Friedrichsthal Geschichte Bildstock Maybach Glashütten Grube Friedrichsthal Schacht Erkershöhe
Maybach
letzte Änderung: 19/2/2005
Ensemble Grube und Siedlung Maybach

Bestand: Am Albertschacht (drei Fördermaschinenhäuser, Zechenhaus, Denkmal); Bergwerkstr. 1; Hauerstr. 2/4/6, 12; Quierschieder Str. 1/2-19/20, 21, 22/24-58/60 (gerade Nummern), 23/25-53/55 (ungerade Nummern); St.Barbarastr. 2/4, 6/8, 11/13, 15, 24/26, 28/30; Stollenstr. 1, 3; Straße des 25. Oktober (Kirche).

Der Aufbau der Schachtanlage im Trenkelbachtal setzte 1873/74 ein mit dem Abteufen der Schächte I (später Marie) und II (später Albert). Zu Ehren des preußischen Ministers für öffentliche Arbeiten Dr. Albert von Maybach wurde die Anlage 1882 in Grube Maybach umbenannt. Schacht III (Frieda), begonnen 1897, ging 1901 in Förderung.

Am 25. Oktober 1930 fielen 98 Bergleute einer schweren Schlagwetterexplosion zum Opfer.In den 1930er Jahren führte die Übernahme der stillgelegten Gruben Helene und Altenwald zu einer umfassenden Neuorganisation und einem Ausbau der Fördereinrichtungen auf Maybach. Im Zuge weiterer Rationalisierungen kam es nach dem zweiten Weltkrieg zum Verbund der Gruben Maybach und Mellin. Im Jahre 1964 wurde die Grube Maybach als Förderstandort aufgegeben und das Abbaufeld dem Bergwerk Reden zugeteilt. Die vollständige Stillegung erfolgte 1981.

Umfangreiche Abbrüche und Geländeveränderungen zugunsten einer Bergehalde für das Bergwerk Göttelborn haben den Bereich der Tagesanlagen stark verändert. Erhalten blieben nur wenige, jedoch sehr signifikante Gebäude aus der ersten Betriebszeit der Grube. Einzigartig im Denkmälerbestand des Saarreviers ist die Gruppe der Fördermaschinenhäuser: drei auf unterschiedlichem Niveau an den Hang gesetzte Sandsteinquaderbauten gleicher Firstausrichtung mit zurückhaltend historisierender Gliederung. Einen empfindlichen Verlust mußte das Ensemble 1989 mit dem Abbruch des 1909 errichteten Fördergerüstes Albert hinnehmen. Zu nennen sind ferner das ehemalige Zechenhaus sowie die Kaffeeküche, die nach Lage und Funktion eine vermittelnde Stellung zwischen dem Betriebsgelände und der Grubensiedlung einnahm.

An der Kaffeeküche vor dem früheren Werkstor laufen die beiden Hauptstraßen der Siedlung zusammen: westlich die Quierschieder Straße bzw. deren Fortsetzung in der Bergwerkstraße und östlich die Barbarastraße. Die dazwischen liegende Fläche wird von kleineren, rechtwinklig und parallel zur Quierschieder Straße geführten Straßen erschlossen. Die ältesten Wohnhäuser stammen aus dem 1880/90er Jahren. Der größte Teil der Siedlung entstand jedoch zwischen 1901 und 1905 an der Quierschieder Straße. Hier befinden sich in dichter Reihung Doppelhäuser für Beamte und, durch schlichtere Gestaltung und größere Entfernung zur Grube deutlich abgesetzt, Doppelhäuser für Arbeiter. Zwischen beide Reihen schiebt sich das Schulgebäude. Zwischen 1909 und 1912 kamen vier kleinere Schlafhäuser hinzu, von denen eines noch erhalten ist. Die französische Zeit nach dem ersten Weltkrieg hat nur wenige Ergänzungen gebracht: neben einigen Wohnhäusern vor allem die in ihren romanisierenden Formen anachronistisch wirkende Kirche, die sich dem älteren Bau- bestand jedoch gut einfügt.

