Johannes Hoffmann - ein politisches Leben in Deutschland
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erstellt am 19/2/2005

Johannes Hoffmann, der wohl prominenteste Bürger der Gemeinde Schiffweiler, wurde am 23. Dezember 1890 als Sohn eines Bergmanns geboren. Der Vater war Knappschaftsältester, örtlicher Leiter einer genossenschaftlich organisierten Bank und Gemeinderatsmitglied. Nach der Schule absolvierte Johannes Hoffmann ein Theologiestudium im bischöflichen Konvikt in Trier, denn er sollte den Priesterberuf ergreifen. Doch er erkannte, dass der Priesterberuf nicht seine Berufung ist und wechselte nach Innsbruck und Freiburg, wo er Journalismus studierte.

Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges meldete sich Johannes Hoffmann zum Kriegsdienst. Nach Kriegsende gelangte er nach Berlin und lernte dort seine spätere Frau Frieda Krause kennen, mit der er am 01. Juli 1919 die Ehe schloss. Aus der Ehe gingen 6 Kinder hervor: Hans Jakob, Heinz, Theophila, Regina, Franz und Christa. In Berlin arbeitete er als Journalist und stellte seine Fähigkeiten in den Dienst der Zentrumspartei.

1929 bot sich ihm die Chance, die freigewordene Stelle als Chefredakteur der "Saarbrücker Landeszeitung" zu übernehmen, die er auch ergriff. Johannes Hoffmann vertrat in dieser Position gleichzeitig die traditionelle Zentrumspolitik und die bis dahin einmütige Bekundung des Willens der Saarbevölkerung, in den Verband des deutschen Reiches zurückzukehren. Doch die Machtergreifung der Nationalsozialisten führte zu einer entscheidenden Veränderung im Leben und in der politischen Zielsetzung Johannes Hoffmanns: hatte er sich ursprünglich auf die Arbeit in der Redaktion konzentriert und sich hier besonders gegen direkte redaktionelle Eingriffe der Nationalsozialisten gewehrt, so trat er auch in der innerparteilichen Diskussion verstärkt hervor.

Bereits am 15. Mai 1933 wurde Hoffmann zu einem Empfang einer Delegation saarländischer Politiker nicht zugelassen, weil er den "Führer" in Zeitungsartikeln "beleidigt" habe. Johannes Hoffmann widersetzte sich Hitler in Wort und Schrift. Die Situation Hoffmanns als Chefredakteur wurde immer gespannter, bis er im Januar 1934 anstatt eines Jubelartikels über Hitler ein Interview veröffentlichte, in dem ein Gauleiter schwere Angriffe gegen die katholische Kirche startete, dies insbesondere vor dem Hintergrund des erst kurz vorher abgeschlossenen Reichskonkordates. Als Folge dieser Veröffentlichung wurde Johannes Hoffmann entlassen und gründete im Sommer des gleichen Jahres die "Neue Saarpost", mit der er gegen einen Anschluss an Hitler-Deutschland kämpfte.

Nach der Entscheidung vom 13. Januar 1935 blieb Johannes Hoffmann nur der Weg in die Emigration, wollte er sein Leben nicht verlieren. 1936 im Sommer folgte die Ausbürgerung. 3 Monate Exil im französischen Forbach folgten, anschließend emigrierte die Familie nach Luxemburg. Da Johannes Hoffmann keine Arbeitserlaubnis als Journalist bekam, bewirtschaftete die siebenköpfige Familie einen Bauernhof in Peppingen bei Bettemburg.

Erst 1940 bekam Hoffmann eine Aufgabe beim französischen Rundfunk, wo er über die Verbrechen des deutschen Regimes berichtete. Mit der deutschen Offensive im Westen wurden alle ehemaligen deutschen und österreichischen Staatsbürger interniert, Hoffmann wurde zuerst in Paris, dann in der Bretagne interniert. Die Insassen der Internierungslager sollten den deutschen Besatzungstruppen übergeben werden.

Johannes Hoffmann gelang die Flucht ins unbesetzte Frankreich, doch auch hier war er nicht sicher. Mit Hilfe von Freunden gelang ihm die Flucht nach Spanien und Portugal, und von dort nach Brasilien, wo er im Haus des kanadischen Botschafters Arbeit fand.

