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Glashütten Friedrichsthal

Zur Geschichte der Friedrichsthaler Glashütten
(gekürzt) Quelle: link www.friedrichsthal.de

Ein Beitrag von Dr. Werner Kern in Friedrichsthal Bildstock Maybach
Bilder und Dokumente zur Geschichte der Stadt, Heimat- und Verkehrsverein Friedrichsthal 1975

[der vollständige Beitrag nur auf der Seite von link Friedrichsthal!]


Alte Glashütte am Stockbach
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Anfänge am Stockbach

Ein paar Namen, allerdings meist nur den älteren Mitbürgern bekannt, erinnern heute noch daran, daß Friedrichsthal einst zu den Zentren der deutschen Glasherstellung zählte. Fast im ganzen 19. Jahrhundert lag die Gemeinde mit Abstand an der Spitze der Glasproduktion im heutigen Saarland, das damals aus einem preußischen und einem bayrischen Teil bestand. Noch 1914, als es nur noch zwölf Hütten für Fensterglas, Flaschenglas und das feinere Weißhohlglas an der Saar gab, lagen drei davon in unserem Ort, der von 1723 an 17 Glashütten entstehen und im Laufe der Zeit wieder schließen sah. Im Jahre 1926 wurde die letzte dieser Hütten, die Oldenburgische Flaschenhütte am Bahnhof aufgegeben.

Ein paar Straßennamen, der "D-Zug" oder die "Schlawerie" (schon vor rund 65 Jahren abgerissen), die "Häwestubb", der "Spitze Klicker", der ehemalige Braschenberg und bunte Glassteine, die man auf den Wegen der Umgebung finden kann, sind alles, was von der Zeit der Glasmacher geblieben ist. Nicht zu vergessen die alten Friedrichsthaler und Bildstocker Familiennamen wie Wentzel und Reppert, Bohrmann, Edelmann, Högel, Lindemann, Sahner, Siffrin, Weil und Zeller, deren Träger als Hüttenbesitzer oder Glasmacher zum Teil seit dem 18. Jahrhundert hier ansässig sind.

Glas ist eine Mischung aus Kieselsäure, Alkalien und Kalk, wobei die Säure aus Sand oder Mineralien wie Granit und Basalt, die Alkalien früher aus Pottasche, diese wiederum aus Holz, gewonnen wurden. Holz und dann Kohle brauchte man natürlich auch zum Erhitzen und Mischen der Glasmasse. Hinzu kam die Glasschlacke. Die Rohstoffe waren also in dieser Gegend in genügender Maße vorhanden. Kalk konnte aus Frankreich importiert werden. Es gab den Sandsteinboden und den breiten Waldgürtel vom Warndt über die Saar bis Kirkel, es gab wirtschaftlich denkende Grafen und Fürsten der kleinen Besitzungen an der Saar, die solche Vorteile bald erkannten, und es gab die lothringische Tradition der Glasmacher, die ihre Kunst über die Grenzen hinaus bekannt gemacht hatten.

Schon 1604 bestand eine Glasmachersiedlung ausgewanderter hugenottischer Lothringer in Ludweiler. Es folgten Gründungen in Klarenthal, Jägersfreude oder Karlsbrunn. Ein Zweig der später in Friedrichsthal so bekannten Repperts war schon in diesen Hütten tätig. Da die Glasmacher nicht nur durch Abgaben die Kasse der Grafen bereicherten, sondern auch unwirtliche Waldgegenden um ihre Siedlungen rodeten und damit erst dem Verkehr erschlossen, waren sie für den Steuersäckel und, wie wir heute sagen würden, für die Infrastruktur in gleichem Maße wichtig. Die Landesherren bewiesen ihr Interesse an den Glasmachern durch die Gewährung großzügiger Vorteile, sogenannter Privilegien, wie Freiheit von Leibeigenschaft und Fron- oder Wehrdienst, Erbpacht, kleine Jagdrechte und anderes mehr.

