Franz Carl Decrum
* 1763 1825
Quelle: link www.ensheim-saar.de

Franz Carl DERCUM, Ensheimer Bürgermeister 1813 - 1819

Franz Carl Dercum kam mit seinem Vater über Koblenz nach Blieskastel, um hier den Dienst im Haus der Grafen von der Leyen aufzunehmen. Er war zunächst Gräflich-leyenscher Archivar und erlebte zunächst den Aufschwung des Hauses von der Leyen und danach dessen Niedergang im Gefolge der revolutionären Wirren nach 1793. In den Jahren 1798 und 1802 war Dercum nachweislich juge de paix (Friedensrichter) im Kanton Blieskastel, das zum neuerichteten Saardepartement gehörte.

In Blieskastel ist er für die Jahre 1793 bis 1798 sicher nachgewiesen. Im Katholischen Kirchenbuch von Blieskastel sind folgende Angaben notiert:

[Franz] Carl DERCUM, Archivar bei dem Grafen von der Leyen
[* 16.05.1763 Adendorf / Rheinland]
[+ 03.05.1825 Blieskastel]
oo Anna Regina WEIDMANN

Kinder:
Gustav, * 07.03.1793 Blk., + 12.08.1793 Blk.
Friedrich, * 15.05.1796 Blk.
Adelheid, * 18.04.1798 Blk.

Im Jahr 1811 wird ein Baumeister namens Carl Dercum genannt, der möglicherweise mit diesem Franz Carl identisch ist. Von ihm stammt beispielsweise eine lesenswerte Abhandlung über die Geschichte der wadgassischen Propstei Ensheim aus dem Jahre 1811, die im Original im Stadtarchiv Trier aufbewahrt wird. Über eine Kopie verfügt neben mir seit 1998 die Geschichtswerkstatt Ensheim. Die weitgehend lateinisch abgefasste Quelle bedarf aber noch der Auswertung.

Dercum taucht gleich mehrfach in den Ensheimer Zivilstandsregistern auf, erstmals am 3. Ventose des Jahres IX der Französischen Republik (= 21. März 1801) als Trauzeuge beim Ensheimer Notar und Bürgermeister Franz Xaver BREUNIG, mit dem es offenbar verwandtschaftliche Beziehungen gab, die noch geklärt werden müssen.

Dercum löste im Jahre 1813 den bei der Ensheimer Bevölkerung offenbar verhassten Breunig als Bürgermeister ab und führte das Amt zunächst kommissarisch. Breunig musste sein Amt aufgeben, als die Franzosen angesichts der herannahenden preußischen und russischen Truppen während der Befreiungskriege ihr Heil in der Flucht suchten. In der Ortschronik Ensheim wird Breunig wenig ehrenvoll als "Günstling der Franzosen" beschrieben. Obwohl auch Dercum mit den Franzosen gemeinsame Sache gemacht hatte und von ihnen ein gutes Jahrzehnt vorher als Friedensrichter in Blieskastel eingesetzt worden war, verstand er es, sich und seinen Posten in die neue Zeit nach der Franzosenherrschaft hinüberzuretten. So befürwortete er stark die Angliederung der Gemeinde Ensheim an den bayerischen Rheinkreis, wofür er das Amt als Ensheimer Bürgermeister auch in der bayerischen Ära zunächst weiterführen durfte. Erst im Jahre 1819 wurde er von dem in St. Johann geborenen Jakob Remlinger als Bürgermeister abgelöst.

Offenbar übernahm er danach die Funktion eines Königlichen Bayerischen Friedenrichters an seiner alten Wirkungsstätte in Blieskastel, wo er am 3. Mai 1825 starb.

N.B.

Im katholischen Kirchenbuch Blieskastel wird noch ein anderer Namensträger erwähnt:

Lorenz Anton DERCUM, Kammerherr am Hofe der Grafen von der Leyen in Blieskastel
oo Maria Theresia VON SAVELSBERG, Witwe, + 27.06.1789 Blieskastel

Bei ihm handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um den Vater von Carl Dercum, der ebenfalls im Dienst der Reichsgrafen von der Leyen stand..

Literatur:
Hans CAPPEL: Im Land an der Blies 1789 - 1800. In: Gersheimer Hefte 6 (Dezember 1989), S. 5 ff und S. 16 Anmerkung 1 und 2.


Die Ruine der Abtei Wadgassen, Aquarellzeichnung von 1809 von Dercum
© link www.wadegotia.info

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