in der Steinzeit zu. Erste Zeugen einer ständigen Anwesenheit von Bewohnern mit festem Wohnsitz sind die Ergebnisse der Ausgrabungen aus der Römerzeit, die auf dem Flurteil Schachen bzw. im Jungenwald zum Teil umfangreiches Kellermauerwerk und sonstiges Fundmaterial zu Tage brachten. Die Zeit der Entstehung dieser Baulichkeiten ist in den Ausgang des 2. Jahrhunderts nach Chr. zu setzen. Mit dem Abzug der Römer verfielen diese Gebäude, nachdem sie zuvor schon einmal bei Germaneneinfällen zerstört, dann aber wieder aufgebaut worden waren. Ob Niederlosheim eine Zeit wüst gefallen war, oder fränkische Siedler nahtlos an die römisch-keltischen Bewohner von dem Land Besitz ergriffen, ist ebenfalls nicht erwiesen. Die bis heute bekannte erstmalige urkundliche Erwähnung Niederlosheims erfolgte im Jahre 1303 anläßlich einer Grenzbeschreibung.

Niederlosheim hatte im Jahre 1563 zweiundzwanzig steuerlich veranlagte Familien; davon betrieben vier Familien Mühlen, die von der Wasserkraft des Losheimer Baches angetrieben wurden. Die Haupterwerbszweige der damaligen Bevölkerung waren jedoch Land- und Forstwirtschaft. Drei Jahre vor seiner Zerstörung im 30jährigen Krieg zählte Niederlosheim 16 Haushalte. Nach der totalen Vernichtung im September 1635 war nur mehr eine einzige Familie übrig geblieben. Bis 1684 war die Zahl der Hausstände wieder auf 11 angestiegen.

1787 hatte Niederlosheim 206 Einwohner und ein pulsierendes Gemeindeleben hatte sich entwickelt. Dann erfolgte eine explosionsartige Bevölkerungszunahme von 279 Personen (ca.135 %) innerhalb von nur 56 Jahren und erreichte im Jahre 1843 in 82 Haushaltungen 485 Einwohner. Zuvor waren noch 15 Personen mit ihren Familienangehörigen ins Banat/Gegend um Temeswar ausgewandert.

Dem starken Bevölkerungsanstieg stand kein ausgleichendes Angebot an Erwerbsmöglichkeiten gegenüber und so kam es zu weiteren Auswanderungen, die vordringlich Nordamerika zum Ziele hatten. Für Niederlosheim setzte diese Auswanderungswelle im Jahre 1839 ein, um 1891 ihr Ende zu finden. Mindestens 178 Personen (ohne Dunkelziffer) haben den Ort verlassen in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Fremde.

Bedingt durch die Auswanderungen und auch durch vermehrte Sterbefälle, zum Teil wegen Sumpffiebers, war von 1843 bis 1900 die Einwohnerzahl um elf rückläufig und erreichte eine Zahl von 474 Personen.

Zur Mitte des 19.Jahrhunderts erfolgte der gewaltige Aufschwung des Kohlebergbaus und der Hüttenindustrie im saarländisch-lothringischen Raum und viele am Heimatort überzählige Arbeitskräfte fanden hier eine Beschäftigung und ließen sich teilweise auch dort nieder. Mit der Inbetriebnahme der Merzig-Büschfelder Eisenbahn im Jahre 1903 war es dann den Menschen im Losheimer Raum möglich, täglich zwischen Wohnort und den Arbeitsstellen im Saartal zu pendeln und ggf. eine kleine Nebenerwerbs-Landwirtschaft zu betreiben.

Nach Rückschlägen zur Zeit der Weltwirtschaftskrise um 1929/30 (Massenarbeitslosigkeit für „Grenzgänger”) hatte Niederlosheim 1939 zu Beginn des 2.Weltkrieges 721 Einwohner. Nach Beseitigung der Schäden, die das Dorf in den letzten Kriegsmonaten erlitten hatte, blühte der Ort auf und hatte zur Mitte des 20.Jahrhunderts außer den Großbetrieben Holzfaserplattenwerk HOLO (heute Homanit) und Molkerei sowie einem Düngemittellager der Raiffeisenkasse und der Verkaufsstelle einer auswärtigen Metzgerei noch 29 Handwerks- bzw. Gewerbe- oder Dienstleistungbetriebe. Die Bevölkerungszahl war bis 1950 auf 831 gestiegen.