Mit dem Datum vom 17. April 1723 gestand Graf Friedrich-Ludwig (gestorben 1728) aus dem weitverzweigten nassauischen Grafenhaus den zwei Glasmachern Eberhard und Wentzel aus dem nassauischen Breitenborn bei Hanau Hüttenrechte im Wald an dem Stockbach auf Ottweiler Bann zu. Die entstehende Siedlung wurde nach ihrem Gründer Friedrichsthal genannt. Eigentümer auf Zeit dieser Hütte und des umliegenden Landes von fast 250 Morgen waren Ludwig Adolph Eberhard (gestorben 1770) und Johann Martin Wentzel (gestorben 1764). Als dritter Beständer (so nannte man diese Eigentümer) trat Martins Bruder Johann Gerhard (gestorben 1763) hinzu. Die Wentzels entstammen einem sehr alten Glasmachergeschlecht. Es war eine kleine Hütte mitten im Wald mit recht dürftiger Umgebung. Ein paar Häuser, eine Quelle, Scheunen für das Vieh, aber immerhin an der Straße und der Tränke für die Pferde gelegen, auf der die Grafen samt Gefolge zwischen Saarbrücken, Neunkirchen, Ottweiler und dem Jagdhaus Erkershöhe hin- und herreisten. Die Hütte bestand nur sieben Jahre und lag gegenüber der heutigen Polizeiwache in Friedrichsthal; später wurden dort Glasmacherhäuser erbaut, die "Schlawerie" oder der "D-Zug" genannt.

Der Graf erlaubte den Glasmachern den Holzschlag, gestand Freiheit von Kriegs- und Frondiensten zu ("die Beständer und Ihre Arbeits-Leuthe (sollen) alle Freyheiten, sowohl in Friedens- als in Kriegs-Zeiten, wie auf Glaßhütten gebräuchlich, genießen"), er erlaubte den Beständern verbilligten Salzkauf - das Salz ergab damals wichtige Steuern - und überließ ihnen die Hütte und das Land in Erbpacht. Für 500 Klafter Holz und 50 Zentner Pottasche im Jahr waren 350 Gulden zu zahlen. Zum Vergleich: eine Kuh, damals kein kleiner Besitz, kostete sieben Gulden. Landwirtschaftliche Nutzung des Geländes samt Viehhaltung war ebenfalls garantiert. Schließlich hatten die Friedrichsthaler ein Glashütten-Monopol, denn in der Herrschaft durfte laut Urkunde keine zweite Hütte errichtet werden.

In der Hütte wurde sogenanntes ordinäres Tafelglas, also Fensterglas, hergestellt, das zum Teil bis nach Holland,wo damals die Treibhäuser aufkamen, verschifft wurde. Im Unterschied zu den später aufkommenden Flaschenglasmachern waren die Fensterglasmacher, auch "Walzenmacher" genannt, entschieden standesbewußter und erfüllt mit altem Zunftgeist. Es war völlig ausgemacht, daß nur Söhne oder nahe Verwandte von Glasmachern in den Stand aufgenommen wurden.

Der Herstellungsprozeß war handwerklich, selbst mechanische Erleichterungen gab es nicht. Daran hat man bei uns sehr lange festgehalten, so daß viel später, wegen kleiner Produktion und daher Kapitalmangels, der Anschluß an die mehr technische Glasproduktion im übrigen Deutschland und im Ausland nicht ganz gelang. Produziert wurde während des 18. Jahrhunderts im " Mondglasverfahren " , was noch entschieden komplizierter war als das Walzenglasverfahren, obgleich auch dieses, wie aus einer Schilderung hervorgeht, überaus geschickte Meister und Gehilfen verlangte. Dieses Verfahren kam im 19. Jahrhundert auf und war dann allgemein üblich. "Die Glasbläser tauchten eine etwa eineinhalb Meter lange schwere eiserne Röhre, welche zur besseren Hantierung einen Holzgriff und oben ein Mundstück hatte, in die Glasflüssigkeit. Eine kleine Menge derselben blieb durch Drehung der Röhre, welche Pfeife genannt wird, am Ende haften. Der Glasmacher holte seine Pfeife aus dem Hafen heraus und stellte durch Hineinblasen eine kleine Glaskugel her - ähnlich wie die Jugend mit Strohhalmen die bekannten Seifenblasen. Diese wird wieder erwärmt und dann weiter zu einer Kugel aufgeblasen. Jetzt tritt der Glasbläser an den sogenannten Schwenkgraben und verarbeitet die Kugel durch weiteres Blasen, Schwenken und Drehen der Pfeife zu einer Glaswalze von fast ein Meter Länge.Die Glaswalzen wurden dann unten geöffnet und oben am Ende der Pfeife abgesprengt. Dann fährt ein Arbeiter mit einem glühenden Eisenstab in der Längsrichtung über die auf einem Holzgestell liegenden Walzen, wodurch sie der Länge nach gespaltet werden. Jetzt bringt man sie in den Streckofen, wo sie geöffnet und mit einem Holze zu einer ebenen Fläche gebügelt werden, und das Fensterglas ist fertig. Damit es aber nicht springt und haltbar wird, muß es noch in den Kühlofen, in dem es langsam erkaltet. Nachdem es dort herausgeholt ist, wird es zerschnitten und von Packern versandfertig gemacht" (1).

