ev. Kirche in Harskirchen – Bas-Rhin

Bild rechts: Quelle: link alsace.bossue.free.fr

Nach der Teilung der Grafschaft Saarwerden 1745 zwischen Nassau-Weilburg und Nassau-Saarbrückenwurde Harskirchen Verwaltungssitz des nassau-saarbrückischen Landesteils; 1749 erhielt der Ort Stadtrechte. Noch im Vertragsjahr 1766 begann man die Kirche zu errichten, die 1767 eingeweiht wurde. Der Bau hat eine exponierte Lage im Ortsbild. Die westliche Langseite, an einem Bach gelegen, istun verbaut und von weitem her sichtbar. Den Umriß bestimmt das hohe, dreiseitige abgwalmte Dach, das durch den geschieferten Dachreiter einen belebenden Akzent erhält. Die an der Straße gelegene Stirnseite [Bild rechts] ist dreiachsig und nimmt den Haupteingang auf.

Das Portal [Bild links – Quelle: link alsace.bossue.free.fr] rahmen zwei ionische Pilaster, die ein nach oben aufgebogenes Gebälk tragen. Die reiche Kartusche über der Tür durchstößt den Architrav und tangiert die Frieszone des Gebälks. Zwei Vasen, die ein Giebelfeld rahmen, bilden den oberen Abschluß. Das Portal flankieren im Untergeschoß sitzende fein profilierte Querovalfenster, über denen ein kartuschenbesetztes Klammermotiv angebracht ist. Hauptportal und Ovalfenster tragen die aufwendigste Dekoration am Äußeren nicht nur dieser, sondern aller um dieselbe Zeit errichteten Kirchen der Grafschaft Saarwerden und ghen zweifellos auf einen Entwurf Stengels zurück. Wenn wir unsvor Augen halten, daß Stengel ganz ähnliche Fenster- und Portalformen in Saarbrücken am Schloßplatz und Ludwigsplatz verwendete, so kommt dergestalt ausgeschmückten Elementen an dem im übrigen schlichten Bau Harskirchens der Rang von Hoheitsmotiven zu: Es manifestiert sich darin zweifellos die dem Gebäude zugedachte Rolle, zum repräsentativen Charakter der Oberamtsstadt beizutragen.¹

Wesentlich einfacher sind die Lägsseiten gehalten. In der Mitte von fünf Fensterachsen sind die Portale eingelassen, deren westliches ein dem Haupteingang entlehntes Formengut zeigt, das jedoch in der Ausführung vergröbert scheint. An die Stelle der ionischen sind toskanische Pilastergetreten. Die Kanten des Baus betonen gefugte Quaderbänder, die gegenüber den verputzten Flächen des Bruchsteinmauerwerks leicht vorspringen.

Typologisch wird in Harskirchen der Bau von Hirschland modifiziert wiederaufgenommen. Den Inenraum [Bild rechts – Quelle: link www.eschringen.de] umzieht auf drei Seiten eine Empore, die auf den Altarraum hin orientiert ist. Vor der südlichen Schmalwad sind die Hauptstücke in axialer Übereinanderordnung zum Kanzelaltar vereint. Die Kanzel aus Holz ist so hoch an er Wand fixiert, daß man darunter bequem zur Sakristei gelangen kann. Den Kanzelkorb begleiten zu beiden Seiten Rokokoschnitzereien, die auf die Wand geschraubt sind; im Grunde tauchen sie hier genauso unvermutet und versatzstückartig auf wie die Ornamentierung des Hauptportals. Doppelvoluten laufen zur Bekrönung des Schalldeckels zusammen. Davor schwebt ein Engelpaar, das wohl ein Spruchband halten sollte. Der von der Kanzel isoliert stehende Altar gehört mit seinem kurvig geschweiften Umriß zum aufwendigeren Typus der Kommodenaltäre und erinnert damit deutlich an die wenige Jahre später für die Ludwigskirche gefundene Form.

Auf zehn toskanischen Säulen ruht die Empore; die beiden unmittelbar vor der Südwand stehenden sind allerdings eine spätere Zutat [...]. An Stelle von Säulen treten auf der Nordseite zwei Pfeiler. Mit einem weiteren rückwärtigen Pfeilerpaar stützen sie die weiter vorgezogene Empore mit ihrer Orgel. Mit ihrem reich verzierten Prospekt paßt sich die aus der Erbauungszeit stammende Orgel dem Kanzelaltar an und bildet zu ihm ein gleichwertiges Gegenüber. Eine Flachdecke über Hohlkehlen bildet den oberen Raumabschluß.

Eine Folge von Fresken gibt dem Raum eine besondere Bereicherung. Über der Empore bleiben neben den Fenstern der Langseiten je sechs Wandabschnitte stehen. In konsequenter Ausnutzung dieser Situation dienen die Wandpfeiler als Bildträger zur Darstellung der zwölf Apostel.

Der Grundriß zeigt eine dichte Bestuhlung [keine Abbildung]. Die Bankreihen auf der Empore steigen tribühnenartig zur Wand an und laufen genau wie unter der Empore in Querrichtung zur übrigen Saalorientierung. Der Freiraum hinter dem Altar umläuft eine Bank, die in der Vertäfelung der Ost-, Süd und Westseite ihre Rückenlehne besitzt. Interessant ist die Tatsache, daß sich auf beiden Seiten vergitterte Familienstühle befanden, wie sich aus den vorhandenen nsatzspuren an Wand und Säulen erschließen läßt.

Als Leiter der Bauarbeiten in Harskirchen ist der Stengelsche Werkmeister Dodel überliefert. Stengel dürfte bei der Planung beaufsichtigend teilgenommen haben; ihm ist die Gesamtkonzeption zuzuschreiben.

1 – R. Saam, Beiträge zur Gesch. der Stengelkirche in Harskirchen, in: Saarbr. Hefte20, 1964, S. 159-165. Dort weitere Literatur. S. 160f.wird die Rangordnung der Portale geschildert, wie sie heute noch der Bevölkerung bekannt ist.

Quelle: Hans Christoph Dittscheid, Evangelischer Kirchenbau in Nassau-Saarbrücken, in: Die Evangelische Kirche an der Saar, S. 139ff.

F.J. StengelCanal des Houillères de la Sarrewww.saarlandbilder.de