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Böckweiler
letzte Änderung: 28.12.2007


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Sehenswert: romanische Klosterkirche
12.Jh. (im Plan gelb markiert)


© link Landesamt für Kataster-,Vermessungs- und Kartenwesen


Blick in den Ort
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vor der Kirche die Fundamente des Vorgängerbaus

Böckweiler
Quelle: link www.blieskastel.de

Umgeben von Weide- und Ackerland, fernab industrieller Betriebsamkeit und wichtiger Durchgangsstraßen liegt das heute etwa 350 Einwohner zählende Dorf Böckweiler im Südosten des Bliesgaues. Böckweiler gehörte zu den Dörfern, in denen nach der Evakuierung der Bevölkerung 1939 durch deutsche Behörden systematisch Häuser und Wirtschaftsgebäude abgerissen wurden. Es entstanden im einheitlichen Stil des Dritten Reiches ganze Häuserzeilen, bei denen die historischen Bauformen der Westricher Bauernhäuser wieder aufgenommen wurden. Ein Großteil der Bewohner kehrte nicht mehr zurück, so daß der Ort heute wesentlich kleiner als zur Vorkriegszeit ist. Den Dorfmittelpunkt dominieren die Stephanskirche mit dem Lindenbrunnen, der von einer Quelle hinter der Kirche gespeist wird. Diesen gegenüber, auf der anderen Straßenseite, liegt der Dorfweiher, der vor allem an heißen Sommertagen von der jungen Dorfbevölkerung «heiß» begehrt und dementsprechend frequentiert ist.

Der älteste Beleg für den Ortsnamen «Bickwilre», der sich Anfang des 19. Jahrhunderts zu der heutigen Schreibweise wandelt, befindet sich auf einer Urkunde des Klosters Hornbach von 1149. Dort wird die Kirche in Böckweiler als Priorat von Hornbach erwähnt. Der Beginn der Baugeschichte der Stephanskirche liegt im Dunkeln. Man kann davon ausgehen, daß sich an ihrer Stelle in vorrömischer und römischer Zeit eine altheidnische Kultstätte, möglicherweise ein Quellheiligtum befand. Über den Mauern des römischen Gebäudes, einer Poststation, fand man Überreste einer dreischiffigen karolingischen Basilika, deren Grundriß dem Besucher durch ausgelegte Steinplatten in der Rasenfläche vor dem Gebäude sichtbar gemacht wird. Noch in romanischer Zeit wurde die Kirche in die heutige Drei-Konchen-Anlage umgebaut, deren Grundriß ein gleichmäßiges Kleeblatt beschreibt. Derartige Anlagen sind im Kirchenbau selten, man findet sie noch am Westchor des Mainzer Domes oder der Ulrichskirche in Avolsheim im Elsaß.

1949/50 wurde die Kirche nach schweren Kriegsschäden wieder aufgebaut, das Langhaus wurde nach Westen hin etwas verlängert. Vor dem Kirchenportal, einem wiederverwendeten romanischen Rundbogengewände, steht ein steinerner Tisch, den man bei den Grabungen im Keller eines benachbarten römischen Hauses geborgen hat. Von der romanischen Ausstattung des ehemaligen Klosters Böckweiler existiert lediglich ein bronzenes etwa 30 cm hohes Vortragekreuz, das im Grabungsschutt gefunden wurde und heute im Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken zu sehen ist. Von den älteren Stücken des Kircheninventars hat sich das Taufgeschirr aus Zinn von 1777 erhalten. Es handelt sich um einen großen Teller und eine Henkelkanne mit breitem Gießstück von hoher Qualität. Die schlichte Innenausstattung unserer Zeit entspricht der protestantischen Tradition, Böckweiler ist seit 1535 evangelisch.

Man hat die auffällige Drei-Konchen-Anlage der Stephanskirche damit in Verbindung gebracht, daß die Kirche in Böckweiler ursprünglich den Hl. Cantius, Cantianus und Cantianilla geweiht war, römischen Geschwistern, die unter Diokletian aufgrund ihres Glaubens der Märtyrertod erlitten. Ob dem so ist, ist fraglich, aber wie auch immer, ein Kleinod romanischer Baukunst ist die Böckweiler Kirche allemal.