Von der Rußhütte nach Friedrichsthal zurück

Die Friedrichsthaler Glasmacher bekamen ziemlich schnell Ärger mit der Forstdirektion der Saarbrücker Fürsten wegen ihres großen Holzbedarfs. Außerdem hatten sie Schwierigkeiten mit dem Absatz ihrer Produkte. Die Behörden in Saarbrücken und Dudweiler drängten auf Einstellung des Betriebes, wogegen sich die Beständer in einem Brief vom 25. Januar 1729 an die Fürstin Charlotte Amalie bitter beklagten. Der Einspruch gipfelte in der Feststellung, die Schließung der Hütte brächte "völligen Ruin und Verderben'.. Aber es half nichts. Die Holzglashütte mußte schließen, und die Beständer zogen zur Fischbacher Kohlenglashütte (der späteren Rußhütte bei Saarbrücken), die sie von 1730 bis 1747 betrieben. Der " Friedrichsthaler Erbbestandshof" ging ihnen indes nicht verloren. Der landwirtschaftliche Betrieb lief weiter, und die Fürstin bestätigte den Besitz in einer großen Urkunde vom 25. Februar 1732, nachdem das Gut schon 1730 vermessen worden war. Es gehörten dazu alle Ländereien im damaligen Friedrichsthal, ferner die Sandgrube auf dem Hoferkopf und eine Pottaschhütte an der heutigen Hofstraße in Bildstock, wo damals außer den Hofgebäuden und dem Jagdhaus auf der Erkershöhe keine weiteren Häuser standen. Der Glasmacher Eberhard war Hauptlehnsträger für den gemeinsamen Besitz. Das Gut durfte laut fürstlicher Anweisung nicht in mehr als drei Stücke aufgeteilt werden. Während Eberhard und die Wentzels auf der Rußhütte mit mehr oder weniger Erfolg weiter Glas herstellten, übertrugen sie die landwirtschaftliche Nutzung des Friedrichsthaler Geländes sogenannten Lohnleuten.

Mit dem Jahre 1747 beginnt dann die große Friedrichsthaler Glasmacherzeit. Seither gab es Glashütten ohne Unterbrechung bis 1926. Der Fürst Wilhelm Heinrich oder Henrich, wie er sich selbst nannte, erlaubte die Rückkehr der Glasmacher nach Friedrichsthal und wies nach Artikel zwei der Urkunde vom 1. Juli 1747 den Glasmachern für die Feuerung der Ofen neues Brennmaterial, die Kohle, zu. Eine neue Hütte wurde an der Elversberger Straße gebaut, die "obere Hütte" mit zwölf Häfen, den feuerbeständigen Steinbehältern für die zu schmelzende Glasmasse. Für die Hütte wurde ein Besitzrecht (Temporalbestand) auf zwölf Jahre festgelegt; im "Altenwald .. , also auf dem Gebiet Altenwalds, durften die drei Hüttenbesitzer nach Kohlen graben. Für Kohle und Holz hatten die Glasmacher, damals mit Gehilfen gerade 18 Leute in Friedrichsthal, im Jahr 450 Gulden zu zahlen, zwei Jahre später allerdings schon 600. Außerdem erhielten sie neben den üblichen Vorrechten, so auch "freyen Wein und Bierschank", wiederum die Zusicherung, daß auf Saarbrücker und Ottweiler Gebiet keine weitere Kohlenglashütte errichtet werden dürfe. Damit war der Grundstein für den folgenden Aufschwung gelegt. Schon 1750 wurde eine zweite Hütte, ebenfalls mit zwölf Häfen, gegenüber der "oberen Hütte" am Stockbach angelegt, die "Bacherhit t", drei Jahre später trieb man den Stollen am "Drehbrunner Berg" und 1782 einen Stollen im "Sauwasen.. in die Kohlenflöze. Die Glasmacher waren daher auch die Gründer 'der Kohlegruben.