1945 kehrte Hoffmann nach fünfjähriger Abwesenheit nach Saarbrücken heim. Die erste Tätigkeit, die Hoffmann übernahm, war die eines Redakteurs der "Neuen Saarbrücker Zeitung".

Ab hier begann Hoffmanns politische Laufbahn an der Saar: fast einstimmig wurde er aufgrund seiner persönlichen Integrität zum Vorsitzenden der christlichen Volkspartei (CVP) gewählt. Er wurde zum Präsidenten der Verfassungskommission gewählt und zum Präsidenten der Gesetzgebenden Versammlung des Saarlandes, die die saarländische Verfassung verabschiedete. Am 5. Oktober 1947 wurde Johannes Hoffmann zum ersten saarländischen Ministerpräsidenten gewählt.

Die saarländische Verfassung enthielt zwei besondere und einschneidende Bestimmungen, die die Bedingung Frankreichs zur Entlassung des Saarlandes aus dem Besatzungsstatus waren: nämlich der wirtschaftliche Anschluss an Frankreich mit Währungs- und Zolleinheit und die politische Unabhängigkeit von Deutschland. Die Würfel zu dieser saarländischen Sonderentwicklung waren nach dem Willen der französischen Besatzungsmacht bereits gefallen, als Johannes Hoffmann erster saarländischer Ministerpräsident war. Ihm blieb nur die Möglichkeit, für sein Land das Mögliche an Vorteilen herauszuholen. 1950 erzielte er die ersten Erfolge mit der Einschränkung der Vetomöglichkeit des französischen Hochkommissars auf die Bereiche militärische Sicherheit und wirtschaftlicher Anschluss, dem Übergang der Saargruben ins Eigentum des Saarlandes mit Verpachtung an Frankreich, die Übernahme der Eisenbahnen in eigene Regie und der Einführung einer saarländischen Gesetzgebung. Damit hatte Johannes Hoffmann das Ende des Besatzungsstatus für das Saarland erreicht.

In der Folge wurde dem übermächtigen französischen Partner Stück um Stück der Unabhängigkeit abgerungen, 1952 wurde das Hochkommissariat in eine diplomatische Vertretung umgewandelt, mit den Saarkonventionen vom 20. Mai 1953 entfiel das bisherige Vetorecht Frankreichs vollständig, das Saarland erhielt das Recht auf eine eigenständige außenpolitische Vertretung.

Den außenpolitischen Erfolgen Hoffmanns um Unabhängigkeit stand der seit 1947 immer stärker werdende innenpolitische Druck gegenüber, die durch "prodeutsche" Elemente und der Entfaltung einer lebhaften Propagandatätigkeit durch die DPS entfacht wurde. Die Politik Johannes Hoffmanns, die zur völligen Autonomie des Saarlandes innerhalb einer integrierten Europäischen Gemeinschaft hinführen sollte, konnte jedoch nicht von ihm allein bewältigt werden. Die innenpolitischen Gegenspieler,hier an erster Stelle Heinrich Schneider, bekämpften den von Hoffmann forcierten Status quo. Erst im Hintergrund agierend, entfalteteSchneider ab 1950 eine fieberhafte Tätigkeit, die besonders in polemischen Artikeln und Propagandaslogans gipfelten. Er war es, der die Ablehnung des Referendums über das Europäische Statut für das Saarland in ein Votum für den Anschluss an die Bundesrepublik umdeutete. Er war es auch, der den Slogan "Der Dicke muss weg" erfand. Diesem Nein schlossen sich nicht nur die CDU-Saar, sondern auch die deutschen Sozialdemokraten an. Der Wahlkampf wurde nicht um das Saarstatut geführt, sondern einzig und allein gegen die Person Johannes Hoffmanns. Entsprechend lehnten zwei Drittel der Saarländer das Saar-Statut ab.

Als am Abend der Stimmauszählung offenbar wurde, dass Johannes Hoffmann verloren hatte, erklärte er seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten, blieb aber im Amt des Vorsitzenden der CVP bis zum 22.07.1956. Die CVP schließlich ging in der CDU auf.

Johannes Hoffmann lebte zurückgezogen bis zu seinem Tod am 21. September 1967 in Düppenweiler.

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