Gustav Adolf von Nassau-Saarbrücken
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GUSTAV ADOLPH von Nassau-Saarbrücken, Graf von Saarbrücken, Generalwachtmeister des Hl. Römischen Reiches bei Rhein; geboren am 27. März 1632 in Saarbrücken; V.: Graf Wilhelm Ludwig von Nassau-Saarbrücken (1590-1640); M.: Markgräfin Anna Amalie von Baden-Durlach (1595-1651); verheiratet am 14. Juni 1662 mit Landgräfin Eleonore Klara von Hohenlohe-Neuenstein (1632-1709), Kinder: 1. Ludwig Crato (1663-1713), 2. Karl Ludwig (1665-1723), 3. Sophie Amalia (1666-1736), 4. Gustav Adolph (1667-1683), 5. Sophie Eleonore (1669-1742), 6. Sophie Dorothea (1670-1748), 7. Philipp Wilhelm (*/† 1671); gestorben am 9. Oktober 1677 in Straßburg. - Gustav Adolph, benannt nach dem schwedischen König, erblickte als zweiter Sohn des Grafen Wilhelm Ludwig in Saarbrücken das Licht der Welt, doch verbrachte er seine ersten Lebensjahre in der Reichsstadt Metz, wohin die gräfliche Familie in den Wirren des 30-jährigen Krieges geflohen war. In Metz starb am 22. August 1640 sein Vater. Die Mutter, Markgräfin Anna Amalie, kehrte 1643 mit den Kindern nach Saarbrücken zurück. Gustav Adolph studierte von 1645 bis 1649 in Basel. 1658 kämpfte er im Dienste des schwedischen Königs Karl X. Gustav, ein Herzog aus dem Haus Pfalz-Zweibrücken, gegen Dänemark und dessen Verbündete. Danach war Gustav Adolph wohl bis 1659 in kaiserlichen Diensten. Mit 27 Jahren übernahm er 1660 die Regierung in den Grafschaften Saarbrücken und Saarwerden, die ihm nach der Teilung mit seinen Brüdern Johann Ludwig und Walram zugefallen waren. Am 14. Juni 1662 heiratete Gustav Adolph Eleonore Klara, die Tochter des Grafen Crato von Hohenlohe und Gleichen. Sieben Kinder wurden den Eheleuten geschenkt. - Graf Gustav Adolph versuchte gleich zu Regierungsantritt, die gesellschaftlichen und kirchlichen Verhältnisse in Saarbrücken neu zu organisieren. Um der durch den 30-jährigen Krieg schwer geschädigten Grafschaft finanziell aufzuhelfen, verkaufte er mit Einverständnis seiner Brüder die Saarbrücker Rechte an den Dörfern Ommersheim, Bebelsheim, Mandelbach und Habkirchen der Familie von der Leyen, die der Erzbischof von Trier mit der Grafschaft Blieskastel belehnt hatte. Mit den Grafen von Kriechingen regelte er die Kollaturfrage in Saarwellingen und Schwalbach: Beide Pfarreien sollten mit Pfarrern Augsburgischer Konfession versehen werden. 1664 trat Gustav Adolph seine Rechte an Schwarzenholz, Labach und Hülzweiler an die Äbtissin von Fraulautern ab, die ihrerseits auf ihre Rechte an der Kirche in Reisweiler und in Eidenborn verzichtete. Als Graf Gustav Adolph von den Einwohnern von Hostenbach die Huldigung forderte, stachelte Abt Philipp Gretsch von Wadgassen die Gemeinde zum Widerstand auf. Der Graf wies den Abt scharf zurecht und forderte die Huldigung in Ensheim und Eschringen, zu der zu erscheinen er Prior und Konvent anhielt. Vom Abt selbst erwartete der Graf ein Revers, worin dieser die Saarbrücker Landesherrschaft über die Abtei Wadgassen anerkennen sollte. Der Abt klagte daraufhin beim Erzbischof in Trier: Abt Johann von Berus habe erst 1607 einen solchen Revers unterschrieben. Nach zähen Verhandlungen unterzeichnete Abt Philipp Gretsch 1661 dennoch den verlangten Revers. - Der Graf wünschte sich "nach nunmehr erlangtem edlen Frieden, sein Land wieder in den vorigen Flor zu bringen". Bei der gesunkenen Einwohnerzahl der Grafschaft schuf er die Würde des Kanzlers ab und übertrug die Funktion dem ältesten Ratsherrn. Gustav Adolph organisierte nun auch das Schulwesen. Selbst im Feld ließ sich Gustav Adolph 1673 Bericht erstatten und hielt die Eltern in seiner Grafschaft an, ihre Kinder mit 5 1/2 Jahren zur Schule zu schicken. Die Jungen sollten nicht vor dem vollendeten dreizehnten, die Mädchen nicht vor dem vollendeten zehnten Lebensjahr aus der Schule genommen werden. Aus dem Feldlager in Dinkelsbühl schrieb der Graf am 6. Januar 1676 an seine Räte und die Bürgerschaft in Saarbrücken, daß er es nicht hinnehmen werde, wenn Kinder nicht zur Schule gingen. - Um den reichen Holzbestand der Grafschaft effektiv nutzen zu können, gründete der Graf im herrschaftlichen Wald bei Ottenhausen eine Glashütte, die er nach seiner Frau Eleonore Klara Klarenthal nannte. Für das dort produzierte Glas fand er Abnehmer auch außerhalb seiner Herrschaft; 1673 etwa ging ein Schiff mit Saarbrücker Glas nach Holland. Die Leitung dieser kaufmännischen Aktion nahm eine Frau wahr, Anna Maria Hegel, die dem Grafen ausführlich brieflich berichtete. Doch die politischen Entwicklungen hemmten Gustav Adolphs Reformeifer: Noch immer hielt das Herzogtum Lothringen die Grafschaft Saarwerden und die Vogtei Herbitzheim in seinem Besitz, weswegen bereits seit 1659 eine wiederholte Klage bei den Reichsgerichten anhängig war. Nun aber griff in Auslegung des Westfälischen Friedens Louis XIV nach den von den lothringischen Bistümern Metz, Toul und Verdun stammenden Reichslehen. Graf Gustav Adolph wurde durch Edikt vom 2. Januar 1662 aufgefordert, vor dem Metzer Parlament den Lehnseid auf den König von Frankreich zu schwören. Der Saarbrücker Graf bemühte sich, den Reichstag in Regensburg mit diesem Vorgang vertraut zu machen. Der Reichstag vermittelte in den Jahren 1667 bis 1670 ein Schiedsgericht: Die betroffenen Reichsstände wurden durch Kurmainz, Frankreich durch Schweden vertreten. Allein zugunsten Gustav Adolphs war der Beschluß desselben Reichstags vom 14. Juli 1670, wonach Herzog Karl IV. von Lothringen gezwungen war, die Grafschaft Saarwerden an Saarbrücken zurückzugeben. - Als der Herzog von Lothringen im selben Jahr seine Residenz Nancy befestigte und damit den Vertrag von Vincennes brach, wurde Louis XIV der Vorwand gegeben, Herzog Karl anzugreifen. Am 2. August 1671 entsetzten kurtrierische Truppen das lothringische Kontingent auf der Festung Homburg. Kurtrier, die Kurpfalz, Kurmainz und Brandenburg stellten sich auf die Seite des Kaisers. Französische Truppen fielen daraufhin im Kurtrierischen und im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken ein; es kam zu Vandalismus. 