Aus einer Aufstellung der Meierei Stennweiler, wozu Friedrichsthal damals verwaltungsmäßig gehörte, geht hervor, daß 1763 im Umkreis der zwei Hütten 109 Menschen wohnten, neben den Beständern noch 15 Glasmacher, ferner Häfenmacher und Kistenmacher. Glasmacher war damals in Friedrichsthal auch Gottlieb Reppert (gestorben 1788), vermutlich geboren im elsässischen Petite Pierre (Lützelstein), der am 14. September 1772 ein Drittel des Friedrichsthaler Besitzes ersteigerte und damit Miteigentümer der gemeinsam betriebenen Glashütten wurde. Hauptlehnsträger war zu dieser Zeit Philipp Heinrich Eberhard (gestorben 1787), Mitbeständer waren Johann Georg Högel (gest. 1772), verheiratet mit einer Tochter von Johann Gerhard Wentzel, und Ludwig Hollenberger, verheiratet mit der Witwe Johann Balthasar Wentzels, eines Sohnes von Johann Martin Wentzel. Gottlieb Reppert seinerseits hatte eine Tochter der Familie Högel geheiratet und war damit in Verwandtschaft zu den Gerhard Wentzels getreten, deren Besitz in Konkurs geriet und von Reppert ersteigert wurde.

Zusammen mit Eberhard beteiligte er sich auch an der 1784 gegründeten Mariannenthaler Glashütte bei Schnappach im Herrschaftsgebiet der Gräfin Marianne von der Leyen. Konkurrenz kündigte sich an, zumal das Kohlemonopol durch Hüttengründungen in Quierschied und Merchweiler schon durchbrochen worden war .

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Die zweite Gründerzeit

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts reicht die erste Phase der Friedrichsthaler Hüttengründungen. Man darf sich die Betriebe nicht zu groß vorstellen. Es gab Glasmacher, Gehilfen, Schürer, Kohlengräber, Stampfer und Kistenmacher für den Versand. Rund 50 Menschen mögen es gewesen sein, die an der Glasproduktion beteiligt waren. Nebenher wurde Landwirtschaft betrieben. Die erste Neuerung brachte Heinrich Ludwig Wentzel mit seiner "kleinen Weißglashütte", wo Trink- und Apothekergläser hergestellt wurden. Es war damals die einzige Hütte dieser Art an der Saar, die ihre Waren auf dem Wasserwege an den Niederrhein bis Holland bringen ließ. Im Jahre 1800 lebten in Friedrichsthal und Bildstock 276 Menschen, also gerade gut doppelt so viel wie 40 Jahre vorher. In Bildstock standen sieben Gebäude. Auch dort wohnten schon Glasmacher, daneben Sandfuhrleute und andere Arbeiter für den Betrieb in den Hütten. Man sagte, "mer gehn uff de Hof", wenn man nach Bildstock ging, und "mer gehn in die Hitt", wenn man in Friedrichsthal zu tun hatte.

Die Ereignisse der Französischen Revolution brachten für den Betrieb der Hütten zunächst keine entscheidenden Veränderungen. Das Gebiet wurde der Französischen Republik und dann Napoleons Kaiserreich im Departement Saar angegliedert. Nach einigen Verwirrungen über den Fortbestand der fürstlichen Kohleprivilegien, die man mit Recht als Grundlage der aufblühenden Glasindustrie ansehen kann, wurde zwischen dem Generaldirektor der französischen Steinkohlegruben und den Friedrichsthaler Besitzern Philipp Wagner, Louis Reppert und Heinrich Ludwig Wentzel am 30. Mai 1808 ein Vertrag geschlossen, der die Benutzung der Friedrichsthaler Stollen durch die Glasbesitzer bei einer Pacht von 1600 Franken im Jahr sicherstellte. Die Kohle durfte, wie vorher schon, nicht für den Hausbrand verwandt werden, außerdem war die Grabung auf den Bedarf für 30 Glashäfen beschränkt. Als ein Teil des Gebietes an der Saar 1814 und 1815 an Preußen fiel, kamen die Gruben in den Besitz der preußischen Krone. Fortan gab es in Friedrichsthal keine Betriebsbeschränkungen mehr, aber die Kohle wurde teurer als vorher, da es keine Jahrespacht mehr gab, sondern nur noch Bezug für 'die Hütten zum Selbstkostenpreis gestattet war. Dennoch stellte die entsprechende Kabinettsordre vom 30. Juli 1817 die Friedrichsthaler Glasmacher erheblich besser als etwa die Konkurrenz in Schnappach, das zur bayrischen Pfalz kam und die Kohle lediglich zu einem "Begünstigungspreis" erhielt.

