Merzig-Büschfelder-Eisenbahn

Quelle: link www.denkmal.saarland.de

Die Merzig-Büschfelder Eisenbahn ist die letzte noch existierende private Kleinbahn des Saarlandes. Sie war neben der straßenbahnähnlichen, nur anfangs als Kleinbahn konzessionierten Bahn Ensdorf-Saarlouis-Wallerfangen- Felsberg auch immer der einzige Vertreter dieser in Deutschland sonst weit verbreiteten Verkehrseinrichtung.

Wie viele andere dieser Klein- und Privatbahnen verdankt sie ihre Existenz den enttäuschten Hoffnungen ihrer Anlieger auf einen Haupt- oder Staatsbahnanschluß an die große Welt. Hier sollte besonders auf die Rolle des Preußischen Staates hinge- wiesen werden. Preußen hatte zu Anfang des Eisenbahnbaues den Privatbahngedanken gefördert, um die Staatskasse von den hohen Investitionskosten der Eisenbahnstrecken zu entlasten. Bald stellte sich heraus, daß diese streng marktwirtschaftliche Einstellung einerseits zu ruinöser Konkurrenz besonders in dicht besiedelten und industrialisierten Gegenden wie z.B. dem Ruhrgebiet führte, andererseits förderungsbedürftig, weniger entwickelte und abgelegenere Gebiete vernachlässigt wurden, da keine gute Rendite zu erwarten war. Die Konzessionserteilung als gesetzliche Handhabe des Staates konnte diese Entwicklung nicht ausreichend steuern. Nach dem Krieg 1870/71 entschloß sich dann Preußen, auch aus strategischen Gründen wie die anderen deutschen Staaten zum Staatsbahnsystem überzugehen, also die noch notwendigen Ergänzungsstrecken und Nebenbahnen selbst zu bauen und unter eine einheitliche Verwaltung zu stellen. Natürlich war es auch so nicht möglich, jeden Wunsch nach Bahnanschluß zu erfüllen, denn der Staat hatte hohe und damit kostspielige Normen für den Bahnausbau festgelegt. Eine Kanalisierung der zahlreichen Wünsche nach untergeordneten, weniger aufwendigen Bahnen gelang mit dem Gesetz über Kleinbahnen von 1892. Dieses Gesetz war außerordentlich erfolgreich, denn es erfüllte die Ansprüche aller Beteiligten: - Die Absicht des Staates, örtlichen Initiativen für solche Bahnen Raum zu geben, gleichzeitig aber nicht für deren Finanzierung voll aufkommen zu müssen und trotzdem gültige, wenn auch nicht so strenge Normen aufstellen zu können; - Die Wünsche der Kreise und Gemeinden, oft identisch mit denen der ansässigen Landbesitzer und Unternehmer, durch den Bahnanschluß ihren Besitz oder Betrieb aufzuwerten, auch wenn dies eigene Kostenbeteiligung erforderte.

Die Kleinbahn von Merzig nach Büschfeld ist ein typischer Vertreter dieser Bahnen. Nachdem die Staatsbahn den Anschluß des Hochwaldes nach Merzig nicht mit ihren anderen Bahnbauten in diesem Gebiet verband, blieb gewissermaßen als Notlösung nur der Bau einer Privatbahn übrig, an deren Gesellschaft sich bezeichnenderweise der Staat Preußen, die (preußische) Rheinprovinz und der Kreis Merzig zu je 1/3 beteiligten. So gesehen hatte damit der Staat 2/3 der Anlagekosten auf die Pro- vinzialverwaltung und den Kreis verlagert.

Daß diese Investition durchaus sinnvoll war, zeigt der ununterbrochene Betrieb der Bahn bis 1987. Nur wenige der einst zahlreichen nach dem Kleinbahngesetz konzessionierte Bahnen haben in der Bundesrepublik bis heute überlebt. Das Eisenbahnunternehmerrecht ist zum Jahresende 1987 erloschen, der Abschnitt Merzig-Süd bis Merzig-Ost wird von der Deutschen Bundesbahn als Anschlußbahn betrieben.

Der Museums-Eisenbahn-Club Losheim erhielt am 22.Juni 1988 vom Eigentümer, der Landesregierung, ein Nutzungsrecht für den Museumsbahnbetrieb.

Nach Gründung der zunächst so genannten Kleinbahn Merzig-Büschfeld GmbH am 20.09.1901 begann die AG für Hoch- und Tiefbau Ph. Balke aus Berlin mit dem Bau der Bahnstrecke, die Arbeiten waren bis zur Eröffnung am 06.07.1903 abgeschlossen. In dieser Zeit baute die Firma 22,5 km Strecke auf eigenem Bahnkörper, zwei kleinere Brücken bei Niederlosheim, eine große Stahlbrücke in Büschfeld, acht Bahnhofsanlagen mit sieben Empfangsgebäuden und den Lokschuppen mit Werkstatt in Losheim. Von diesen Anlagen ist heute noch der größere Teil erhalten.

Mit der Bahnstrecke von Merzig nach Nunkirchen ist der größere Teil einer Privatbahn mit allen ihren typischen Elementen erhalten. Einzelne dieser Elemente, wie die Gleisanlagen, einzelne Gebäude und Fahrzeuge haben nahezu unverändert den Zustand der Eröffnungszeit beibehalten. Dies ist im Falle der technischen Anlagen ausgesprochen selten, Vergleichsbeispiele sind in Deutschland in dieser Form nicht bekannt. Andere Gebäude, Fahrzeuge und Anlagen dokumentieren den Wiederaufbau und die Konsolidierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Alle diese Elemente müssen als besonders schutzwürdiges Ensemble gelten, sie sind als Gesamtanlage zu erhalten.

Die Gleisanlagen mit ihren historischen, größtenteils im Saarland hergestellten Schienenprofilen stellen dabei eine Art lineares Denkmal dar, vergleichbar etwa mit der Form des Limes, in anderer Bewertung. Zu diesem Ensemble gehört auch das Umfeld, wie die Gebäude, Werkstätten, Schuppen, Rampen und Gleisanschlüsse einschließlich des Gleisanschlusses an das Streckennetz der Deutschen Bundesbahn und nicht zuletzt die Originalfahrzeuge. Der Wert der MBE als Denkmal einer saarländischen Privatbahn wird durch die Fahrzeugsammlung des Museums-Eisenbahn-Club Losheim erhöht, da es sich hier vor allem um Objekte handelt, die zur Industriegeschichte des Saarlandes gehören.

Das Ensemble Merzig-Büschfelder-Eisenbahn kann damit verkehrs-, technik-, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Aspekte der Entwicklung des Saarlandes dokumentieren. Teile des Ensembles Merzig-Büschfelder Eisenbahn befinden sich in Merzig, Brotdorf, Bachem, Losheim, Münchweiler und Nunkirchen.

Bewegliche Denkmäler sind: Diesellokomotive Nr. 51, Baujahr 1959; Diesellokomotive Nr. 52, Baujahr 1959; ein Personenwagen von 1903; 5 Güterwagen, Baujahr 1903/1906; ein Zugbegleitwagen, Baujahr 1903; eine Dampflok der Saarbergwerke Nr. 26, Baujahr 1937; eine Damplok der Saarbergwerke Nr. 34, Baujahr 1948; eine Diesellok D II, Baujahr 1955; Diesellok Nr. 1, Baujahr 1956; Dampflok Nr. 21, Baujahr 1904.

Einzeldenkmäler

Bachem

Losheim

Eisenbahn im Saarlandsaarlandbilder