1673 fiel die Bischofsstadt Trier. Graf Gustav Adolph von Nassau-Saarbrücken, in diese Vorgänge verwickelt, geriet selbst kurzzeitig in französische Gefangenschaft und wurde nach Metz verbracht. 1674 verkündete schließlich der Wiener Hof den Reichskrieg gegen Frankreich. Anfang 1675 wurde Gustav Adolph von Nassau-Saarbrücken mit dem Rang eines kaiserlichen Generalwachtmeisters versehen und mit zwei Regimentern bestückt. Herzog Karl IV. von Lothringen eroberte indessen am 11. August 1675 Trier zurück, während am 1. Januar 1676 nun Zweibrücken von französischen Truppen besetzt werden konnten. Im Februar 1677 fielen die kurtrierischen Städte Merzig und St. Wendel; es kam zu weiteren Brandschatzungen auch in den zweibrückischen Ämtern Kusel und Zweibrücken. Die alte Ottweiler Stadtbefestigung wurde zerstört. Zwei Heeressäulen setzten sich nun in Bewegung: Herzog Karl V. von Lothringen zog mit seinen Truppen über Weißenburg und Bitsch; der Herzog von Sachsen-Lauenburg kam über die Route Kreuznach/ Ottweiler in die Region. Die nassauische Stadt St. Johann wurde verwüstet und von den Franzosen geräumt. Die Residenzstadt Saarbrücken wurde am 17. Mai 1677 in Brand gesteckt; auch die Schloßkirche, seit dem 30-jährigen Krieg Grablege der gräflichen Familie, wurde ein Raub der Flammen. Gräfin Eleonore Klara, von den Franzosen im Schloß als Geißel gehalten, konnte nach Beschuß des Schlosses durch die Reichstruppen und der Kapitulation der französischen Armee befreit werden. Am 30. August marschierte der Herzog von Lothringen nach Kaiserslautern und wandte sich zum Elsaß, um die französischen Truppen dort zu schlagen. Am Kochersberg, zwölf Kilometer westlich von Straßburg, kam es zur Schlacht. Graf Gustav Adolph von Nassau-Saarbrücken wurde durch ein großkalibriges Geschoß tödlich verwundet. Er starb zwei Tage später, am 9. Oktober 1677, in Straßburg. - Gräfin Eleonore Klara mußte in dieser Situation das Staatsschiff allein durch die Klippen steuern: Hatte der Metzer Bischof noch im Jahre 1669 erfolglos auf die Wiedererrichtung einer katholischen Gemeinde in Nassau-Saarbrücken gedrängt, verschoben sich die Machtverhältnisse durch den Krieg und den Tod des Grafen. Bischof George d'Aubusson de la Feuillade war sich der Unterstützung der französischen Krone sicher, als er am 30. Mai 1680 in St. Johann eine katholische Notkirche weihte. Angesichts von zwölf katholischen Familien in der Stadt Saarbrücken und weiteren fünfzehn auf dem Land konnte sich Eleonore Klara dem Ansinnen des Metzer Bischofs schwerlich verschließen, handelte es sich dabei immerhin um rund zweihundert Katholiken. Louis XIV demonstrierte höchstpersönlich seine Absicht, den Katholizismus wieder einzuführen, als er auf dem Weg zu einer Inspektionsreise nach Saarlouis auch Saarbrücken visitierte. Erste Werbungsversuche sind vom Januar 1684 überliefert, als der französische Intendant Antoine de la Goupillière all denen, die zur römischen Kirche übertraten, vierjährige Steuererlasse versprach. Eine Regelung vom Dezember 1684 teilte erstmals den Katholiken Kirchen für ihre Gottesdienste zu. In Orten mit zwei Kirchen durften die Katholiken die kleinere nutzen. Fand sich im Ort nur ein Gotteshaus, so mußte es simultan genutzt werden. In Saarbrücken waren laut Zählung von 1688 sechzehn katholische, zwei reformierte und vierzig lutherische Haushalte. In St. Johann bestanden 63 katholische, vierzehn reformierte und 116 lutherische Haushalte. Eine deutliche Verschiebung dieser Verhältnisse vollzog sich erst, nachdem der französische Einfluß entfallen war: Im Jahre 1741 finden sich in Saarbrücken nur mehr vier katholische, sieben reformierte und 169 lutherische Familien; in St. Johann nur noch zehn katholische, drei reformierte und 182 lutherische. - Nachdem Graf Gustav Adolph von Nassau-Saarbrücken in Straßburg gefallen war, wurde der Verbleib des gräflichen Leichnams zu einer Geschichte besonderer Art. In dem Bericht "Meines libsten seligen Herrn begrebniß" heißt es: "Der hochgräfliche Leychnam sei gantz angethan undt balsamirt gewesen: in 2 Särcken als einem von Dannen, undt ein von Eychen-Holtz, auf welchem letztem außwendig dero Nahmen und Wappen, samdt einem Crucifix gemahlet war." Der Tote sollte aber keine Ruhe finden: Am 10. Oktober 1677 wurde der Sarg des Grafen in der Gruft von Alt St. Peter verwahrt, dann für einige Jahre in die Klosterkirche St. Nikolaus in Undis überführt. 1690 wurde die Gruft von St. Thomas zur Ruhestätte Gustav Adolphs bestimmt. Von 1802 bis 1990 war der mumifizierte Leichnam des Grafen in der Andreaskapelle den Blicken zahlloser Besucher ausgesetzt, bis er schließlich ins Depot des Straßburger Historischen Museums wanderte. Graf Ludwig Crato von Nassau-Saarbrücken hatte um 1700 durch den Metzer Bildhauer Pierard de Coraille in der Saarbrücker Schloßkirche ein sieben Meter hohes Grabmal für seine Eltern errichten lassen. Es zeigt Graf Gustav Adolph liegend in vollem Harnisch und vor einem Kruzifix kniend Gräfin Eleonore Klara. In diesem Grabmal wurde die Mumie des Grafen Gustav Adolph in einem Staatsakt bestattet, nachdem sie am 26. August 1998 nach Saarbrücken überführt worden war.