Auch gegenüber württembergischen oder bayrischen Hütten waren diese Glasbetriebe weit im Vorteil durch den Bezug der billigen Kohle. Bis etwa 1840 war das hessische und mittelrheinische Gebiet bevorzugter Abnehmer für saarländisches Glas.

Die Zeit von 1825 bis etwa 1840 könnte man als zweite Gründungsphase in Friedrichsthal bezeichnen. Es entstanden eine Reihe neuer Glashütten oder es kam zu Betriebserweiterungen. Die 5. Hütte, die "ewerscht Hitt", baute Louis Reppert 1825 am "Drehbrunner Weyerchen", wo heute das Kaufhaus am Markt steht. Es war eine Fensterglashütte wie die im gleichen Jahr von Philipp Wagner erbaute sechste Hütte auf der anderen Seite des kleinen Weihers. Ein Jahr später nahm Heinrich Wentzel in einer neuen Hütte die Flaschenglasproduktion in Friedrichsthal auf, und in den Jahren 1840/41 entstanden die Fensterglashütte von H. W. Wentzel, die "Ballonhütte" ("Chausseerhitt") der Repperts und zwei Flaschenglashütten der Wagners.

Die Eisenbahnhütten

Der gemeinsame Betrieb und Besitz der beiden alten, sogenannten großen Hütten, nämlich der "Bacherhitt" und der "oberen Hütte", wurde am 9. Oktober 1845 vertraglich beendet. Die Erben von Heinrich Ludwig Wentzel, Philipp Wagner und Louis Reppert teilten das alte "Erbbestandsgut'. endgültig auf, wobei die Glashüttenbesitzer neben der Grubendirektion mit Abstand die größten Grundbesitzer am Ort blieben. L. Reppert Sohn übernahm die "Bacherhitt", Wagner und H. W. Wentzel teilten sich zunächst die "obere Hütte". Die vierte Phase beginnt in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, da jetzt die Eisenbahn durch Friedrichsthal führte und den Transport wesentlich erleichterte. Außerdem zwangen Konkurrenzdruck zu Betriebserweiterungen und -modernisierungen. Die Mitglieder der Familie Vopelius vergrößerten in Sulzbach und St. Ingbert ihre Produktion, an der Saar entstanden 14 neue Hütten bis 1870. Das führte dann auch zur Krise in den 70erJahren wegen Überproduktion. 1860 und 1863 bauten die Firmen H. L. Wentzel und L. Reppert Sohn vier neue Hütten, dafür werden die älteren Betriebe, die "Bacherhitt" und die "obere Hütte", 1866 stillgelegt, ein Jahr später folgt die Schließung der "ewerscht Hitt". In den 70er Jahren legten Reppert und Schmidtborn & Hahne noch einmal drei neue Hütten an, die Ballonhütte schließt. Damit sind alle vier Friedrichsthaler Glashüttenbetriebe - L. Reppert Sohn, Schmidtborn & Hahne, H. Wentzel Sohn und H. L. Wentzel - auf dem Gebiet zwischen Bahnhof und Marktplatz sowie zwischen Eisenbahngleisen und Saarbrücker Straße konzentriert. Nicht mehr die Nähe zum Wasser wie bei den alten Gründungen, sondern die Nähe zum Gleisanschluß bestimmte diese Entwicklung. Man nannte diese Neugründungen deshalb auch die "Eisenbahnhütten". Brachte die Eröffnung der Eisenbahnstation von Friedrichsthal an der Linie Saarbrücken - Neunkirchen im Jahre 1852 einen kaum zu überschätzenden Vorteil für den Transport, so sah es auf dem Gebiet der Unkosten weniger günstig aus, da dem preußischen Bergfiskus die Kohleregelung für die Glashütten absolut nicht behagte. Nach langwierigen Verhandlungen, gereizten Briefen und vielen Beschwerden wurde schließlich die Kohlelieferung zum Selbstkostenpreis gegen die einmalige kostenlose Lieferung einer bestimmten Kohlemenge beendet. Von 1867bis 1878 gaben alle Friedrichsthaler Hüttenbesitzer ihr Kohleprivileg auf und erhielten dafür im Schnitt 200000 Zentner Steinkohle umsonst, gut fünfmal soviel, wie sie in einem Jahr jeweils verfeuern mußten.