Von den vorgenannten Betrieben waren am Ende des 20.Jahrhunderts die meisten verschwunden. Wegen der Entstehung der riesigen Einkaufscenter, des geänderten Konsumverhaltens und der Mobilität der Bevölkerung hatten sie ihre Rentabilität eingebüßt und mußten aufgegeben werden.

Am 31.12.1999 hatte Niederlosheim 1423 Einwohner. Es ist anzunehmen, daß in einigen Jahren, wenn noch Neubaugebiete erschlossen werden und einige Baulücken im Ortsbereich genutzt sind, die Zahl von 1500 Einwohnern erheblich überschritten wird. Nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1.12.1900 hatte Niederlosheim damals 474 Einwohner. Folglich war von 1900 bis Ende 1999, fast im Zeitraum eines Jahrhunderts, eine Bevölkerungszunahme von 949 Personen (etwa 200%) zu verzeichnen, was auf eine gute Wohn- und Ansiedlungsbeliebtheit schließen läßt. Hierbei ist noch zu bedenken, daß Niederlosheim in den beiden Weltkriegen 81 Kriegstote zu beklagen hatte, was sich bezüglich der Einwohnerzahlen ganz sicher negativ auswirkte.

Der früher landwirtschaftlich geprägte Charakter des Ortes war u.a. dadurch gekennzeichnet, daß in dem vorgenannten Erhebungsjahr 1900 in den einzelnen dörflichen Stallungen 31 Pferde, 334 Kühe und 325 Schweine gehalten wurden. Die zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung anstehende Fläche von 733 Hektar unterteilte sich auf 381 ha Ackerland, 132ha Wiesen und 220ha Holzungen.

Im Untersuchungszeitraum 1967/68 hatte Niederlosheim noch 10 landwirtschaftliche Haupt- und 38 Nebenerwerbsbetriebe. Diesen 48 landwirtschaftlichen Betrieben standen in der Gemeinde Niederlosheim 39 Arbeitsstätten in anderen Wirtschaftsbereichen gegenüber, wobei das damalige Holzfaserplattenwerk und die Zentralmolkerei den größten Beschäftigten-Anteil hatten. Die Zahl der Industriearbeiter im Bereich des „Weiterverarbeitenden Gewerbes” betrug etwa 500, das sind 83 % aller in Niederlosheim Beschäftigten. Das hatte zur Folge, daß Niederlosheim damals als „Industriegemeinde” eingestuft wurde und als selbständige Gemeinde das höchste „Pro Kopf / Steueraufkommen” aller Orte in der heutigen Gemeinde Losheim am See hatte.

Die Volks- und Berufszählung von 1970 ergab für Niederlosheim eine Wohnbevölkerung von 1138 Personen, davon arbeiteten nur noch 30 Menschen in der Land- und Forstwirtschaft, nicht gerechnet mithelfende Familienangehörige. Die Landwirtschaftszählung von 1971 ergab einen Rindviehbestand von 421 Tieren. In 33 Stallungen wurden noch 286 Schweine gehalten. Der Pferdebestand war bedeutungslos geworden und schwankte zwischen 9 und 6 Tieren, die fast ausschließlich zur Reit- und Freizeitbeschäftigung benutzt wurden.

Der ehemalige bäuerliche Dorfcharakter ist mittlerweile fast ganz verschwunden. Die einstigen schmucken Bauernhäuser im typischen Stil des „Südwestdeutschen Einhauses” sind fast alle umgebaut worden. Auch sind zwei wichtige Plätze, die ehemals bei fast jedem Hause anzutreffen waren, verschwunden: der Platz für den Stalldung („Mistkaul”) und der Platz für das Brennholz. Auch die Zufahrten zum Dorf werden heute durch industrielle Anlagen beherrscht. Im Westen ist dies das Industriegebiet Losheim-Süd, das sich bis an die Banngrenze Niederlosheims ausgedehnt hat und der östliche Zugang wird durch die riesigen Werkseinrichtungen der Firma Homanit bestimmt.

Wo früher Pferdegespanne und Kuhwagen gemächlich ihres Weges zogen, rasen heute Motorfahrzeuge aller Art über die Straßen und ihr Fahrgeräusch liegt von früh morgens bis spät in die Nacht als Brummen über der Ortschaft. Doch der Fortschritt läßt sich nicht aufhalten. Aber viele ältere Mitbürger erinnern sich noch wehmütig an die Zeit, als morgens das Krähen der Hähne und abends das monotone Klopfgeräusch beim Dengeln der Sensen oder das gleichmäßige Summen der Dreschmaschine bei der Mühle für den „Lärmpegel” des Dorfes bestimmend waren.