Quellen: Leichenpredigt für Gräfin Eleonore Klara von Nassau-Saarbrücken von Inspektor Johann Andreas Beer, Druck Zweibrücken 1709 (Stadtbücherei Saarbrücken. Landeskundliche Abteilung H.V. 70.153).

Abbildung: Standgrabmal des Grafen Gustav Adolph und seiner Gemahlin Eleonore Klare von Hohenlohe-Neuenstein in der Schloßkirche Saarbrücken.

Lit.: Friedrich Köllner, Geschichte des vormaligen Nassau-Saarbrück'schen Landes und seiner Regenten, Saarbrücken 1841 (ND Saarbrücken 1981), 341-362; - Albert Ruppersberg, Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Teil II, 2. Aufl. Saarbrücken 1910 (ND St. Ingbert 1979), 120-147; - Carl Roderich Richter, Wie das Saargebiet evangelisch wurde (= Unsere Saarheimat, Bd. 10), Saarbrücken 1925; - Walther Zimmermann, Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Saarbrücken, Düsseldorf 1932 (ND Saarbrücken 1975), 82-83; - Horst Heydt, Die Schloßkirche zu Alt-Saarbrücken und die Glasfenster von Georg Meistermann, Saarbrücken 1993, 25-29; - Joachim Conrad, Die Gegenreformation in Nassau-Saarbrücken, in: Zur Geschichte des Warndts Nr. 3 (1994), 1-9; - Gustav Adolph von Nassau-Saarbrücken: Heimkehr nach 320 Jahren. Eine Dokumentation, hrsg. vom Freundeskreis "Erbprinz Heinrich", Saarbrücken 1998.

Joachim Conrad

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