Krisen und Zusammenschlüsse

Es gibt einen gewissen Produktionsengpaß in der Zeit um 1830, der zum Zusammenschluß des Verkaufs aller Tafelglasfabriken, des bedeutendsten Produktionszweiges, führte. Diesem ersten Verkaufskartell von 1833 gehörten neben den vier Friedrichsthaler Hütten Vopelius & Wagner in Sulzbach, Högel in Merchweiler und Köhl in Quierschied an. 1881 folgt ein zweiter Zusammenschluß unter dem Namen" Verein Rheinischer Tafelglashütten, Schmidtborn & Cie". In der Flaschenglasproduktion, die sich in Friedrichsthal nur bei den Repperts über die Schwelle des 20. Jahrhunderts hinaus behaupten konnte, gab es 1834 und 1899 Zusammenschlüsse.

Schmidtborn & Hahne war der letzte Betrieb, der bis 1906 eine "gemischte Produktion" von Flaschen- und Tafelglas besaß. Zwei Jahre vorher hatte sich H. L. Wentzel nur auf Tafelglas umgestellt, während Reppert bei der Flaschenglasproduktion blieb. In den 70er Jahren kam es zu einer neuen Krise, vor allem wegen der Aufnahme der Glasproduktion in den traditionellen Absatzgebieten am Rhein. Waren an der Saar im Jahre 1852 in rund 20 Betrieben 772 Arbeiter beschäftigt, so gab es damals im niederrheinischen Braunkohlengebiet 4 Betriebe mit 298 Beschäftigten, aber 1906 schon 20 Betriebe mit über 7000 Arbeitern. An der Saar arbeiteten damals gut 5000 Menschen in der Glasindustrie. Einem neuen Aufschwung von 1880 folgte Anfang des 20. Jahrhunderts der langsame Niedergang, wenn auch einige Großbetriebe, allerdings nicht in Friedrichsthal, noch 1930 ein Fünftel des deutschen Fensterglasbedarfes deckten. Um 1900wurde die Konkurrenz in Schlesien und Sachsen überstark. So entstanden in Schlesien in den 70erJahren 15, in Sachsen 8, in Bayern 11 neue Hütten; in der ganzen Rheinprovinz, wozu der preußische Teil des Saarlandes gehörte, jedoch nur 8. Niedrigere Löhne, welche die Produktion dieser Betriebe verbilligten, der Verlust ganzer Absatzgebiete am Rhein durch preiswertes belgisches Glas und die relative Verkehrsferne des Saarlandes von den Ballungsräumen des damaligen Deutschland, das im Bauboom viel Glas brauchte, trugen zu dieser Entwicklung bei.

Auch innerhalb der saarländischen Glasindustrie traten Verschiebungen ein. Im Jahre 1861 beschäftigte Schmidtborn an drei Ofen und 26 Häfen 130 Arbeiter und sieben Arbeiterinnen, Reppert an vier Ofen und 34 Häfen 150 Arbeiter und zwei Arbeiterinnen, H. L. Wentzel 106Arbeiter. Lediglich die Firma Raspiller & Go. in Fenne mit104 Arbeitern kam unter den näher gelegenen Hütten in die Nähe dieser Beschäftigtenzahlen. Um 1870 ändert sich das Bild. In Fenne allein waren in einem großenWeißhohlglasbetrieb für feinere Produkte 250 Menschen beschäftigt, während Reppert, H. L. Wentzel und Schmidtborn je 140 und H. Wentzel Sohn 90 Arbeiter eingestellt hatten. Die Vopelius'schen Betriebe lagen damals schon mit je über 200 Leuten deutlich über den Friedrichsthalern. Die Aktienglashütte St. Ingbert produzierte 1870 zwei Millionen Flaschen im Jahr, Reppert brachte es auf 600000 und Schmidtborn & Hahne auf 1750000 Flaschen. Nimmt man die Zahl der Beschäftigten in der Industrie des Kreises Saarbrücken insgesamt, dann zeigt sich, daß der Kohlebergbau um 1860 alle anderen Industriezweige schon weit hinter sich gelassen hatte. 8897 Menschen waren bei den Bergwerken beschäftigt, 1433 in Eisenhüttenwerken und 745, davon 51 Frauen, in der Glasindustrie.

