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Schachtanlage Maybach-Ost
66299 Friedrichsthal, Stadtverband Saarbrücken
erstellt am 19/2/2005
Ostschachtanlage Friedrichsthal
Ensemble Schachtanlage Maybach-Ost
Quelle: link www.denkmal.saarland.de

Bestand: Ostschachtstraße: ehem. Fördermaschinenhaus, Schachthalle, Zechenhaus mit Verbindungstrakt zur Schachthalle, Kesselhaus.

Der Margaretenschacht (Ostschacht),in der Nähe des Bahnhofs Friedrichsthal gelegen, wurde 1890- 93 abgeteuft, und diente als Seilfahrt- und einziehender Wetterschacht der Grube Maybach. Nach Verlegung der Seilfahrt zum Kolonieschacht wurden die Tagesanlagen um 1935/36 zur Aufnahme der Hauptrettungsstelle der Saargruben umgebaut. Bis heute haben hier die Sicherheitsdienststellen der Saarbergwerke AG ihren Sitz. Erst 1967 wurden das Fördergerüst und die Fördermaschine abgebrochen, der Schacht verfüllt.

Mit Ausnahme des etwas älteren Kesselhauses sind die Gebäude des Ensembles um 1907 anscheinend in kurzer Bauzeit entstanden und zeichnen sich durch ein Erscheinungsbild von großer Geschlossenheit aus. Das Zechenhaus, bezeichnet 1907, ist durch einen gedeckten Gang mit der Schachthalle verbunden. Etwas erhöht liegt das große Fördermaschinenhaus. Innen sind diese Gebäude durch die Umnutzung weitgehend verändert. Im Äußeren ist ihnen eine sorgfältige Wandge- staltung gemeinsam, die vom Kontrast zwischen hellen Putzfeldern und bossiertem Quadermauerwerk als Gliederung lebt und im Detail Jugendstileinflüsse zeigt. Rainer Slotta würdigt den Komplex als "das beste und geschlossenste Beispiel einer Jugendstil-Schachtanlage im Bereich der Saarbergwerke AG."

Ostschachtanlage / Hauptrettungsstelle
Quelle: link www.uni-saarland.de


Quelle: link www.uni-saarland.de

Der Ostschacht war 1890 - 1894 als Seilfahrts- und Wetterschacht geteuft worden. In den 30er Jahren hatte er seine technische Bedeutung verloren. So entstand 1935 in den entsprechend umgebauten Räumen der Ostschachtanlage die Hauptrettungsstelle, die am 1. Oktober 1936 den Dienstbetrieb aufnahm. Ihre Aufgabe ist die Ausbildung von Rettungsmannschaften für das Grubenwesen. Das Rettungswesen hatte um 1900 mit der Konstruktion brauchbarer Atmungsgeräte seinen Anfang gefunden. Den typischen Gefahren wie Wasser- und Gebirgsschlägen, Grubenbränden, Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen sollte nicht weiter hilflos gegenüber gestanden werden. Das gesamte Rettungswesen wurde am Ostschacht technisch organisiert und zentralisiert. So wurden die Sauerstoffgeräte der einzelnen Gruben von hier aus überwacht. Der frühere Ostschacht wurde 1967 verfüllt und im gleichen Jahr wurden das Fördergerüst und die Fördermaschine abgebrochen. Ansonsten sind die Tagesanlagen des Ostschachtes der Grube Maybach fast unverändert geblieben.

Das Empfangsgebäude zeigt in dem Glasfenster über dem Eingang neben verschiedenen Bergbaumotiven die Schutzheilige der Bergleute, die heilige Barbara. Kreuzförmig schließen sich weitere Baulichkeiten an: Die Schachthalle, das höher gelegene Fördermaschinenhaus, das alte Kesselhaus mit dem qualitätvollen Kamin sowie das Mundloch eines Brandversuchsstollens. Da alle Gebäude im Jahre 1907 in relativ kurzer Zeit fertiggestellt wurden, weisen sie eine große Einheitlichkeit auf. Sie sind alle aus rotem Sandstein gebaut, besitzen einen ausgeprägten Sockel, hell verputztes Mauerwerk und die harmonische Kanten- und Binnengliederung durch Mauerstreifen, die auch das Dachgesims unterfangen und so die Fassadenflächen rahmen. Auf den Lisenen und Wandstreifen sind zum Teil niedrige Fialen mit Kanneluren aufgesetzt, die die Wirkung der Fassaden zusätzlich betonen. Die Fenster, die ursprünglich meist groß ausgebildet und mit korbbogigen oder geraden oberen Abschlüssen versehen sind, wurden bis auf wenige Ausnahmen nachträglich verändert. Dieser Eingriff mindert glücklicherweise kaum die Aussagekraft der gesamten Anlage. Somit kann von einer der schönsten geschlossenen Jugendstil-Schachtanlagen im gesamten Saarbergbau gesprochen werden. Mit dem Niedergang des Bergbaus haben die Friedrichsthaler Bergingenieure ihre Spezialeinrichtungen nun auch für Kommunen und Unternehmen zugänglich gemacht.

