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Webenheim
66440 Blieskastel, Saarpfalz-Kreis
letzte Änderung: 28.12.2007

 

rot = Römerstraße

 
 
 


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Webenheim
Quelle: link www.blieskastel.de

In der Talaue der Blies liegt das 1303 als «Webenauwe» erstmals erwähnte, auch heute noch bäuerlich geprägte Dorf. Die erste Besiedlung ist aber wohl über 2.000 Jahre älter, wie bronzezeitliche Gräber der Urnenfelderkultur (1.200 - 750 v. Chr.) in der Gemarkung beweisen. Das mittelalterliche Dorf war immer eng mit dem Herrscherhaus im nahen Zweibrücken verbunden. Mit der Pfalz 1816 bayerisch geworden, bildete es bis 1843 mit Mimbach eine Gemeinde. Kirchlich gesehen sind beide immer noch verbunden.

Die konfessionelle Betreuung übernahm das nahegelegene Kloster Hornbach, das 742 von Pirminius gegründet wurde. Im 16. Jahrhundert ging der klösterliche Besitz an die Fürsten von Zweibrücken über, welche die lutherische Lehre im Westrich verbreiteten. Entsprechend dem Grundsatz «cuius regio, eius religio» (Wessen das Land, dessen die Religion) - frei übersetzt mit: Wess´ Brot ich freß, dess´ Lied ich sing - bestimmten die Landesherren das Glaubensbekenntnis ihrer Untertanen. Die heutige «Martin-Luther-Kirche» erhielt 1867 ihre Weihe. Sie wurde anstelle einer baufälligen Vorgängerkirche errichtet, die auf eine Kapelle, 1464 erbaut, zurückging. Diese diente noch im 18. Jahrhundert als Wallfahrtsort und stand im Ruf einer besonderen Heiligkeit. Den Plan für die neugotische Kirche lieferte Baumeister Anton Hurt. Es war die Absicht, «eine schöne geräumige, den neueren Fortschritten der Kirchenbaukunst angemessene Kirche, welche die schönste Zierde des Ortes bildet» zu errichten. Sie sollte «dieser Gemeinde zur Ehre gereichen», sie werde «für Jahrhunderte gebaut und für die Nachkommen ein ehrendes Denkmal für den kirchlichen Sinn ihrer Väter» sein. Das aus Sandsteinquadern errichtete Gotteshaus ist eine weite neugotische Hallenkirche mit fünf Fensterachsen. Unter den Fenstern sind kleinere Doppelbogenfenster angebracht. An der Westseite erhebt sich der Glockenturm mit seinem spitzen Helm. Die Kirche erlitt im Zweiten Weltkrieg erhebliche Schäden. 1957 wurden die Renovierungen und Umgestaltungen im Kircheninnern abgeschlossen. Aus dieser Zeit stammen auch die von dem Kunstmaler Probst entworfenen bunten Fensterverglasungen. Zum Kircheninventar zählt eines der wertvollsten Orgelwerke des Saarlandes. Diese Orgel mit ihrem sehr schön geschnitzten Gehäuse wurde 1873 von der Firma E. F. Wacker aus Ludwigshafen für die Weltausstellung in Wien gefertigt.

Am zweiten und dritten Wochenende im Juli findet in der Bliesaue zwischen Webenheim und Blieskastel das Webenheimer Bauernfest statt, eines der größten und tradtionsreichsten saarländischen Volksfeste. 2006 wurde es bereits zum 85. Mal gefeiert. 1921 machte sich der Reiterverein Bliestal erstmals daran, ein Sommerfest mit Pferderennen zu organisieren. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wehrten sich die Bauern gegen die harten Maßnahmen der Zwangswirtschaft, die allen Bauern hohe Einbußen brachten, der Bevölkerung aber nicht zu den erhofften Lebensmitteln verhalfen. Mit den Bauerntagen wollten die Landwirte gegen die Besatzungsmacht und ihre Zwangswirtschaft protestieren - gemeinsam mit der Bevölkerung. So entstand das Fest und sein Motto: «Stadt und Land - Hand in Hand». Seither hat sich das Bauernfest zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Neben den Pferderennen und dem Reit- und Springturnier ziehen auch Tierschauen die Menschen an. Die Festwiese ist ein Paradies für Kinder und Jugendliche. Und im Festzelt genießt man neben dem obligatorischen Festbier kulinarische und kulturelle Leckerbissen.