Spätere Veränderungen sind nicht gravierend, so daß sich Maybach heute als gutes Beispiel einer saarländischen Bergmannssiedlung in unmittelbarer Grubennähe darstellt. Zusammen mit den erhaltenen Betriebsgebäuden zählt die Siedlung Maybach "zu den wichtigsten und aussagekräftigsten Ensembles aus der Zeit um 1900 (...), die im Saarbergbau heute noch anzutreffen sind." (R. Slotta)

weiter: Schachtanlage Maybach-Ost

FriedrichsthalGruben & Schächte

Grube Maybach 1873-1981

Die Grube im Trenkelbachtal wurde 1873 gegründet und 1882 umbenannt in Grube Maybach nach dem damaligen preußischen Minister für öffentliche Arbeiten. 1873-1874 wurden die Schächte I (später Schacht Marie, nach Maybachs Tochter), und II (später Schacht Albert, nach Maybachs Sohn) abgeteuft; Schacht III (Schacht Frieda, nach Maybachs Frau) folgte 1897-1901. Der Margaretenschacht oder Ostschacht wurde 1890-1893 abgeteuft. Traurige Bekanntheit erlangte die Grube durch eine Schlagwetterexplosion am 25. Oktober 1930, als 98 Bergleute umkamen. Durch weiteren Ausbau und die Übernahme der beiden stillgelegten Gruben Helene (1930) und Altenwald (1935) gehörte die Grube Maybach mit ihren zeitweise bis zu 18 Schächten zu den wichtigsten Abbaustandorten im Saarrevier. 1948 wurde durch einen 860m langen Stollen ein Verbund mit Grube Mellin (Sulzbach) geschaffen. 1964 wurde sie als Förderstandort stillgelegt und das Abbaufeld der Grube Reden zugeteilt. Noch bis 1981 wurde die Anlage zum Materialtransport und zur Seilfahrt genutzt, dann endgültig stillgelegt. Vorhanden sind noch folgende, unter Denkmalschutz stehende Gebäude und Maschinen: Fördermaschinenhäuser der ersten drei Schächte (1882, 1889 und 1902), Fördermaschine (um 1900); eine Dampffördermaschine der Firma Erhardt & Sehmer (Zwillingstandem) von 1910 ist teilweise demontiert und beschädigt; Kaffeeküche mit Konsumladen 1897 (Putzbau mit Fachwerkobergeschoß), erweitert 1936 (heute wieder Gaststätte). Das ehemalige Verwaltungsgebäude, ein eingeschossiges, langes Gebäude mit einem runden Portrait (=Tondo) Maybachs am Giebel des Mittelrisalits, gehört mittlerweile zu einem anderen Unternehmen. Beim Umbau hat man versucht, die architektonischen Formen des alten Gebäudes aufzunehmen, und so eine Synthese aus altem und neuem Baubestand geschaffen. Vor dem Verwaltungsgebäude steht das Denkmal für die beim Grubenunglück 1930 ums Leben gekommenen 98 Bergleute, das von der französischen Grubenverwaltung errichtet wurde. Alle Toten sind namentlich erwähnt. An antike Vorbilder erinnern die dorischen Säulen, Friese, Architrav und Dreieckgiebel des Denkmals - hier wurde baulich auf eine Kultur rekurriert, deren Formensprache Franzosen wie Deutschen gleichermaßen vertraut war. Vom Ostschacht nahe dem Friedrichsthaler Bahnhof, dem einziehenden Wetterschacht und Seilfahrtschacht der Grube, sind noch das Fördermaschinenhaus, die Schachthalle, das Zechenhaus mit Verbindungstrakt zur Schachthalle und das Kesselhaus vorhanden. Letzteres wurde vor 1907, die anderen Gebäude 1907 errichtet. Sie alle stehen unter Denkmalschutz.

Gerhild Krebs

Quellen und weiterführende Literatur

  • Schmitt, Armin, Denkmäler saarländischer Industriekultur. Wegweiser zur Industriestraße Saar-Lor-Lux, Edition Saar, Saarbrücken, ²1995, S. 142-145.
  • Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Denkmalliste des Saarlandes, Saarbrücken 1996, erstellt vom Ref. 2: Inventarisation und Bauforschung (Dr. Georg Skalecki), Stand: 1. 8. 1996, S. 48-50.
  • Stadtverband Saarbrücken (Hg.), Werkswohnungen des Preußischen Bergfiskus und der Mines Domaniales Françaises. Eine Dokumentation zum Werkswohnungsbau der preußischen und französischen Grubenverwaltung zwischen 1815 und 1935 im Stadtverband Saarbrücken, Saarbrücken 1985, S. 52-59.


Grubensiedlung Maybach
© link www.uni-saarland.de