Paul Camille von Denis
Erbauer bayerisch-pfälzischer Eisenbahnen * 1795 1876
Quelle: link gshohenecken.region-kaiserslautern.de

Paul Camille von Denis (1795 - 1876)

1799 Die Familie Denis zieht von Montier-en-Der (bei Bar-le-Duc!) nach Mainz. Der Vater Pierre Denis wird Forstinspektor des Departements "Mont Tonnère".

1812 Die Familie zieht um nach Neustadt. Inzwischen ist Paul Denis in Paris und macht eine Ausbildung zum Ingenieur.

1818 Paul Denis wird zum Inspektor-Ingenieur in Kaiserslautern(!) ernannt. Er ist zuständig für den Bau von Straßen. Daneben plant er in Kaiserslautern das Zentralgefängnis, das katholische Pfarrhaus der Martinskirche, das Dekanatsgebäude auf dem Rittersberg.

1822 Versetzung nach Speyer

1833/34 Denis reist nach Amerika und England. Er besichtigt die technischen Fortschritte im Kanal- und Eisenbahnbau.

1834 Rückkehr nach Bayern und kurzer Einsatz beim Bau des Rhein-Donau-Kanals. Nach drei Monaten wird er zum Bau der geplanten Eisenbahn Nürnberg - Fürth geholt.

Die Erbauung der Eisenbahn von Liverpool nach Manchester hatte auch die Pläne der Erbauung von Bahnen in Deutschland wieder in den Vordergrund gerückt, wenngleich die sog. "Kanalbaufraktionen" überall im Lande noch Pläne erarbeiteten, um den wirtschaftlichen Aufschwung mit Hilfe von Kanälen einzuleiten. Ergänzt wurden diese Überlegungen noch durch die zahlreiche Denkschriften von Technikern für oder gegen die entsprechende Projekte, je nachdem, ob man mit einem eigenen Auftrag an der Unternehmung beteiligt war oder nicht.

Die Tatsache, dass Ludwig I. sich vom Eisenbahnbefürworter zum "Kanalbauer" gewandelt hatte, machte das Projekt einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth, das der König im Jahre 1826 selbst mit angeregt hatte, nicht leichter. Ab 12. März 1835 wurde Denis zum Bezirksingenieur Bauinspektion München 1 ernannt. Die Tätigkeit von Paul Denis beschränkte sich nicht auf die Bauleitung, sondern er trug letztlich die Verwaltung für jede Beschaffungsmaßnahmen im technischen Bereich des Projekts. Die Gesamtanlage der Bahn, ausgenommen das Fahrmaterial, war von Denis mit 118 057 Gulden im Voranschlag gebracht worden, die endgültige Abrechnung belief sich auf 135 584 Gulden. Das Fürther Gebäude konnte im Sommer 1836 ganz fertiggestellt werden.

Inzwischen hatte die Lokomotive ihre Reise von England auf den Kontinent angetreten und kam am 13. September 1835 in Rotterdam an. Endlich am 31.Oktober konnten dann die Probefahrten beginnen, wobei noch eine von Denis entwickelte Bremseinrichtung getestet werden sollte. Der Versuch verlief erfolgreich, doch war die Dampflok immer noch nicht im Einsatz: Pferde hatten den ersten Zug gezogen! Auf dieser ersten Eisenbahnstrecke verkehrten noch bis zum 1.Oktober 1922 Züge. Die Trasse wurde 1964 an die Städte Nürnberg und Fürth verkauft und für den Bau der U-Bahn genutzt. Als am 25. Mai 1985 die erste Neubaustrecke der Nachkriegszeit, die sogenannten "westlichen Riedbahn" in Mannheim, eingeweiht wurde, war der "Adler" (ein Nachbau, der im Ausbesserungswerk Kaiserslautern hergestellt wurde!) mit seinen historischen Wagen mit von der Partie.

Am 7.12.1835 wurde die erste deutsche Eisenbahn auf der Strecke von Nürnberg-Fürth eröffnet. Der Bau der Ludwigsbahn zwischen Nürnberg und Fürth hat in den damals noch nicht geeigneten Deutschland den Auftakt für eine Serie von Bahnbauten gebildet. Die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten.

So war Paul Denis auch am Bau der pfälzischen Ludwigsbahn maßgeblich beteiligt

Bei der Ankunft im pfälzischen Rheinkreis sah es zunächst nicht so aus, als ob hier sehr bald ebenfalls Eisenbahnprojekte in Gang kommen sollten. Die Diskussion hatte sich vor allem mit einer Bahn in Nord-Süd-Richtung beschäftigt, die von Mainz nach Straßburg führen sollte. Diese Überlegungen lagen nicht nur darin begründet, dass Mainz und Straßburg wichtige Handelsplätze waren, die der Eisenbahn ein entsprechendes Güter- und Personenverkehrsaufkommen garantieren konnten, sondern auch an den geographischen Voraussetzungen (das ebene Rheintal), die in der damaligen Zeit eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten. Als Konkurrenzlinie war die Verbindung Mannheim - Basel im Gespräch.

Wir wissen, dass es glücklicherweise anders kam und auch in der Pfalz eine Eisenbahn in West-Ost-Richtung gebaut und an die Strecke Mainz - Straßburg angeschlossen wurde. In Neustadt wurde die Bahn von der Bevölkerung gut angenommen, allein im ersten Betriebsmonat wurden 8017 Fahrgäste gezählt. Auch hohe Gäste wurden befördert: So kam am 28. August König Ludwig in die Pfalz und wurde mit großem Jubel empfangen. Rund 2O5 395 Personen nutzten an den ersten 209 Betriebstagen die Bahn, 28 118 Gulden wurden dabei eingenommen.

1845 erwirbt Paul Denis die Burgruine Diemerstein (in unmittelbarer Nähe der Ludwigsbahn bei Frankenstein). Er ließ die Burg teilweise umgestalten: u. a. ein neuer Eingang zur Oberburg, umlaufende Mauer mit Zinnen 1847. Er ließ im Tal das Landhaus, die "Villa" errichten und den gesamten Besitz parkähnlich ausgestalten.

Im Jahre 1856 veräußert er das gesamte Burganwesen an den Bankier Ladenburg aus Mannheim.


Burgruine Diemerstein, mit der Villa Denis im Vordergrund
Quellen: link www.shopping-kl.de (l.) / Medding (r.)

Von Diemerstein aus zog Paul Camille Denis, oder jetzt besser gesagt: Paul Camille von Denis, nach Ludwigshafen zurück, wo er im neuen Direktionsgebäude eine Wohnung nahm. Nur wenige Tage später, am

1O. Oktober 1849, wählte der Verwaltungsrat Paul Denis zum Betriebsdirektor der Pfälzischen Ludwigsbahn.

(aus: Werner Schreiner: Historischer Verein, Bezirksgruppe Neustadt 1987/ erarbeitet von Marcel Schumacher und Lucas Dinkel, 4c, Grundschule Kaiserslautern-Hohenecken)

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