Nach Kohle und Eisen führte aber die Glasindustrie immer noch mit weitem Abstand vor anderen Produktionsbetrieben. Fast zwei Drittel der in der Glasindustrie Beschäftigten im Kreise Saarbrücken arbeiteten damals in Friedrichsthal. Angestellte, man nannte sie "Directionspersonal", gab es 27. Wenn es in einer Statistikvon 1861 schon heißt, daß der stetige Reichtum des Kreises Saarbrücken seit einem Jahrzehnt auf die Kohle zurückgehe (2), ermißt man leicht, daß die Glasindustrie schon damals nicht mehr jene Rolle spielte, die ihr in der Gründungszeit des Ortes und fast 150 Jahre lang danach zugekommen war. Die Zunahme der Bevölkerung in den beiden Ortsteilen von etwas über 600 im Jahre 1834, bis dahin den Glasmachern zu verdanken, auf fast 6000 im Jahre 1895 und auf über 10000 im Jahre 1900 geht allein auf das Konto des Bergbaus.

[...]

Nach dem ersten Weltkrieg

Das Glasmacherzentrum Friedrichsthal konnte sich bis zum Ersten Weltkrieg halten, als es neben den drei Hütten in unserem Ort noch Betriebe in Quierschied, Luisenthal, Fenne, Sulzbach, Wadgassen, Mariannenthal, Lautzenthai, St. Ingbert und Hornburg gab. Die Tafelglasproduktion an der Saar ging von 23.800.000 Kilogramm im Jahre1913 auf 10.500.000 Kilogramm im Jahre 1918 zurück, die Flaschenproduktion von 18.090.000 Stück auf 11.280.000 Stück, dann sogar auf 4.500.000 Stück im Jahre 1929. Die feinere Glasproduktion in Fenne und Wadgassen nahm dagegen einen mächtigen Aufschwung. Handelsbeschränkungen in der Versailler Saargebietszeit trafen ebenfalls die Produktion. Damit ist angedeutet, wie schnell nach dem Ersten Weltkriege Friedrichsthal seine ehemalige Spitzenstellung einbüßen mußte. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten unserer Ortsgeschichte, daß etwa zur Zeit, als die höchste Beschäftigungszahl im Bergbau mit über 6000 Mann registriert wurde, 1926 die letzte Friedrichsthaler Glashütte schließen mußte.

Der Bergbau hat ebenfalls zur Abwanderung der Hütten beigetragen, da die Verlegung der Friedrichsthaler Wentzel- Vopelius'schen Produktionsstätten im Jahre 1918 nach St. Ingbert mit Grubenschäden auf dem Hüttengebiet begründet worden ist. So löst, im Laufe der Ortsgeschichte wie immer in der Geschichte, eines das andere ab. Aber Berichte, Bücher und Erzählungen können das Vergangene bewahren. Die Erinnerung an die Glasmacherzeiten bleibt auch durch die Glaspfeifen gewahrt, die zum Wappen unseres Ortes gehören.

Und es bleibt eine Erinnerung von Johann Wolfgang Goethe, der im Sommer 1770 bei seiner Reise von Straßburg ans Land an der Saar auch Friedrichsthal besucht hat und später im zweiten Teil des Zehnten Buches seines Lebensberichtes "Dichtung und Wahrheit" der Friedrichsthaler Glasmacherkunst ein kleines literarisches Denkmal gesetzt hat: "Nachdem wir unsern Adepten (den "Kohlephilosophen" Staudt am "Brennenden Berg") seiner Einsamkeit überlassen, eilten wir - denn es war schon spät geworden - der Friedrichsthaler Glashütte zu, wo wir eine der wichtigsten und wunderbarsten Werktätigkeiten des menschlichen Kunstgeschickes im Vorübergehen kennen lernten".

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