Serie Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 6): Ostschachtanlage Friedrichsthal
Quelle: link www.delfslotta.de

Herausragende Schachtanlage der Saar im Jugendstil


Fördermaschinenhaus und Schachthalle der Grubenanlage.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Mit der Schachtanlage Maybach-Ost hat sich in der alten Bergbau- und Glasmacherstadt Friedrichsthal ein Kleinod bergbaulicher Architektur erhalten. Noch immer ist die Grube in bergbaulicher Nutzung. Auf ihr ist seit dem Jahr 1935 die Hauptrettungsstelle des Saarbergbaus angesiedelt. Entstehung und Entwicklung der so genannten Ostschachtanlage müssen in Zusammenhang mit der Gründung der Trenkelbach- Schachtanlage, die später in Grube Maybach umbenannt wurde, gesehen werden. Im Jahre 1873 hatte der Preußische Bergfiskus dort mit dem Abteufen zweier Schächte begonnen. Als Wetterschacht brachte man in Friedrichsthal seit April 1885 den Helenenschacht nieder. Nachdem dieser zum Förderschacht der selbstständigen Grube Helene ausgebaut worden war, musste zur Bewetterung des Ostfeldes der Grube Maybach ein neuer Schacht abgeteuft werden. Die Arbeiten dazu begannen am 24. Mai 1890. Nach seiner Fertigstellung diente der neue Ostschacht der Seilfahrt und als einziehender Wetterschacht. Als Folge der Umstrukturierungsmaßnahmen der Saargruben nach 1935 wurde die Seilfahrt vom Ostschacht, der in der französischen Verwaltungszeit unter den Mines Domaniales Françaises zwischen 1920 bis 1935 die Bezeichnungen Schacht Margaretha und Margarethen-Schacht führte, zum Friedrichsthaler Kolonie- Schacht verlegt. Die Tagesanlagen des Ostschachts wurden daraufhin frei zur Errichtung einer Hauptrettungsstelle.

Der Schacht selbst wurde erst 1967 verfüllt. Im selben Jahr wurden auch das Fördergerüst und die Fördermaschine abgebrochen. Der Abriss des früheren Ventilatorengebäudes mit dem Kühlturm erfolgte in den Jahren 1973/1974. Ansonsten aber sind die Tagesanlagen fast unverändert geblieben.

Die Baulichkeiten liegen an einem stark abfallenden Hang und auf der Verebnung der beim Abteufen des Schachts aufgeschütteten Schachthalde. Das große Fördermaschinenhaus als höchstgelegenes Gebäude des Ensembles dominiert die Tagesanlagen. Auf dem mittleren Niveau der Grubenanlage befinden sich eine neuzeitliche Garage für die Einsatzfahrzeuge der Grubenwehr, eine Werkstatt, das Staublabor sowie - eingelassen in die Böschungsmauer - ein Brandversuchsstollen. Von dieser Zeile durch die Werkstraße getrennt schließen sich das große, kreuzförmige Gebäude des ehemaligen Zechenhauses, der gedeckte Gang zur Schachthalle sowie die Schachthalle selbst, über der sich früher das Fördergerüst befand, an. Komplettiert wird der Gebäudekomplex durch das alte Kesselhaus mit dem qualitätvollen Kamin, das auf dem untersten Zechenplatzniveau steht.

Wie im nördlichen Giebelfeld des Zechenhauses eingetragen, ist das Ensemble der Tagesanlagen im Jahre 1907 vollendet worden. Das einheitliche Erscheinungsbild der verschiedenen Baukörper lässt erkennbar werden, dass diese Schachtanlage nach einheitlichem Plan innerhalb kürzester Bauzeit entstanden sein muss. Bei der Umsetzung der Bauaufgabe haben sich die Planer an Jugendstil-Architekturen orientiert. Alle Gebäude sind in rotem Sandstein errichtet, besitzen einen ausgeprägten Sockel, hell verputztes Mauerwerk und die harmonische Kanten- und Binnengliederung durch Mauerstreifen, die auch das Dachgesims unterfangen und so die Fassadenflächen rahmen.

Auf den Mauern und Wandstreifen sind zum Teil niedrige, turmähnliche Aufbauten mit senkrechten Rillen gesetzt, die die Wirkung der Fassaden zusätzlich betonen. Besonderer Blickfang der Ostschachtanlage ist die Westfassade des Zechenhauses. Hier hat der Bauherr der zweigeschossigen Schaufassade ein niedriges Eingangsgebäude vorgeblendet. Über der Pforte wurde eine Schrifttafel mit dem Bergmannsgruß "Glückauf" eingelassen. Das darüberliegende Glasfenster zeigt eine herrliche Darstellung der Schutzheiligen der Bergleute, der Heiligen Barbara. Das Glasfenster enthält darüber hinaus eine Vielzahl weiterer bergbaulicher Motive. Oberhalb der heute abgehängten Decke des nördlichen Zechenhausflügels haben sich zudem Reste der Freskenmalereien von H. A. Schmelzer aus den späten 1930er-Jahren erhalten, die die Aufgaben und Verdienste der Grubenwehr zum Thema haben.

Es besteht kein Zweifel, dass das Ensemble der ehemaligen Schachtanlage Maybach-Ost heute das beste und geschlossenste Beispiel einer Jugendstil-Schachtanlage im Saarbergbau darstellt. Die hier erhaltenen Anlagenteile müssen zudem zu den wichtigsten Beispielen für Tagesanlagen aus preußischer Zeit im Saarbergbau gezählt werden. In einheitlichem Stil entworfen und offenbar ohne Bauunterbrechung entstanden, manifestieren sich in dieser umfangreichen Gebäudesubstanz eindrucksvoll die Architekturvorstellungen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Einheitlichkeit der Architektur, die Qualität in der Durchbildung der Fassaden und der einzelnen Schmuckglieder sowie der Ensemble-Charakter lassen es geboten erscheinen, den Tagesanlagen der Schachtanlage Maybach-Ost nationale Bedeutung zuzuerkennen.

Text und Fotos: Delf Slotta

IV Steinkohle 11/2001

FriedrichsthalGruben & SchächteTabelle