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Biesingen
letzte Änderung: 28.12.20047


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Ortsverzeichnis

rot = Römerstraße Metz – Saarbr. – Worms
   

Biesingen
Quelle: link www.blieskastel.de

Fährt man von Blieskastel auf der Chaussee Richtung Sarreguemines, sieht man auf der Höhe schon von weitem den Stadtteil Biesingen, dessen Ortskern sich um die alles überragende Kirche gruppiert. Diese bietet immer wieder ein vielbeachtetes Fotomotiv, wenn sich an späten Sommerabenden ihre Silhouette vor dem Rot der untergehenden Sonne erhebt. Von der Jungsteinzeit (4.500 - ca. 3.000 v. Chr.) über die Zeit der Römer bis zur fränkischen Landnahme im 5. Jahrhundert n. Chr. bezeugen archäologische Funde die Besiedlung der Gemarkung. Terra Sigillata-Tonscherben des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts stammen aus dem benachbarten Blickweiler. In einem Frauengrab der Merowinger (450 - 720 n. Chr.) wurde u. a. ein Gürtel, eine Halskette aus Glas-, Bernstein-, Ton- und Emailperlen nebst einer versilberten Radfibel aus Bronze gefunden. 1206 wurde das Dorf erstmals als «Bunsingen» schriftlich erwähnt. Der Ortsname wird als Niederlassung eines Führers namens «Bunizo» gedeutet. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts kam es in kurtrierischen Besitz. Im 16. Jahrhundert kam die Hälfte des Ortes als Lehen an die Familie von Eltz, ein kleinerer Teil gelangte durch Erbfolge an die Herren von St. Ingbert, bis 1659/60 die Familie von der Leyen den Ort endgültig als Lehen erwarb. In der Herrschaft Blieskastel der Grafen von der Leyen gehörte Biesingen zur Meierei Gersheim. Während der Koalitionskriege (1792 - 1794) fand am 17.11.1793 eine erbitterte Schlacht um die Biesinger Höhe zwischen den Truppen des französischen Generals Hoche und den alliierten Truppen des Generals von Kalkreuth statt. Die Franzosen, deren Verluste «unübertrieben 900 bis 1.000 Mann» waren, wurden zurückgeschlagen, konnten am Folgetag aber nach dem Rückzug der gegnerischen Truppen diesen «wichtigen Posten» einnehmen.

1777 wurde vom Bischof in Metz, zu dessen Bistum der Ort damals gehörte, wieder eine katholische Pfarrei eingerichtet. Die heutige Pfarrkirche St. Anna wurde 1904/05 nach Plänen des Architekten August Barth, königlich-bayerischer Lehrer am Gewerbemuseum in Kaiserslautern, errichtet. Die Vorgängerkirche, die baufällig und zu klein war, wurde abgerissen. Bereits 1892 hatte der Vorstand des Kirchenbauvereines einen «Aufruf!» verfaßt, worin es hieß: «Die Pfarrei Biesingen (Rheinpfalz) befindet sich in einer Nothlage, wie wohl im weiten Deutschland selten mehr eine zu finden ist. - Die armen Bergleute haben ein so kleines Kirchlein, daß über die Hälfte der Kirchenbesucher keinen Platz findet.» 1905 wurde die neugotische Saalkirche mit ihrem schlanken Turm eingeweiht. Es ist ein Sandsteinbau mit fünf Fensterachsen und offenem Dachstuhl, sowie einem dreiseitig geschlossenem, kleinem Chorraum mit angebauter Sakristei. Zu ihrer eindrucksvollen Erscheinung trägt auch die weitgehend erhaltene ursprüngliche Ausstattung aus der Erbauungszeit bei. Der Zweite Weltkrieg ging auch an der Biesinger Kirche nicht spurlos vorüber. So mußten 1941 laut «Führerbefehl» die Glocken von allen Kirchen geholt werden, «um den Endsieg zu erringen». Auch die Biesinger Pfarrei mußte drei Glocken abgeben und durfte nur die kleinste als Notgeläut behalten. Am 15.3.1945 haben einige unerschrockene Männer aus Biesingen schweres Unheil von ihrer Heimatgemeinde abgewendet. Sie entfernten heimlich aus dem Kirchturm den Sprengstoff, der von einer SS-Einheit dort angebracht worden waren. Denn der Turm, der als Richtpunkt für die anrückende feindliche Artillerie hätte dienen können, sollte noch kurz vor Kriegsende gesprengt werden. Zwei Tage später kamen SS-Leute ins Dorf, um den Turm zu sprengen. Sie suchten vergebens nach den Munitionskisten und verließen, als auch der Pfarrer nicht aufzufinden war - er hielt sich versteckt - das Dorf mit der Drohung: «Wir kommen wieder!» Aber nicht sie, sondern die Amerikaner kamen . Das war am 17.3.1945. Dies bedeutete für Biesingen das Ende des Krieges. So haben in allerletzter Minute beherzte Männer die Zerstörung der Kirche und der angrenzenden Häuser verhindert.

1988 bis 1995 wurde die Kirche innen und außen renoviert, immense Schäden verursachte ein Orkan im August 1992, der den 49 m hohen Kirchturm so schwer beschädigte, daß der Turmhelm komplett abgenommen werden mußte. In der Außenanlage steht auf einer Säule eine Christusstatue aus einem gelbem feinkörnigem Sandstein auf einem roten Sockel, die 1995 der ehemalige Pfarrer Alfons Wilhelm stiftete. Zur denkmalgeschützen Innenausstattung zählt auch eine Anna Selbdritt-Gruppe, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts für eine Kirche bei Trier geschaffen, die 1916 gekauft und 1958 restauriert wurde.