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Altheim
letzte Änderung: 9.2.2008


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Sehenswürdigkeiten:
kath. Kirche - 18.Jh. mit got. Turm

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Zur Geschichte von Altheim und Neualtheim (Pinningen)
Quelle: link www.blieskastel.de

Im Südosten des Stadtgebietes von Blieskastel, nahe der lothringischen Grenze, liegt in dem unter Naturschutz stehenden Tal der Bickenalb der Stadtteil Altheim. Die Talmulde zählt geologisch zum Oberen Buntsandsteingebiet, während die Hänge bzw. Hochflächen Teil des Unteren Muschelkalkes sind. Erste Spuren menschlichen Lebens waren der Fund eines Steinbeiles und einer neolithischen Pfeilspitze (4.500 - ca. 3.000 v. Chr.). Viel bedeutender sind die Funde aus keltischer und vorkeltischer Zeit. Auf dem bewaldeten Höhenzug zwischen Altheim und Brenschelbach wurden über 40 Hügelgräber untersucht, deren Bestattungen und z. T. Nachbestattungen von der Urnenfelderstufe der späten Bronzezeit (1.200 - 750 v. Chr.) bis in die Frühlatènezeit (450 - um 300 v. Chr.) reichen. Die Grabbeigaben wie z. B. Hals-, Arm- und Beinschmuck aus Bronze und zahlreiche Gefäße zählen heute zum Fundus des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken. Mauerreste belegen die Anwesenheit der Römer. Daß der Ort bereits im frühen Mittelalter existierte, zeigt die Entdeckung eines großen Gräberfeldes aus der Merowingerzeit, das vom Ende des 6. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts belegt wurde. Die überdurchschnittlich reichen Grabausstattungen aus Altheim sind ebenfalls im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken ausgestellt. Während in den Männergräbern Waffen wie Kurz- und Langschwerter, Pfeile und Lanzen gefunden wurden, sind die Frauengräber durch Beigabe von Schmuck charakterisiert. Reich verzierte Scheibenfibeln aus Gold oder einer Gold-Silber-Legierung als Teil der merowingischen Frauentracht zählen zu den künstlerisch wie handwerklich bemerkenswertesten Fundstücken. Sie verdeutlichen auch den Reichtum der Verstorbenen. Mit seinen 119 Bestattungen ist das Gräberfeld von Altheim das größte bekannte Gräberfeld der Merowingerzeit im Saar-Mosel-Raum.

Von den Merowingern bis zur ersten schriftlichen Erwähnung «Altheyms» vergehen 600 Jahre. 1275 vermachte der Pfarrer Folmar zu Altheim all seinen Besitz dem Kloster Hornbach. 1333 verpfändete der Graf von Zweibrücken aus Geldnöten den Ort an seinen Vetter, den Grafen von Zweibrücken-Bitsch. Mit dem Aussterben dieser Linie kam das Dorf 1570 zu dem Herzogtum Lothringen und mit diesem 1766 zu Frankreich. Noch heute findet man im Atheimer Wald Bannsteine mit dem Lothringer Doppelkreuz. Ein Exemplar aus dem Jahre 1753 steht auf dem Vorplatz der Kirche, neben einem Leyenschen Grenzstein aus dem Jahre 1786. Nach dem Tauschvertrag von 1781 fiel das Dorf an die Grafen von der Leyen und kam somit zur Herrschaft Blieskastel.

Dieser Tauschvertrag hatte auch für Neualtheim Gültigkeit. Südlich von Altheim und Böckweiler siedelten sich im Jahre 1699 unter dem Schutz des Bitscher Oberschultheißen de la Cour drei Medelsheimer Bürger an. Nach dem einstigen Hornbacher Klosterhof wurde die Ansiedlung Pinningen genannt. Aufgrund des gemeinsamen Bannes kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Bewohnern des neugegründeten Ortes und denen aus den Dörfern Altheim und Böckweiler, die in der Zerstörung der Pinninger Neubauten gipfelten. 1726 wurden die Zwistigkeiten im «Altheimer Vertrag» vorübergehend beigelegt. Hierin erhielt der neue Ort auch erstmals den widersprüchlichen Namen Neualtheim. Erst nach der Aufhebung der alten Territorialgewalten wurden Anfang des 19. Jahrhunderts die Gemarkungsgrenzen der drei Gemeinden endgültig festgelegt und somit eine Befriedung der zerstrittenen Dorfbewohner erreicht.

Bemerkenswert in Altheim ist der Chorturm der katholischen Pfarrkirche St. Andreas. Das Turmuntergeschoß stammt aus dem 14. Jahrhundert. 1499 wurde er, wie die Jahreszahl am oberen Schalloch der Nordseite zeigt, erhöht. In der heutigen Sakristei im Turmuntergeschoß, vormals Chorraum, ist das Kreuzrippengewölbe sichtbar. Eine Sakramentsnische mit geringen Resten einer Wandmalerei befindet sich in der Ostwand. 1760/62 wurde seitlich an den gotischen Turm eine neue Kirche, ein Saalbau mit fünf Fensterachsen, angebaut. Während des Zweiten Weltkrieges, der den Ort zu 85% zerstörte, wurde auch die Kirche schwer beschädigt und das Inventar vernichtet. Beim Wiederaufbau 1948/49 wurde der dreiseitig geschlossene Chor durch einen eingezogenen Rechteckchor ersetzt. 1957 erhielt der Turm auch seinen versetzten Spitzhelm wieder.

Altheim ist nicht Geburtsort des Speyrer Bischofs Dr. Nikolaus von Weis (*1796, 1869) doch verbrachte er in Altheim einen Teil seiner Jugend. An ihn erinnert eine Büste vor der Kirche. Auf der Flur «Hinterm Legen» gemahnt ein hohes Eichenkreuz an grausame Kriegsereignisse des Winters 1944/45. Der verdiente Heimatforscher Helmut Lambert hat eine Gedenktafel in Form eines Eisernen Kreuzes angebracht. Es erinnert an den ehemaligen deutschen Soldatenfriedhof, der sich einst in der Nähe befand. «Von den 144 Gräbern waren 69 unbekannte Soldaten. Diese Soldaten fanden bei den schweren Kämpfen im Kriegswinter 1944/45 in Altheim und Umgebung den Tod. Die meisten der unbekannten Soldaten starben durch Erschießen.» Von Altheimer Einwohnern, die während der Kampfhandlungen noch im Ort waren, wurde berichtet, daß «des öfteren von der SS Erschießungen am Legen vorgenommen worden seien; an Soldaten, die sich weigerten, in den sinnlosen Kampf zu gehen.»